Der Brandleitetunnel im Thüringer Wald

Wer sich etwas Zeit für eine Zugreise nehmen möchte, der sollte in Erfurt in den Regionalexpress einsteigen und mit diesem nach Schweinfurt fahren. Die Fahrt dauert etwas weniger als zwei Stunden, und man kommt durch so schöne Orte wie Arnstadt, Oberhof, Suhl und Bad Neustadt an der Saale. Doch einer der Höhepunkte dieser Zugverbindung dürfte die Fahrt durch den Brandleitetunnel sein.

Der Tunnel ist etwas über drei Kilometer lang und unterquert die bewaldeten Berge des Thüringer Waldes in Ost-West-Richtung. An seinem östlichen Portal befindet sich der Bahnhof von Gehlberg, während man nur wenig später den Bahnhof des Wintersportorts Oberhof erreicht. Hier lohnt es sich, auszusteigen und den Bahnhof mit seinem charmanten Flair vergangener Tage zu betreten. Zudem hat man von Gleis 2 einen wunderbaren Blick auf die Tunneleinfahrt des Brandleitetunnels, während linkerhand der Pfannbach plätschernd die steile Felswand herabfällt und durch einen Kanal weiter nach Zella-Mehlis geleitet wird.

Mit dem Zug durch den Berg

Nach dreijähriger Bauzeit fuhr im August 1884 der erste Zug durch den Brandleitetunnel. Da man damals noch mit einer Dampflok reiste, führte das dazu, dass nachfolgende Züge oft in einen völlig verqualmten Tunnel einfuhren. Möglich ist dieses Erlebnis auch heute noch mit dem Rodelblitz, der in den Wintermonaten als Sonderzug zwischen Eisenach und Arnstadt durch die romantisch verschneite Landschaft schnaubt.

Eine Besonderheit des Brandleitetunnels folgte jedoch erst zur Wende zum 21. Jahrhundert, als in unmittelbarer Nähe Deutschlands längster Autobahntunnel gebaut wurde. Beide Tunnel sind nämlich an der engsten Stelle nur rund sechs bis sieben Meter voneinander entfernt und kreuzen sich kurz nach der Einfahrt von Oberhof aus. Bei einer Wanderung durch den Thüringer Wald kann man also an der Position 50.685019, 10.717912 exakt über zwei verschiedenen Tunneln stehen.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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