Hausboot-Urlaub in Wales

    • Großbritannien

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    • Hausboot-Urlaub in Wales

      Ich habe vorhin einen Blog-Artikel über das Pontcysyllte-Aquädukt geschrieben und dabei den Schwerpunkt auf die Brücke gelegt. Das ist ein Aquädukt in Wales, von Thomas Telford 1805 gebaut und von der Unesco zum Weltkulturerbe geadelt. Das ist eigentlich ganz nett und schön, aber in diesem Zusammenhang habe ich mich erst jetzt ein wenig näher mit den Hausbooten in Wales und England befasst.
      Dieses Aquädukt ist zum Beispiel nur ein Teil der Kanäle in England und Wales, die man mit sogenannten Narrowboats befahren kann. Sie sind in der Regel nur 2,20 Meter breit, eben so breit wie die Kanäle. Man kann auf Ausflugsbooten mitfahren, aber man kann auch so ein Bötchen mieten und selber steuern.
      Finde ich eigentlich ganz angenehm. Bei Hausbooturlaub musste ich bisher immer an die Niederlande oder an Frankreich denken. Aber was ich da gesehen habe, gefiel mir ganz gut. Und die Narrowboote sind auch ganz gemütlich ausgestattet. Hier mal ein beispielhafter Anbieter: anglowelsh.co.uk/ Wer unten beispielhaft ein Datum auswählt, kann sich die Ausstattung der Boote genauer anschauen.

      Hat einer von euch mal Erfahrung mit einem Hausboot gemacht, ob nun in Wales oder anderswo? Ich habe das nicht in nächster Zeit vor, könnte mir so eine Woche Urlaub aber auch mal vorstellen.

      Hier mal die Bilder aus Wales:

      Denkmal für Thomas Telford


      Hafen am Llangollen-Kanal



      Das Tal des River Dee



      Die Besatzung vom linken Boot wartet den Gegenverkehr ab.



      Hier muss die Besatzung an der Hebebrücke selber Hand anlegen und sie hoch- und wieder hinunterkurbeln.






      Ein Boot befährt das Aquädukt



    • Hallo, ich habe mitsamt Familie 2017 einen Urlaub in England mit einem Narrowboat gemacht und in wenigen Wochen machen wir unseren zweiten Urlaub in gleicher Art. Das Thema an sich finde ich auch spannend, so daß ich sogar eine Simulator App / Programm für Narrowboats verfasst habe. Hier mal meine Sicht:

      Das Boot: Ein Stahlrumpf ist z.B. für Leihboote im internationalen Vergleich ungewöhnlich. In anderen Ländern werden meist Plastikboote vermietet. In seiner Form ist der Rumpf vergleichbar mit traditionellen englischen Kanalbooten. Nur die Aufbauten weichen aus Komfortgründen ab. Allerdings haben fast alle Boote eine maximale Höhe, Breite (ca. 2,2m) und Länge (maximal ca. 70 Fuß) um durch die Schleusen, unter Brücken und durch die Tunnel zu passen. Das Cockpit is fast immer offen und gesteuert wird mit einer Pinne (Engl.: Tiller).

      Historisch-Technisch: Tunnel? Genau, die über 2000 Meilen an Kanälen in (hauptsächlich) England und Wales weisen zahlreiche historische Bauwerke auf. Das sind einige Tunnel (ein- und mehrspurig bis ca. 3km Länge) sowie kleine und große Aquädukte ("Trogbrücken") und natürlich Schleusen, Dreh- und Hebebrücken sowie insgesamt 2 Schiffshebewerke. Auf z.B. dieser "offiziellen" Seite findet sich weiter unten eine Karte des Kanalnetzwerkes: canalrivertrust.org.uk/enjoy-t…network/grand-union-canal

      Selber machen: Das ist das Stichwort. Und das fand ich besonders spannend. Fast alles auf den Kanälen macht man selbst. Und da es meist "historische" Gerätschaften sind, ist das durchaus sportlich. Es gibt eine relativ kurze Einweisung vom Vermieter. Da lernt man u.a. das Schiff zu bedienen und zu steuern (der Stahlrumpf hält was aus) und bedient in der Regel auch mindestens eine Schleuse zusammen. Dann geht es los und man darf "Paddles" auf- und zukurbeln, Schleusentore aufwuchten, Drehbrücken herumschieben und derweil Smalltalk mit anderen Kanalfahrern üben. Eigenverwantwortung wird großgeschrieben, Geländer sind die Ausnahme. Damit die Arbeit nicht überhand nimmt, würde ich empfehlen mindestens zu zweit zu fahren. Je mehr Hände desto besser. Die Boote haben verschiedene Längen/Kapazitäten bis zu 12 Personen.

      Schleusenwärter gibt es zuweilen nur an den Flüssen (z.B. Themse) und z.B. in London. Auf den Kanälen helfen aber an den komplizierteren Schleusen "Freiwillige" (Volunteers). Gewerblicher Verkehr findet auf den Kanälen fast gar nicht statt.


      Komfort: Gibt es durchaus. Natürlich sind die Boote etwas schmal aber neben den Betten (teils ist bei Vollbelegung ein Esstisch umzubauen) gibt es die Kombüse mit Gasherd, Spüle, Kühlschrank sowie ein bis zwei "Bäder", Warmwasser, Heizung und mindestens eine Dusche. Die Verstaumöglichkeiten sind mannigfaltig verteilt, daher ist eine knautschbare Tasche besser als ein sperriger Hartschalenkoffer. Viele Boote sind nicht unbedingt topmodern gestyled aber das teils "plüschige" Design macht es auch aus.


      Essen kann man selber kochen oder in einen der zahlreichen taktisch günstig am Kanal gelegenen Pubs einkehren bei durchaus abwechslungsreicher oft Englischer und/oder Indischer Küche plus Ale oder Cider.


      Ausflüge: Ausflugsziele sollte man sich m.E. nicht zu viele/weit entfernte vornehmen. Die Fahrt an sich steht in der Regel im Mittelpunkt und verläuft meist ziemlich entspannend. Neben dem Versamlungsort an der Pinne (Heck) gibt es meist noch einen schönen stillen Rückzugsort am Bug. Und da das Schiff sowieso nur Schrittgeschwindigkeit fährt (max. 4mph) kann man auch parallel auf dem grundsätzlich vorhandenen Treidelpfad laufen. Ein Park, ein Schloss/Burgruine, ein kleines Museum, ein Städtchen oder ein Wanderweg in Kanalnähe wären typische Ziele.


      Tierwelt: Rund um den Kanal gibt es meist viel Natur, durchaus auch in den Städten (mit Ausnahmen natürlich). Regelmäßige Kandidaten sind Graureiher, Schwäne, Enten und Moor- und Bleßhühner samt Nachwuchs. Schwäne und Enten lassen sich sehr gerne auch mal mit Gemüseresten oder Haferflocken füttern. Wer genauer hinschaut hat meist auch gute Chancen einen Eisvogel zu sehen.


      Strecken: Die typischen "Hireboats" lassen sich von 3 Tagen bis zu mehreren Wochen mieten. Bis zu 7 Tagen Mietdauer läuft es meist auf eine Strecke mit Hin- und Rückweg hinaus. Möglichkeiten bei Stationen des selben Vermieters am anderen Ort ein Boot abzugeben sind aktuell sehr selten. Ab 10 Tagen kann man ohne Streß auch Ringstrecken (z.B. "4 Counties") befahren. Das heißt man fährt unter Einbeziehung des umfangreichen Kanalnetzes quasi im Kreis. "Narrowboats" können aufgrund ihrer Länge nicht überall wenden. Es gibt i.d.R. alle paar Meilen Verbreiterungen "Winding Holes", die das erlauben.


      Konkrete Strecken will ich hier noch nicht empfehlen. Es gibt eben abgelegenere bzw. auch städtische, historische, eindrucksvolle oder auch sportlich anspruchsvolle (30 Schleusen am Stück) Strecken. Ggf. kann man sich auch mal bei Youtube mit konkreten Kanalnamen umsehen. Es gibt viele Vlogger auf den Kanälen....


      Anlegen: Kann man prinzipiell fast überall am Treidelpfad. Es sei denn, es ist schlicht zu voll (z.B. in London) oder die Plätze sind für andere Zwecke ("Dauerparker", Festivals, Wendepunkte etc.) reserviert oder das Ufer ist ungeeignet oder eine laute Straße/Bahnstrecke ist einem zu nah dran, u.s.w.. Liegegebühren fallen nur in seltenen Ausnahmefällen an.


      Dennoch bleiben genug Liegeplätze - teils mit schöner Aussicht - über. Aussicht? Ja, denn die Kanäle folgen meist den Höhenlinien um Schleusen zu vermeiden. Das heißt, auf der einen Kanalseite geht es hinauf und an der andere Seite meist hinab und damit auch mal eine schöne Sicht über hügelige Wiesen (wenn kein Baum im Weg steht). Viele der Kanäle sind daher gewunden und auch gerne mal von kleinen Brücken überspannt. Das führt dazu, das es hinter jeder Biegung/Brücke etwas neues zu sehen gibt. Meist nicht spektakulär, aber kurzweilig.


      Kosten/Vermieter: Es gibt einige 100 Vermieter für Narrowboats in England. Urteilen kann ich nur über unseren letzten Vermieter. Das war "Wyvern Shipping" auf dem Grand Union Canal (nicht fern von Milton Keynes gelegen). canalholidays.co.uk/home
      Bei diesem Vermieter war alles bestens organisiert. Es gab auch Empfehlungen für Transfers vom zum Flughafen / Einkaufen / Unterkünfte und z.B. genaue Stücklisten für die Bordausstattung. Das Boot war tiptop in Ordnung und die Einweisung war entspannt aber auch ausführlich und verständlich. (Englisch sollte einer aus der Mannschaft aber schon verstehen und radebrechen können.) Bei Wyvern Shipping war der Preis "all-inklusive". D.h. es fielen keine Extrakosten für Diesel, Versicherung o.ä. an. Andere Vermieter berechnen dies einzeln. Für manche Flüsse (z.B. Themse) bzw. selten auch mal für "spezielle" Kanäle fallen Zusatzgebühren an. Die Gebühren für das "Hauptnetzwerk" des CRT sind aber i.d.R. im Mietpreis enthalten.


      Viele Vermieter haben kostenlose Parkplätze auf dem Gelände, wenn man per Kfz anreist. Wer per Flug/Bahn kommt bekommt meist ausführliche Transfertips. Deutsche gelten dann als "Overseas Customers" und bekommen z.B. oft die Bettwäsche ohne Aufpreis gestellt.


      Welcher Vermieter es werden soll, richtet sich meist grob nach dem konkreten Reiseziel und welche Kombination von Terminen / Bootsgrößen / Ausstattung und Preisen am besten paßt.


      Leute: Die Stimmung auf den Kanälen ist fast immer freundlich bis herzlich. Gedrängel und Hektik wird vermieden. (Auf dem sehr beliebten Llangollen Kanal ist es im Sommer aber schon mal voller.) Nette Gespräche finden sich schonmal an der Schleuse auf dem Treidelpfad ("Towpath") oder im Pub. Winken und Grüßen ist voll angesagt, sowohl zu anderen "Narrowboatern" als auch (insbesondere jüngeren) Zuschauern an Land.


      Kinder: Die Kinder sind sowohl als Arbeitskräfte eingespannt, haben aber auch Zeit, sich bei Bedarf in das Boot oder an den Bug zurückzuziehen. Mal während der Fahrt mit Pokemon Go "Eier ausbrüten", einen Geocache am Wegesrand finden, einen Schwanenkonvoi filmen, mit Walkie-Talkie im Tunnel als Auskuck im Bug, im "Flight" von Schleuse zu Schleuse rennen, ein "Ich, cool am Schleusentor" instagrammen. Ab 10 spätestens 12 Jahren sollten sie eigentlich alles hinbekommen (evtl mit vereinter Muskelkraft). Darunter braucht es wohl die Begleitung von Eltern oder großen Geschwistern.


      Offizielles: Die Kanalboote können ohne spezielle Lizenz von Personen ab 18 (ggf. siehe Mietbedingungen) auf dem Kanalnetz und vielen Flüssen gefahren werden. Kinder unter 18 dürfen die Boote auch führen es muß aber ein Erwachsener direkt dabei sitzen. Alkohol an der Pinne sollte nicht passieren. Es gibt auf den Kanälen allerdings keine "Wasserschutzpolizei" oder ähnliches. Im Problemfall kümmert sich die "Police". Schwimmwesten werden gestellt. Eine Pflicht sie zu tragen besteht auf den üblichen Strecken nicht. Die Boote halten einiges aus, daher sind Schäden bei verantwortungsvollem Gebrauch eher die Ausnahme. Auch eine Schramme an einem fremdem Stahlrumpf ist meist kein Problem ("it's a contact sport" wurde mir schon entgegengerufen). Dennoch ist natürlich Vorsicht und Rücksicht geboten. Insbesondere an Schleusen.

      Abschließend noch ein paar Fotos: (ich hoffe das klappt)
      (Boote beim Vermieter)
      Schleusenarbeit mit Publikum:

      Tunnel:


      Blick von einem Kleinem Aquädukt:

      Drehbrücke + Schleuse + Pub:

      Tierwelt:

      Natur:


      Kids als "Schleuser":


      WasserWombat an der Pinne (auerhauerha, na wenn das man gut geht...):
    • Liest bzw.las sich nicht schlecht und macht Lust auf ....

      ... von daher die Frage: Wie sieht's mit Kajakfahren aus? Dort wo diese Hausboote fahren (können) ist es für ein Zweierkajak doch auch möglich. Ich hab' jedoch auf den ganzen Aufnahme derartige Kanuten nicht sehen können. Waren sie einfach nicht "fotogen"? oder ist es wirklich nichts für Kanuten?
      take a walk on the wildside

      sagt und grüßt
      ralf, der Ruri-Wessi
    • Hallo, danke für die Rückmeldungen. :)

      Viele Paddler waren auf dieser Strecke zwar nicht zugegen, aber natürlich ist fast die gesamte Strecke für Kajaks, etc. geeignet und wird meines Wissens auch gerne benutzt. Die weitgehende Abwesenheit von gewerblichem Verkehr und die (eher selten erreichte) Höchstgeschwindigkeit von 4 Meilen pro Stunde sollte da eher förderlich sein.

      Es gibt natürlich hier und da ein paar Ecken die ich umschiffen würde. Lange Tunnel z.B. wären m.E. nicht zu empfehlen, da ist das Risiko übersehen zu werden einfach recht groß. Schleusen kann man entweder umtragen oder ggf. auch mal das/die Kajaks vom Ufer her durchziehen (am Seil).

      Strömung gibt es auf den Kanälen selbst eher nicht. Der in Michaels Eingangspost gezeigte Llangollen stellt da eine Ausnahme dar.

      Bei den Urlaubsfotos ist auch ein "Beweisbild" dabei. Es zeigt eine "Geisterfahrerin" ;) Denn auf Englands Kanälen gilt Rechtsverkehr.
    • Yep, also ist "paddeln" möglich. Fein. Denn jetzt sehe ich das ganze noch einmal mit einem anderen Blick.
      Und wenn "Kreisfahrten" als Rundtouren auch möglich sind umso besser.

      Frage bleibt dann für uns eigentlich nur wie sind mögliche Haltepunkte angebunden? Um zum Beispiel unseren KaWa nachzuholen, entweder per Zug oder eben mit dem Rad.
      take a walk on the wildside

      sagt und grüßt
      ralf, der Ruri-Wessi
    • Die Anbindung ist natürlich höchst unterschiedlich. Traditionell meiden die Kanäle weder Städte noch Verkehrsachsen. Ich habe gerade mal auf der aktuellen "CRT" Seite nachgeschaut ( canalrivertrust.org.uk/enjoy-t…ting-canoeing-or-kayaking ). Es braucht für Flüsse und Kanäle eine Lizenz, welche für Kajaks so bei 15-30 Pfund liegt (1 Pfund ca. = 1,10-1,20 Euro).

      Bezüglich konkreter Tips zu Kajaktouren bin ich aber echt überfragt.
      Für Kurzstrecken bin ich beim Googlen über das hier gestolpert.
      riverspublishing.co.uk/pub-paddles/

      Bei Kreisfahrten ist man evtl. auch mal flexibler als die Kanalboote da man auch z.B. kleinere Flüsse einbeziehen kann.

      Fahrrad geht bei Kanälen eigentlich immer parallel auf dem Treidelpfad. Bus & Bahn gibt es natürlich auch.