Ein trauriges Kapitel deutscher Geschichte ist die Teilung des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg in die damalige BRD und DDR, von der auch der Thüringer Wald stellenweise betroffen war. Zwar verlief die innerdeutsche Grenze nicht direkt durch das Mittelgebirge, so wie es weiter nördlich im Harz geschah, der bis zur Grenzöffnung im Jahr 1989 nicht durchgehend durchquert werden konnte, doch auch die Region des Thüringer Waldes berührte zumindest die Grenze.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Im Norden war es von Eisenach nicht weit bis zur Werra, wo bei Hörschel der Rennsteig beginnt und es nur noch wenige Gehminuten bis zum Kolonnenweg gewesen wären. Im Süden war besonders Probstzella betroffen, da sich dort ein Grenzbahnhof für die Bahnstrecke Berlin-München befand und alle Ein- und Ausreisenden dort kontrolliert wurden.
Zum Glück sind diese Zeiten vorbei
Im Westen machte die Grenze aus Sicht der Bewohner des Thüringer Waldes noch einen Schlenker und schloss auch Teile der Rhön mit ein. Doch es existierte ja nicht nur die Grenze allein, sondern auch die damit verbundene Sperrzone, die bis zum Jahr 1972 bis zu fünf Kilometer landeinwärts reichte. Bewohner der Sperrzone hatten einen speziellen Stempel in ihrem Ausweis, und um Besucher aus dem eigenen Land, vielleicht sogar nur aus dem Nachbarort, empfangen zu können, mussten Passierscheine ausgestellt werden.

Der Kolonnenstreifen der fast 1.400 Kilometer langen Grenze zwischen den beiden deutschen Ländern ist ein Relikt aus dieser Zeit und noch heute stellenweise sichtbar. Dieser besteht aus löchrigen Betonplatten, auf denen die Grenzsoldaten der DDR mit ihren Trabis die Grenze sicherten. Manche Touristen versuchen, die Strecke mit dem Fahrrad oder zu Fuß zu absolvieren. Doch leider ist sie durch die Schlaglöcher zwar authentisch, aber nicht für Radfahrer geeignet, und selbst Wanderer müssen aufpassen, nicht ständig umzuknicken. Doch heute zieht sich die ehemalige Grenze als Grünes Band Deutschlands durch die Wälder und bildet einen wunderbaren Naturraum. Damit ist das traurige Kapitel glücklicherweise beendet.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
Die Weltenbummler – ältester deutschsprachiger Reiseblog (seit 2000)


