Wohnmobiltour in die Ardennen

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  • Am Karnevalswochenende wollten wir eigentlich nach Verdun fahren. Diese Gedenkstätte aus dem Ersten Weltkrieg kennen wir noch nicht. Von dort aus sollte die Reise zum Saarpolygon nach Saarlouis weitergehen.

    Aber irgendwie kam es anders. Oder anders gesagt: Für den Besuch der Gedenkstätte des Ersten Weltkriegs kam uns der Zweite Weltkrieg dazwischen. Wir starteten am Freitag in Nordkirchen und fuhren über das Hohe Venn in Belgien. In Eupen bestellten wir vorab in einer Bäckerei den dortigen leckeren Reiskuchen (gleich zwei Mal natürlich). Also fand unser erster Stopp in Eupen statt. Dort wollten wir eigentlich auch bei Carrefour einkaufen, doch die Worte meiner enttäuschten Frau waren: "Hier ist alles noch auf Deutsch. Es gibt keine französischen oder belgischen Produkte". Ja, Eupen liegt in der deutschsprachigen Region Belgiens und es leben dort ja auch viele Deutsche. So war der Einkauf bei Carrefour nichts anderes als bei Edeka gleich um die Ecke. Nö, das gefiel uns nicht.

    Also fuhren wir nach Malmedy, um dort bei Carrefour etwas "französischer" einzukaufen. Die gesamte Zeit hatten wir Regen und der unterbrach seine Arbeit nur für einen kurzen Augenblick, als wir am Signal de Botrange standen. Den höchsten Punkt Belgiens kannten wir schon gut und nutzten die Regenpause für einen kleinen Spaziergang durch das Venn. Geplant war eigentlich eine längere Wanderung, doch das Wetter war uns zu unsicher.

    Blick ins Venn


    Der höchste Punkt Belgiens. Damit man wirklich auf 800 Meter Höhe kommt, gibt es eine Treppe.


    Wir lieben Spaziergänge auf Holzbohlenwege.


    Weil die Tour nun etwas anders verlief, planten wir einen weiteren neuen Zwischenstopp in Monschau ein. Wir wollten Printen kaufen. Wenn man schon mal in der Region ist... Also fuhren wir zur sogenannten Perle der Eifel, stellten das Wohnmobil auf dem dortigen Stellplatz ab und spazierten in die Stadt hinab. Da wir Monschau in- und auswendig kennen, war der Besuch nur ein kurzes Ereignis:


    Übrigens: Auf dem Wohnmobilstellplatz in Monschau würde ich niemals übernachten. Er befindet sich in einer engen Spitzkehre bzw. Kurve einer Bundesstraße. Das heißt, die Straße führt praktisch einmal fast ganz um den Stellplatz herum. Das brauche ich nicht.


    Wir entschieden uns für den Wohnmobilstellplatz Weißer Stein auf deutscher Seite, nur wenige Meter von der belgischen Grenze entfernt. Dort wurden wir freundlich begrüßt und hatten eine ruhige Nacht bei -4° Celsius.

    Die Aussicht vom Aussichtsturm fiel aus, wie man sieht. Und ganz rauf sind wir sowieso nicht gegangen. Dafür war uns der Metallturm zu sehr vereist:


    Nun wollten wir eigentlich ganz entspannt nach Verdun fahren, wo wir laut Öffnungszeiten im Februar zwischen 14 und 16 Uhr Einlass im Beinhaus bekommen hätten. Doch auf dem Weg liegt noch Bastogne auf belgischem Gebiet.

    Und Bastogne ist ein wichtiger Ort während der Ardennenschlacht im Zweiten Weltkrieg gewesen. Er gilt auch als Endpunkt der Voie de la Liberté, die in Sainte Mère Église in der Normandie beginnt. Die Soldaten des D-Days kämpften sich von den Stränden der Normandie durch Nordfrankreich bis Bastogne. Hierzu empfehle ich auch die Serie "Band of Brothers", die über die Easy-Kompanie erzählt.

    Auf der Voie de la Liberté findet man 1147 solcher Säulen, für jeden Kilometer einen. Ich kann das nicht garantieren, aber so heißt es. Wir kennen nur die ersten von den Stränden der Normandie, wo wir uns im letzten und vorletzten Jahr ausgiebig umschauten sowie die letzten beiden in Bastogne. Dieser hier ist der Endpunkt.

    Im Hintergrund der Säule befindet sich das 2014 eröffnete Museum zur Schlacht von Bastogne. Dieses kannten wir noch nicht, weil wir 2010 zuletzt vor Ort waren.

    Damals wie heute besuchten wir das dortige, riesige Memorial. Damals konnten wir auch auf das Dach gehen. Heute ist alles eingezäunt. Ich weiß nicht, ob das der Saison geschuldet ist oder ob das nun generell so ist, weil es eben sowieso ein großes Museum gibt.

    Beim Museum waren wir unschlüssig. Wir wussten nicht, was uns erwartet und es kostet 28 Euro Eintritt pro Person. Außerdem wollten wir ja eigentlich weiter nach Verdun. Da ich zugegebenermaßen das Privileg des freien Eintritts durch Presseausweis bekam, entschieden wir uns spontan fürs Bleiben. Verdun wird irgendwann nachgeholt.

    Und es lohnt sich. Es hätte sich sogar für den vollen Eintrittspreis gelohnt. Wir bleiben alleine in diesem Museum rund vier Stunden, obwohl wir die Thematik eigentlich sehr gut kennen. Aber die vier etwas längeren Filme, die man dort mit Audioguide auf Deutsch und in einem Fall sogar mit 3D-Brille zu sehen bekommt, hielten schon recht lange auf. Hier ein Beispiel:

    Ihr seht hier eine belgische Bar. Man nimmt rechts außerhalb des Bildes Platz und schaut in diese Szenerie. Die Straßenkulisse im Hintergrund sind Monitore und dort wurden Ereignisse gezeigt, so wie man sie aus der Bar heraus sehen würde. Zwischendurch wurde die Bühne mit der Kulisse des Kellers ausgetauscht, um den Eindruck erweckt zu bekommen, man suche Schutz vor den Bomben.

    Solche Sachen halt. Alleine hier dauerte die Vorführung gut 15 Minuten. Alles in allem hat uns das Museum sehr gut gefallen.

    Doch es ist nicht nur dieses eine Museum, sondern es gibt drei Ausstellungen. Dazu gehört also einmal das Museum am Denkmal sowie eine Ausstellung im Wald, die mit virtueller Realität mittels Smartphone funktioniert sowie die Ausstellung im ehemaligen Hauptquartier der Amerikaner im Stadtzentrum von Bastogne.

  • Für die Ausstellung im Wald reichte uns die Zeit nicht mehr. Aber mit dem Ticket hat man ein halbes Jahr Zeit, um das nachholen zu können. Wir wollten allerdings gerne noch in den späten Nachmittagsstunden das ehemalige Hauptquartier der Amerikaner besuchen. In diesem konnte man in die originalen Kellerräume. Dort wurden mittels Audioguide und Videos die Szenen nachgestellt, die bei der Belagerung der Deutschen stattgefunden hatten. Denn damals stellten die Deutschen den Amerikanern ein Ultimatum für eine Kapitulation. Die Amerikaner erwiderten dieses "Angebot" mit einem einzigen Wort: NUTS!

    Nuts ist daher das Motto dieser Ausstellung.

    Nachdem unser Plan natürlich komplett über den Haufen geworfen war, entschieden wir uns diesem Thema treu zu bleiben. So fuhren wir zunächst nach Luxemburg zum Wohnmobilstellplatz Fuussekaul (Fuchsbau), um die nächste Nacht zu verbringen:


    Am nächsten Tag besuchten wir im luxemburgischen Ettelbrück den General Patton-Platz sowie das kleine und bei Weitem nicht so moderne Patton-Museum:

    Und weil Luxemburg ja eher eine kleine Puppenstube ist, ist man von dort auch schnell am Mittelpunkt des Landes sowie ganz im Süden auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof nahe der Hauptstadt:

    William McGee war ein Soldat, der besonders gewürdigt wurde. So ein ähnliches Bild habe ich auch noch von 2010. Muss ich mal raussuchen.

    Inmitten der Soldaten liegt aber auch General Patton, dessen Wunsch es war, bei seinen gefallenen Kameraden bestattet zu werden. Patton starb übrigens wenige Monate nach Kriegsende bei einem Verkehrsunfall in Mannheim.


    Außerdem gibt es auf dem Friedhof fünf Gräber von Soldaten der Easy-Kompanie, die auf Grund der bereits erwähnten Serie "Band of Brothers" in einem Flyer des Friedhofs besondere Erwähnung finden. Natürlich haben wir alle fünf Gräber aufgesucht.

    Eigentlich wollten wir die letzte Nacht dann an der Mosel verbringen. Doch irgendwie war da zu viel Wasser, zu viele gesperrten Straßen durch Baustellen und zu viel Karneval. Daher setzten wir unsere Reise in die Eifel fort und übernachteten auf dem Stellplatz am Pulvermaar. Beim Bezahlen sagte ich zu meiner Frau: "Oh, schau mal, zwei Schneeflocken. Fängt es jetzt an zu schneien?". Eine halbe Stunde später sah es so aus:


    Es war eine schöne, kurzweilige Tour, bei der wir so ein wenig auch unseren eigenen Spuren wandelten, denn so ähnlich verlief einst eine Reise mit dem VW-Bus im Jahr 2010.

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