Yunnan - noch eine Gegend, wo ich gerne wieder hin möchte!

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    • Yunnan - noch eine Gegend, wo ich gerne wieder hin möchte!

      Moin,

      ich setzte jetzt zum x. Mal an, um Euch von meiner Yunnanreise Ende September zu erzählen... Hoffentlich werde ich nicht wieder unterbrochen. Ich will hier nicht einfach meine Blogartikel reinkopieren oder nacherzählen, also brauche ich ein bisschen Zeit.

      Mein mittlerer Sohn ist im September mit seiner Freundin und einem weiteren Freund zu Besuch zu uns nach Peking gekommen. Im Anschluss wollten sie weiter nach Yunnan und dann nach Sichuan, um dann nach knapp 4 Wochen von Chengdu aus wieder zurück nach Deutschland zu fliegen. Sowohl Peking als auch Yunnan war für Sohnemann ein Wiedersehen, nach dem Abi hat er ein freiwilliges soziales Auslandsjahr in Liuku verbracht, nur ein paar Kilometer quer durch die Berge von Myanmar entfernt. Von den ersten Planungen der Reise an hat Sohnemann mich gelöchert, ob ich nicht wenigstens eine Woche mit nach Yunnan kommen könnte. Er wollte mir so gerne zeigen, wo er damals (2013/14) gewesen ist. Tatsächlich schienen irgendwann alle Hürden (u.a. Kinderbetreuung) aus dem Weg geräumt und Männe gab grünes Licht fürs Buchen. War ein günstiger Flug Peking-Kunming-Peking, Sichuan Airlines. Tja, wird seinen Grund gehabt haben, dass das so günstig war: erst wurde der Rückflug gecancelt. Dann noch einmal der geänderte Rückflug. Und keine 24 Stunden vor dem Abflug der Hinflug. Ich hatte die Nase voll, und hab meinen Koffer frustriert wieder ausgepackt. Aber Sohnemann hat nicht locker gelassen, hat den kompletten Sichuan-Airline-Blödsinn gecancelt plus das nun überflüsse Zugticket von Dali nach Kunming und hat mir neue Flüge gebucht, nur wenige Euro teurer und der Hinflug sogar gemeinsam mit Sohnemann: Peking-Kunming, zurück Dali-Peking.

      Von Kunming hab ich nicht viel gesehen, wir sind direkt vom Flughafen verteilt auf zwei Taxen einmal quer durch die Stadt zum Busbahnhof gefahren (in China sind die Kofferräume der Taxen grundsätzlich zu klein und dann auch noch zur Hälfte vollgestopft). Dort haben wir einen Nachtbus geentert. Das war ein Abenteuer! Eine Rostlaube mit ca 36 Betten - 3 Reihen schmale Etagenbetten. Zum Glück hatte ich einen Fensterplatz, so dass ich solange es noch/schon wieder hell war gut rausgucken konnte.

      Nach Liuku verirren sich sonst keine Touristen, und seit das weltwärts-Projekt nicht mehr vor Ort ist (was sehr schade ist!) gibt es dort wohl auch keine Westler mehr. Das war für mich aber schon sehr interessant, mal eine chinesische (Klein-)Stadt zu sehen, die nicht auf Touristen ausgerichtet ist, sondern komplett chinesisch. Nein, das auch nicht wirklich, es ist dort schon zweisprachig: Lisu. Das ist die größte Minderheit dort vor Ort. Dass ich in China oft angestarrt werde, daran habe ich mich gewöhnt. Aber in Liuku habe ich mich wirklich wie ein Alien gefühlt. Zum Glück wie eines, das freundlich aufgenommen wird und nicht eines, auf das erst geschossen und dann gefragt wird... ;) Das Städtchen ist wirklich hübsch am Fluß gelegen, auf beiden Ufern zieht es sich ein bischen die Hänge hinauf. Auf der Ostseite am Berg gibt es einen Tempel mit einem weithin sichtbaren goldenen weiblichen (!) Buddha.
      Die Schule, an der Sohnemann als Hilfslehrer für Englisch angestellt war, steht jetzt leer. Beste Lage an der Uferpromenade! Die Schule hat ein neues, moderneres Gebäude am Ortsrand bekommen. Das war schon sehr beeindruckend für mich, das nun kahle Zimmer meines Sohnes zu sehen. Toiletten und Waschraum war am Ende des Ganges. Dort habe ich keinen Blick hineingeworfen, weil es so stank. Das sei damals noch schlimmer gewesen. Irgendwo gab es auch eine behelfsmäßige Dusche. Ein Gartenschlauch - im Winter eingefroren, im Sommer kam kochendes Wasser raus. Am Rande des Ortes gibt es - man kann es nicht anders nennen - Slums. Das ist die Armut, die Xi in den nächsten Jahren abschaffen will, man kann nur hoffen, dass das gelingt. Für mich war das schon sehr beeindruckend, das alles zu sehen, und wenn ich mir das nicht schon vorher gedacht hätte, wäre spätestens jetzt klar gewesen, warum mein Sohn als Teenager nach China aufgebrochen und als Erwachsener zurückgekommen ist. Aber auch ohne diesen persönlichen Bezug fand ich es großartig, mal so weit ab der Touristenpfade unterwegs zu sein, auch wenn ich dafür ganz schön weit raus aus meiner sogenannten Komfortzone musste.

      Von Liuku aus sind wir weiter nach Dali. Das wiederum ist seit vielen Jahren ein beliebter Touristenort, wenn auch lange nicht so "blöd touristisch" wie Yangshuo oder Datong, für meinen Geschmack fügt sich der dortige Tourismus gut in die Umgebung ein. Hehe, und ich hab seit Jahren nicht so viele Dreadlocks gesehen, es gibt dort unübersehbar eine große alternative internationale Community.
      Wir haben in einem sehr netten Hostel nur ein paar Minuten vom Westtor (also in unmittelbarer Altstadt/Zentrumsnähe) gewohnt, das von einem Australier geführt wird. Obwohl "nur" Hostel, war es komfortabler als so manches chinesische Sternehotel und auch entsprechend sauber, gepflegt und gut in Schuss. Zu diesem Zweck hing gleich neben dem obligatorischen Fluchtwegeplan eine bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Putz-/Aufgabenliste an jeder Zimmertür. :)
      Dali liegt zwischen Erhai-See und Cangshan-Bergen auf einer Höhe von etwa 2000 Metern. Das ist für mich Hamburger Flachlandtirolerin natürlich extrem beeindruckend. Noch beeindruckender war die Seilbahnfahrt auf einen Viertausender! Auf den letzten Höhenmetern wurden wir von Wolken verschluckt und ziemlich durchgeschüttelt, da war uns sehr rasch klar, warum die Seilbahn am Vortag nicht fuhr! Unten war es knallheiß, oben nur noch knapp über Null. Wir waren drauf eingerichtet, für diejenigen, die das nicht waren, wurden Daunenmäntel verliehen. Für 300 RMB! Das ist unfassbar teuer, umgerechnet 40 Euro! Teils wurden die Familien dann kreativ und haben sich zu zweit und zu dritt in einen Mantel gekuschelt. Trotz dichtem Nebel/dicker Wolken kam keine Ruhe oder Beschaulichkeit auf, weil ununterbrochen eine Lautsprecherdurchsage abgespielt wurde: man möge bitte auf Kinder und Alte achten! Ja, 4100 Meter merkt man!

      Nach ein paar Metern - Wanderwege gibt es in China in den Bergen nicht, es sind IMMER Treppen! - wurde uns klar warum: alle Kinder schliefen! Frauen weinten vor Erschöpfung und wurde teilweise von ihren Männern wieder hochgeschleppt. Ein bisschen habe ich mich um eine schöne Aussicht betrogen gefühlt, andererseits war es so in den Wolken auch ein Erlebnis. Am Ende war mir aber auch kalt, erkältet war ich schon vorher, war dann auch froh, als wir später wieder unten waren. Die Freundin meines Sohnes machte uns noch drauf aufmerksam, dass man gar nicht die bei z.B. Seilbahnen in den Alpen üblichen Bremsrollen sehen würde. Ups. Da war ich dann doppelt froh, am Ende wieder heilt unten (auf 2500 Meter, wie gesagt, die pure Höhe beeindruckt mich schon) angekommen zu sein.

      Außer Sightseeing in der Stadt haben wir uns auch noch eine private Auto-Tour rund um den See gegönnt, haben außer schönen See-/Berg-Panoramen und kleinen Inseln viel gesehen: Landwirtschaft beinah wie im mittelalterlichen Europa gesehen, bunte exotische Märkte, eine Batikmanufaktur, wo Baumwollstoffe in Handarbeit vor allem mit Indigo gefärbt wurden, dort wurde uns auch Indigo-Tee serviert. Bai-Frauen in Trachten haben noch kunstvolle Nahten per Hand angebracht. Sollte sich jemand mal dort hin verirren: an den wilden Ständen in der Stadt werden die Decken/Tücher/Stoffe für einen Bruchteil des Preises verkauft. Wir waren uns nicht sicher, ob es sich dabei um echte Batiken oder Drucke handelte. Die Nähte jedenfalls waren maschinell. Es gibt also Gründe dafür, dass die Preise in der Manufaktur um einiges höher liegen.

      Für Lijiang - weiter nördlich in den Bergen gelegen und angeblich vom Tourismus überlaufen und dennoch sehenswert - hat die Zeit nicht mehr gereicht, das wäre noch ein Tagesausflug gewesen. Ich bin zurück nach Peking geflogen, mein Sohn, seine Freundin plus Freund sind einen Tag später nach Chengdu geflogen. Das wäre auch noch toll gewesen, sie haben ihr Gepäck im Hostel gelassen und sind zu Fuß auf den Emei Shan (Heiliger Berg), haben in Klöstern übernachtet, mussten noch eine Nacht dran hängen, weil die Erkältung, die wir uns wohl schon im Nachtbus nach Liuku eingesammelt hatten, fiebrig und bös wurde. Mal sehen, vielleicht reise ich ja im nächsten Jahr, wenn meine Minis wieder auf Klassenreise sind, nach Sichuan.

      Jetzt aber bin ich noch total begeistert von Yunnan und irgendwie bin ich auch immer froh, wenn ich noch nicht alles gesehen hab und es viele gute Gründe gibt, an so schöne Orte noch einmal hinzufahren. (ich schätze mal, ich muss mindestens 130 werden und vorher noch im Lotto gewinnen, damit das möglich wird... ;) ).

      Ich hänge jetzt noch ein paar Bilder dran, wer mehr/anderes dazu lesen möchte, hier ist der neueste Blogbeitrag zu Dali (die anderen lassen sich dann ja leicht finden): ombidombi.de/sehnsuchtsort-dali/
      vv

      vvvv
      Blog: ombidombi.de

      Wer Schmetterlinge lachen hört,
      der weiß, wie Wolken schmecken...
    • Danke für's Mitnehmen. Das sind wirklich tolle Landschaften, von denen die meisten hier in Deutschland wahrscheinlich noch nicht einmal ahnen, dass es sie gibt (behaupte ich jetzt einfach mal).
      Ich habe mir gerade mal vorgestellt, ich müsse jetzt in solch einen Bus einsteigen. Hm, hier zuhause gemütlich vor dem Rechner und mit Blick auf das diesige Wetter draußen, könnte ich mich jetzt nur wenig dazu aufraffen. Sehe ich das richtig, dass die Beine in einer Art Kiste unter dem Vordermann verschwinden?
    • Ja, genau, das Kopfteil ist etwas erhöht und man hat die Beine (und Handgepäck) in dieser "Kiste".
      Als wir durch Kunming gefahren sind und dann gen Westen immer weiter in die Berge hinein, hab ich noch am offenen Fenster gesessen und gedacht, huch, hoffentlich fall ich (oder mein Wasser oder mein kindle) nicht raus. Da war es noch so heiß und stickig, dass das angenehm war, dafür war die dicke Bettdecke im Weg. Nachts war es aber so kalt, da war ich dann doch froh, dass ich die hatte. Nach 14 Stunden im Bus, davon nur 2 mal ausgestiegen (einmal am Rasthaus, einmal an der Zollstation am Eingang des Nujiang-Tals), da tat mir dann doch ein Knie weh, aber eigentlich war es sogar angenehmer als ein Langstreckenflug. Hehe, und nachts sieht man ja die Abhänge, die fehlenden Absperrungen, die Spuren voriger Erdrutsche etc. alles nicht. Ich hab tatsächlich viel geschlafen. :)

      Und es ist halt auch eine echt günstige Art des Reisens, viel billiger als fliegen und man kommt voran und spart die Ho(s)telübernachtung. :)
      Blog: ombidombi.de

      Wer Schmetterlinge lachen hört,
      der weiß, wie Wolken schmecken...
    • Vielen dank für deinen schönen Bericht :rose: Da habt ihr ja reichlich Abenteuer überstanden. Ob ich jetzt so schlafen könnte mit der "Fußbox" weiß ich nicht. :schlaf: :gemein: Ich glaub, da müßte ich total übermüdet sein.

      Lin schrieb:

      Ein bisschen habe ich mich um eine schöne Aussicht betrogen gefühlt, andererseits war es so in den Wolken auch ein Erlebnis.
      Das kann ich nachfühlen || Leider oder Gsd. kann man das Wetter nicht beeinflussen.

      Von den Indigotüchern bin ich ganz begeistert.

      Wieder eine tolle Erlebnisreise. :top:
      Ich bin..
      Teilzeit-Engel
      Gelegenheits-Hexe
      Gleitzeit-Teufel
      Vollzeit-Verrückte
      ....aber glücklich!