Krötenwanderung

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    • Krötenwanderung

      Das Thema hat eigentlich nichts mit Reisen zu tun, aber um wenigstens noch ein bisschen den Bogen dazu zu schlagen, habe ich es KrötenWANDERUNG getauft.
      Wie einige von euch wissen, bin ich ein Tierfreund (da wird es auf unserem Stellplatz demnächst auch noch etwas neues geben). Und als solcher habe ich gestern in zwei unterschiedlichen "Einsätzen" hoffentlich viele Tierleben gerettet.

      Vorgeschichte:
      Vorgestern Nacht hatte ich 39 Grad Fieber. Halsschmerzen, starker Husten und Gliederschmerzen zwangen mich dazu, sämtliche Termine und Arbeiten in dieser Woche einzustellen. Stellplatz, Buchmanuskripte - alles aufgeschoben. Erst muss ich gesunden. Selbst für Forenbeiträge fühlte ich mich gestern saft- und kraftlos. Ich habe mir also vorgenommen, den Tag völlig entspannt anzugehen und einfach mal nichts zu machen. Dieser Vorsatz endete kurz nachdem am Morgen meine Frau das Haus verließ und zur Arbeit gehen wollte. Denn genau nach zwei Minuten kam sie zurück. Und sie war in Begleitung:

      Hummel-Lebensrettung:
      Auf einem Papiertaschentuch lag eine Hummelkönigin. Auf dem Rücken, wie tot. Keine Regung, nichts. Wir hatten erst zwei Wochen zuvor via Twitter gelernt, dass man Hummeln im Frühjahr retten kann. Wir wussten es bis dato nicht und vielleicht weiß es der ein oder andere Mitleser auch nicht. Und zwar leben Hummeln bekanntlich in einem Volk. Alle Hummeln des Volks sterben im Herbst, außer die Jungköniginnen, die sich eine Nektarreserve anfressen und so den Winter überleben. Wenn dann der Frühling kommt, gründen diese Königinnen ein neues Volk und der Kreislauf des Lebens beginnt von vorn.
      Nun ist es aber so, dass die Königinnen nach dem Winter schnell entkräftet sind. Der Nektar ist verbraucht und die Hummel muss trotzdem einen Vollzeitjob leisten. Denn einerseits sucht sie nun flügelringend Pflanzen, um sich zu stärken und andererseits ist sie auf der Suche nach einem geeigneten Ort, den sie annektieren kann, um ihr Volk zu gründen. Nur die wenigsten Hummeln schaffen das und oft sieht man die Hummeln im Frühjahr "tot" herumliegen. Dabei sind sie nicht tot, sondern nur absolut entkräftet.
      Auch die gestrige Hummel haben wir ganz fachmännisch für tot erklärt. Meine Frau startete einen zweiten Versuch, zur Arbeit zu gehen und wollte die vermeintlich tote Hummel draußen auf der Wiese ablegen. Doch in dem Moment zuckte eines der Beinchen. Ganz so wie in einem klassischen Spielfilm, wenn alle denken, der Hauptdarsteller stirbt gerade, gab es in diesem Moment ein Anzeichen von Lebenswille. Also kam meine Frau wieder rein und rief: "Sie lebt". Da ich ihr absolut vertraue, prüfte ich das nicht weiter, sondern holte sofort den Sanitätskoffer in Form eines Esslöffels, gefüllt mit Wasser und Zucker.
      Das Verhältnis von Wasser und Zucker war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Daher war ich zunächst ein wenig zu sparsam mit dem Zucker. Wir setzten die Hummel in den Löffel und hofften, dass sie das Zuckerwasser schlürfen würde. Meine Frau verschwand nun endgültig und die Hummel und ich machten uns einen schönen Auskurier-Tag.
      Es dauerte eine lange Zeit, bis die Hummel ein wenig mehr Leben zeigte. Es begann damit, dass sie irgendwann ihren Hinterleib auf und ab bewegte. Sie atmete! Die Reanimation war erfolgreich.
      Doch es passierte weiterhin lange nichts. Selbst ihren Saugrüssel fuhr sie nicht aus. Eigentlich lag sie mit dem Kopf im Wasser. Doch das Waterboarding schien ihr zu bekommen, denn nach gut zwei Stunden machte sie Anstalten, den Löffel zu Fuß verlassen zu wollen.
      Frohen Mutes, dass sie vielleicht auch bald schon fliegen könnte, setzte ich sie draußen auf die Fensterbank. Dort gab ich ihr dann eine zweite Zuckerlösung. Und zwar dieses Mal mit deutlich mehr Zucker. Ein wenig wie eine breiähnliche Masse. Das wirkte. Die Hummel, die ein paar Stunden zuvor auf dem Rücken lag und sich nicht regte, zeigte den Saugrüssel, schnabulierte lange Zeit das süße Zeug und begann danach, sich zu putzen.
      Die Vögel, die sonst immer zum Fressen zu uns auf die Fensterbank kommen, habe ich ausnahmsweise verscheucht. Gestern war geschlossene Gesellschaft. Nur die Hummel und ich. Sie stand unter meinem persönlichen Schutz.
      Im Laufe der Stunden zog sich die Hummel in die hinterste Ecke der Fensterbank zurück. Das machte mir Sorge. Also lud ich in ihrer unmittelbaren Nähe wieder eine Ladung Zuckerbrei ab. Den herannahenden Löffel nahm sie als Bedrohung war und versuchte diesen mit einem der Beinchen abzuwehren. Da ich ja, wie oben erwähnt, ein Tierfreund bin, wertete ich das nicht als Akt der Aggression, sondern sah es positiv. Denn wenn die Hummel das mittlerweile kann, dann geht da noch mehr.
      Und siehe da, auch dieses Zucker-Wasser-Gemisch wurde angenommen.
      Es war mittlerweile schon früher Nachmittag. Die Operation dauerte bereits mehrere Stunden. Aber es war nun Zeit, Abschied zu nehmen. Gefühlt schauten wir uns tief in die Augen, bedankten uns gegenseitig für die aufopferungsvolle Pflege und beschlossen, das Lazarett nun dicht zu machen. Die Hummel düste davon und auch mir ging es besser.


      "Meine" Hummel mit Saugrüssel im Zuckerwasser


      Krötenwanderung:
      Einige von euch wissen auch, dass ich nicht nur Tierfreund bin, sondern mich auch ehrenamtlich beim Nabu engagiere, Kröten und andere Amphibien im Frühjahr über die Straße zu tragen. Denn wie die Hummeln wollen sich auch die Kröten vermehren. Dafür ziehen sie bei entsprechender Temperatur los, verlassen ihren Winterplatz und wollen zu ihrem Ablaich-Platz. Blöd nur, wenn zwischen A und B eine Straße verläuft. Dafür gibt es die Krötenschutzzäune. Damit werden die kleinen aufgefangen. Sie krabbeln ein wenig am Zaun entlang und fallen in Eimer, die zuvor im Erdboden eingegraben wurden. Jetzt muss nur noch jemand kommen, um die Kröten aus den Eimern zu befreien und sie über die Straße zu tragen.
      Und da wären wir. Seit mittlerweile sechs Jahren sind wir hier in Essen in den späten Abendstunden unterwegs, um Krötentaxi zu spielen. Je nach Revier oder Zaun kann das schnell gehen oder auch mal länger dauern. Gestern waren wir an einem Zaun in Ruhrnähe, der sehr lang ist und durch die Begebenheiten vor Ort von vielen Spazierwegen unterbrochen ist. Das heißt, dass die Kröten auch andere Wege finden können. Davon abgesehen ist der Zaun an manchen Stellen schon etwas löchrig. Also prüfen wir nicht nur, ob Kröten am Zaun oder in den Eimern sind, sondern wir suchen auch das nähere Umfeld ab. Das ist übrigens auch der Grund für meine neue Taschenlampe.
      Je nach Witterung können das mal mehr, mal weniger Kröten sein. Bei der gestrigen Krötenwanderung fanden wir:

      101 Erdkröten
      3 Grasfrösche und
      2 Bergmolche

      Zusammen mit der wiederbelebten Hummel empfanden wir den Tag gestern als echt schön. Und heute morgen habe ich dann doch wieder so langsam mit der Arbeit an verschiedenen Texten begonnen. Wenn die Hummel arbeiten kann, dann kann ich das auch...


      Bergmolch


      Nach dem Entlassen in die Freiheit müssen sich die Amphibien kurz orientieren und gehen dann in Richtung Wasser. Gut zu erkennen sind die beiden Bergmolche. Den kleinen, hellen auf der linken Seite habe ich im Unterholz entdeckt. Keine Ahnung, wie ich das geschafft habe. Musste wohl kurzzeitig Superkräfte gehabt haben, um ihn zu sehen.
    • Und hier noch weitere Tierchen. Ist wieder etwas kälter geworden, deswegen sind die Zahlen momentan etwas rückläufig:


      Dafür gab es dann aber vorgestern einen echt knuffigen Frosch. Der war so niedlich klein. Die anderen Frösche sind meist deutlich größer. Ich schätze, so um das Drei- bis Vierfache.


      Manche Tiere lassen sich auch gerne von anderen Kröten transportieren. So ein Doppeldecker kommt relativ oft vor.


      Ganz wuselig sind auch die Molche.


      Und an einem Krötenzaun kommen wir sogar an das Wasser ran, wo die Tiere dann ablaichen. Vorgestern war dort richtig was los. Zahlreiche Kröten tummelten sich im Wasser und feierten eine Party. Gut zu sehen ist hier auch der Laich der Amphibien. Der schwimmt geleeartig an der Wasseroberfläche.
    • Ja, genau so ist es.
      Leider hatten wir gestern Abend keinen Dienst. Denn laut Eintrag in der Datenbank gab es gestern 354 (!) Kröten und über 100 Frösche. Da muss was los gewesen sein. Am Abend vorher hatten wir an selber Stelle gerade einmal sieben Kröten. Das war für die Dame, die uns begleitete und die wir "einarbeiteten" natürlich schade. Aber sie freute sich schon über die sieben Kröten.
      Rund 500 Amphibien, da wäre ich gerne dabei gewesen. Na ja, ein paar Abende haben wir noch. Aber das dürfte dann nicht mehr so viel werden.