Der Liquidchronometer von Ilmenau

Zeit ist das, was man an der Uhr abliest. So sagte es einst der Physiker Albert Einstein. Und der muss es ja wissen, immerhin schuf er die Relativitätstheorie, die sich mit der Struktur von Raum und Zeit befasst. Aber ob er in Ilmenau auch die Zeit von der Uhr ablesen könnte, ist nicht geklärt. Denn auf dem Wetzlarer Platz befindet sich eine ganz besondere Uhr, die es in dieser Form nur ein einziges Mal auf der Welt gibt. Der Liquid-Chronometer wurde anlässlich des Tags der Deutschen Einheit im Jahr 2004 vom Verein Ilmenauer Glastradition e. V. gebaut und aufgestellt. Die Uhr soll an die lange Tradition der Glasindustrie in Ilmenau erinnern.

Hinter einer Glastür verbergen sich drei aufrecht stehende Glasröhren. Jede dieser Röhren ist mit einer blauen Flüssigkeit, ähnlich einem Frostschutzmittel gefüllt. Die Röhre mit dem größten Durchmesser zeigt mit dem Pegelstand die Stunde an. Von der mittleren Röhre liest man die Minuten ab, und das schmalste Glasrohr ist der Sekundenzeiger des Liquid-Chronometers. Kein Wunder, dass die Flüssigkeit in diesem Röhrchen ständig in Bewegung ist. Angetrieben wird die Funkuhr von einem unterirdischen Pumpensystem.

Die Zeit läuft

So modern diese Uhr auch wirkt, eine Zeitmessung mit Flüssigkeiten ist schon aus dem alten Ägypten bekannt. Im antiken Griechenland nutzte man eine sogenannte Klepsydra zum Beispiel vor Gericht. War das Wasser einer vollen Schale komplett in eine vorher leere Tasse geflossen, war die Redezeit von Klägern und Angeklagten beendet. Auch in der polnischen Sprache gibt es eine Klepsydra, doch bedeutet das Wort dort Sanduhr.

Aber ob Sand oder Wasser – das Prinzip ist ähnlich. Eine Sitzbank rund um den Ilmenauer Liquid-Chronometer bietet die Möglichkeit, sich die Zeit zu nehmen und zu beobachten, wie selbige vergeht. Und Einstein hätte seine Freude daran, zu sehen, wie Zeit im wahrsten Sinne des Wortes fließen kann.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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