Hausboot-Urlaub in Wales

    • Großbritannien

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Lust auf eine nette und reiselustige Community? Dann melde dich doch ganz einfach, schnell und kostenlos an. Anschließend stehen dir alle Funktionen im Forum zur Verfügung.

    • Hausboot-Urlaub in Wales

      Ich habe vorhin einen Blog-Artikel über das Pontcysyllte-Aquädukt geschrieben und dabei den Schwerpunkt auf die Brücke gelegt. Das ist ein Aquädukt in Wales, von Thomas Telford 1805 gebaut und von der Unesco zum Weltkulturerbe geadelt. Das ist eigentlich ganz nett und schön, aber in diesem Zusammenhang habe ich mich erst jetzt ein wenig näher mit den Hausbooten in Wales und England befasst.
      Dieses Aquädukt ist zum Beispiel nur ein Teil der Kanäle in England und Wales, die man mit sogenannten Narrowboats befahren kann. Sie sind in der Regel nur 2,20 Meter breit, eben so breit wie die Kanäle. Man kann auf Ausflugsbooten mitfahren, aber man kann auch so ein Bötchen mieten und selber steuern.
      Finde ich eigentlich ganz angenehm. Bei Hausbooturlaub musste ich bisher immer an die Niederlande oder an Frankreich denken. Aber was ich da gesehen habe, gefiel mir ganz gut. Und die Narrowboote sind auch ganz gemütlich ausgestattet. Hier mal ein beispielhafter Anbieter: anglowelsh.co.uk/ Wer unten beispielhaft ein Datum auswählt, kann sich die Ausstattung der Boote genauer anschauen.

      Hat einer von euch mal Erfahrung mit einem Hausboot gemacht, ob nun in Wales oder anderswo? Ich habe das nicht in nächster Zeit vor, könnte mir so eine Woche Urlaub aber auch mal vorstellen.

      Hier mal die Bilder aus Wales:

      Denkmal für Thomas Telford


      Hafen am Llangollen-Kanal



      Das Tal des River Dee



      Die Besatzung vom linken Boot wartet den Gegenverkehr ab.



      Hier muss die Besatzung an der Hebebrücke selber Hand anlegen und sie hoch- und wieder hinunterkurbeln.






      Ein Boot befährt das Aquädukt



    • Hallo, ich habe mitsamt Familie 2017 einen Urlaub in England mit einem Narrowboat gemacht und in wenigen Wochen machen wir unseren zweiten Urlaub in gleicher Art. Das Thema an sich finde ich auch spannend, so daß ich sogar eine Simulator App / Programm für Narrowboats verfasst habe. Hier mal meine Sicht:

      Das Boot: Ein Stahlrumpf ist z.B. für Leihboote im internationalen Vergleich ungewöhnlich. In anderen Ländern werden meist Plastikboote vermietet. In seiner Form ist der Rumpf vergleichbar mit traditionellen englischen Kanalbooten. Nur die Aufbauten weichen aus Komfortgründen ab. Allerdings haben fast alle Boote eine maximale Höhe, Breite (ca. 2,2m) und Länge (maximal ca. 70 Fuß) um durch die Schleusen, unter Brücken und durch die Tunnel zu passen. Das Cockpit is fast immer offen und gesteuert wird mit einer Pinne (Engl.: Tiller).

      Historisch-Technisch: Tunnel? Genau, die über 2000 Meilen an Kanälen in (hauptsächlich) England und Wales weisen zahlreiche historische Bauwerke auf. Das sind einige Tunnel (ein- und mehrspurig bis ca. 3km Länge) sowie kleine und große Aquädukte ("Trogbrücken") und natürlich Schleusen, Dreh- und Hebebrücken sowie insgesamt 2 Schiffshebewerke. Auf z.B. dieser "offiziellen" Seite findet sich weiter unten eine Karte des Kanalnetzwerkes: canalrivertrust.org.uk/enjoy-t…network/grand-union-canal

      Selber machen: Das ist das Stichwort. Und das fand ich besonders spannend. Fast alles auf den Kanälen macht man selbst. Und da es meist "historische" Gerätschaften sind, ist das durchaus sportlich. Es gibt eine relativ kurze Einweisung vom Vermieter. Da lernt man u.a. das Schiff zu bedienen und zu steuern (der Stahlrumpf hält was aus) und bedient in der Regel auch mindestens eine Schleuse zusammen. Dann geht es los und man darf "Paddles" auf- und zukurbeln, Schleusentore aufwuchten, Drehbrücken herumschieben und derweil Smalltalk mit anderen Kanalfahrern üben. Eigenverwantwortung wird großgeschrieben, Geländer sind die Ausnahme. Damit die Arbeit nicht überhand nimmt, würde ich empfehlen mindestens zu zweit zu fahren. Je mehr Hände desto besser. Die Boote haben verschiedene Längen/Kapazitäten bis zu 12 Personen.

      Schleusenwärter gibt es zuweilen nur an den Flüssen (z.B. Themse) und z.B. in London. Auf den Kanälen helfen aber an den komplizierteren Schleusen "Freiwillige" (Volunteers). Gewerblicher Verkehr findet auf den Kanälen fast gar nicht statt.


      Komfort: Gibt es durchaus. Natürlich sind die Boote etwas schmal aber neben den Betten (teils ist bei Vollbelegung ein Esstisch umzubauen) gibt es die Kombüse mit Gasherd, Spüle, Kühlschrank sowie ein bis zwei "Bäder", Warmwasser, Heizung und mindestens eine Dusche. Die Verstaumöglichkeiten sind mannigfaltig verteilt, daher ist eine knautschbare Tasche besser als ein sperriger Hartschalenkoffer. Viele Boote sind nicht unbedingt topmodern gestyled aber das teils "plüschige" Design macht es auch aus.


      Essen kann man selber kochen oder in einen der zahlreichen taktisch günstig am Kanal gelegenen Pubs einkehren bei durchaus abwechslungsreicher oft Englischer und/oder Indischer Küche plus Ale oder Cider.


      Ausflüge: Ausflugsziele sollte man sich m.E. nicht zu viele/weit entfernte vornehmen. Die Fahrt an sich steht in der Regel im Mittelpunkt und verläuft meist ziemlich entspannend. Neben dem Versamlungsort an der Pinne (Heck) gibt es meist noch einen schönen stillen Rückzugsort am Bug. Und da das Schiff sowieso nur Schrittgeschwindigkeit fährt (max. 4mph) kann man auch parallel auf dem grundsätzlich vorhandenen Treidelpfad laufen. Ein Park, ein Schloss/Burgruine, ein kleines Museum, ein Städtchen oder ein Wanderweg in Kanalnähe wären typische Ziele.


      Tierwelt: Rund um den Kanal gibt es meist viel Natur, durchaus auch in den Städten (mit Ausnahmen natürlich). Regelmäßige Kandidaten sind Graureiher, Schwäne, Enten und Moor- und Bleßhühner samt Nachwuchs. Schwäne und Enten lassen sich sehr gerne auch mal mit Gemüseresten oder Haferflocken füttern. Wer genauer hinschaut hat meist auch gute Chancen einen Eisvogel zu sehen.


      Strecken: Die typischen "Hireboats" lassen sich von 3 Tagen bis zu mehreren Wochen mieten. Bis zu 7 Tagen Mietdauer läuft es meist auf eine Strecke mit Hin- und Rückweg hinaus. Möglichkeiten bei Stationen des selben Vermieters am anderen Ort ein Boot abzugeben sind aktuell sehr selten. Ab 10 Tagen kann man ohne Streß auch Ringstrecken (z.B. "4 Counties") befahren. Das heißt man fährt unter Einbeziehung des umfangreichen Kanalnetzes quasi im Kreis. "Narrowboats" können aufgrund ihrer Länge nicht überall wenden. Es gibt i.d.R. alle paar Meilen Verbreiterungen "Winding Holes", die das erlauben.


      Konkrete Strecken will ich hier noch nicht empfehlen. Es gibt eben abgelegenere bzw. auch städtische, historische, eindrucksvolle oder auch sportlich anspruchsvolle (30 Schleusen am Stück) Strecken. Ggf. kann man sich auch mal bei Youtube mit konkreten Kanalnamen umsehen. Es gibt viele Vlogger auf den Kanälen....


      Anlegen: Kann man prinzipiell fast überall am Treidelpfad. Es sei denn, es ist schlicht zu voll (z.B. in London) oder die Plätze sind für andere Zwecke ("Dauerparker", Festivals, Wendepunkte etc.) reserviert oder das Ufer ist ungeeignet oder eine laute Straße/Bahnstrecke ist einem zu nah dran, u.s.w.. Liegegebühren fallen nur in seltenen Ausnahmefällen an.


      Dennoch bleiben genug Liegeplätze - teils mit schöner Aussicht - über. Aussicht? Ja, denn die Kanäle folgen meist den Höhenlinien um Schleusen zu vermeiden. Das heißt, auf der einen Kanalseite geht es hinauf und an der andere Seite meist hinab und damit auch mal eine schöne Sicht über hügelige Wiesen (wenn kein Baum im Weg steht). Viele der Kanäle sind daher gewunden und auch gerne mal von kleinen Brücken überspannt. Das führt dazu, das es hinter jeder Biegung/Brücke etwas neues zu sehen gibt. Meist nicht spektakulär, aber kurzweilig.


      Kosten/Vermieter: Es gibt einige 100 Vermieter für Narrowboats in England. Urteilen kann ich nur über unseren letzten Vermieter. Das war "Wyvern Shipping" auf dem Grand Union Canal (nicht fern von Milton Keynes gelegen). canalholidays.co.uk/home
      Bei diesem Vermieter war alles bestens organisiert. Es gab auch Empfehlungen für Transfers vom zum Flughafen / Einkaufen / Unterkünfte und z.B. genaue Stücklisten für die Bordausstattung. Das Boot war tiptop in Ordnung und die Einweisung war entspannt aber auch ausführlich und verständlich. (Englisch sollte einer aus der Mannschaft aber schon verstehen und radebrechen können.) Bei Wyvern Shipping war der Preis "all-inklusive". D.h. es fielen keine Extrakosten für Diesel, Versicherung o.ä. an. Andere Vermieter berechnen dies einzeln. Für manche Flüsse (z.B. Themse) bzw. selten auch mal für "spezielle" Kanäle fallen Zusatzgebühren an. Die Gebühren für das "Hauptnetzwerk" des CRT sind aber i.d.R. im Mietpreis enthalten.


      Viele Vermieter haben kostenlose Parkplätze auf dem Gelände, wenn man per Kfz anreist. Wer per Flug/Bahn kommt bekommt meist ausführliche Transfertips. Deutsche gelten dann als "Overseas Customers" und bekommen z.B. oft die Bettwäsche ohne Aufpreis gestellt.


      Welcher Vermieter es werden soll, richtet sich meist grob nach dem konkreten Reiseziel und welche Kombination von Terminen / Bootsgrößen / Ausstattung und Preisen am besten paßt.


      Leute: Die Stimmung auf den Kanälen ist fast immer freundlich bis herzlich. Gedrängel und Hektik wird vermieden. (Auf dem sehr beliebten Llangollen Kanal ist es im Sommer aber schon mal voller.) Nette Gespräche finden sich schonmal an der Schleuse auf dem Treidelpfad ("Towpath") oder im Pub. Winken und Grüßen ist voll angesagt, sowohl zu anderen "Narrowboatern" als auch (insbesondere jüngeren) Zuschauern an Land.


      Kinder: Die Kinder sind sowohl als Arbeitskräfte eingespannt, haben aber auch Zeit, sich bei Bedarf in das Boot oder an den Bug zurückzuziehen. Mal während der Fahrt mit Pokemon Go "Eier ausbrüten", einen Geocache am Wegesrand finden, einen Schwanenkonvoi filmen, mit Walkie-Talkie im Tunnel als Auskuck im Bug, im "Flight" von Schleuse zu Schleuse rennen, ein "Ich, cool am Schleusentor" instagrammen. Ab 10 spätestens 12 Jahren sollten sie eigentlich alles hinbekommen (evtl mit vereinter Muskelkraft). Darunter braucht es wohl die Begleitung von Eltern oder großen Geschwistern.


      Offizielles: Die Kanalboote können ohne spezielle Lizenz von Personen ab 18 (ggf. siehe Mietbedingungen) auf dem Kanalnetz und vielen Flüssen gefahren werden. Kinder unter 18 dürfen die Boote auch führen es muß aber ein Erwachsener direkt dabei sitzen. Alkohol an der Pinne sollte nicht passieren. Es gibt auf den Kanälen allerdings keine "Wasserschutzpolizei" oder ähnliches. Im Problemfall kümmert sich die "Police". Schwimmwesten werden gestellt. Eine Pflicht sie zu tragen besteht auf den üblichen Strecken nicht. Die Boote halten einiges aus, daher sind Schäden bei verantwortungsvollem Gebrauch eher die Ausnahme. Auch eine Schramme an einem fremdem Stahlrumpf ist meist kein Problem ("it's a contact sport" wurde mir schon entgegengerufen). Dennoch ist natürlich Vorsicht und Rücksicht geboten. Insbesondere an Schleusen.

      Abschließend noch ein paar Fotos: (ich hoffe das klappt)
      (Boote beim Vermieter)
      Schleusenarbeit mit Publikum:

      Tunnel:


      Blick von einem Kleinem Aquädukt:

      Drehbrücke + Schleuse + Pub:

      Tierwelt:

      Natur:


      Kids als "Schleuser":


      WasserWombat an der Pinne (auerhauerha, na wenn das man gut geht...):
    • Liest bzw.las sich nicht schlecht und macht Lust auf ....

      ... von daher die Frage: Wie sieht's mit Kajakfahren aus? Dort wo diese Hausboote fahren (können) ist es für ein Zweierkajak doch auch möglich. Ich hab' jedoch auf den ganzen Aufnahme derartige Kanuten nicht sehen können. Waren sie einfach nicht "fotogen"? oder ist es wirklich nichts für Kanuten?
      take a walk on the wildside

      sagt und grüßt
      ralf, der Ruri-Wessi
    • Hallo, danke für die Rückmeldungen. :)

      Viele Paddler waren auf dieser Strecke zwar nicht zugegen, aber natürlich ist fast die gesamte Strecke für Kajaks, etc. geeignet und wird meines Wissens auch gerne benutzt. Die weitgehende Abwesenheit von gewerblichem Verkehr und die (eher selten erreichte) Höchstgeschwindigkeit von 4 Meilen pro Stunde sollte da eher förderlich sein.

      Es gibt natürlich hier und da ein paar Ecken die ich umschiffen würde. Lange Tunnel z.B. wären m.E. nicht zu empfehlen, da ist das Risiko übersehen zu werden einfach recht groß. Schleusen kann man entweder umtragen oder ggf. auch mal das/die Kajaks vom Ufer her durchziehen (am Seil).

      Strömung gibt es auf den Kanälen selbst eher nicht. Der in Michaels Eingangspost gezeigte Llangollen stellt da eine Ausnahme dar.

      Bei den Urlaubsfotos ist auch ein "Beweisbild" dabei. Es zeigt eine "Geisterfahrerin" ;) Denn auf Englands Kanälen gilt Rechtsverkehr.
    • Yep, also ist "paddeln" möglich. Fein. Denn jetzt sehe ich das ganze noch einmal mit einem anderen Blick.
      Und wenn "Kreisfahrten" als Rundtouren auch möglich sind umso besser.

      Frage bleibt dann für uns eigentlich nur wie sind mögliche Haltepunkte angebunden? Um zum Beispiel unseren KaWa nachzuholen, entweder per Zug oder eben mit dem Rad.
      take a walk on the wildside

      sagt und grüßt
      ralf, der Ruri-Wessi
    • Die Anbindung ist natürlich höchst unterschiedlich. Traditionell meiden die Kanäle weder Städte noch Verkehrsachsen. Ich habe gerade mal auf der aktuellen "CRT" Seite nachgeschaut ( canalrivertrust.org.uk/enjoy-t…ting-canoeing-or-kayaking ). Es braucht für Flüsse und Kanäle eine Lizenz, welche für Kajaks so bei 15-30 Pfund liegt (1 Pfund ca. = 1,10-1,20 Euro).

      Bezüglich konkreter Tips zu Kajaktouren bin ich aber echt überfragt.
      Für Kurzstrecken bin ich beim Googlen über das hier gestolpert.
      riverspublishing.co.uk/pub-paddles/

      Bei Kreisfahrten ist man evtl. auch mal flexibler als die Kanalboote da man auch z.B. kleinere Flüsse einbeziehen kann.

      Fahrrad geht bei Kanälen eigentlich immer parallel auf dem Treidelpfad. Bus & Bahn gibt es natürlich auch.
    • Hallo, ich bin dann mal wieder zurück! Ich denke, hier ist die richtige Stelle um einen Reisebericht zu unser (Eltern + 3 Kinder) diesjährigen Kanalreise durch England und Wales abzuliefern. Tut mir leid wegen des vielen Textes, es werden mehrere Posts. Ggf. einfach nur die Bilder anschauen. :)

      Also...
      die Tour startete in England auf dem Shropshire Union Canal und lief dann über den Llangollen Canal nach Wales. Auf dem Rückweg gab es noch - wieder auf dem Shroppie - einen Abstecher in Richtung Chester. Wir wollten die Reise eher gemächlich in 2 Wochen erledigen. Damit wäre z.B. vom Vermieter aus auch die "4 Counties" Ringtour möglich gewesen oder ggf. sogar der "Chesire Ring".

      Mit gerade mal 6 Booten und 3 Mitarbeitern war unser Vermieter Chas Hardern einer der kleineren Vermieter. Dafür ist er ein kleines bisschen günstiger als die "Großen" und erhielt dennoch recht gute Bewertungen. Im Laufe der Tour wurde ich übrigens von Boatern oder Fußgängern häufiger (im positiven Sinne) auf Chas angesprochen.


      Beeston Castle Wharf, die Heimat von Chas Hardern Boats.

      Der Buchungsvorgang war dann auch eher persönlicher per e-mail und telefonisch. Dass zumindest einer der Reisenden Englisch spricht und versteht ist daher von Vorteil.

      Anreise und Parken mit Kfz ist natürlich möglich, wir kamen per Flugzeug nach Manchester und erledigten die letzten Meilen dann per Taxi.

      Die Übernahme des Bootes "Snowmane" war denkbar einfach. Da wir ja kein eigenes Kfz hatten wurde eine Mitreisende :) für die erste Ladung Nahrungsmittel zum nächsten Supermarkt gekarrt. Der Rest brachte das Gepäck unter und erhielt nach minimalem Papierkram zunächst eine Einweisung in die grundsätzliche Bedienung des Bootes (Schalter für Pumpen/Elektro, Gasherd, Notschalter/Absperrhähne, Feuerlöscher, Toiletten, starten, tägliche Minimalwartung). Als wir dann wieder komplett waren gab es von "George" noch eine Einweisungstour auf dem Kanal. Ein "Winding Hole" (Kanalverbreiterung die den langen Booten ein Wendemanöver erlaubt) war gleich nahebei und auch eine erste Schleuse ist direkt beim Vermieter. Dort erhielten auch die Kinder ihre Einweisung in die Bedienung (die Teenies kommen mit Englisch schon gut klar) nebst Feinheiten der "Wide Locks". Alle Fragen waren nun geklärt und los ging es.


      Die "Snowmane"...
      ist mit 60 Fuß (18,3m) Länge schon im oberen Segment. Aber die 5 Personen müssen auf 2,2m Breite ja auch unterkommen. Dieses Boot war sicher nicht die Superluxusklasse aber alles was man brauchte war vorhanden und funktionierte. 4 Betten waren fest vorhanden. Hinzu konnte man die "Sitzecke" in ein Doppelbett umbauen. Die Küche glänzte mit Stauraum, Arbeitsplatten einen Gasherd mit 4 Flammen, Grill (z.B. zum Brot toasten) und Ofen,auch ein Spülplatz, ein Kühlschrank und eine Mikrowelle (eher ihh bäh wegen des Stromverbrauches) waren vorhanden. Die Kitchenette/Bodum für den Kaffee musste ich anfordern (wichtig!). Außerdem gab es an Bord 2 Mini-Bäder mit je Klo+Waschbecken, eines auch mit Dusche. Mehrere 220V (Britischer Stecker) Steckdosen, ein TV und eine dieselbetriebene Standheizung (mit Heizkörpern für alle Räume + Warmwasser). Dazu noch ein paar Klappstühle. Wichtig ist noch anzumerken, dass man sich nur an sehr wenigen Stellen an Bord aneinander vorbeiquetschen kann. Es ist also oft rangieren angesagt. Die Kinder sind deshalb auch häufiger "außenrum" über das Dach oder den Treidelpfad "Towpath" gegangen.


      Die Snowmane, hier in Trevor.

      Ernährung...
      geht in so einem Urlaub auf mindestens zweierlei Art: Entweder man hangelt sich von Pub zu Pub von denen mehrere direkt am Wasser oder in der Nähe liegen. Sie sind natürlich in den einschlägigen Kanal Guides verzeichnet. Man legt dort z.B. abends an, isst+trinkt und morgens geht es weiter. Viele machen das wie die Bootsanzahl rund um die Pubs zeigt. Oder man macht es wir wir, man kocht häufig selbst in der Kombüse. Unsere Esser waren zum Großteil eher vegetarisch/vegan. Das funktioniert zwar in den Pubs oft auch überraschend gut aber so waren die Optionen etwas besser, die Kosten etwas geringer und der abendliche Liegeplatz konnte frei bestimmt werden. Der Nachteil ist, dass wir häufiger die Supermärkte ansteuern müssen und die liegen hier selten in direkter Kanalnähe.

      Tja, und da unsere Kinder wie Heuschrecken futtern haben wir als erstes Ziel das Örtchen Nantwich auserkoren. Bis dahin führte uns die Strecke durch diverse - in diesem Fall - breite Schleusen/Locks. Die "Bunbury Locks" waren ein kleiner Sonderfall. Es handelt sich hier um ein sogenanntes "Starcase Lock" bei dem die Schleusenbecken direkt ineinander übergehen. Da sich die Schleusenbecken auch gegenseitig befüllen gilt es ein paar Regeln zu beachten. Glücklicherweise helfen hier freiwillige aber "offizielle" Helfer = "Volunteers" beim Logikrätsel. Da es sich um eine breite Schleuse handelt ist hier sogar Begegnungsverkehr möglich. Bis zu drei Narrowboats normaler Länge können bei ausgeglichenen Becken umeinander herum kurven.


      Zwei Boote rauf, ein Boot herunter. In Bunbury wird gerade fröhlich rangiert.


      Wenn gerade kein Volunteer greifbar ist muss man diese Anleitung dann auch verstehen. Bei Dreifachstufenlocks kommt wohl als Punkt 8. dann noch "Don't Panic!" hinzu.

      Kanalstimmung...
      kommt schon bald auf. Und die ist fast immer höflich und freundlich. Eigentlich alle Boater grüßen sich gegenseitig und auch die Personen auf dem Towpath werden einbezogen. Es wird gerne Smalltalk betrieben (ja, das Wetter, nein, nicht Brexit) oder Tipps für Pubs etc. weitergegeben. Später sagte uns einer der vielen Continuous cruiser, dass er so gerne auf dem Kanal lebe, gerade weil dies eine Zone/Reservat der Freundlichkeit ist und weil hier über die Jahrzehnte die Zeit quasi stehengeblieben sei. Die erste Bewährungsprobe gibt es vor Nantwich. In einer engen Kurve taucht Gegenverkehr auf. Ich stoppe zunächst und will dann die Snowmane nach Steuerbord drehen um Platz zu machen. Das Pferdchen will aber nicht und der Gegenverkehr wartet in diesem Falle mal nicht. Es gibt ein kräftiges "Kablonk" und ich bekomme ein fröhliches "Don't worry! It's a contact sport." zugerufen. Im weiteren Verlauf waren meine Gegenüber übrigens rücksichtsvoller. Die Boote sind stabil, echte Schäden eher selten. Das sehen wohl auch die Versicherungen so. Die war bei uns im Preis inklusive bei einer Selbstbeteiligung von maximal 100 Pfund.

      Die Innenstadt Nantwichs ist recht hübsch historisch und einen großen Supermarkt hats auch für uns. Allerdings muss man schon ein Stück gehen. Der Kanal läuft durch Nantwich auf einer Art Damm in ca. 10m Höhe. Hier gab es auch das erste Kanalbauwerk. Ein kleines Aquädukt hilft dem Kanalwasser (und den Booten) über die Straße.


      1: Eine hübsche (und laute) Kirche in Nantwich, 2. Das Aquäduct, 3. Der höher gelegene Kanal. Hier mit einem fahrenden Kunsthändler/Maler.


      Unser erster Übernachtungsplatz mit leicht städtischem Charakter. Man beachte die Mooring Pins.
    • Am Folgetag ging es dann über die Hurleston Locks in den Llangollen Canal. Es handelt sich dabei um 4 Schleusen in kurzer Folge. Man spricht dann von einem sogenannten "Flight". Diese Schleusen werden von Freiwilligen beaufsichtigt, da die unterste Schleuse etwas baufällig und schmal geworden ist. Dieses Jahr blieben wohl bereits 2 Boote stecken. Eines war so "doof" und hatte wohl seine Fender draußen gelassen.

      Der Hurleston Flight
      • Love no Fender
        Leih-Plastikboote sind ja üblicherweise mit Fendern nur so garniert. Bei Narrowboats sind die seitlichen Fender dagegen deutlich kleiner und dienen nur dem Komfort, wenn ein Boot z.B. zwecks Übernachtung anlegt. Sie vermeiden dann Lärm duch Kontakt von Stahl auf Stahl oder Beton wenn im Boot oder Wasser Bewegung ist. Während der Fahrt, insbesondere in Schleusen sind die seitlichen Fender aber zu verstauen. Zusätzlich gibt es einen Fender (meist geknüpft) vorne. Der schont die Schleusentore bei Kontakt. Der hintere Fender kann ggf. das Ruder vor Schaden bewahren. Das Ruder ist das Teil was auf so einem Narrowboat am ehesten Schaden erleiden kann. Alles andere ist robust. Auch auf Grund laufen ist komplett ok, da der Boden flach ist und die Schraube hinten leicht oberhalb des Bodens und damit passabel geschützt.



      Gleich nach den Locks machen wir noch einen Abstecher. Über die Felder und diverse Übertritte geht es zu Snugburys. Blaue Farbflecke an Zaunpfählen weisen uns unauffällig den Weg. Das Wetter ist nach Eis und hier gibt es reichlich Sorten.


      1. Nur noch wenige 100m über die Felder und wir sind da..., 2. Bitte entscheiden Sie sich....

      Der Llangollen Kanal zeigt nun seinen ländlichen Charme. Es zeigen sich die "Rolling Hills" mit vielen Feldern und Knicks mit vereinzelten alten großen Bäumen. Das ist das Vorbild das in vielen Englischen Parks versucht wurde nachzuempfinden (z.B. der "Jenisch Park" in Hamburg). Auch Tiere sind unübersehbar, natürlich Enten samt Nachwuchs, Gänse, Schwäne, Fischreiher gelegentlich Greifvögel und seltener blitzt auch mal ein Eisvogel durchs Bild. Wir "mooren" abends mittendrin. Es wird wieder gefuttert, für die Enten gibt es auch etwas Porridge.

      Unser 2. Mooringplatz.


      Abendliche Aussicht aus dem Kombüsenfenster.

      • Mooring
        Anlegen darf man mit dem Boot prinzipiell überall am Treidelpfad, wo es nicht anderweitig verboten ist. Für diesen Zweck gibt es einerseits Haken oder Ketten, falls die Uferbefestigung z.B. aus Leitplanken oder ähnlichem besteht. Ansonsten gibt es "Mooring Pins". Das sind große Heringe/Nägel die mit einem Fäustling in den Boden gekloppt werden. Manchmal ist das Ufer etwas uneben oder der Grund zu flach um mit dem Boot bis an die Uferbefestigung heranzukommen. Dafür gibt es dann die "Gangplank". Es gibt auch ausgewiesene "Visitor Moorings" dort liegen natürlich eher mehr Boote. Dafür stimmt dort die Wassertiefe und das Festmachen ist dank Ringen oder Leitplanken recht bequem. Im Laufe des Urlaubs haben sich folgende Wunschkriterien für Mooringplätze bei uns herauskristallisiert: - Schöne Gegend, ggf. Aussicht, - keine bzw. nur wenige Boote in direkter Nähe, - Mobilempfang (geht aber auch mal ohne), - kein Lärm (Straßen), - Porridge-Empfänger in der Nähe (Enten, Gänse etc.), - Brücke zum drauf sitzen und abchillen in der Nähe, - kein Gestank (Gülle auf Feldern oder Bauernhof/Misthaufen nahebei), - keine bzw. wenig Mücken oder Pferdebremsen. Da sucht man manchmal schon etwas bis alles zusammenpaßt. ;)

        Die Boote sind recht autark. Der 450l Frischwassertank sollte bei fünf Verbrauchern aber häufiger aufgefüllt werden. Dazu gibt es Wasserhähne an verschiedenen Punkten des Kanals. Einmal die Woche sind die Klotanks an einer Marina/Wharf abzupumpen. Die Batterien werden durch die Maschine aufgeladen. Fährt man einen Tag mal nicht, sollte aber der Diesel ein paar Stunden im Stand laufen. (Mietboote haben nur seltenst Solarzellen) Gas und Sprit reicht mindestens 2 Wochen.
    • Ein neuer Tag, neue Brücken. Bei Wrenbury taucht die erste "lift bridge" auf. Diese werden fast immer manuell hydraulisch über eine "Windlass" (Kurbel) bedient. Eine Ausnahme steht in Wrenbury. Diese Brücke ist elektrisch samt Ampeln und manuell zu schließende Gates/Schranken. Für solche Zwecke hat jedes Boot einen Schlüssel für die Freischaltung. Nach einem kleinen Stau auf dem Wasser folgt ein kleiner Stau auf der Straße.


      Die Autos müssen dann eben mal warten...


      Schnellschulung zum Brückenwärter/Brückentroll

      Bald danach quetschen wir uns zwischen Schilf und "Workboat" an einer Baustelle vorbei. Vor wenigen Wochen war hier der Kanal über das Ufer getreten. Während die Uferbefestigung repariert wurde war die Passage hier zunächst gesperrt, dann später zeitlich eng reglementiert. Das haben wir glücklicherweise verpaßt. Ein Bruch des Kanales wie z.B. 2018 im nahen Middlewich konnte hier noch abgewendet werden.


      Da passt man durch? Ja das geht, aber das Boot schrabt letztlich doch am Workboat vorbei, da es vom Schilf etwas rübergedrückt wurde.

      Das nächste interessante "Feature" wartet auf uns in Form eines dreifachen Staircase Locks in Grindley Brook. Es gibt wieder Infotafeln die die erforderliche Füllreihenfolge der Schleusenbecken erläutern. Wir sind froh, denn einer der wartenden erfahrenen Boater hilft mit (wirklich) hilfreichen Tipps. Der Llangollen Kanal ist einer der touristisch beliebtesten Kanäle in England. Daher hätte ich besonders im Sommer und gerade hier mit Wartezeiten gerechnet. Wir sind aber bereits nach ca. 10 Minuten "dran" sobald ein Boot stromabwärts die Schleuse passiert hat. Ein Café nahebei sorgt für Schaulustige und Eisnachschub.


      Grindley Brook mit drei "kommunizierenden" Schleusenbecken. Solange auch die Schleusenbediener und Skipper miteinander kommunizieren wird alles gut...

      Es naht der Ort Whitchurch. Hier wollen wir mal wieder einen Supermarkt entern und auch in einem Kanalseitenarm übernachten. Das läuft zunächst folgendermaßen. 1. Am Kanalarm vorbeifahren (weil: Kurve ist zu eng), 2. 200m später an einem "Winding Hole" wenden. 3. In den Kanalarm einfahren und nach Liegeplätzen schauen. 4. Im Arm wieder an einem "Winding Hole" wenden, 5. Anlegen, Fertig!


      Mooring im Whitchurch Kanalarm.

      Der Weg zum Supermarkt dient auch wieder dem örtlichen Sightseeing. Man kann hier für ca. 1,5km, der ehemaligen, - aktuell zugeschütteten - Fortsetzung des Kanales folgen und erspart sich so unnötige Steigungen. Wer den historischen Stadtkern allerdings sehen will der muss dennoch auf den Hügel. So ein Supermarktbesuch in England birgt auch einen gewissen Unterhaltungswert. Zudem können die Kinder ihre Präferenzen besser durchsetzen. (Im Urlaub haben wir nur wenige kilo Erdnussbutter verbraucht. Es gibt da diese 750g Pötte...)

      • Winding Hole:
        Das Boot ist 18m lang, der Kanal so 3-10m breit. Das paßt nicht und wenn mal doch, dann ist er an einer Seite vermutlich zu flach. Dafür gibt es alle paar Meilen Winding Holes. Das "Wind" spricht sich wie in "Windlass" (Kurbel) oder die Luftbewegung "Wind". Idealerweise wendet man vor Publikum (Gongoozler) damit die auch mal was zu lachen haben. Denn da die meisten Boote ohne Bugstrahlruder fahren (wer braucht schon sowas), ist das etwas anspruchsvoller. Auf Grund laufen, verkeilen, hektisches kommunizieren und schieben von Helfern an Bug und Heck. Das ist gerne mal dabei.
    • Auch von mir einmal ein Danke, sowohl was den Text aber auch die Bilder betrifft.

      Wir sind u.a. Wasserwanderer mit einem Zweier-Kajak, und da wo ihr gefahren seid ist es auch für uns wohl eine gemütliche Tour. Frage ist jedoch habt ihr eben auch diese muskelkraftbetriebenen Boote gesehen?

      Natürlich warte ich auch auf die Fortsetzung.
      take a walk on the wildside

      sagt und grüßt
      ralf, der Ruri-Wessi
    • Beim Frühstück im Boot grüßen wir noch die Beine von ein paar vorbeilaufenden Joggern dann brechen wir allmählich auf in Richtung Ellesmere. Die Schleusen werden nun seltener. Wir passieren das Moor "Bettisfield Moss". Bald zeigen sich die ersten Seen/Meres, welche rund um Ellesmere liegen. Zwischen dem Blake Mere und dem Kanal liegt nur ein kleiner Landstreifen.


      Blake Mere, wir fahren nicht über'n See aber immerhin knapp dran vorbei.

      Der erste Tunnel naht: Einspurig.. wir schleichen uns an und direkt am Eingang haben wir den Durchblick ... das heißt er ist frei und wir dürfen fahren. Ich stelle mir vor, daß in Deutschland so ein Bauwerk sicher nicht ohne Ampelanlage, ggf. Benutzungsgebühr und eigene Bußgeldsatzung im Falle einer Tunnelverkehrsregelampelmißachtung auskäme.


      Wir müssen wohl noch näher, so sieht man noch nix...


      Tunnellicht? Haben wir an!

      [url=https://en.wikipedia.org/wiki/Ellesmere,_Shropshire]Ellesmere[/url] ist der einzige Ort am Llangollen Canal mit einem "TESCO" (Supermarkt) direkt am Wasser. Selbstbewußt fahre ich in den Seitenarm. Ich lerne: Im Sommer lohnt sich das nicht! Alle Liegeplätze waren belegt und es braucht nur ewig Zeit um sich an den Booten vorbei hineinzuqzuetschen hinten zu wenden und wieder herauszuquetschen. Wer vor oder hinter dem Seitenarm entlang des Hauptkanales anlegt hat es auch nicht weit zu Stadt und Einkaufsmöglichkeiten.


      Ein Boot hat hier beim "Winding" wohl auch gleich das Haus gelöchert. War wohl zu nah am Wasser gebaut...

      Nach kurzen Ergänzungkäufen - Erdbeeren, Eis, Blaubeeren, was man eben so zum Leben braucht - suchen wir uns einen hübschen Liegeplatz gleich hinter Brücke 63 in der Pampa. Tolle Landschaft, Ruhe, echt chillig. Ein Kind will fernsehen. Wir sollen uns bei der Richtung an den Antennen anderer Boote oder Häuser orientieren sagte George. Kind holt den Fernstecher, stellt sich auf das Boot und kann in der Ferne ein Haus samt Antenne erspähen. Jetzt muss man morgens nur noch beim Ablege-Precheck daran denken, die Antenne auf dem Dach wieder herunterzuschieben damit sie nicht von Brücken/Bäumen/Tunneln abgeschert wird. Wir haben im Urlaub mindestens dreimal direkt nach dem Ablegen gleich wieder angelegt um das nachzuholen.


      Porridgeempfänger vor dem Kombüsenfenster


      Tolles Plätzchen. Man beachte die akkurat ausgerichtete Fernsehantenne.

      • Brücken:
        Auf fast allen Kanälen in Britannien sind die Brücken durchnumeriert. Sie dienen quasi als Kilometersteine. Sehr sehr viele Brücken, vor allem außerhalb der Städte sind noch im Originalzustand aus dem 18/19ten Jahrhundert zur Zeit des jeweiligen Kanalbaus. Einige sind Straßenbrücken die natürlich meist nur einspurig von den Kfz passiert werden können. Viele sind Verbindungsbrücken für die Landwirte. Häufig wird an diesen Brücken der Wanderweg entlang des Treidelpfades mit quer verlaufenden "Public Footpaths" verbunden. Diese verlaufen oft quer über die Felder und erlauben den Zugang über speziellen Tore oder Übertritte. Die Brücken dienen auch als visuelle Trenner so daß man alle paar 100m wieder ein neues "Kapitel" des Kanals zu sehen bekommt.



      Ein Übertritt und ein richtig modernes Gatter zwecks Wegeverbindung und Viehtreidelpfadzuschietvermeidung





      Eine Brücke auf dem Weg nach Chester mit angeflanschtem abchillenden Kind
    • WasserWombat schrieb:

      Ich stelle mir vor, daß in Deutschland so ein Bauwerk sicher nicht ohne Ampelanlage,
      Oh, auf der Lahn, genauer in Weilburg, gibt es den ältesten und längsten (195 Meter) heute noch befahrbaren Schiffstunnel in Deutschland. Okay, auf der Lahn fahren fast ausschließlich Kajaks, aber schoninteressant, mit dort lebenden Fledermäusen and am Ausgang des Tunnels dann gleich eine Doppelschleuse.
      take a walk on the wildside

      sagt und grüßt
      ralf, der Ruri-Wessi
    • Sehr eindrucksvolles Bauwerk, dieser Tunnel an der Lahn. Und ganz ohne Ampel. Bei unseren drei in diesem Jahr befahreren Tunneln waren Kajakfahrer auch nicht das Problem. Die waren beleuchtet und damit wußte man, dass der Tunnel belegt war. Vor einem Tunnel beteuerte uns ein Boot das wohl vorher herausgefahren war, dass nur ein Boot in die andere Richtung unterwegs sei. Also alles gut. Allerdings sahen wir auch dort mehrere bewegende Lichter im Tunnel. (Narrowboats haben normalerweise nur ein weißes Tunnellight vorn und Kajaker haben das Licht ja auch in Blickrichtung). Es stellte sich heraus, daß ein Fahrrad auf dem Treidelpfad im Tunnel entgegenkam und zudem die Leute auf dem voranfahrenden Boot mit Taschenlampen o.ä. hantierten.
    • (Fortgesetzt:)
      Am nächsten Morgen geht es dann durch das Örtchen Froncysyllte, welches sich an einem Hügel sortiert. Der Kanal wandert zunächst entlang des Hügelprofils und nach einer letzten lift bridge erstreckt er sich - zunächst auf einem Damm - in das Flußtal des river Dee. Dann beginnt die ca. 300m lange Passage über das Pontcysyllte Aquädukt. Die Überfahrt ist einspurig, man schaut vorher ob jemand von der anderen Seite kommt, wer zuerst drauf ist, fährt zuerst. Dann tuckert man gegen den "Strom" über das Weltkulturerbe. Ein gußeisener Trog, ca. 40m über dem Fluß. Auf der einen Seite die dünne Wandung knapp über der Wasserlinie, ab da Ausssicht. Auf der anderen Seite der Treidelpfad samt Geländer. Immerhin dort haben sie ein Geländer spendiert. Schön ist die Aussicht, eindrucksvoll die Tatsache das man (dichterisch) "durch den Himmel" tuckert. Vom Bauwerk selbst allerdings bekommt man während der Überfahrt gar nicht so viel mit. Der Trog ist schmal, unser Boot berührt zwangsläufig auch mal die Außenkante. Hält alles, hat bisher ja auch immer gehalten.


      Blick zurück in Richtung Froncysyllte


      Und über den Fluss Dee..


      Viel Platz ist nicht...


      ca. 300m Länge hat diese "Trogbrücke"

      Am anderen Ende der Brücke ist das Örtchen [url=https://en.wikipedia.org/wiki/Trevor,_Wrexham]Trevor/Trefor[/url] (letzteres die walisische Schreibweise). Hier trifft ein Bootsverleih samt Seitenarm sowie die Fortsetzung des Llangollen Kanals aufeinander. In einem fröhlichen Kuddelmuddel kommen hier die Boote von Kanalseite durch eine kleine Schmalstelle + Brücke und damit mit 0 Sicht in ein kleines Becken und vermischen sich mit den wartenden Booten vor dem Aquädukt. Dort hindurch gilt es für die Boote vom Aquädukt dann 90° nach links zu wenden und durch Brücke und Engstelle (so denn frei) den Kanal weiter zu befahren. Hier ist schon mehr los. Auch sogenannte "Day hire" Boote sind hir unterwegs. Je nach Anbieter, ab ca. 100 Pfund (~120 EUR) kann man hier einen Tag auf einem sehr interessanten Kanalabschnitt fahren. Aber in Llangollen selbst gibt es auch ein paar Anbieter für Rafting-Touren auf dem Dee oder Kajak-/Kanufahrten.


      Ein "Day Hire Boat"

      Der Kanal wird nun merklich schmaler, teils auch flacher als bislang. Er schlängelt sich nun am Hang für ein paar Meilen wie üblich entlang der Höhenlinie das Flußtal hinauf. Die Gegend hat nun eher Mittelgebirgscharakter. Die Ausssichten sind schön, der Kanal wird anspruchsvoller. Bei zwei Engstellen wird es so schmal, daß Gegenverkehr nicht möglich ist. Dafür geht einer die Strecke (so maximal 500m) voraus und schaut, ob die Luft rein ist. Bis dahin sammelt sich in unserem Fall eine Gruppe von vier Booten an die dann gemeinsam die Engstelle passieren. Teils ist der Kanal sehr eng und die Strömung deutlich merkbar. Teils passiert man steile Felsen oder enge Kurven. Es ist schon etwas anspruchsvoller die 60Füße hier durchzulotsen ohne peinlich aufzufallen. Dann sind wir in Llangollen. In Llangollen gibt es in Sachen Liegeplätze eine Sonderregelung. Das Boot darf hier maximal zwei Nächte liegen und man zahlt eine (sehr erträgliche) Liegegebühr (bis 4h sind frei). Dafür gibts Wasser und (theoretisch) Strom am Liegeplatz und sogar eine kleine Marina damit auch im Sommer jeder Platz findet.


      Paßt halt nicht mehr Kanal an den Hang


      Hier ist im Sommer schon etwas mehr Betrieb wie man sieht.
    • Wir machen uns auf ins Örtchen. Das ist mal touristisch aber auch hübsch. Eine Brücke (natürlich Antik) führt über den Fluß. Seitwärts dampft und lärmt die Dampfeisenbahn die hier regelmäßig verkehrt. Abseits der Hauptstraße liegen hutzelige Häuschen und interessante Lädchen. Wir essen heute mal auswärts im Bistro.


      1. Blick von der Dee-Brücke auf den Bahnhof. Der Zug dampft gerade ab..., 2. Eine leicht touristische Prägung ist dem Ort nicht abzusprechen, 3. Ein Blick auf Dee von der Uferpromenade, 4. Im Phoenix Bistro wird gegessen (Vorsicht, vegan!)

      Auf dieser Seite des Flußtales begann der Kanal ja bei ca. 40m Höhenunterschied zum Fluß. Wir gehen am Nachmittag nun noch ein Stück weiter bis zu dem Punkt, wo Fluß und Kanal sich treffen. Hier liegt ein dekoratives Wehr - die Horseshoe Falls / Rhaeadr y Bedol) - das das Kanalwasser aus dem River Dee abzweigt. Der Kanal dient übrigens auch als Trinkwasserlieferant und zwar bis hinunter nach Hurleston wo es in einem Reservoir gesammelt wird.


      1. Kleiner Abstecher vom Kanal an den parallel laufenden Fluß Dee, 2. Der Horseshoe Fall

      Entlang unser kleinen Wanderstrecke dürfen keine motorgetriebenen Boote mehr fahren. Dafür transportiert ein Boot mit "Pferdeantrieb" willige Touristen schön leise und geruchsarm einen Teil der Strecke. Es ist interessant zu sehen wie die Boote traditionell getreidelt wurden. Das lief in England wohl oft recht lange, so dass nur wenige historische Narrowboats mit Dampfantrieb existieren. Der Großteil der damals verbleibenden Boote wurde dann bereits auf frühe Diesel umgerüstet.


      1. Leise gleitet das Treidelgespann vorbei, 2. Pferd hat Vorfahrt