Thüringen, holdes Land, wo meine Wiege stand, Frühling ist überall, Freude und Lust. So beginnt die Hymne des Bundeslandes Thüringen. Sie wurde in Weimar komponiert, hat aber keine staatsrechtliche Bedeutung. Und – das muss man einfach so sagen – kaum einer kennt sie. Besonders im Thüringer Wald hat ein ganz anderes Lied eine viel größere Bedeutung. Das Rennsteiglied wurde vom Suhler Lehrer Karl Müller getextet. Dieser wurde später mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Sein langjähriger Freund Herbert Roth, ebenfalls aus Suhl stammend, komponierte dazu die Melodie.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Das Lied handelt in drei Strophen vom Wandern auf dem Rennsteig und beschreibt, wie schön es ist, sich zwischen Buchen, Fichten und Tannen jodelnd durch den Thüringer Wald zu bewegen. Das »schönste Plätzchen dieser Welt« wird im Refrain als Sehnsuchtsort besungen, wenn man in der Welt unterwegs ist.
Singend auf dem Wanderweg
150 begeisterte Menschen lauschten am 14. April 1951 den Klängen des Rennsteigliedes, das in Hirschbach zum ersten Mal gespielt wurde. Herbert Roth sang es zusammen mit seiner langjährigen Gesangspartnerin Waltraut Schulz und stellte das Lied damit dem Publikum vor. Der Ort dieser ersten Darbietung war das Gasthaus »Zum goldenen Hirsch«, das in der Wende zum 20. Jahrhundert als Fachwerkhaus errichtet wurde. Bis zum Ende der DDR war der Gasthof das kulturelle Zentrum des Dorfes.

Jede größere Familienfeier und jede Dorfkirmes fand im oder am damaligen Gemeindesaal statt. Erst im Jahr 2008 musste das Gasthaus Insolvenz anmelden und wurde zwei Jahre später von den heutigen Besitzern wiedereröffnet. Die Geschichte des Hauses wurde dabei aber glücklicherweise nicht vergessen. Das Restaurant im Untergeschoss trägt nicht nur den Namen Herbert Roth, sondern beherbergt auch eine Wand mit historischen Fotos und Erinnerungen an die beiden Väter des Rennsteigliedes, Herbert Roth und Karl Müller.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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