Der Grenzadler bei Oberhof

Der Grenzadler bei Oberhof ist ein markanter Ort. Ein Treffpunkt für Sportler. Ein Parkplatz für Touristen. Ein Etappenziel für Wanderer auf dem Rennsteig. Doch wird dem eigentlichen Vogel, nach dem der Platz benannt ist, bei all dem Trubel um ihn herum kaum Beachtung geschenkt. Dabei steht er dort schon seit 1866, also lange bevor die Sportstätten in seiner Nachbarschaft errichtet wurden.

Errichtet wurde er als Grenzstein als der Kreis Schmalkalden an Preußen fiel. Der Stein ist mannshoch, nämlich genau 1,80 Meter, und an seiner Oberseite abgerundet, so wie es die preußische Verwaltung von Grenzsteinen forderte. Bis zur Preußenzeit befand sich dort ein Stein mit dem Wappen des Kurhessischen Löwen, der jedoch von den Preußen entfernt und durch das Wappen des Adlers ersetzt wurde. Ähnliche Grenzsteine aus Sandstein und mit gusseiserner Platte befinden sich übrigens auch in Bad Liebenstein, in Barchfeld und auch auf hessischer Seite.

Früher trennte er, heute ist er Treffpunkt

Auch in Mittelschmalkalden steht so ein Grenzadler. Dieser wurde im Jahr 2006 durch einen Freundeskreis reproduziert und wieder aufgestellt, um an die damalige Kleinstaaterei zu erinnern. Östlich vom Oberhofer Grenzadler, direkt am Wegesrand des Rennsteigs, erinnern hingegen zwei Denkmäler an den Luftkampf über Thüringen im Zweiten Weltkrieg.

In den letzten Jahren sind zahlreiche Sportstätten und Bauwerke rund um den Grenzadler hinzugekommen. Ein Grenzstein ist er natürlich nicht mehr, dafür jedoch ein beliebter Treffpunkt für eine Einkehr in der Thüringer Hütte oder in der Schanzenbaude. Auch als Ausgangspunkt für eine kurze Wanderung zum Schützenbergmoor oder zum Rondell dient der Grenzadler heute. Auf dem Weg dorthin passiert man übrigens einen weiteren Grenzstein. Der Stein 16 oder auch Dietzel-Geba-Stein markierte die Grenzen zwischen Sachsen-Gotha, Hessen und Sachen, noch lange bevor es die Preußen gab.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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