Der Thüringer Wald – ein Hort von Meuchelmördern, Gewalttätern und Wegelagerern. So hätte es wohl vor vielen Jahrhunderten in der einschlägigen Reiseliteratur gestanden, und man hätte sicherlich davor gewarnt, sich hierher zu begeben. Zumindest könnte man das meinen, wenn man sich mit den Sagen und Legenden zum Possenröder Kreuz befasst.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Doch bleiben wir zunächst einmal bei den Fakten. Das Possenröder Kreuz ist ein in Stein gehauenes Malteserkreuz an der Kreuzung eines Waldwegs mit dem Rennsteig. Es befindet sich kurz vor dem 41. Kilometer des legendären Fernwanderwegs. Würden die Ortschaften Brotterode, Finsterbergen, Kleinschmalkalden und Tambach-Dietharz ein Rechteck bilden, wäre das Possenröder Kreuz ungefähr der Mittelpunkt. Doch eine rein geografische Bedeutung hat das Kreuz wohl nicht. Vermutlich, aber sicher kann einem das niemand sagen, denn keiner weiß, warum das Kreuz dort steht und seit wann.
Keiner weiß, wo es herkommt
Gerne wird im Volksmund die Legende vom Postkutschenfahrer weitergegeben. Dieser habe den Thüringer Wald an der Stelle durchquert und sei von Banditen ermordet worden. Ganz so abwegig ist die Vermutung nicht, denn früher wurden Post und Waren mit Fuhrwerken über die Höhen des Mittelgebirges transportiert, und die Wege waren bei Weitem nicht so gut ausgebaut wie heute. Es war keine Seltenheit, dass solche Transportwege zu Tatorten wurden. Auch in vielen anderen Regionen sind auch heute noch Gedenksteine an solchen Wegkreuzungen zu finden.

Doch es gibt natürlich Thüringer, die ihren Wald nicht in diesem schlechten Licht sehen möchten und sich an einer anderen Theorie versucht haben. Demnach sollen Benediktinermönche aus Reinhardsbrunn das Kreuz aufgestellt haben, um an ihre Existenz zu erinnern. Diese war vor Jahrhunderten stark gefährdet, als die Mönche aus den umliegenden Wäldern vertrieben wurden.
Warum auch immer dieses Kreuz aufgestellt wurde, es bietet Anlass zu Spekulationen, die man in der benachbarten Picknickhütte ausgiebig diskutieren kann.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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