Architektur in Suhl

Man muss einfach mal sagen dürfen: Es gibt schönere Stadtzentren als das von Suhl. In vielen anderen Ortschaften schlendert man auf Kopfsteinpflaster oder auf restaurierten Wegen zwischen Fachwerkhäusern und historischen Fassaden. Nur nicht in Suhl. Hier wird der Besucher geradezu von Beton erschlagen.

Suhl sah natürlich nicht immer so aus. Die Stadt hatte mal einen historischen, sehenswerten Kern. Doch das ist lange her. Wenige Jahre nach der Gründung der DDR entschied die Staatsführung, das Stadtzentrum komplett neu zu gestalten. Man beauftragte den Architekten Hermann Henselmann Suhl mit Plattenbauten im sozialistischen Stil zu überziehen. Das tat er auch, und so entstanden die Wohnhochhäuser sowie die Stadthalle der Freundschaft, die im Jahr 1972 fertiggestellt wurde. Sie bot 5.000 Zuschauern Platz und wurde nach der Wende modernisiert.

Manches ist gewöhnungsbedürftig

Seither dient sie als Multifunktionshalle für Messen, Shows, Bälle und als Kongresshalle. Im heutigen Congress Center Suhl, kurz CCS genannt, befindet sich außerdem die Touristinformation und das Otilienbad, in dem Wasserratten ganz auf ihre Kosten kommen.

Zwischen den Wohnhochhäusern und dem Congress Center wirkt das hübsche Fachwerkgebäude des Waffenmuseums fast schon deplatziert. Und links neben dem Congress Center erhebt sich am Ende der Straße noch ein Hotelgebäude mit 17 Etagen. Es hätte heute das Wahrzeichen der Suhler Skyline sein können, denn es hatte sogar einstmals 26 Etagen und ragte über alle anderen Häuser der Stadt hinaus. Doch nach langem Leerstand nach der Wende trug man die oberen Etagen ab und gestaltete das damalige Wohnhaus zu einem Hotel um. Wer heute lieber ohne Betonbauten durch Suhl schlendern möchte, der sollte sich übrigens zum Steinweg begeben, wo sich das sehenswerte Rathaus mit seiner klassizistischen Fassade befindet.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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