Die Friedbergbahn bei Suhl

Schleusingen und Suhl liegen rund 12 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Mit dem Auto legt man über die Autobahn 73 eine Strecke von 18 Kilometern zurück, die in rund einer Viertelstunde zu bewältigen ist. Bei diesen Zahlen ist es kaum zu glauben, dass es früher eine Bahn gab, die in ihrer Anfangszeit bis zu 70 Minuten benötigte, um ihre Passagiere von Suhl nach Schleusingen zu befördern.

Im Jahr 1911 fuhr zum ersten Mal ein Zug auf der Eisenbahnstrecke. Der Namen Friedbergbahn stammt vom Friedberg, der sich am südlichen Suhler Stadtrand erhebt und der Bahnstrecke wie ein riesiger Fels im Weg lag. Denn damit machte der Friedberg die Bahnstrecke zur steilsten in Deutschland. 144 Höhenmeter musste die Bahn, die am Suhler Bahnhof abfuhr und nach rund fünf Kilometern das Gipfelplateau des Friedbergs erreichte, überwinden. Daher wurde sie bereits nach zweieinhalb Kilometern durch ein Zahnstangensystem unterstützt, mit dem sie die rund siebenprozentige Steigung meistern konnte.

Unterwegs auf alten Gleisen

Doch das Zahnradgestänge wurde Ende der 1920er Jahre entfernt, und die mittlerweile schwereren Züge mussten die Steigung nun entweder allein überwinden oder wurden von anderen Lokomotiven geschoben. Bis zur Einstellung des Personenverkehrs im Jahr 1997 reduzierte sich die Fahrzeit damit auf immerhin nur noch 25 Minuten. Zwei Jahre später gab man die Bahnstrecke komplett auf und überließ sie ihrem Schicksal, das darin bestand, von Grün überwachsen zu werden.

In jüngerer Zeit erinnerte man sich wieder an die Friedbergbahn und ist heute bemüht, die steilste Bahnstrecke Deutschlands wieder freizulegen und mit Museumszügen zu befahren. Ein erster Bauzug war bereits zwischen dem Friedberg und Schleusingen unterwegs. Nun fehlt nur noch der steile Abschnitt nach Suhl hinab.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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