Von Tallinn nach München auf dem Landweg

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    • RE: Von Tallinn nach München auf dem Landweg

      Eigentlich wollte ich jetzt langsam mal anfangen, meine Tickets und Unterkünfte fix zu buchen. Nun habe ich mir am Wochenende einen Baltikum-Reiseführer ausgeliehen, und je mehr ich darin blättere, desto mehr Lust bekomme ich, in Litauen auch einen Stopp einzulegen. Das Land hat ja eine ganz andere Geschichte als Estland und Litauen und damit auch ganz andere Stadtbilder. Ich habe durchaus noch im Kopf, dass es dort deutlich "sowjetischer" zugehen soll als in den Nachbarländern - auch diverse Hotelbewertungen sprechen da eine deutliche Sprache. Trotzdem habe ich irgendwie das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn ich da einfach durchfahre.

      Also versuche ich mal, noch einen Tag in Vilnius dazwischen zu schieben. Das wird dann wohl auf Kosten von Warschau gehen. Dort habe ich dann statt 24 Stunden nur noch einen angebrochenen Tag übrig (und komme dann mit dem Nachtzug morgens wieder daheim an). Sehr viel anders wird es nicht gehen, weil es zwischen Vilnius und Warschau eigentlich nur eine für mich akzeptable Busverbindung pro Tag gibt, nämlich die Nachtfahrt. Aber was tut man nicht alles für einen ereignisreichen Urlaub :D.
    • RE: Von Tallinn nach München auf dem Landweg

      Hallo Alex,

      da bin ich schon beruhigt, denn ich habe kein geeignetes Hotel, das ich empfehlen kann.
      Was die Restaurants betrifft, gibt es so viel, dass es schwer ist, etwas auszuwählen. Die meisten sind ohnehin touristisch.
      Ich habe aber in keinem gegessen.
      Wie ich lese, hast Du nicht so viel Zeit :zwink: , vielleicht inspirieren dich aber die Bilder, die ich gepostet habe.
      Gruß T.
    • RE: Von Tallinn nach München auf dem Landweg

      Auch an dieser Stellte nochmal Danke für die Bilder. Da ist einiges dabei, was ich mir sicher ansehen werde.

      Inzwischen habe ich alle Unterkünfte und alle Tickets gebucht. Die Busse zu buchen war in der Tat so einfach wie die Online- Tickets der deutschen Bahn. Sogar den Sitzplatz konnte ich mir schon aussuchen. Jetzt geht es an die Detailplanung der einzelnen Stadtbesichtigungen. Dafür werde ich mir wohl eher nur ein paar wenige Ziele fest vornehmen und den Rest spontan vor Ort entscheiden. Es bleibt spannend...
    • RE: Von Tallinn nach München auf dem Landweg

      Na, ich bin mal gespannt, was du alles sehen wirst. Ich überlege immer noch, was es denn so geben könnte, aber momentan fällt mir nichts besonderes mehr ein. Ist ja auch schon wieder ein paar Tage her.
      Aber ich denke, ich werde in den nächsten Tagen nochmal ein paar Bilder aus Riga hervorkramen. Ich glaube, da habe ich noch etwas :)
    • RE: Von Tallinn nach München auf dem Landweg

      So, die Tour ist allmählich vorbei, und allmählilch sollte ich hier vielleicht noch ein wenig Feedback geben.
      Es war eine sehr schöne Tour, auch wenn sie gegen Ende (Vilnius, Warschau) ein wenig anstrengend wurde. Aber ich habe eine ganze Menge Eindrücke mitgenommen, und so hat sich die Reise für mich auch gelohnt.

      Hier mal ein paar Bilder von der Tour. Zu den einzelnen Städten schreibe ich in den Städte-Threads noch ein wenig mehr.

      Zunächst mal der Hinflug. Ich hatte mich schon gefreut, vom Fensterplatz aus die Aussicht zu genießen, aber während 90% des Fluges gab es da nur eine dichte Wolkendecke zu sehen. Mit einer Ausnahme:


      Hier sieht man die Insel Saaremaa vor der estnischen Küste.

      Dann ging es erstmal mit dem Bus ein Stück vom Flughafen Helsinki ins Hinterland:

      So flach, wie ich mir das Land vorgestellt hatte, ist es also gar nicht. Irgendwann ging die Autobahn dann sogar noch durch Tunnel...

      Zu Helsinki schreibe ich in einem separaten Beitrag noch etwas. Danach ging es mit der Fähre rüber nach Tallinn:


      Die Altstadt ist wirklich wunderschön und beeindruckend - allerdings auch sehr touristisch. Zu allem Überfluss war sie auch noch rappelvoll, als ich dort war, weil zu dieser Zeit gerade die "Altstadttage" (Vanalinna Päevad) stattfanden, die mit ihren hunderten von Kulturveranstaltungen nochmal massenweise Publikum anlockten. Nachdem das "Pflichtprogramm" vorbei war, habe ich mich dann auch in die Peripherie verzogen. Zu meiner Überraschung fand ich dann zwischen dem Jachthafen und dem Kloster Pirita das hier:

      Wer es nicht gleich erkennt: Hier kann man sein Elektroauto auftanken. Keine Ahnung, wie viele solcher Gefährte es in Estland gibt, aber einfach nur so aus Jux wird diese "Tanksäule" wohl nicht da stehen.

      Die nächste Etappe war die erste Fahrt mit einem der in diesem Thread angesprochenen Busse nach Riga. Über den Sitzabstand konnte ich mich nicht beklagen, und auch die Infrastruktur im Bus war in Ordnung:

      Es gab also tatsächlich ein WLAN im Bus, das auch fast während der ganzen Fahrt funktioniert hat. Ausname war ein kurzes stück hinter der lettischen Grenze, das wohl mobilfunktechnischn nicht ganz so gut erschlossen war.

      Dass ich mich in Riga von allen bereitsten Städten am wohlsten gefühlt habe, lag vielleicht auch daran, dass ich hier zwei Übernachtungen vor Ort hatte (Ankunft abends, Weiterfahrt am übernächsten Morgen). So konnte ich mich ausgeschlafen auf den Streifzug durch die Stadt begeben, hatte keine Sorge, mein Gepäck irgendwo unterbringen zu müssen, und konnte am Nachmittag auch mal für einen kurzen Mittagsschlaf ins Zimmer kommen.

      Der Bus-Komfort der letzten Etappe wurde auf der Weiterfahrt von Riga nach Vilnius noch übertroffen - obwohl es beides Busse von derselben Firma waren. Hier sah es aus der Passagier-Perspektive so aus:

      Hier gab es also tatsächlich ein Entertainment-System im Bus, wie ich es bisher nur von Langstreckenflugzeugen kannte. Man konnte sich Filme ansehen, Musik hören, Spiele spielen und ein paar mehr oder weniger nützliche Informationen abrufen. Das Smartphone hatte natürlich auch seinen gewohnten WLAN-Zugang.

      In Vilnius hatte ich nur ca. 10 Stunden Aufenthalt, weil meine nächste Übernachtung im Bus stattfinden sollte. Nach der Wechselstube (Tausch meiner übrig gebliebenen lettischen Lats gegen litauische Litas) suchte ich also erstmal nach einem Schließfach für mein Gepäck. Sowas war aber im ganzen Busbahnhof nicht zu finden. Statt dessen gab es am anderen Ende der Station noch den guten alten Gepäckaufbewahrungsschalter. Öffnungszeit bis 21 Uhr, d.h. ich musste über eine Stunde vor Abfahrt meines nächsten Busses schon mein Gepäck wieder rausholen, und diesen Termin durfte ich auf keinen Fall verpassen. Habe ich dann auch nicht, aber es war halt lästig.

      Die nächste Etappe, die Nacht-Busfahrt von Vilnius nach Warschau sah dann anders aus als die bisherigen. Hier habe ich nichts fotografiert, und im Grunde war das auch nicht nötig. Denn abgesehen von den hier ebenso vorhandenen Steckdosen und dem WLAN hatte ich hier wieder das gute alte Eurolines-Sardinenbüchsen-Gefühl. Offenbar gibt es die richtig komfortablen Busse nur auf den relativ kurzen Strecken (bis zu 4 Stunden Fahrtzeit), während auf den längeren Strecken (hier: 8 Stunden) die Leute mit ausreichend Geld wohl eher den Flieger nehmen, während der Bus eher die Billigreise-Klientel bedient. Dementsprechend war der eben auch eng bestuhlt.

      Ankunft in Warschau morgens um 5. Na gut, nach litauischer Zeitzone war es 6, aber so oder so war es verdammt früh. Erster Gang: zum Bankomat, zweiter Gang: zu den Duschen im Obergeschoss des Hauptbahnhofs. Diese empfingen mich mit der Aufschrift: Geöffnet ab 8 Uhr...
      Also erstmal über 2 Stunden Zeit totschlagen. Den größten Teil davon habe ich dann beim Starbucks verbracht. Eigentlich nicht die Art von Lokalen, die ich gern frequentiere, aber hier konnte man sitzen und es gab Frühstück (und Münzgeld für die Dusche). Nach Frühstück, Dusche und Einschließen des Gepäcks konnte ich dann endlich losziehen. Hier in Warschau hatte ich am wenigsten Zeit zur Verfügung, und ausgerechnet diese Stadt entpuppte sich als sie Stadt der langen Wege. Irgendwann am frühen Nachmittag musste ich meine Tour ("ein Ziel geht noch...") jäh abbrechen, zur nächsten Straßenbahnhaltestelle sprinten, schnell noch am Kiosk ein Ticket kaufen und in die Tram steigen. Zum Glück reichte mein Polnisch noch soweit, dass ich mich bei Mitfahrern vergewissern konnte, dass diese Bahn tatsächlich zum Bahnhof fuhr. Und so kam ich mit ausreichend Reserve wieder am Bahnhof an, konnte mein Gepäck holen und den Zug nach Berlin nehmen. Dort noch - in den letzten Strahlen der Abendsonne - schnell etwas gegessen, bevor dann der Nachtzug nach München losfuhr. Hier hatte ich mir den Luxus erlaubt, eine Einzelkabine im Schlafwagen zu buchen. Das war auch ganz gut so, denn das war der passende Ausgleich zur vorangegangenen Nacht. So gut habe ich wohl noch in keinem Zug geschlafen. Wirklich ausgeschlafen war ich zwar nicht, als ich am nächsten morgen daheim ankam, aber immerhin. Jetzt konnte ich mich wenigstens vom Urlaub erholen.

      Nochmal Danke an alle, die hier ihre Tipps weitergegeben haben. :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von AlexM ()

    • RE: Von Tallinn nach München auf dem Landweg

      AlexM schrieb:


      Hier sieht man die Insel Saaremaa vor der estnischen Küste.


      Hihi, wo der rote Pfeil hinzeigt, befindet sich ein Campingplatz :floet:


      AlexM schrieb:


      Wer es nicht gleich erkennt: Hier kann man sein Elektroauto auftanken. Keine Ahnung, wie viele solcher Gefährte es in Estland gibt, aber einfach nur so aus Jux wird diese "Tanksäule" wohl nicht da stehen.

      Ich habe letztens irgendwo mit einem Auge gelesen, dass Estland wohl (im Verhältnis zu den Zulassungszahlen) recht viele Elektrofahrzeuge besitzt. Aber ich stelle auch fest, dass die Stromsäulen immer öfter zu sehen sind. Besonders in Skandinavien habe ich etliche gesehen, sogar in Hammerfest, wo man mit einem Stromauto wohl nicht weit kommen wird. :gemein:


      AlexM schrieb:


      Der Bus-Komfort der letzten Etappe wurde auf der Weiterfahrt von Riga nach Vilnius noch übertroffen - obwohl es beides Busse von derselben Firma waren. Hier sah es aus der Passagier-Perspektive so aus:

      Hier gab es also tatsächlich ein Entertainment-System im Bus, wie ich es bisher nur von Langstreckenflugzeugen kannte. Man konnte sich Filme ansehen, Musik hören, Spiele spielen und ein paar mehr oder weniger nützliche Informationen abrufen. Das Smartphone hatte natürlich auch seinen gewohnten WLAN-Zugang.

      Wow :staun:

      AlexM schrieb:


      ...zu den Duschen im Obergeschoss des Hauptbahnhofs.

      Das wusste ich nicht. Kommt das in Europa öfter vor, dass es Duschen in Hauptbahnhöfen gibt?

      AlexM schrieb:


      Nochmal Danke an alle, die hier ihre Tipps weitergegeben haben. :)

      Ich danke, interessanter Bericht!
    • RE: Von Tallinn nach München auf dem Landweg

      Michael Moll schrieb:


      AlexM schrieb:


      ...zu den Duschen im Obergeschoss des Hauptbahnhofs.

      Das wusste ich nicht. Kommt das in Europa öfter vor, dass es Duschen in Hauptbahnhöfen gibt?

      Ich war hier auch zum allerersten Mal in einer Bahnhofsdusche und habe mich auch erst bei der Vorbereitung auf die Tour dafür interessiert. Aber mir sind die Hinweisschilder schon in diversen Bahnhöfen und Flughäfen aufgefallen. Scheint ab einer bestimmten Größe des Bahnhofs zum Standard zu gehören. In Essen HBf gibt es übrigens auch eine Dusche...

      Für mich war es das auf jeden Fall wert, die 10 Zloty dafür ausgegeben zu haben. Denn hier hat man einfach mal 20 Minuten Privatsphäre, um sich zu duschen, frisch zu machen und sein Gepäck neu zu sortieren (danach geht einfach und ohne Vorwarnung die Tür auf...). Und wenn ich jetzt gerade lese, dass dasselbe in München ganze 7 Euro kostet, hätte ich die nach so einer Nacht-Busfahrt wohl auch gerne gezahlt.
    • RE: Von Tallinn nach München auf dem Landweg

      AlexM schrieb:


      In Essen HBf gibt es übrigens auch eine Dusche...


      Tatsächlich. Ich war gerade in der Innenstadt und habe mir nach deinem Hinweis mal die Dusche anschauen wollen. In der Bahnhofshalle gibt es nur ein kleines Piktogramm, das zu den Sanitäreinrichtungen führt. Und weiter als bis zu den Toiletten kommt man sowieso nicht. Muss man also wissen. Wieder etwas dazu gelernt.