»Hast du die ganze Nacht gezecht, kommt dir der Pummpälz gerade recht.« So ist es in einen Baum geritzt, der in der Hintergasse von Gumpelstadt neben einer Brücke an einem kleinen Wasserlauf steht. Der Pummpälz ist eine Art Troll, ein Kobold, ein Gnom, ein Wichtel. Ein Zwerg mit großen Füßen.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Zum ersten Mal wurde der Pummpälz in einer Sage aus dem 19. Jahrhundert namentlich erwähnt. Der Bad Salzunger Mundartdichter Ludwig Wucke schrieb zahlreiche Thüringer Sagen nieder und beschrieb das Wesen als rauhaarigen Kobold, der Wanderern, insbesondere denen, die nachts unterwegs waren und vermutlich vom Gasthaus nach Hause torkelten, auf die Schulter sprang.
Der Kobold am Wegesrand
Mit ein paar Ohrfeigen begrüßt er sie und lässt sich ein Stück des Weges mitnehmen. Das ist zwar nicht die feine Art, aber was soll man von einem frech grinsenden Troll auch anderes erwarten? Außerdem hat es der Pummpälz damit zu einem gewissen Bekanntheitsgrad gebracht. Denn im Jahr 2001 beschloss man, einen weiteren Wanderweg durch den Thüringer Wald anzulegen, der nach dem Gnom benannt wurde.

Ein Jahr später war es dann so weit. Sogar der damalige thüringische Ministerpräsident Bernhard Vogel war anwesend und eröffnete feierlich den Pummpälzweg. Ob ihm der Namensgeber auf die Schulter sprang und ihn ohrfeigte, ist jedoch nicht überliefert. Der Pummpälzweg ist 28 Kilometer lang und beginnt am Fuße der Wartburg in Eisenach. Über die Hohe Sonne verläuft er durch Ruhla und am Forsthaus Kissel vorbei, bis er in Gumpelstadt auskommt, von wo aus es nicht mehr weit bis zum Ziel in Bad Salzungen ist. Entlang des Weges befinden sich zahlreiche geschnitzte Skulpturen, die ebenfalls Figuren aus Thüringer Sagen darstellen. Einige von ihnen stammen ebenfalls aus den Geschichten Ludwig Wuckes. Außerdem gibt es fünf digitalisierte Stempelstellen, an denen man sich einloggen kann, um am Ende eine Urkunde über den absolvierten Wanderweg zu erhalten.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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