Der Meteorit von Meuselbach

Schritttempo fahren auf den nächsten 100 Metern – Unfallgefahr. So warnt ein Schild, wenn man sich dem Zielort nähert. Was für eine Ironie, denn der Grund, weswegen man überhaupt hier in den abseits gelegenen Wald unterwegs ist, hatte sicherlich eine deutlich höhere Geschwindigkeit. Der Meteorit von Meuselbach wurde bekannt, weil er der erste Meteorit war, dessen Flugbahn live beobachtet werden konnte. Dass solche Beobachtungen bis heute noch ein großer Zufall sind, zeigen die Videoaufnahmen von Kameras auf russischen Armaturenbrettern, die im Jahr 2013 in Tscheljabinsk einen Meteoriten aufzeichneten.

Es war nebelig, diesig und feucht, als über dem Thüringer Wald am 19. Mai 1897 ein Meteorit niederging. Ein Mädchen war am Abend, gegen viertel vor acht, noch auf dem Feld beschäftigt, als der Besuch aus dem Weltall nur vier Meter über ihrem Kopf entlangflog und wenig später mit einem gewaltigen Krachen in die Erde einschlug. Der Aufprall soll noch in 40 Kilometern Entfernung zu hören gewesen sein.

Deep Impact in Thüringen

Das Geschoss hinterließ einen Krater mit einem Durchmesser von rund 20 Zentimetern und wurde schon kurz nach dem Einschlag geborgen. Dabei soll sich der Meteorit noch warm angefühlt haben, doch schon eine Viertelstunde nach dem Ereignis war er auf Umgebungstemperatur abgekühlt. Heute befindet sich ein Teil des Meteoriten in der Mineralogischen Sammlung in Jena.

Der Stein, der aus Richtung Nordnordost geflogen kam, gehörte mit einem Gewicht von 870 Gramm zu den kleineren Meteoriten, die bisher auf Deutschland niedergingen. Außerdem war er nicht der erste, der sich den Thüringer Wald als Landeplatz ausgesucht hat. Schon 43 Jahre vor diesem Impakt fand man in Tabarz einen Meteoriten. Mit 150 Gramm war dieser aber noch deutlich kleiner. Wer sich übrigens zur exakten Einschlagstelle begeben möchte, der folge seinem GPS-Gerät zu den Koordinaten 50.566673, 11.099978. Aber bitte in Schritttempo.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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