Das Weltkriegsmuseum in Danzig

Eine der Sehenswürdigkeiten, die man sich in der polnischen Hafenstadt Danzig unbedingt anschauen sollte – sogar eigentlich muss – ist das Weltkriegsmuseum in der Altstadt. Es ist das erste dieser Art in Polen und wurde erst im Jahr 2017 eröffnet. Eigentlich heißt es „Museum des Zweiten Weltkriegs“ (auf Polnisch Muzeum II Wojny Światowej), aber es behandelt eben auch die Vorgeschichte.

Und genau das fand ich bei unserem Besuch der Ausstellung überraschend: Da wir aus beruflichen Gründen viel mit der Geschichte des Zweiten Weltkriegs zu tun haben und mehr als nur die Basisdaten in- und auswendig kennen, haben wir zumindest für uns nicht viel erwartet. Daher nahmen wir auch an, dass wir relativ schnell durch das Museum gehen würden. Zumindest das war ein Irrtum.

Bereits im ersten Ausstellungssaal wurde schnell klar, dass der Aufenthalt im Weltkriegsmuseum länger dauern könnte. Denn dort lief zunächst mal ein Film über den Ersten Weltkrieg – sozusagen als einleitende Info für all das, was danach noch kam. Alleine dieser Film auf einer Großleinwand dauerte schon mehrere Minuten. Und damit hatte man erstmal grundsätzliches erfahren.

Auch die Infos in dem Film waren uns nicht neu. Doch so früh zu Beginn eines Museumsbesuchs ist man natürlich noch aufmerksam und wartet geduldig bis zum Ende des Films ab. Später, im Laufe der weiteren Besichtigung des Museums, kürzten wir dann auch schon mal einige Dinge ab. Kein Wunder, es waren wirklich unfassbar viele Informationen zusammengefasst und das auch noch bei einer außerordentlich gut dargestellten Weise.

Wir wurden im Laufe der Zeit immer schneller, lasen schon bald gar nicht mehr alle Infos durch und brauchten dennoch mehr als eine Stunde, um im Schnelldurchgang durch das Weltkriegsmuseum zu gelangen. Wirklich jedes Thema, das zum Zweiten Weltkrieg gehört, wurde informativ beleuchtet. Es ging nicht nur um Opfer und Täter und den geschichtlichen Ablauf, sondern auch um so Dinge wie der Alltag im Zweiten Weltkrieg oder auch Werbung, um junge Menschen zum Kriegsdienst einzuziehen.

Ein wichtiges Thema war selbstverständlich auch der Holocaust, der ebenfalls ausführlich betrachtet wurde und wer schon einmal in einer KZ-Gedenkstätte war, weiß, was das bedeutet. Teile des Museums waren außerdem wie bombardierte Straßenzüge nachgebaut, so dass das Gefühl des Krieges viel näher gebracht wurde.

Und nicht zu vergessen ist natürlich die Tatsache, dass der Zweite Weltkrieg zwar in Europa im Mai 1945 endete. Doch im Pazifik wurde er noch Monate weitergeführt und gipfelte mit dem Abwurf der beiden Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Auch hier hat man das Thema geschickt verpackt – wenn man das so nennen kann. Man kommt als Besucher von einer relativ dunklen Halle in einen sehr kleinen, aber extrem hell beleuchteten Raum. In diesem hängt an einer Decke die Nachbildung einer Atombombe und schon wird klar, dass diese helle Beleuchtung den Eindruck eines Atomblitzes widerspiegeln soll.

Ganz zum Abschluss gibt es noch ein sehr gut gemachtes Video, dass die Nachkriegszeit vorführt. Und zwar auf zwei Bildschirmen. Einer steht für die Nachkriegszeit aus westlicher Sicht, der andere für die Sicht des kommunistischen Ostens. Dass diese Videos auch aktuelle Ereignisse aufgriffen, zeichnete sich außerdem aus.

Von meiner Seite aus gibt es auf jeden Fall eine klare Empfehlung für den Besuch des Museums des Zweiten Weltkriegs in Danzig. Ich hatte den Eindruck, wenn eine Person wirklich keinerlei Wissen über den Zweiten Weltkrieg besitzt, kann sie hier alle Informationen anschaulich erwerben. Aber dann muss man auch viel Zeit mitbringen. Passend dazu kann man anschließend natürlich noch zum Danziger Hafen fahren, wo auf der Westerplatte der Zweite Weltkrieg begann.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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