Es gibt nicht mehr viele Überlandstraßenbahnen in Deutschland. Rund 30 Straßenbahnlinien können sich als solche bezeichnen. Die Thüringerwaldbahn ist dabei die Einzige im Bundesland Thüringen. Im Jahr 1929 wurde sie feierlich eingeweiht und erfreute sich schnell großer Beliebtheit. Über 20 Mal pendelten zehn Triebwagen auf der Strecke zwischen dem Thüringer Wald und dem fernen Gotha. Dort erhielt sie im Jahr 1958 die Liniennummer 4 und ist aus dem Stadtbild genauso wenig wegzudenken wie im deutlich kleineren Tabarz, wo sich der andere Endpunkt der Strecke befindet.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
Zwischen Gotha und Tabarz liegen exakt 21,7 Kilometer, die die Thüringerwaldbahn auf einer einspurigen Strecke zurücklegt. Das erste Dutzend der insgesamt 22 Haltestellen befindet sich noch auf dem Stadtgebiet Gothas und trägt die Namen Hauptbahnhof (obwohl die Deutsche Bahn ihn nicht als Hauptbahnhof klassifiziert), Bahnhofstraße, Orangerie, Huttenstraße, Gartenstraße, Bertha-von-Suttner-Platz, Myconiusplatz, 18. März-Straße, Ernststraße, Wagenhalle, Schöne Aussicht, Am ha we ge-Markt.
Mit der Straßenbahn durch den Wald
Nach Verlassen des Stadtgebietes rumpelt die Bahn mit maximal 60 Stundenkilometern durch die thüringische Landschaft und durchquert Sundhausen, Boxberg, Leina, Wahlwinkel, Waltershausen, Reinhardsbrunn und Friedrichroda und hält ein letztes Mal vor Tabarz an der Marienglashöhle. Ein bis zwei Mal in der Stunde verkehrt die Bahn von morgens bis abends und benötigt dafür exakt 59 Minuten.

Damit ist sie heute 11 Minuten schneller als 1944, als sie offiziell noch als elektrisch betriebene Schmalspurbahn bezeichnet wurde. Wer bereit ist, mehr als den üblichen Ticketpreis für die vier Tarifzonen auszugeben, der kann die Thüringerwaldbahn auch mieten. Mit einer Bar, einer Musikanlage und Sitzplätzen für 32 Personen wird sie auch als Partybahn für Familien- oder Betriebsfeiern angeboten.
Nachtrag: Mich persönlich erinnert diese Bahn übrigens stark an die Kirnitzschtalstraßenbahn in der Sächsischen Schweiz.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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