Teil 2: von Buenos Aires nach Ushuaia

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  • Eine Reise unter dem Kreuz des Südens




    9 Monate ----- 20.000 Km ----- 6 Länder


    Argentinien-Chile-Bolivien-Parguay-Brasilien-
    Uruguay



    „Der Routenverlauf unserer Reise“



    Von Buenos Aires nach Ushuaia


    3.November 2008: Ankunft in Buenos Aires. Einkaufen im Carrefour, Autoversicherung bei Allianz abschließen und einen neuen Laptop kaufen, war die Beschäftigung der ersten Tage.



    Dann sahen wir uns natürlich alles an, was in dieser riesigen Stadt sehenswert ist, natürlich auch am Sonntagmorgen den Flohmarkt in San Telmo. Nach einer Nacht auf dem empfohlenen Buquebus-Parkplatz für teure 8,50 € stellten wir uns für die nächsten Tage in eine Straße am Parque Natural Costanera Sur, kostenlos und mit einem Wasserhahn in der Nähe. Wir hatten keinerlei Probleme dort. Am 11.11.08 ging es dann los, Richtung Süden.
    Zuerst hat mich, dann Marion eine Grippe erwischt, an der wir 3 Wochen zu knappern hatten. In dieser Zeit hatte ich keine große Lust, an dem Reisebericht zu schreiben. Zuerst wollte ich auf Marions schriftliche Notizen zurückgreifen, und in der Folge das abschreiben, was sie in ihr Tagebuch notiert hatte. Doch nach einigen Tagen habe ich das aufgegeben, da alles zu detailliert und umfangreich ist. Deswegen hier kurz eine Zusammenfassung unserer Eindrücke der ersten 4 Wochen in diesem riesigen fremden Land.


    Wir mussten Strecke machen, denn wir wollten zu der „sagenhaften“ Halbinsel Valdez. In Bonita Juarez kauften wir ein und bekamen einen Tipp im Supermarkt, uns für die Nacht in den Parque Municipal zu stellen. Es war ein toller Platz, doch leider bekam ich eine starke Erkältung, an der ich zwei Tage später auch Marion teilhaben ließ.



    Als wir am Atlantik angekommen sind, wollten wir an der N 1 an der Steilküste übernachten. Doch der Patagonische Wind erreichte Sturmstärke, und wir mussten in der Nacht flüchten, so sehr hat unser Auto gewackelt. Einige Kilometer weiter parkten wir im Windschatten auf dem Parkplatz eines Restaurants, das in der Vorsaison nur am Wochenende bewirtschaftet wurde. Hier wollten wir, umgeben von einer großen Anzahl von Papageien, unsere Grippe auskurieren. Als es uns besser ging, besuchten wir 3 Kilometer weiter eine große Seelöwen-Kolonie. Zum ersten Mal erlebten wir diese gigantischen Tiere so nahe.


    Wir fuhren bis St. Antonio/Oeste auf einer Piste, die durch ein riesiges Dünengebiet führt, vorbei an traumhaften Stränden mit Kormoranen. Schildkröten, die auf der Piste spazieren und Papageien sind unsere einzigen Kontakte, denn auf über 100 Km sehen wir kein einziges Auto. St. Antonio/Oeste ist ein Kaff wie aus einem Wild-West Film entsprungen; die Straßen sind nicht asphaltiert, aber in dem „Edelsupermarkt“ gibt es Alles. Anschließend haben wir an der Lagune gut und ruhig geschlafen. Unsere Grippe bleibt weiter hartnäckig bei uns, so dass wir uns entschlossen haben, ein Breitbandantibiotikum zu nehmen.
    Am Morgen haben wir dann Wale in der Bucht entdeckt. Eine ganze Familie Pottwale - riesige Kerle. An unserem einsamen Strand fanden wir bei einem Spaziergang eine verendete Walkuh und nicht weit davon entfernt, ihr verendetes Junges.
    Am 20.11.08 kommen wir in „Pyramide“ auf „Valdez“ an. Immer noch etwas erkältet, aber wir fühlen uns schon besser.
    Auf einer Inselrundfahrt beobachteten wir an den ausgewiesenen Punkten Seeelefanten, Wale und Seelöwen. Auf der Insel gibt es schön gelegene Salzseen, an deren Ufer wir Nandus und Pampahasen entdeckten. Auf der Rückfahrt haben wir einen Franzosen aus dem Sand gezogen, der sich hoffnungslos festgefahren hat. Die ganze Inselrundfahrt waren etwas über 230 Km. Valdez wird hoffnungslos vermarktet. Mit Bussen werden die "Touris" haufenweise angekarrt. Wir waren nicht begeistert von dem was da geboten wird, zumal der Eintritt in den Park mit 25 € uns unverschämt hoch vorkam.



    Am Tag drauf ging es Richtung „Punta Tombo“, eine Stelle wo Hunderttausende von Pinguinen leben sollen. Als wir auf die ausgewiesene Piste einbogen, siehe da, alles asphaltiert! Viele Touribusse kamen uns entgegen. Hier wollten wir nicht noch einmal das Gleiche wie auf „Valdez“ erleben und entschlossen uns, kurzum die Piste Richtung „Capo Dos Bahia“ zu nehmen, da es dort auch eine Pinguin-Kolonie geben soll.
    (Übrigens ist die Kupplung des Magirus seit 2000 Km OK. Meine Laienreparatur war erfolgreich.)
    Diese 120 Km Pistenfahrt war ein Hammer. Off-Road pur, in einer wilden „Mondlandschaft“.
    Es machte riesigen Spaß. Wo kann man so noch in Europa fahren?
    In „Camarones“ standen wir 3 Tage „mutterseelenallein“ am Strand und heilten unsere Grippe nun endlich völlig aus. Bis zur Pinguin-Kolonie waren es herrliche
    35 Km Pistenstrecke. Guanakos ließen sich kaum durch uns stören, Nandus kreuzten unseren Weg und wir scheuchten Pampahasen auf. Der Gang durch die Pinguinen-Kolonie war ein Erlebnis. Am Strand lagen Seelöwen faul in der Sonne. Außer uns war Niemand hier. Es war ein perfekter Tag. Dieses Fleckchen Erde war das bisherige Highlight unserer Reise.



    Am nächsten Tag ließen wir die Küste hinter uns und fuhren in Richtung der versteinerten Wälder. Die Fahrt ging 40 Km über Piste direkt durch ausgedehnte Erdölfelder. In „Sarmiento“ stellten wir uns für 5 Tage auf den örtlichen Campingplatz, um Wasser aufzufüllen und Wäsche zu waschen. Hier erlebten wir was ein Argentinisches Wochenende bedeutet. Marion notierte an diesem Tag (29.11.08):



    ...zu den „Bosques Perificades“, windstill, nur 21 Grad um 10 Uhr, es wurde doch noch schön warm, und wir haben uns über 4 Stunden in den versteinerten Wäldern aufgehalten. Das war wirklich sehr schön und auch die Landschaft dort draußen hat uns sehr gut gefallen. Sind am Abend zurück zum Campingplatz gefahren und da ist die Hölle los. Alle Grills haben geraucht, Familien und Gruppen junger Leute sowie Leute der hiesigen Garnison haben gegrillt, Musik gehört und gespielt. Sind auch mit ein paar Leuten ins Gespräch gekommen, war sehr nett. Dass es die ganze Nacht ging, bis nach 3 Uhr, war weniger nett, denn an jedem Grillplatz wurde eine andere Musik gespielt - alle jedoch mit voller Lautstärke. Und morgens um 7 Uhr waren alle wieder fit. Wir haben kaum geschlafen.


    Zwei Tage haben wir in einem kleinen hübschen Küstenort gestanden; „St. Julian“. Hier haben wir ein weiteres „Hobby“ der Argentinier kennengelernt - Rush- Hour spielen. Am Abend sind ..zig Autos über die Promenade gefahren; hin und her, her und hin, stundenlang die gleichen Autos: Fenster auf, laute Musik, hupen nach Jedem, den man kennt und das mit laut röhrendem Auspuff.
    Hier werden spezielle Auspuffanlagen gebaut. Da hört sich ein alter Fiat wie ein Ferrari an. Jedes Mal, wenn ich dachte, ein toller V8 fährt vorbei, war es eine alte Schüssel, die jeden TÜV-Mann erschreckt hätte.
    An Schlafen war wieder mal nicht zu denken. Wir sind dann auf die ehemalige „Estancia Monte Leon geflüchtet.


    Heute haben wir den 3.12.2008. Wir stehen auf der „Estancia Monte Leon“, die gerade in ein Museum umgebaut wird, welches die Arbeits- und Lebensweise der früheren Bewohner darstellen soll. Dieses Gebiet wurde zum Nationalpark ernannt, und die Rangerin gab uns umfassende Informationen über diesen Park, den wir erst Morgen befahren können, da durch starke Regenfälle er auch mit unserem Fahrzeug unpassierbar sei. Sie gab uns auch den Tipp, falls wir bei unseren Spaziergängen auf das Pumaweibchen mit seinen zwei Jungen treffen sollten, nach ihnen mit einem Stein zu werfen, dann würden sie sich entfernen. Ich hoffe, dass darüber auch das Pumaweibchen informiert ist. Mal sehen wie es wird.



    Im „Naturpark Monte Leon“ hat es uns sehr gut gefallen, und wir sind 3 Tage dort geblieben; sahen uns eine Seelöwenkolonie, eine Pinguin-Kolonie und eine Insel voller Kormorane an. Täglich besuchten uns eine Guanako-Herde und ein Ibis-Pärchen. Eines der Guanakos besuchte täglich Marion, die jedes Mal aus nächster Nähe mit ihm redete. Schon ein seltsamer Anblick.


    Hier trafen wir Anita und Andrej aus Dresden mit ihrem Allrad-Sprinter. Wir machten unser erstes Asado und die Frauen backten Kuchen. Es waren ruhige schöne Tage, wenn auch mit stürmischem Patagonischen Wind und nächtlichen 12 Grad.
    Der Wind setzt hier einem schon richtig zu, macht einen mürbe, wenn er so mit 120 Km/h ständig weht und in Sturmböen noch stärker wird. Patagonien ist ein extremes Land, extremer Sturm, extreme Witterung und Temperaturschwankungen von 35° am Mittag auf 14° am Abend, und Menschen mit extremer Art und Weise zu leben. Autofahren ist auch nicht besonders schön, denn man segelt hart am Wind, auch mit 9 Tonnen. Bei Gegenwind, wenn eine kleine Steigung kommt, glaubt man förmlich stehen zu bleiben. Doch wir hatten bisher Glück, denn bei 80 % unserer Fahrtage kam der Wind entweder von hinten seitlich oder wir hatten die heißen windarmen Tage erwischt, dafür aber extrem geschwitzt.


    Den 2. Adventssonntag haben wir in „Rio Gallegos“ verbracht, bei starkem Sturm und 13°. Am Fluss standen Supervillen und davor führte eine vierspurige Straße vorbei, die abends und die halbe Nacht (bis 4 Uhr) die Strecke fürs Rush-Hour-Spielen war. Neben uns parkten die Autos kurzzeitig und ließen, nicht nur die Radios bei offenem Fenster röhren sondern taten das Gleiche mit ihren aufgebohrten Auspuffanlagen. Weder wir noch unsere Dresdner konnten in dieser Nacht ein Auge zu machen. Natürlich flüchteten wir morgens gleich aus dieser größten Stadt Südpatagoniens.


    Von einem Kratersee, 5 Km vor der Chilenischen Grenze, der „Laguna Azur“ hatten wir gehört (stand in keinem Reisebuch bzw. Bericht). Hier wollen wir uns ein paar Tage aufhalten. Wir haben uns mit allem Notwendigen für diese Tage eingedeckt. Unter anderem mit zwei teller-grossen, echt Argentinischen Rindersteaks (beide für zusammen 2,50 €). Dieses Fleisch ist eine Sünde wert, mit einem unbeschreiblichen Geschmack.
    Die Tage an dem Vulkankrater waren sehr erholsam. Dort trafen wir wieder Anita und Andrej und die beiden Pick-ups aus Augsburg. Wir fuhren einen Tag später als die anderen weiter und verabredeten uns für Weihnachten mit den Dresdnern in Ushuaia.


    Bereits nach 5 Kilometer kamen wir an die Chilenische Grenze und mussten dort unsere Zwiebeln und den Kürbis der Einfuhrkontrolle übergeben. Das brachte Marions Essensplan etwas durcheinander, denn wir hatten uns auf die Kürbissuppe sehr gefreut.
    Hier, wie auch bei der Ausreise am gleichen Tag, waren die Herren vom Zoll total begeistert einen Magirus zu sehen. Der Wagen muss in Chile einen enormen Status haben. Der Zöllner und sein Kollege kamen extra vor das Gebäude und steckten ihre Köpfe unter die Kotflügel, um sich alles genau anzusehen. Wir wunderten uns sehr darüber und verstanden eigentlich die ganze Sache nicht so richtig. Noch weniger verstehe ich einen englischen König von 1901. Ihm ist zu verdanken, dass wir durch diese kleine Ecke von Chile auf Feuerland über die schlechteste Piste fahren mussten, die wir je gesehen haben; 40 Km/h, mehr ging nicht.



    Ich wusste nicht, dass es schon 1900 in England „Stoff“ gab. Ihr König war damals jedenfalls total zugekifft. Anders ist nicht zu erklären, wieso er den Schiedsspruch fällte, zwischen Argentinien und Chile auf Feuerland mit dem Lineal die Grenze zu ziehen. Jedenfalls hat der „Junkie“ sich zumindest um ein Grad nach Osten vertan. Nur so ist zu erklären, dass das Argentinische Feuerland durch eine kleine Ecke Chilenischer Pampa vom übrigen Land getrennt ist. Einen Längengrad weiter westlich das Lineal angesetzt, und Argentinien wäre ein zusammenhängendes Land, und man hätte die Teerstraße bis Ushuaia durchgezogen. Wozu die Chilenen natürlich keine Veranlassung sehen.
    Diese Englische „Unzulänglichkeit“ scheint aber beispielhaft gewesen zu sein. Knapp ein halbes Jahrhundert später hat ein anderer „Inselbewohner“ dem Staat Israel ein Staatsgebiet zugewiesen und genauso „sinnvolle“ Grenzen gezogen. Den Ärger hat die Welt heute noch. Obwohl damals zur Debatte stand, Israel in Patagonien zu gründen. Und war nicht auch ein Engländer beteiligt, als die Westmächte nach dem zweiten Weltkrieg die Ostgrenzen von Deutschland gezogen haben?
    Die Oder-Neiße-Linie! Dass die Amerikaner außerhalb USA keinen Plan haben, ist wohl bekannt, aber die Inselmenschen sollten gewusst haben, dass es zwei Neißen gibt. Natürlich haben die Polen die Görlitzer-Neiße genommen, denn die liegt ja weiter westlich, was ihnen nur zugutekam. Also ihr Inselaffen, bitte den Politikern keinen Stoff mehr geben, sonst wird es wohl noch schlimmer!!!!!
    Jetzt habe ich genug politisiert und auf „Fast-Europäer“ von der Insel genug geschimpft.


    Unseren nächsten Stopp, nach einer anstrengenden Fahrt mit zwei Grenzübergängen und einer Verschiffung über die „Magelanstraße“, legten wir in „Rio Grande“ ein. Wie es im Prospekt heißt, der Hauptstadt des Windes. Dem tat sie alle Ehre. Ca. 120 Km/h, aber immerhin warm. Morgen, am 11.12.08 wollen wir endlich diese trostlose Pampa verlassen und nach 4 Wochen eine lebensfrohere Landschaft erleben und an die Seen auf Feuerland fahren.


    Auf einer einsamen Schotterpiste ging es im Schneckentempo an den „Lago Yehuien“.
    An einer alten, verfallenen Feriensiedlung standen wir ganz alleine direkt am See mit Blick auf die „Cordilliera Darwin“. Hier legten wir 5 Ruhetage ein, bei wenig Wind und viel Sonnenschein, aber kühl.



    Über „Tolhuin“ am „Lago Fagnano“ ging es weiter zu unserem südlichsten Punkt. In „Tolhuin“ fanden wir eine offene W-LAN vor einer Bäckerei. Zwei Stunden E-Mail schreiben, Bankdinge erledigen etc., danach fanden wir einen guten Stellplatz am See. Ganz in der Nähe hat sich ein Brasilianisches Paar auf Hochzeitsreise mit ihrem Leihwagen im Kies festgefahren. Unser „Dicker“ durfte nach „Valdez“ zum zweiten Mal in diesen Wochen sein Können zeigen und den Havarierten befreien.


    Das Wetter war uns aber hier zu ungemütlich, und wir fuhren tags drauf weiter zur „Estancia Harberton“ direkt am „Beagle Kanal“. Hier schlugen wir für 3 Nächste unser Camp am südlichsten Punkt unserer Reise auf. Dieses Ereignis wurde natürlich gebührend mit Sekt gefeiert, zusammen mit Anita und Andrej, die ein paar Stunden nach uns auf demselben Platz eintrafen. Außer ihnen trafen wir ein Französisches Paar, so Mitte 40 mit zwei Kindern. Seit 5 Jahren sind die vier mit ihrem MAN Doppelkabiner, mit großem Aufbau unterwegs; von Asien über Afrika und jetzt seit einem halben Jahr in Südamerika.
    Auch unsere zwei Augsburger Pick-Ups trafen wir „onroad“ wieder. Sie hatten nur einige Kilometer von uns entfernt campiert. Da sie Ushuaia und den Nationalpark „Tierra del fuego“ schon besucht hatten, versorgten sie uns mit wertvollen Infos. Auch darüber, wo man eine offene W-LAN finden kann.
    Vorgestern besuchte uns Paula aus Holland mit einem jungen Brasilianischen Pärchen.


    Die Holländer ankerten mit ihrem Segelboot in einer Bucht in der Nähe und waren auf einem Spaziergang. Sie luden uns zu sich nach Ushuaia zu Weihnachten aufs Boot ein. Doch ein Wiedersehen sollte schneller klappen, denn gestern, auf unserer Wanderung, sahen wir, wie sie mit ihrem Segler in eine Bucht zum Ankern einbogen. Peter rief uns zu, dass er uns mit dem Dingi zum Kaffee abholen will. So verbrachten wir ein paar schöne Stunden auf seinem sehr luxuriösen Segler „Pacific Blue“. Ich war von dem technischen Equipment des Bootes hin und weg. Sie nahmen unsere Gegeneinladung zum abendlichen Apero an und wir trafen uns in unserem Mobil am gleichen Abend. Als sie uns verlassen hatten, feierten wir mit Anita, Andrej und Sekt das Erreichen des südlichsten Punktes unserer Südamerikareise. (GPS-Daten: S 54. 52,573 W 067. 18,191)


    Von jetzt ab geht es nur noch Richtung Norden, und der erste Haltepunkt war die südlichste Stadt der Welt „USHUAIA“ am Beagle-Kanal. In vielen Reisebüchern und –berichten stand noch, dass man sich vorher mit Lebensmittel etc. eindecken solle, denn in Ushuaia gäbe es nichts. Teilweise waren diese Informationen erst 2 Jahre alt. Man konnte sehen, wie sich die Dinge in Südamerika schnell ändern. Im Supermarkt „La Anonima“ gab es Alles. Eine Obst- und Gemüseauswahl, wie wir sie in Argentinien noch nicht gesehen hatten. Außerdem viele Leckereien für Weihnachten, Bier und andere alkoholische Getränke ca. 15 % billiger als im übrigen Argentinien.
    Mit reichlich aufgefüllten Beständen ging es in den Nationalpark „Tierra del Fuego“. Am Eingang machten wir mit einer Argentinischen Eigenart Bekanntschaft, denn die Preisliste für den Eintritt zeigte: Einheimische 4 Peso; Argentinische Urlauber 7 Peso und Fremde 30 Peso pro Person und Tag. Dasselbe haben uns andere Reisende vom Tanken erzählt. Bei der staatlichen Tankstellenorganisation YPF sind die Preise in Patagonien subventioniert, und der Liter Diesel kostet statt 2,7 Peso nur 2,044 Peso. Von den Reisebekannten wurde jedoch ein Preis von über 3 Peso verlangt, da sie Touristen seien - und mussten immerhin 50 % mehr als Argentinier zahlen. Diese Anweisung käme „von oben“, also staatlicherseits. Wir haben bisher jedoch immer zu dem Preis für Argentinier getankt.


    Zwei Nächte haben wir im Nationalpark kostenlos campiert und per Fuß den Park erforscht. Wir hatten eine Begegnung, auf die wir gerne hätten verzichten können. Denn ca. 20 Meter vor uns kreuzte in Seelenruhe ein grauer Wolf unseren Wanderweg. Jeder kann wohl verstehen, dass ich bei dem Anblick dieses großen Tieres (größer als ein Schäferhund) nicht sofort an das Fotografieren dachte. Wir standen entweder nicht auf seiner Speisekarte, oder er war gerade satt. Glück gehabt!
    Die Nacht durch hat es heftig geregnet und die Temperatur fiel unter 4°, und morgens waren die Berge bis tief in die Baumzone hinein voller Neuschnee.



    Zum ersten Mal auf unserer Reise haben wir morgens, als der Regen in Schneeregen überging, die Heizung eingeschaltet. Doch wie es hier so üblich ist, ändert sich das Wetter schnell, und wir konnten bei kühlen Temperaturen und Sonne wieder wandern.
    In dem Park haben wir wieder Eckhard und Maria mit ihrem grünen Rundhauber-Mercedes getroffen und besprochen, wie wir gemeinsam mit anderen Reisebekannten Weihnachten verbringen wollen. Am 22. wollen wir uns auf dem Parkplatz am Yachthafen treffen und weiter sehen.


    Zwischenfazit:
    In knapp 7 Wochen haben wir auf unserer Fahrt in Argentinien 4.650 Km zurückgelegt. Die Routa 3, die in Buenos Aires beginnt und im NP „Tierra del Fuego“ endet, ist mittlerweile durchgehend geteert. Nur das Stück durch Chile ist Schotterpiste (vor 4 Jahren waren 700 Km noch Piste). Da wir oft von der R 3 abgefahren sind, waren wir ca. 1.100 Km auf Piste unterwegs, die aber überwiegend gut zu befahren war. Wir hatten viele nette Begegnungen und Gespräche mit Einheimischen und viele andere Reisende kennen gelernt. Die Natur und die Tierwelt haben uns begeistert. Überrascht waren wir darüber, dass wir überall ungestört übernachten konnten. Nie hatten wir ein Gefühl der Unsicherheit. Die Argentinier waren ausnahmslos höflich, nett und liebenswürdig zu uns und immer hilfsbereit. Natürlich wollten sie alles Mögliche wissen, was gelegentlich nervte, da wir alles jeweils zum X-ten Mal erzählen mussten. Marions Spanisch-Kenntnisse waren völlig ausreichend, und wir kamen damit sehr gut durch. Unser „„Dicker““ hat uns nie im Stich gelassen. Er meisterte alle Anforderungen und ging sehr sparsam mit Diesel und Öl um.



    Süd-Patagonien[size=large][/size]


    Am 26.12.2008 starteten wir in „Ushuaia“, nachdem wir eingekauft hatten, die Gasflaschen aufgefüllt und Wasser getankt hatten. In „Tolhuin“ tankten wir wieder für 2,044 Peso pro Liter und stellten uns vor die bereits bekannte Bäckerei, um über W-LAN ins Internet zu gehen. Bis „Rio Grande“ hatten wir starken Gegenwind und dort stürmte es wie immer, ist eben die Hauptstadt des Windes. Am selben Tag gaben wir unsere „Großwäsche“ in der Wäscherei ab, die wir am selben Abend gegen 21 Uhr, komplett schrankgerecht zusammengelegt, abholen durften.


    Windgeschützt und sehr ruhig übernachteten wir bei der „Salesianer-Mission“ 10 Km außerhalb der Stadt. Am darauffolgenden Tag reisten wir in Chile ein und dann ging es 180 Km wieder über die bekannte wüste Steinpiste bis zur Magelanstraße. Weil ich zu einem nachfahrenden PKW höflich sein wollte, ließ ich ihn auf dieser sehr engen Piste überholen. Leider scherte er zu früh ein, und wir bekamen einen Stein auf die Windschutzscheibe. Zwei Risse wurden von Minute zu Minute größer - unsere Scheibe war hin. Gott sei Dank, dass wir eine Verbundglasscheibe haben. Mal sehen, ob sie unsere Reise durchhält, denn in Südamerika ist kein Ersatz zu bekommen. Dann stellte auch noch unser Tacho, einschließlich Kilometerzähler seine Arbeit ein. Auch unser Auspuffkrümmer, den wir in Marokko schweißen ließen, schien jetzt an der anderen Stelle zu reißen, er wurde immer lauter. Wir hatten genug von der elenden Chilenischen Schotterpiste und wählten nach Puerto Natales einen 50 Km Umweg über die Asphaltstraße.


    Doch zuvor ging es per Fähre, bei Sturm und starkem Seegang über die Magelanstraße. Gewaltige Brecher kamen über die 3 Meter hohe Reling und duschten unseren „Dicken“ gewaltig. Selbst der Mannschaft schien der Seegang bedenklich vorgekommen zu sein, denn sie verlangten für die Überfahrt nur noch die Hälfte des Preises der Hinfahrt. Unterwegs, in „Villa Tehuelches“, einer kleinen Häuseransiedlung übernachteten wir, total ungestört, vor einer Schule. Auf der Fahrt dorthin und die ganze Nacht über hat es heftig geschüttet. Wir waren diesmal froh über den Regen, dadurch wurde das Salzwasser gründlich vom Wohnmobil abgespült. Die Temperatur fiel in dieser Nacht unter 3 Grad. Wir haben schließlich Sommer in Patagonien.


    Dieses „tolle“ Sommerwetter änderte sich auch in „Puerto Natales“ nicht. Doch der Wind ließ nach und er hatte erstmals seit langer Zeit keine Sturmstärke.


    Hier trafen wir Toni und Brigitte wieder, auch die Schwester von Anita mit Mann kam uns hier entgegen und spät am Abend trafen auch Anita und Andrej noch ein. Jetzt waren all diejenigen wieder am gleichen Ort, die zusammen Heiligen Abend gefeiert haben.


    Am 29.12.08 wollen wir Richtung „Torres del Paine“ fahren, um im Park Silvester zu feiern.
    Tags drauf sind wir zum Tanken gefahren. Dort zeigte man uns den Weg zu einem Mechaniker, der in einer Holzbaracke seiner Arbeit nach ging - aber er hatte Ahnung. Er stellte fest, dass der eine Auspuffkrümmer Rostlöcher hatte, dadurch war der Wagen laut, und beim Starten trat Qualm aus diesen Löchlein. Eine Reparatur war nicht nötig. Bei dem Tacho könnte sich die Befestigung der Tachowelle gelöst haben oder sie ist gebrochen, meinte er. Ich werde mal bei schönerem und wärmerem Wetter unters Auto kriechen und nachsehen. Auch die Risse in der Windschutzscheibe sahen Ok aus. Wir kauften eine Isomatte und klebten diese auf die unteren 30 Zentimeter der Scheibe. Ein weiteres Loch sollte nicht mehr dazukommen.


    Auf einer 120 Km langen Rüttelpiste ging es in den Park. Kurz nach der Einfahrt in den Park war Schluss für uns, denn eine Brücke versperrte uns den Weg. Wir waren zu breit und zu schwer, deswegen campierten wir direkt neben der Brücke am Fluss.


    Tags drauf wollten wir den Aufstieg zu den drei Torres wagen.
    Wie soll ich diesen Tag beschreiben, der ein Auf und Ab unserer Gefühle war. Hier in Patagonien sagen die Leute, dass man an manchen Tagen alle vier Jahreszeiten erleben kann. Wir hatten so einen Tag erwischt.


    Als wir gegen 10 Uhr aufbrachen, hatten wir tollen Sonnenschein bei ca. 14 Grad, schließlich war das ein Sommertag. Dann erlebten wir den Frühling, so April, mit Regen und noch niedrigeren Temperaturen. Zwischendurch meldete sich der Herbst, mit den üblichen Stürmen. Nachdem wir über ein Geröllfeld, mit großen Felsen, geklettert sind, begann ein Eisregen, der oben bei den drei Torres in ein Schneegestöber mit minus 5 Grad überging. Es war schweinekalt und als Dank, dass wir jetzt 4 Stunden gekraxelt waren, blieben die Torres im Nebel und gönnten uns nur ab und zu einen Blick auf ihre Schönheit.


    Dann ging es weitere 4 Stunden zurück, wieder durch alle vier Jahreszeiten. Wir waren total platt. Nur dank des Trainings mit unserer Wandergruppe von Moraira war es uns überhaupt möglich, diese Anstrengungen durchzustehen.


    Ich will nicht versäumen, mich hier nochmals für das Mitnehmen von unserem Stellplatz zum Basiscamp zu bedanken. Auf dem Hinweg nahm uns ein junges Italienisches Paar in ihrem Argentinischen Leihwagen mit und auf dem Rückweg hatten wir Glück, dass ein Österreichisches Paar mit ihrem Chilenischen Leihwagen den gleichen Weg wie wir hatte.


    Am darauffolgenden Tag pflegten wir unseren Muskelkater, fuhren auf den Campingplatz „Pehoe“, um Wäsche zu waschen und den Silvesterabend vorzubereiten. Der Campingplatz „Pehoe“ war toll. Eine grandiose Aussicht, eine Schutzhütte und Grill direkt am Stellplatz und wir hatten eine schöne Silvesterfeier mit Andrej, Anita, Brigitte und Toni.


    Am 1.1.09 trauten wir uns wieder eine kleine Wanderung zu und fuhren zum „Lago Grey“ der einige Eisberge führte. In 3,5 Stunden wanderten wir zum „Gletscher Grey“.



    Dann ging es weiter nach „El Calafate“, wo die Regierenden Argentiniens der letzten Jahre, die „Kirchners“ herkommen und denen dort alles gehört. Das merkten wir auch schnell. Dieses abgelegene „Kaff“ hatte eine 4-spurige Hauptstraße, Straßenlaternen überall, beste Infrastruktur, leider auch einen 50 %ig höheren Dieselpreis für Ausländer und für diese auch einen 4,5 fachen Eintrittspreis in den Nationalpark. Eine solche Ausländerfeindlichkeit wäre in Deutschland undenkbar.



    Trotzdem sind wir natürlich in den Park gefahren, denn das Highlight einer Südamerikareise ist nun mal dieser sagenhafte Gletscher.


    Diese gewaltigen Eismassen in nur 50 Meter Entfernung zu erleben und zu hören, wie es darin knistert und kracht, ist einfach sagenhaft. Wie mit einem Schlag, wie bei einer Sprengung, gewaltige Eisberge ins Wasser stürzen, das ist schon einmalig. Wir haben ca. 50 Meter oberhalb des Gletschers in einer Entfernung von ca. 100 Meter im Mobil übernachtet. In dieser Nacht muss ein gewaltiger Teil der Eismassen abgebrochen sein, denn es gab erst einen gewaltigen Schlag und dann vibrierte das Auto durch die dadurch ausgelöste Erderschütterung. Es war einfach grandios, unvorstellbar.


    Die darauffolgende ruhigere Nacht verbrachten wir am „Lago Roca“, ein kleiner, südlich des „Lago Argentino“ gelegener See. Hier konnten wir eine große Anzahl Kondore beobachten. Ruhig und gelassen segelten diese großen Vögel über der weiten Landschaft.



    Auf der Fahrt in den nördlichen Teil des NP „Parque Los Glaciares“ war die Routa 40 fast durchgehend geteert. Doch 10 Kilometer der legendären Straße waren noch im Urzustand, die heute Niemand mehr braucht. Es ging dabei wieder über übelste Steinpiste mit riesigen Wellen „feinsten“ Wellblechs. Dabei waren meine Gedanken bei Andrej, der dabei sicherlich Angstschweißausbrüche wegen seines „Allrad-Sprinters“ hatte. Denn er leidet bei jedem Schlag mit seinem Auto mit. Seine Frau sagte immer: „Andrej trägt das Auto über die Pisten.“ Unser Magirus fuhr auf.



    Was uns alle, den Magirus und die Insassen, seit Wochen begleitet, ist der permanente Patagonische Wind. Wobei man nicht von Wind in dem Sinne wie wir ihn kennen, sprechen kann, denn er weht in Starkwind- bis zur Sturmstärke. Und das immer. Einmal glaubten wir, unser Wagen hätte keine Leistung mehr, da wurden wir beim Aussteigen einfach umgeweht. Die entsprechenden Verkehrszeichen sind absolut überflüssig, man merkt es auch so. Es nervt einfach unheimlich, und wir sehnen uns endlich mal wieder nach Windstille, Wärme, beständigem Wetter und Essen im Freien. Patagonien wird wohl nicht mehr unsere Lieblingsregion werden, obwohl die Tiere und die Landschaft toll sind. Doch die meisten der herrlichen Seen kann man nicht anfahren, geschweige sich dort hinstellen, denn in einem Abstand von 20 Meter links und rechts der Straßen sind Zäune, die um die riesigen Flächen der Estancias gezogen wurden - Privatbesitz, betreten verboten. So muss man seine Tagesetappen genauestens planen, damit man einen Übernachtungsplatz findet, denn die Distanzen von Ansiedlung zu Ansiedlung sind in den wenigsten Fällen kürzer als 200 Km.


    Am 5.1.2009 sind wir zum Nordteil des Nationalparks „Los Glaciares“ gefahren, um uns die Gegend um das Bergmassiv „Fitzroy“ anzuschauen. Station machten wir im kleinen Bergsteigerdorf El Chalten, das nur aus Cabanas, Hotels und kleinen Geschäften bestand, und natürlich eine Tankstelle hatte, die Diesel für nur einen Preis verkaufte, aber immerhin für 2,89 Pesos. Wir übernachteten auf einem Campground vor dem Ort. Am anderen Morgen wollten natürlich bis zum Eingang des Parks fahren, und ich ließ mich auch nicht von so kleinlichen Hinweisschilder an den Brücken abhalten, die sagten, dass die Brücke nur 3 Meter breit sei und nur einen Traglast von 6 Tonnen hätte. Wir machten uns leicht und fuhren mit viel Schwung über diese kurzen Brücken. Als dann die dritte, eine lange über einen tiefen Fluss gespannte Brücke kam, streikte Marion und ich musste umkehren.
    Wir unternahmen noch einen leichten Fußmarsch zu einem herrlichen Wasserfall und entschlossen uns abends mal wieder Pizza essen zu gehen. Es wurde ein gelungener Abend.
    Tags drauf ging es gutgelaunt Richtung Norden, über die legendäre Routa Cuarenta (AR 40) zu den „Cueva de las Manos“. Unser Tagespensum lag heute bei 450 Km.
    Die ersten 80 Kilometer gingen über neuen Asphalt. Ich meinte schon, dass man die so berühmt-berüchtigte AR 40 auch mit dem Rollstuhl befahren könnte. Wo sind die guten alten Entdeckerzeiten geblieben? Ich wäre besser ruhig geblieben, denn nach 80 Km war Schluss mit lustig. Die „alte“ Cuarenta schob sich unter unsere Räder. Über 300 Km übelster Schotterweg, mal superbreit und gut geschoben, meistens jedoch superschmal und mit aufgeschütteten Hügeln zwischen den Rädern, und dann wieder dicke feste Kieselsteine, schafkantige spitze Steine und viel zu oft große Schlaglöcher, die von ekeligem Wellblech abgelöst wurde. Auf dieser Straße darf man kein geliebtes, neues Deutsches Auto haben. Pannenhilfe haben wir natürlich auch mal wieder bei einem Argentinier leisten dürfen, dessen 35 Jahre alter Ford Falcon (bei uns Ford Granada) nicht mehr wollte. Aber irgendwie haben wir diese lange Strecke in über 10 Stunden geschafft und blieben über Nacht in „Baja Caracoles“, ein Nest, das seine Existenz der einzigen Tankstelle auf 300 Km verdankt. Ich will nicht vergessen, zu erwähnen, dass an der R 40 gebaut wird, denn unterwegs hatten wir die Chance, mal wieder 10 Km auf Teer zu fahren.
    Wir waren dankbar hier heil und ohne Reifenpanne angekommen zu sein. Auch ist es hier deutlich wärmer als in „El Chalten“.



    Am 8.1.09 nahmen wir die 47 Km bis zu den Cuevas unter die leidgeprüften Räder. Wenn man glaubt, dass es nicht mehr schlimmer kommen könnte, als auf der AR 40, dann hat man sich getäuscht. Starker Sturm gegen uns, üble Piste mit endlosen Schlaglöchern ließen uns 2 Stunden auf dieser kurvigen und hügeligen Straße unterwegs sein. In einem traumhaften oasenartigen Flussbett lag auf halber Berghöhe eine Höhle an deren Außenseite sich diese bekannten Hände-Zeichnungen befanden. Seltsamerweise waren die äußeren, exponierten Zeichnungen in einem besseren Zustand, als die innenliegenden, geschützten.


    Es gab keinerlei schriftliche Information über diese Zeichnungen. Auf Nachfrage bestätigte man uns, dass keine Schutz- oder Konservierungsmaßnahmen an den Zeichnungen durchgeführt werden. Den Vortrag des Guides hätte ich mir auch selber ausdenken können, denn diese Zeichnungen sind nicht erforscht. Außer dem Alter, das auf 9000 Jahre v.Ch. datiert ist, ist eigentlich nichts über die Menschen bekannt, die dort gelebt haben. Wie auch, die konnten nichts überliefern, denn die Eroberer haben sie vorher umgebracht. Ich neige dazu, Toni zu glauben, der meinte, dass man diese Zeichnungen nachgezeichnet habe. Auch andere Reisende äußerten gleiche Vermutungen. Da diese Zeichnungen einmalig in Südamerika sind, wundert es mich doch sehr, dass sie nicht als Weltkulturerbe aufgenommen wurden. Oder stimmt da wirklich etwas nicht?


    Natürlich trafen wir auch hier auf die „Ausländerdiskriminierung“. Dabei dachte ich immer, dass ich mich als Besucher eines Landes als Gast benehmen muss und auch als solcher angesehen werde. In Argentinien wohl nicht! Will man keine Ausländer? Oder will man sie nur abzocken? Hier müssten die Argentinier 15 Peso zahlen und wir 50 pro Person. Ich habe mich entschlossen, einen entsprechenden Brief an den Argentinischen Botschafter in Deutschland zu schreiben und auch ans Auswärtige Amt. Mal sehen, welche Antwort ich darauf bekomme! Und nicht nur uns geht es so. Wir haben mit Franzosen, Österreicher und Schweizer gesprochen, die eine organisierte Reise unternahmen und dadurch nur von den Eintrittspreisen tangiert werden.


    Alle haben sich sehr aufgeregt. Alle hatten geglaubt dass Argentinien ein demokratisches Land sei. Was will diese Regierung mit solchen Maßnahmen bezwecken? Auf jeden Fall kann man es sich ersparen, das Auto auf dieser Straße zu quälen, wenn man dazu noch einen teureren Eintritt zahlen muss.


    So langsam gehen mir die Argentinier auf den Wecker. Morgen fahren wir nach Chile und werden in Argentinien nicht so ausgiebig reisen, wie wir es zuvor geplant hatten. Wo man uns nicht will, wollen wir auch nicht hin!!!



    Wir entschieden uns, gegen den üblichen Weg über eine Teerstraße am „Lago Buenos Aires“ entlang nach Chile zu fahren, und nahmen die Piste, die uns Jürgen in Buenos Aires als „traumhaft“ empfohlen hat, über den „Paso Rodolfo Roballos“.
    Es ist eine schmale Strecke, wo uns auf 120 Km zwei Autos begegneten, in einer wirklich ursprünglichen traumhaften Landschaft. Über acht Stunden brauchten wir für diese Strecke, es war „off road“ pur. Schön, toll, super!!!


    An der Grenze ging alles sehr flott, kein Wunder, wir waren die einzigen Reisenden die dort ankamen. In Chile trafen wir auf die „Carretera Austral“, 16 Km vor ihrem Ende. Wir haben schon viel über diesen Teil der „Traumstraße der Welt“ gehört - reinste Horrorgeschichten. Sie soll noch schlimmer sein als die Routa 40 in Argentinien. Ich kenne nicht alle Straßen dieser Welt, bin aber sehr geneigt, den Leuten zu glauben, dass die Carretera Austral das Übelste ist, was man sich als befahrbare Piste vorstellen kann. Unser Wagen sprang und bockte wie ein wilder Mustang. Es ist nicht zu beschreiben. Wer tut sich und seinem Wagen sowas an?



    An diesem Tage haben wir in 11 Stunden 220 Km schlimmste Strecke bewältigt und waren am Abend total platt. An einem herrlichen Strand am „Lago General Carrera“ fanden wir, in fabelhafter Kulisse, einen Übernachtungsplatz. Es ging kaum Wind und die Sonne schien, bei über 25 Grad. Marion stellte, zu allem Überfluss, noch fest, dass unsere komplette KFZ-Beleuchtung ausgefallen war. Ich beließ es dabei, die beiden Sicherungen auszuwechseln.
    Tags drauf, Samstag 10.1.09 will Marion das herrliche Wetter nutzen und Wäsche waschen. Ich entschied mich, einige Arbeiten am „Dicken“ durchzuführen und die Ursache für den Lichtausfall zu suchen, denn in Südamerika muss man Außerorts mit Abblendlicht fahren.
    Der Fehler war schnell gefunden. Das Elektrokabel für die seitlichen Positionslampen hat sich auf diesen Rüttelpisten zwischen Hilfsrahmen und LKW-Rahmen geschoben und wurde durchgescheuert. Ich legte eine „Umleitung“ und alles war wieder ok.
    Auch die notwendigen Servicearbeiten waren mal wieder fällig; Luftfilter ausbauen und durchblasen, Dieselfilter reinigen, Motorraum säubern und das Fahrgestell abschmieren. Kurz vor Ende des Arbeitstages musste ich feststellen, dass an der Kardanwelle ein Schmiernippel nicht dicht hält. Auch das noch. Alten Nippel ausbauen, neuen einbauen und erneut abschmieren. Und dann geht auch noch das Fett aus. Ersatzkartusche suchen, Presse füllen und neu starten.
    Aber gegen 18 Uhr war Feierabend. Ich ging nackt in den See und badete in sehr, sehr kaltem Gletscherwasser. Der anschließende Rotwein wärmte mich wieder auf.


    Als wir zum gemütlichen Teil übergehen wollten, kamen Siggi und Reni aus St. Leon mit ihrem Toyota angefahren. Mit den beiden hatten wir in Ushuaia Weihnachten gefeiert. Gestern sind wir Ihnen per Zufall auch schon begegnet und hinterher gefahren. Mir fiel dabei auf, dass Siggis Toyota am Berg wesentlich langsamer ist als mein „Dicker“, was mich wunderte. Ich sprach ihn darauf an und schlug ihm vor, den Luftfilter mal anzusehen, trotz Zyklon. Dieser war total verstaubt. Also nichts mit Feierabend. LKW starten, Luftleitung anschließen und Siggis Filter ausblasen. Dann „motivierte“ ich ihn noch seinen Motorraum zu reinigen. Gegen 21:30 Uhr war dann auch für ihn Schluss.


    Am Tag drauf, wir waren gerade dabei, das Sonntagsfrühstück herzurichten, kamen Gisela und Peter mit ihrem roten VW-Synchro an. Sie hatten uns von der Camino Austral aus entdeckt und wollten „Hallo“ sagen. Bei dem frohen Wiedersehen wurden die neusten Infos ausgetauscht, und unser Frühstück startete etwas verspätet.
    Weil es Sonntag ist, wollten wir uns und unserem Gefährt nicht so viel der Carretera zumuten und fuhren nur bis „Puerto Tranquillo“, um dort, vom Boot aus, die „Capillas de Marmol“ anzusehen. Mit dem Boot fuhren wir direkt in diese „Marmorsäulen“. Ein gewaltiger Anblick und ein absolutes Muss auf dieser Strecke.



    Nur wenig weiter fanden wir einen kleinen einsamen Übernachtungsplatz am „Rio Murta“. An diesem Abend planten wir den weiteren Verlauf unserer Reise durch Chile und Argentinien bis Bariloche.


    Heute, 12. Januar 2009 war ein ganz verrückter Tag. Es begann wie immer auf der Routa 7, der Carretera Austral, die Strecke mit dem „Wahnsinnsruf“. Und so begann es auch wieder. Grausame Schlaglöcher, denen man nicht ausweichen konnte, mit hohem, weitem Wellblech und das ganze bei einer Breite von nur 3 Meter. Ich nenne diesen Streckenabschnitt eher Camino Austral. Dann kam endlich etwas Abwechslung, als wir durch den dichten Urwald fuhren. Denn die Piste wurde nochmals enger, und zusätzlich glatt, einfach herrlich diese Lehmoberfläche. Aber nur weil es trocken war, denn bei Regen möchte ich diesen Weg durch den Regenwald nicht fahren müssen. Aber es gäbe hier keine Alternative.



    Bei einem Stopp fiel mir auf, dass unsere Hupe nur noch an den Elektrokabeln hing. Die Rüttelpiste hatte die Halterung abgebrochen. Mit zwei Kabelbindern wurde vorerst Abhilfe geschaffen.


    Kurvig und bergig war die Strecke. Im Schritttempo schlichen wir dahin. Dann ging es steilen Serpentinen hoch in die Andenberge und unser „Dicker“ zeigte erhebliche Schwächen. Das Reinigen vom Luftfilter und das Austauschen des Siebes vom Vorfilter hatten nicht genügt. Wahrscheinlich sind auch die beiden Dieselfilter dicht, Ergebnis der schlechten Dieselqualität in Südamerika.


    Auf einer Straßenausbuchtung wollte ich sie wechseln. Ersatzteile und entsprechendes Werkzeug hatte ich dabei. Mein tolles Billigtool ging beim ersten Versuch die Filter abzuschrauben, kaputt. Ich entsorgte es an Ort und Stelle. Dann musste ein alter Mechaniker-Trick der unfeinen Art her. Ich trieb mit dem Hammer einen Schraubendreher durch das Filtergehäuse und drehte so den Filter los. Was natürlich eine große Schweinerei verursachte, denn der Diesel lief über den Motor, die Achsen und in den Chilenischen Urwald. Auch den zweiten Filter musste ich so losschrauben. Schnell waren die Neuen angeschraubt, und das System entlüftet. Leider drehte die Entlüftungsschraube des einen Filters durch und brach ab. Der Schock war groß, denn wenn ich diesen Filter nicht dicht bekomme, dann war an weiterfahren nicht zu denken. Und das in einer Gegend, wo kaum Autos vorbeikommen und 100 Km vor der nächsten Behausung. Mit einem spitzen Schraubenzieher konnte ich den Schraubenstummel rausdrehen. Toll, das Gewinde der Filterhalterung war nicht beschädigt. Mit einer alten Schraube, die zum Verbinden von Kellerregalen gedacht ist und mit Teflonband, „stopfte“ ich das Loch und entlüftete über nur einen Filter. Es klappte, und wir konnten weiterfahren. Anfangs war ich sehr unzufrieden, denn auf den ersten 5 Kilometer war es mit der Leistung des Dicken nicht weit her. Logisch, denn im System war noch der alte verschmutzte Diesel.


    Doch dann lief er wieder flott, wie gewohnt. Wir waren erleichtert. Bei dieser Aktion habe ich auch gleich die Hupe neu montiert und alles war wieder paletti.


    Was ich vor lauter Aufregung vergessen habe, ab „Cerro Castillo“ war die Routa 7 (Carretera Austral) asphaltiert. Welch eine Wohltat! Mit weit über 70 Km/h „rasten“ wir durch eine Gegend, die uns glauben ließ, dass wir im Allgäu oder Schwarzwald seien.


    In „Coyhaique“, der Provinzhauptstadt haben wir getankt und uns im Supermarkt wieder komplett eingedeckt. Durch den starken EURO war das ein sehr preiswertes Unterfangen, so haben wir z.B. 12 leckere „deutsche“ Brötchen für 0,80 EURO gekauft. Da es in Chile für Einheimische und Ausländer den gleichen Dieselpreis gibt, konnten wir für 0,51 € pro Liter tanken. Tolles Bier, der Liter für 0,85 € und natürlich leckeres Rinderhack und Rinderfilet zum Kilopreis von 5,00 €.


    Vor dem Supermarkt lernten wir ein Deutsches Ehepaar mit einem Pick-Up Camper kennen, die seit Jahren in der Nähe von Santiago wohnen. Sie haben uns zu sich eingeladen; wir könnten auf ihrem großen Grundstück stehen.


    Am anderen Morgen haben wir noch ein paar Serviceteile fürs Auto gekauft und sind bummeln gegangen. Das linke hintere Positionslicht hatten wir auf der Piste verloren und mussten uns behelfsmäßigen Ersatz besorgen. Wir freuten uns schon darauf, von nun an auf asphaltierter Straße fahren zu können. Doch nach 60 Km war das zu Ende und es ging die „übliche“ Carretera Austral los. Nach weiteren 10 Km wieder Asphalt, hurra! Dann kletterten wir die Berge hinauf, durch den dichten kalten Regenwald. Der machte nun seinem Namen alle Ehre. Es nieselte ständig, so wie man es über diese Art von Urwald schon oft gelesen hat.


    Mit Reduziergetriebe ging es langsam über die schmierige, enge Piste bergauf und bergab, durch enge, gefährliche Kurven. Vorbei an Riesenfahrnen, Nalcas, dichtem Bambuswuchs und riesigen Bäumen. Es war eine aufregende, interessante, abenteuerliche und auch anstrengende Tour. Im Tal wechselte die Schotter-Wellblech-Schlagloch-Piste die Urwaldroute ab.


    Ein zu forsch uns entgegenkommender Chilene konnte nur noch eine Vollbremsung hinlegen, als er uns plötzlich vor sich sah. Da die Strecke zu eng war, büßte er dabei den rechten Kotflügel seines noch recht neuen Geländewagens ein. Die Chilenen sind in diesem Teil des Landes dabei die Routa 7 komplett zu asphaltieren. Dann wird der Tourismus auch hier boomen. Eine Eigenart der Argentinier hat man hier wohl übernommen. Bei den Nationalparks kostet für die Ausländer der Eintritt doppelt so viel wie für die Chilenen. Wenn man dann noch in den Parks auf den Parkplätzen übernachten will, muss man für Null Leistung ca. 6 € zusätzlich zahlen. Wie sagte mein Freund Jupp immer: Die Leute werden immer „rattiger“. Er muss es wissen, denn er ist in den letzten 20 Jahren bereits zwei Mal mit einem LKW-Mobil rund um die Welt gefahren.


    Bei der Parkeinfahrt ist dann mal wieder unser Licht ausgefallen. Die gleichen Sicherungen waren wieder durchgebrannt. Bei einer Rundkontrolle stellte ich fest, dass auch die Leitung für die Positionslampen der rechten Seite zwischen Hilfsrahmen und LKW-Rahmen eingeklemmt wurde. Also wird morgen diese Leitung erneuert und die Positionslampe notdürftig repariert. Außerdem will ich die Kurbel für das Seitenfenster bei Marion austauschen, denn die alte war gebrochen (ein passendes Teil konnte wir heute in „Coyhaique“ finden). Wie sagen alle, die mit solchen Gefährten wie wir unterwegs sind: „Jeden Tag gibt es etwas zu schrauben!“ Hoffentlich stimmt das nicht!?!?!


    Heute jedoch verbringen wir unsere erste Nacht auf einem Parkplatz des Nationalparks „Queulat“ mitten im Südamerikanischen kalten Regenwald. Das erste Urwaldfeeling bekamen wir bei einem Abendspaziergang durch den dichten, dunklen Urwald in der Nähe unseres Standplatzes. Dabei hatten wir tolle Ausblicke auf reißende Bäche und stürzende Wasser. Es war einfach unbeschreiblich toll.


    In der Nacht und auch noch am Morgen hat es in Strömen gegossen, wir sind eben im kalten Regenwald.


    Nachdem der Regen nachgelassen hatte, reparierte ich die „eingequetschte“ Lichtleitung, denn bei dem Regen wollte ich nicht ohne Licht fahren, und ersetzte das verlorene Positionslicht. Dann wurde das Wetter stabiler, und wir konnten den Park erforschen.


    Auf einer einstündigen Wanderung sind wir zur Lagune gelaufen, um den „Ventisquero Colgante“ von unten anzusehen. Der kurze Weg durch den Regenwald und der atemberaubende Anblick des Gletschers, der über die Bergkuppe hängt, direkt über der Lagune und die vielen kleinen Wasserfälle, haben uns motiviert, beim nachlassendem Regen auch den 3 stündigen Marsch direkt in die Nähe des Gletschers zu unternehmen. Es ging steil bergauf, auf engen Pfaden durch den dunklen Urwald. Riesige Bäume, Bambus, Riesenfarne, übergroßer Rhabarber (Nalca, der wie Rhabarber als Mahlzeit zubereitet werden kann), eine Menge herrlicher Blumen (die wir in Miniausführung zuhause kaufen können), wie z.B. Porzellanblumen, fesselten unsere Blicke.


    Unsere Freundin Renate hätte ihre helle Freude gehabt, obwohl mit ihr der Marsch wesentlich länger gedauert hätte, denn sie hat die Angewohnheit, jede Blume beim Namen anzusprechen und mit ihr einen kleinen Plausch zu halten.
    Der Trail war sehr anstrengend, der Weg steil und rutschig, denn es regnete zwischendurch immer wieder. Oben, direkt gegenüber der Gletscherwand, angekommen entschädigte uns die Aussicht für alle Strapazen.



    Auf dem Rückweg, als wir auf der wackelnden Hängebrücke die Stromschnellen überquerten, ließ sich die Sonne mal wieder blicken. Erschöpft und doch sehr zufrieden, sind wir in unserem rollenden Heim angekommen. Nach einer ausgiebigen warmen Dusche gab es Kaffee und Kuchen.


    Tags drauf ging es weiter auf der Routa 7. Über den Zustand will ich mich jetzt nicht mehr äußern, er wurde nicht besser. Auf der Strecke bis „La Junta“ wird die Straße komplett erneuert. Man beginnt, die Felsen zu sprengen, die Bäume zu fällen und sperrt mal die eine Strecke und dann die andere. Bei der ersten Sperrung vor „Puerto Puyuhuapi“ (1935 von 4 Deutschen Familien am Ende eines Fjordes des Pazifischen Ozeans gegründet) sollten wir warten, bis eine Sprengung durchgeführt worden sei. Wir entschlossen uns, weil die Therme direkt neben der Straße direkt am Fjord lag, einen Zwischenstopp einzulegen. Im Reiseführer wurde das Haus sehr gelobt, und der Eintritt sollte mit 5 Euro auch günstig sein. Der Führer stammt von 2007, jetzt wollte man von uns den dreifachen Preis - 15 Euro haben. Wir fuhren weiter, bis wir zwischen „Puyuhuapi“ und „La Lunta“ unseren ersten „Urwaldstau“ erlebten. Die Straße war gesperrt, und in einer Schlange wartender Autos standen wir fast 2 Stunden, bis es weiter ging. In „La Junta“ (eine erst 1983 gegründete Ansammlung kleiner Holzhäuser) übernachteten wir vor dem Centro Salud, bevor wir die restlichen Kilometer Richtung Argentinien auf der Carretera Austral zurücklegen.


    Die ganze Nacht hat es wieder geschüttet, und die Temperaturen bewegten sich im einstelligen Bereich. Auf unserem letzten Abschnitt der Carretera Austral wurden wir von einer neuen Situation überrascht, sozusagen als Abschiedsgeschenk - es regnete in Strömen. Ich musste unseren Steinschlagschutz entfernen, damit ich die Scheibenwischer einschalten konnte. Die Strecke wurde matschig, rutschig - einfach eklig, aber es hatte einen Vorteil - man sah die Schlaglöcher besser, denn sie standen voll Wasser. Aber eigentlich war das nicht notwendig, denn es gab nur Schlaglöcher. Wenn man mal keine Schlaglöcher hatte denen man ausweichen musste, waren das mal höchstens 50 Meter Strecke. Ich erzähle hier keine Horrorgeschichten, dazu steht mir nicht der Sinn, dazu waren wir zu demoralisiert.
    Dann kam an der Grenze noch der Ärger dazu, dass die Argentinier meinten, unser Auto wäre in Chile zugelassen -wegen der Nummer und des Zulassungsscheins in Spanisch - so mussten wir zurück nach Chile fahren, die Dame vom Chilenischen Zoll rief dann bei den Kollegen vom Argentinischen Zoll an, und es ging wieder zurück. Das schlechte Gewissen der Argentinier ließ uns dann sehr flott und ohne Kontrolle passieren.
    In „Trevelin“ fuhren wir „kackfrech“ bei der YPF-Tankstelle an die Säule der Inländer und tankten wieder (durch besseren Euro-Kurs noch billiger) für tolle 46 Euro-Cent. Das war auch daher angenehm, weil unser „Dicker“ sich auf der chaotischen Carretera über 30 Liter pro 100 Km schmecken ließ.


    Ich hoffe, ich habe die Leser nicht zu sehr mit meinem Gemeckere über die Straßen gelangweilt, aber es war wirklich ätzend.
    Doch jetzt sind wir in Argentinien, hier werden die Strecken, dadurch dass das Gebiet dichter besiedelt ist, besser gewartet.
    Außerdem ist das Klima östlich der Anden milder. Argentinien begrüßte uns mit warmen Temperaturen von über 20 Grad, Sonnenschein und Trockenheit. Ab jetzt geht es gegen Norden, der Wärme entgegen, in die Seen- und Vulkangebiete von Argentinien und Chile.



    PS: Fotos auf der homepage

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