Südamerika-Rundreise 2008/2009 Teil 1

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  • Südamerika 2008/2009



    So langsam steigt das Reisefieber. Das Haus, das gesamte Grundstück sind für eine längere Abwesenheit vorbereitet. Gute Freunde bekamen die Schlüssel und haben sich bereit erklärt, in unserer Abwesenheit, nach dem Rechten zu schauen. Danke Almut, Sönke, Renate und Franz.
    Neue Reisepässe, Impfungen, Langzeit-Reisekrankenversicherung und die vielen wichtigen Dinge sind erledigt. Natürlich wollten wir auch die zusätzlichen Kosten für die Krankenversicherung zuhause sparen und hatten mit der gesetzlichen und besonders mit der privaten Krankenkasse einen langen E-Mail Disput, bis die sich auf eine verbindliche Aussage festlegten.
    Natürlich wurde unser Auto auf „Vordermann“ gebracht, einige Verbesserungen durchgeführt und alles Notwendige (wird sich noch herausstellen) eingepackt.


    Am 4. August 2008 ging es los. Über Nordspanien, San Sebastian, nach Frankreich am Atlantik entlang, über Bordeaux ging es an die Loire. Wir sahen uns diese schöne Flusslandschaft und die Schlösser an ihrem Ufer an.


    In Rheinland-Pfalz angekommen, verbrachten wir die nächsten zweieinhalb Wochen in unserem „abgesetzten“ Wohnteil auf dem Gelände der Firma Ormocar. Der Balg zwischen Fahrerhaus und Wohnkabine wurde erneuert, die Rückfahrkamera ausgetauscht und ein paar zusätzliche Arbeiten durchgeführt. Nebenbei stellten wir fest, dass die Stossdämpfer des Fahrerhauses total hinüber waren. Da auf die Schnelle keine neuen zu besorgen waren, haben wir stattdessen zwei Vierkantrohre eingebaut. Federung war gleich Null und die Bewegungen des Fahrwerks gingen ungedämpft auf die Karosserie über. Außerdem entschlossen wir uns spontan, das schwere Metallgestell (Astabweiser und Überrollbügel) zu demontieren und die sich darauf befindlichen Ersatzräder in Zukunft auf der Motorradbühne zu transportieren. Demzufolge blieb auch unsere Herkules zuhause.


    Um etwa 500 kg leichter und mit einer Woche Verspätung fuhren wir zu unseren Kindern. Auch bei Freunden und Bekannten der alten Heimat verabschiedeten wir uns. Notwendige Erledigungen bei Post, Bank, Versicherungen und Steuerberater wurden gemacht und entsprechende Vollmachten den Kindern erteilt.


    Unterwegs erneuerten wir am Magirus die Hydraulikflüssigkeit der Kupplung, da diese gelegentlich hängen blieb. Die Bedenken, die wir wegen dem Luftverlußt im Bereich des Hauptverteilers für die Bremsen hatten(pumpte alle 8 Minuten auf), konnte Gerhard Frey bei einer Überprüfung ausräumen .


    Dann ging es aufs Willy Janssen Treffen nach Wetzlar. Hier sahen wir viele alte Bekannte und lernten neue Individualreisenden kennen. Ich hielt einen Vortrag über unsere Marokkoreisen. Das Mikrophon hatte Wackelkontakt und fiel komplett aus. Für die Tonverbindung Laptop zum Lautsprecher gab es kein Kabel und der Beamer (Originalton Willy: „Wir haben noch die Hanomag-Technik“) verfälschte die Fotos, so das er alle Farben blass und gelblich wiedergab. Was normalerweise bei meiner lauten Stimme nicht allzu problematisch ist. Doch dann begann es heftig auf das Zeltdach zu regnen Nur die ersten paar Reihen konnten mich hören….das Ganze war ein Flop. Die Tage auf dem Treffen waren sehr anstrengend; die vielen Gespräche, die kalten Abende und der ständige Regen machte uns schlaff, so dass wir einige Tage ausruhen wollten.


    Ganz gemächlich „schlichen“ wir Richtung Hamburg, ab Hannover übers Land nach Celle und Lüneburg. Wir verlebten 4 herrliche Tage in Celle, nachdem wir in einer ehemaligen Magirus-Werkstatt wieder die Kupplung entlüften ließen und einen alten Hydraulikschlauch erneuerten. Die Stadt hat uns begeistert und bietet viel. Vom Altstadtfest über Oldtimer-Rallye bis hin zu einem Konzert im Schlosshof. Einen gemütlichen Samstagabend verbrachten wir in einem kleinen Restaurant in der Altstadt und aßen Wiener-Schnitzel. Auf einem Wohnmobilstellplatz mit Entsorgungsstation auf dem Schützenplatz durften wir kostenlos stehen.
    Nach Besichtigung der Altstadt von Lüneburg fuhren wir kurz vor Hamburg an die Elbe. Unsere Bemühungen Stossdämpfer für die Fahrerkabine zu bekommen war nicht von Erfolg gekrönt, denn im Zentrallager von Iveco in Ulm gab es nur einen einzigen, eine neue Lieferung war vor November nicht zu erwarten. Die Suche nach einer Lösung des Problems ging weiter, denn auch eine telefonische Anfrage bei den Magirus-Clubmitglieder in Pinneberg brachte keine Lösung. Die beiden Brüder hattn wohl die Teile, aber keine Zeit diese zu suchen, da er gerade dabei waren ein Haus zu bauen. So ist das mit den Kollegen, wenn man sie mal dringend braucht.


    Kurz vor Hamburg fanden wir in einem kleinen Ort an der Elbe einen ruhigen Standplatz am Freizeitbad. Der Bademeister, Andrè Maak-Alpen bot uns an in der Anlage zu duschen, unseren Müll und die Toilette dort zu entsorgen. Der weit gereiste Mann hatte Australien mit dem Motorrad bereist und war auch in anderen Teilen der Welt schon unterwegs gewesen; das verbindet.
    Da die Arbeiten bei Ormocar eine Woche länger als geplant gedauert hatten und das Ende der „Stossdämpfer-Story“ noch nicht in Sicht war, mussten wir den Umweg über Sande streichen und leider unseren Besuch bei meinem Bruder Jürgen absagen.
    Als wir mit der Suche nach brauchbaren Stossdämpfern nicht weiter kamen, riefen wir bei Magirus in Ulm an. Ein Herr Wörner, obwohl nicht zuständig, bemühte sich sehr und rief nach einiger Zeit zurück und gab uns die Technischen Daten des Stossdämpfers durch. Daraufhin konnte eine Firma für LKW-Teile aus Hamburg bei ZF-Boge direkt anfragen und fand einen passenden Dämpfer. Wir werden wohl am Montag nach Hamburg fahren und diese Dämpfer bestellen. Dienstag werden sie dann sicher da sein, so dass ich sie noch vor Einschiffung (am Donnerstag) einbauen kann.
    Das Wochenende werden wir noch hier auf diesem angenehmen Stellplatz verbrin-gen…..
    ......Und schon hat sich die ganze Sache wieder geändert!


    Beim Anruf bei unserer Reiseagentur erfuhren wir, daß das Schiff erst am Sonntag, dem 28.9. abfahren wird. Alles wurde umgeworfen. Wir riefen Renate und Siggi an, die wir in Marokko kennen gelernt hatten, daß wir sie am Wochenende doch nicht besuchen können und haben ihnen die Situation erklärt. Spontan packten sie ihr Wohnmobil, um uns auf unserem Stellplatz in Tespe am Wochenende zu besuchen. Außerdem haben sie sich bereit erklärt bei dem Händler für LKW-Teile in Hamburg vorbeizufahren, die Bestellung für die Stossdämpfer aufzugeben und die Anzahlung zu leisten. Jetzt würde es reichen am Donnerstag nach Hamburg zu fahren, die Stossdämpfer abzuholen und die restlichen Dinge zu erledigen. Auch den Termin mit meinem „Patenkind“ Susanne mussten wir noch umlegen, und dann verbrachten wir ein schönes Wochenende mit den beiden Hamburgern.
    Am Dienstag begann Marion mit den Vorbereitungen, packte zusammen, was wir mit in die Schiffskabine nehmen wollten, zog die Betten ab und sortierte die Wäsche für den Besuch im Waschsalon…..da kam erneut ein Anruf der Reiseagentur Hamburg Süd… die Abfahrt des Schiffes wurde abermals verschoben, jetzt auf Dienstag, den 30.9.
    Wir entschlossen uns, bis Freitag in Tespe zu bleiben und dann erst nach Hamburg rein zu fahren. Wir waren langsam genervt, obwohl wir uns hier in Tespe schon hei-misch fühlten. Außer unserem guten „Freund“ Andrè kümmerte sich noch Mike, der Leiter des Bauhofes um uns und bot an Strom von ihm zu nehmen. Er lud uns ein, das Mobil neben sein Haus zu stellen, da wäre es sehr ruhig und wir hätten alle Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten. Wir dankten ihm für seine herzliche Einladung, doch wir wollten bleiben wo wir waren. Bei unserem Spaziergang durch den Ort, hielt plötzlich Mike neben uns und schenkte uns zwei Wimpelstangen mit Deutschlandfahne, die die Menschen 2006 zur Fußball-Weltmeisterschaft in der BRD an ihren Autoscheiben angebracht hatten, damit wir in Südamerika Flagge zeigen können.
    Der Abschied aus Tespe machte uns schon etwas wehmütig. Die Leute hier waren sehr freundlich und nett zu uns… und natürlich war es ein Glück solch lieben Men-schen wie Andrè und Mike begegnet zu sein.


    In Hamburg holten wir die beiden Stossdämpfer ab und wollten uns aufs „Heiliggeistfeld“ stellen. Dort gastierte gerade der Zirkus „FlicFlac“. Fürs Parken mit dem Wohnmobil wollte man 15 € pro Tag haben. Wir standen 2 Nächte ruhig und sicher 200 m weiter auf dem Parkplatz der Firma real. Im Reisebüro Hamburg-Süd holten wir unsere Reiseunterlagen ab und haben anschließend im nahe liegenden Waschsalon 3 Waschmaschinen nebst Trockner „beschäftigt“. Die Nummerschilder am Magirus habe ich zusätzlich mit Schrauben gegen Souvenirjäger gesichert und die neuen Stossdämpfer eingebaut. Am sonnigen Sonntag besuchten wir einen tollen Flohmarkt direkt neben unserem Stellplatz und gingen anschließend an der Binnenalster spazieren und Eis essen.


    Und…. die Kupplung machte wieder Ärger. Und auch das Hauptbremsventil blies permanent Luft ab. Wir entschieden uns Sonntagabend auf das Firmengelände von Iveco Nord zu fahren, um nach diesen Dingen schauen zu lassen. Wir trafen auf einen Meister und einen Mechaniker, die sich mit unserem Auto bestens auskannten.
    Der Druckgeber wurde ausgetauscht und die Kupplung neu eingestellt. Das Luftproblem entstand durch den Rost, der sich in den Luftleitungen befindet. Der hat sich in unübersehbarer Menge im Hauptventil gesammelt. Dieses wurde gründlich gesäubert, gefettet und wieder zusammengebaut. Damit, so glaubten wir, war dieses Problem behoben. Auch dachten wir, dass einer unserer Luftkessel nicht gefüllt wurde, da am Ablassventil keine Luft entwich. Die Diagnose lautet; Austausch des 4-Kreis Sicherheitsventils. Das war natürlich nicht auf Lager. Mittlerweile war es 10 Uhr am Montag, dem 29.9. und wir bekamen telefonisch die Nachricht, dass unser Schiff am Dienstag 30.9. gegen 15 Uhr einlaufen würde. Sollten wir uns jetzt freuen, oder wäre uns eine weitere Verzögerung lieber? Das Adrenalin im Blut stieg. Konnte das noch klappen? Sollten wir mit kritischer Bremsanlage nach Südamerika fahren? Dann gab es die gute Nachricht; das Ventil war im Zentrallager von Iveco in Ulm vorhanden und konnte über Nacht bis Dienstagmorgen geliefert werden. Das würde reichen.
    Als, nach gereinigtem Hauptbremsventil, unsere beiden Magirus-Spezialisten die komplette Luftanlage überprüften, fanden sie heraus, woran es lag, warum der vordere Kessel keine Luft abgab. Das Ablassventil war defekt. Gemerkt hatten sie dies, als sie das Kesselinnere überprüfen wollten, das Ablassventil lockerten und mit lautem Zischen Druckluft ausströmte. Beide versicherten, dass sie so etwas in 30 Jahre noch nie erlebt hatten. Ein neues Ventil wurde besorgt und das 4-Kreis Sicherheitsventil konnte zurück nach Ulm geschickt werden. Was mir auch deswegen gut gefallen hat, da dieses Teil enorm teuer ist.
    Durch diesen Werkstattaufenthalt war es uns leider weder möglich mein „Patenkind“ Susanne zu sehen, noch ins Internet-Cafè zu gehen. Das werden wir wohl bei dem nächsten Landgang nachholen müssen.
    Als wir gegen 12 Uhr vom Firmengelände der Iveco-Nord in Richtung Hafengelände rollten, war unser Magirus agil und fit wie ein „Young Chicken“. Marion begrüßte den Einbau der neuen Stossdämpfer sehr, denn unser Dicker war dadurch wieder sehr komfortabel.



    Südamerika - erfahren



    Überfahrt nach Südamerika mit der „Grande Brasile“




    Angelaufene Häfen:[size=large][/size]
    (Hamburg (BRD), Antwerpen (Belgien), Le Havre (Frankreich), Dakar (Senegal),
    Conakry (Guinea), Rio de Janeiro (Brasilien), Santos (Brasilien), Zarate (Argentinien), Buenos Aires (Argentinien)



    Den Magirus haben wir auf dem Parkplatz vor dem „Schuppen 48“ abgestellt, und sind mit unserem Gepäck per Shuttle-Bus zur „Grande Brasil“ gefahren. Das ein-checken ging recht unkompliziert, schließlich handelt es sich nicht um ein Luxus-Kreuzfahrt-Schiff. Und so sah auch die Kabine aus; zweckmäßig, mit Etagenbetten und Duschbad, aber für uns OK. Vorm Abendessen hat uns der Kapitän kurz und kühl begrüßt. Wir sind 4 Ehepaare und 2 alleinreisende Männer. Die Hälfte Individualtouristen, und die anderen fahren in einer von „Seabridge“, organisierten 5 Monatstour mit Ihren „Joghurt-Becher“.


    Die GRANDE BRASILE läuft unter Schwedischer Flagge; Kapitän und alle Offiziere sind Schweden und der Koch ist Finne. Der Rest der Mannschaft setzt sich aus Philippinos zusammen. Das Schiff wurde 2000 gebaut, ist 214 m lang und 32,25 m breit und hat 56700 Bruttoregistertonnen.



    Unsere Wohnmobile sollen wir erst Mittwoch (1.10.08) morgens an Bord fahren. Zuvor werden 300 neue Volvo-LKWs ausgeladen und danach 1000 Fahrzeuge eingeladen.


    Am ersten Abend an Bord haben Marion und ich auf die nun endlich beginnende Reise mit einer Flasche Brunello 1993 angestoßen. Wir hoffen, dass all unsere Träume und Wünsche nun Wirklichkeit werden, und wünschen uns „Gute Fahrt!“
    Es dauerte dann doch noch bis nachts gegen 02:15 Uhr, bis das Schiff auslief.


    Im Hafengebiet von Hamburg waren Windstärke 6, und wir durften auslaufen. Ab Windstärke 8 darf unser Schiff nicht mehr fahren, da es dann nicht mehr zu manövrieren ist. Und dann kam es dicke, denn der Wind nahm zu, bis Stärke 9, doch ein Umkehren gab es nicht mehr. Den Lotsen für die Elbe und für die Nordseeeinfahrt war es nicht mehr möglich, von Bord zu gehen, denn die Lotsenboote konnten nicht mehr auslaufen. Beide mussten bis Antwerpen an Bord bleiben und wollten von dort aus nach Hamburg zurückfliegen. Doch das ging nicht, da der Flughafen wegen Sturm geschlossen war, so mussten sie die Bahn nehmen.


    Wie es mit dem Navigieren in den Hafen von Antwerpen werden wird, war noch total unklar, denn auch deren Lotsen waren von ihren Einsätzen noch nicht zurück. Bei so einer Seestärke kann kein Lotsenboot längsseits gehen.
    Marion ging es trotz des Sturmes relativ gut, doch sie zog es vor, unseren Hoch-zeitstag (2.10.) im Bett zu verbringen und stand nur zu den Mahlzeiten auf.
    Wir anderen beschäftigten uns mit Tischtennis, Laufband, Radfahren und Bilder am Laptop zeigen. Die Sicherheitsübung fand im „Saale“ statt, denn draußen war es nicht nur stürmisch, sondern es regnete auch heftig.
    Wie befürchtet, konnte in Antwerpen der Lotse konnte nicht an Bord kommen. Wir ankerten die Nacht über vor der Küste Belgiens (seemännisch: „auf Reede liegen“).
    Am 3.10. gegen 09:00 Uhr kam der Lotse dann endlich - nach einem Gewitter mit Hagelschauer - an Bord. Gemütlich dampften wir in den Hafen, den wir aber erst um 18 Uhr erreichen durften, da vorher kein Liegeplatz frei war.
    Wir hatten genug zu tun, denn es gab Probleme in der Heimat, und ich wollte die Zeit der Überfahrt nutzen, bei den Kollegen der Magirus IG anzufragen, ob Jemand das gleiche, undefinierbare Problem wie wir mit der Kupplung gehabt hatte. Der nette Mann in der Funkstube erlaubte mir, zwei E-Mails abzusenden. Mein Dank: Eine Dose Bier aus Spanien.


    Seit gestern haben wir einen neuen Kapitän, der auf uns einen wesentlich offene-ren Eindruck als der bisherige macht. Auch in der Küche gab es eine Wachablösung. Mal sehen, wie es mit diesem neuen Chefkoch wird. Bisher war das Essen meistens Ok. Morgens gab es ein Internationales Frühstück, mittags und abends wurde warm gegessen. Die Gefahr einer erheblichen Gewichtszunahme besteht latent.
    In Antwerpen wurden frische und auch bessere Lebensmittel gebunkert. Und das machte sich sofort bei den Mahlzeiten bemerkbar. Das Essen hat jetzt Kreuzfahrtschiff-Qualität. Wir sind begeistert!


    Hier mussten wir unser Auto vom Schiff fahren, da über die Rampe, auf der wir geparkt hatten, sollte das Schiff mit Kettenantrieb-Bagger für Argentinien beladen werden. Gegen Mittag wurde allen Wohnmobilen ein neuer Platz zugewiesen und auch wir durften wieder aufs Schiff.
    Dann gab es für uns wieder mal einen kleinen Schock, denn ein Besatzungsmitglied kam zu uns und sprach in schlechtem Englisch davon, dass es einen Unfall gab und Hydraulikflüssigkeit beim großen Auto ausgelaufen sei. So etwas Ähnliches konnte man verstehen. Ich dachte sofort an meine Kupplung, und wir eilten schnell zu unserem „Dicken“. Alle Aufregung war umsonst. Beim Einfahren auf das Schiffsdeck, wo die Mobile standen, hat sich ein Bagger die Hydraulikleitung abgerissen, versperrte die gesamte Einfahrt zu unserem Deck, und seine Hydraulikflüssigkeit spritzte über Fredis Wohnmobil. Mit vereinten Kräften reinigten wir Männer mit Reinigungsspray für Scheibenbremsen das Fahrzeug. Durch diesen Vorfall gewarnt, fuhren wir unser Mobil von der anderen Einfahrt weg, denn alle Fahrzeuge, die an und von Bord gefahren werden müssen, werden von Laien bewegt und das mit Maximalgeschwindigkeit, ohne jegliche Rücksichtnahme. Alles muss schnell gehen….“time is money“.


    Sonntag 5.10.08, das Schiff ist voll beladen. Selbst das Vordeck ist zugeparkt mit PKWs und LKWs (auch ein 6X6 Magirus-Deutz) für Afrika, die in Europa nur noch zu verschrotten wären. Gegen 9:30 h legte das Schiff bei kräftigem Wind ab. Mal sehen, was auf der Nordsee bzw. im Ärmelkanal so auf uns zukommt.
    Ein Mitreisender war auf dem Ladedeck und hat festgestellt, dass unsere Fahrzeuge nicht angekettet sind. Im Kanal gab es heftigen Wind und schwere See. Ich ging auf die Brücke und lies mir von dem 1. Offizier den Radarbildschirm, die elektronische Seekarte und die anderen Anzeigen erklären. Dann sagte ich mit ihm, dass unsere Fahrzeuge nicht gegen schwere See gesichert seien. Er gab direkt Order, und die Wohnmobile wurden sofort festgekettet.


    Auch dieses Mal hat es sich wieder gezeigt, dass man sich um seine eigenen Dinge auf diesem Schiff selber kümmern muss. Wir teilten für die beiden Afrikanischen Häfen und den von Rio einen Wachdienst unter uns ein, der bei den Fahrzeugen bleiben und aufpassen soll, damit Niemand von draußen sich daran zu schaffen macht.


    Das Leben auf dem Schiff
    Die Essenzeiten waren Frühstück 7:30 h, Mittagessen 12:00 h und Abendessen 18:00 Uhr. Wir hatten immer eine halbe Stunde Zeit, das Essen einzunehmen.
    Danach wurde abgeräumt. Das war richtiger Stress. Um 9:00 Uhr war ich täglich mit Gisela Bendl zum Tischtennis verabredet. Um 11:00 Uhr hat Gisela Kronshage täglich, außer sonntags, Spanisch-Unterricht gegeben. Die ehemalige Lehrerin lebte während ihrer ersten Ehejahre in Cordoba, Argentinien.


    Nachmittags übten Marion und ich Tischtennis. Sie fand richtig Spaß daran.
    Die Zeit vor dem Abendessen haben die Computerfreaks genutzt, um Daten, Fotos und Programme auszutauschen. Das eine oder andere Dart-Spielchen wurde gemacht. Bis Le Havre sahen wir uns im Aufenthaltsraum, gemeinsam mit unseren Mitreisenden, 2 DVDs von unserer Festplatte an.


    Die „Grande Brasile“ ist weder mit einem Kreuzfahrtschiff noch mit einem Frachter für Reisepassagiere zu verwechseln. Wir waren nicht beschäftigte Crew-Mitglieder. Die Zimmer wurden nur mangelhaft gereinigt, Teile der Einrichtung waren defekt, und es wurde sicherlich nichts gewartet bzw. gepflegt.
    Der Stecker der Ladestation für die Notlampe war durchgeschmort; die Batterie im Rauchmelder ist leer; die Duschstange kam mit beim Duschen entgegen und ist nicht zu reparieren etc. Die Luft in der Kabine war stickig, und die Klimaanlage würde nur in heißen Ländern angeschaltet, sagte man uns. Es waren 24 Grad in den Kabinen und das Gebläse der Lüftung lief Tag und Nacht mit einer sehr störenden Lautstärke (da halfen nur Ohrstöpsel). Auch sonst war so ziemlich alles an dem Kahn irgendwie marode und defekt. Die Auffahrrampe zu den Fahrzeugdecks ging in Le Havre nicht runter. Erst nach langem Reparieren konnten die Fahrzeuge an Bord gefahren werden. Zwei Mechaniker der Italienischen Werft fuhren extra von Antwerpen nach Le Havre mit, um ein Loch im Boden des unteren Decks zuzuschweißen. Ein Vertrauen erweckendes Schiff sieht anders aus.
    Die Schiffsleitung gab weder Informationen über Reisezeit, Liegezeit in den Häfen noch über die Route oder die Häfen, die angelaufen werden, bekannt. Wenn man was wissen wollte, musste man sich beim Kapitän oder den Offizieren erkundigen.
    Die DVDs in der Bordbibliothek waren defekt, die Videos in Englisch, Spanisch und Schwedisch, die Bücher nur in Englisch und Schwedisch vorhanden.
    Im Sportraum standen eine Tischtennisplatte, ein Laufband, ein Rudergerät, eine Bodybuilding-Station und eine Bank für Bauchmuskeltraining (der Kicker war kaputt und stand im „Schrottraum“). Auch ein Swimmingpool war vorhanden. Dessen Masse von 4 x 1,5 m lassen schon erkennen, dass es mehr ein Erfrischungsbecken ist.



    In einem Bericht eines Paares, welches die gleiche Schiffsreise gemacht hatte, las ich im Internet, dass sie glaubten mit der „Grande San Paulo“ das mieseste Schiff der Grimaldi Line erwischt zu haben! Was sagt das mir? Wahrscheinlich sind alle gleich „mies“!!!
    Aber wir wollten schließlich keine Vergnügungsreise machen, sondern „nur“ nach Südamerika fahren. Und da werden wir hoffentlich auch ankommen.


    Das war so in etwa das Leben auf dem Schiff, bis in den Hafen von Le Havre. Jetzt sind wir wieder, nach ca. 2 Monaten, an der Loire, die bei Le Havre ins Meer fliest. Hier nahm unser Schiff weitere Container auf und eine Menge „alter“ Autos für Afrika- eigentlich handelte es sich dabei um Schrottautos, an denen bereits einige Teile fehlten. Auch 2 Magirus-Deutz waren dabei, der eine mit einer Ladefläche voller Ersatzteile. Wie gerne hätte ich darin gestöbert. Natürlich gab es beim Beladen mal wieder Probleme. Die Auffahrrampe konnte erst heruntergefahren werden, nachdem sie von zwei Mechanikern Minuten lang repariert wurde. Ein System bei Beladen war nicht zu erkennen. Erst wurden einige Erntemaschinen wieder runter gefahren, alte Autos ins Schiff gefahren, dann die Maschinen wieder rein gefahren und weiter Autos verladen. Während der ganzen Zeit wurden auf dem Vordeck Container gestapelt.
    Der Kapitän meinte wohl, dass wir am Mittwochmorgen, dem 8.10. auslaufen würden. Aber so richtig kennt er sich bei seinem Schiff nicht aus; er ist eben nur für das Seemännische zuständig. Abgelegt haben wir dann erst um 18:00 Uhr. Im Ärmelkanal war es noch etwas heftig mit dem Wind; Stärke 4-5, doch als wir die Ecke von Nordspanien (Galicien) passiert hatten, wurde es besser.


    Eine ganze Wal-Familie begleitete uns in größerem Abstand. Wir konnten die Rü-cken und ab und zu auch die Schwanzflossen durchs Fernglas erkennen. Das war ein besonderes Erlebnis.


    Am Freitag waren fuhren wir westlich an Portugal vorbei. Vorbei war es auch mit dem kalten Wind -strahlender Sonnenschein, 20°, und das Schiff wackelte kein bisschen - zur Freude von Marion. Mit dem Wetter hat sich auch das Essen nochmals verbessert. Es gab schmackhaften Fisch und Wein!!! Wir konnten beobachten, wie der Koch ein Spanferkel vorbereitete, denn am Samstag gibt es Party!!
    Unser Spanischunterricht trägt die ersten Früchte. Wir führen schon richtige Ge-spräche miteinander.


    Aus irgendeinem undefinierbaren Grund hat mein Laptop den Geist aufgegeben.- er lässt sich nicht mehr starten. Dieter Kronshage hatte ein leeres Gehäuse und ein Anschlussstück für einen externen Speicher. Ich habe meine Festplatte ausgebaut und in dieses Gehäuse gebaut, wodurch ich meine Daten sichern konnte und mit dieser externen Festplatte den Computer von Dieter nutzen darf. Jetzt ist es mir wieder möglich, im Hafen von Dakar (Senegal) meine Bilder von der Kamera runter zu laden und mein Reisebericht weiterhin zu schreiben.
    Was ist noch so passiert? Natürlich war es wieder Marion, die fliegende Fische und die erste Delphin-Familie, in den Gewässern westlich von Mauretanien, gesichtet hat.
    Die Crew nutze das gute Wetter in dieser Gegend und hat ein Schwedisches Smörrebröd-Essen zubereitet. An Deck wurden, mehr als reichlich, tolle Platten, viel Bier und natürlich auch Aquavit serviert. Es wurde ein langer, gemütlicher und alkoholschwangerer Abend.


    In der Nacht, bevor wir im Senegal anlegten, gab es ein Bingo-Spiel. Eine Lieblingsbeschäftigung der Philippinischen Mannschaft, neben Karaoke, wie man uns sagte. Es haben 3 Männer aus der Mannschaft gewonnen: Erster Preis 240 US$.


    Dakar - unser erster Kontakt mit Schwarzafrika - mit allem, was dazugehört.
    Wir haben uns auf einem Rundgang durch diese brodelnde, quicklebendige Stadt eine Portion Afrika rein gezogen. Highlights waren auf jeden Fall die tollen gertenschlanken, bildhübschen Frauen, mit den „Polstern“ auf den richtigen Stellen.
    Ich habe, natürlich erst nach ausdrücklicher Aufforderung von Marion, viele Fotos von diesen toll gekleideten Frauen gemacht. Selbstverständlich haben wir auch für Marion ein solch fantastisches Kleid gekauft.



    Am Abend haben wir über zwei Stunden, von der Brücke aus, beobachtet, wie das Schiff auf afrikanische Art entladen wurde. Das Ergebnis war, zwei unserer Mitfahrer wollen sich noch mal überlegen, ob sie wirklich von Südamerika aus zurückfliegen und ihr Wohnmobil zur Verschiffung stehen lassen wollen. Denn die Senegalesen fuhren beim Entladen der Fahrzeuge, nicht nach Sicht, sondern nach Geräuschen. Die Container wurden beim Abstellen an Deck zu Recht geknallt, d.h. sie wurden so lange an die daneben stehenden gestoßen, bis sie dazwischen passten und man sie fallen lassen konnte. Wir hatten einen wirklich amüsanten Abend.


    Doch all das war wirklich nichts gegen Conakry (Guinea). Hier gab es nur Dreck, Chaos und ein total kaputtes Land. Wir mussten 24 Stunden vor der Küste kreuzen, da es in dem Minihafen keinen Liegeplatz für uns gab. Die Hafeneinfahrt war gespickt mit Schiffwracks, die gefährlich nah an der Wasserlinie lagen. Das gesamte Schiff war innen abgedunkelt, und die See direkt am Schiff mit starken Scheinwerfern beleuchtet. An jeder Ecke des Schiffs stand Personal und beobachtet die Außenwand. Man hatte Angst vor Piraten. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass Piraten vor Guinea versucht hätten, an Bord zu klettern, um die Container zu durchsuchen und zu plündern. Außerdem war die Gefahr groß, dass blinde Passagiere an Bord klettern, um in eine vermeidlich bessere Zukunft zu fahren.


    Dann ging es endlich los, mitten in der Nacht. Die Anspannung bei Kapitän und Mannschaft war spürbar. Es gab nur eine enge Fahrrinne zu der Anlagestelle. Des-wegen mussten wir kurz davor warten, bis zwei andere Schiffe die Ausfahrt passiert hatten. Als es am folgenden Tag hell wurde, sahen wir wie gefährlich dieses Gewässer ist. Das Gebiet um den „provisorischen“ Hafen war gespickt mit Schiffswracks die halb aus dem Wasser ragend, vor sich hin rosteten. Eng zwischen zwei anderen Schiffen wurde unser großes Schiff von zwei Schleppern rein geschoben. Was an der Pier los war, kann man nicht beschreiben, da muss man sich einfach die Fotos in Ruhe ansehen. Ein für uns unvorstellbares Bild bot sich. Und was wir dann in den nächsten 30 Stunden erlebten, war unbegreiflich. Aufgrund einer Empfehlung des Kapitäns, haben wir Passagiere uns für die Bewachung unserer Fahrzeuge rund um die Uhr entschieden. Und das war eine gute Entscheidung, denn trotz unserer Anwesenheit haben die Guinness an allem herumgefummelt, was man nur irgendwie gebrauchen konnte. Und die können alles gebrauchen. 3 Gruppen zu je 2 Mann haben wir gebildet, die jeweils für zwei Stunden die Fahrzeuge bewachten.


    Nur wenige Beispiele:
    Da bei den gebrauchten PKW die Schlüssel steckten, konnte jeder, der auf dem Vordeck herum turnte, sich bedienen. Was man auch tat. Obwohl ich fotografierte, ließen sie sich nicht davon abhalten, Innenspiegel abzumontieren, Kleidungsstücke sich an zueignen, die sie dann anschließend direkt am Pier, neben dem Schiff verkauften. Unter einem Autositz hat ein Mann ein Paar Turnschuhe gefunden und diese gleich angezogen. Seine durchgelaufenen Halbschuhe fanden wir beim Auslaufen aus dem Hafen einsam und verlassen auf dem Vordeck.
    Einen anderen sah ich, der aus einem PKW einen Videorecorder in sein Eigentum übergehen ließ.
    Peter, mein Partner bei der Wache, hatte sich in einer Trinkflasche von seinem Fahrrad, Wasser mitgenommen. Er hatte diese „billige“ Flasche für maximal 1 Minute auf seine Stoßstange gestellt, um nachzusehen, welchen Bereich der Fahrzeuge ich einsehen konnte. Und schon war die Flasche verschwunden.
    Ich nutzte die Wache, um meine Kupplung zu entlüften, das Fahrgestell intensiv ab- zuschmieren, die Schmierpresse zu zerlegen und zu reinigen. Außerdem klebte ich „Alemania“ auf Fahrzeug und Kabine, um in Südamerika nicht mit Gringos verwechselt zu werden.




    Das Ausladen der LKWs und Pkws zu beschreiben wäre zu langatmig und die Gefahr, dass man den Wahrheitsgehalt dieser Beschreibung anzweifeln würde, wäre groß, denn das war unglaublich. Da die meisten Wagen nicht ansprangen, wurden die, die nicht mit den Hilfsbatterien zum Leben erweckt werden konnten, entweder vom Gabelstapler hoch gehoben und rausgebracht oder von „Bobbycars“ in einer Reihe von jeweils 5 Wagen raus geschoben oder an Stahlketten rausgezogen. Da bei den LKWs ohne laufenden Motor die Luftdruckbremsen nicht aufgingen, wurden sie mit aller Gewalt über Deck gerissen. Was bis dahin an diesen alten Fahrzeugen, noch nicht verbeult, abgerissen oder auch verbogen war, das wurde jetzt nachgeholt. Man kann nur sagen: Brutal und rücksichtslos wurde der Schrott von Europa hier „entsorgt“.


    Bodo, ein Mitreisender hatte am Samstag, dem 18.10. seinen 70. Geburtstag.
    Er hätte sich auch nicht träumen lassen, seinen Jubeltag auf Wache zu verbringen. Trotzdem ließen wir uns weder den Kuchen noch den Wein verderben und feierten unseren Mitreisenden.
    Alle an Bord waren happy, als wir zwischen den Wracks der gesunkenen Schiffe vorbei, ohne Angriff von Flüchtlingen oder Piraten, wieder auf See waren und Kurs Richtung Rio nahmen. In 6 Tagen sollen wir dort sind.


    19.10.2008 Wir sind auf hoher See und die Mannschaft feiert, dass sie Afrika gut überstanden haben, und wir feiern mit. Es gab ein fürstliches Essen und der Kapitän spendierte einige Flaschen Wein. Beim Abendessen sagte er zu uns, dass er solche Passagiere noch nicht erlebt habe. Die Passagiere, die sie früher mitnahmen, hätten sich immer voneinander separiert und wären eher eine Belastung für die Crew gewesen. Er dankte uns, weil wir die Fahrzeuge bewacht haben und weil wir eine angenehme und lustige Truppe sind. Ich wurde von den Passagieren aufgefordert, dem Kapitän, den Offizieren und der Mannschaft für ihre Betreuung zu danken. Das war der Anfang eines langen und feuchten Abends mit Wein, Bier, viel Whisky und Cognac. So ganz nüchtern ging Niemand zu Bett.


    Am anderen Morgen ging es einigen von uns nicht besonders gut. Und das lag nicht nur allein an dem heftigen Sturm mit bewegter See, der mittlerweile vorherrschte.
    Heute Nacht sollen wir den Äquator überfahren und morgen soll es eine Grillparty geben. Hoffentlich wird das Wetter besser.
    Wie immer, es ändert sich alles - außer dem Wetter. Heute 22.10. Der Äquator ist überfahren (es hat weder gerumpelt noch sonst was) und nun ist das Wetter schon seit 3 Tagen schlecht. Gelegentlich gehen Regenschauer runter, und es windet heftig. Stärke 6 lässt das Schiff über beide Achsen heftig schaukeln –und nicht alle finden das gut.
    Marion, unsere Spezialistin beim Auffinden von Tieren, hat einen Schwarm Delfine gesichtet. So an die 100 dieser tollen Tiere sind springenderweise direkt neben unserem Schiff vorbei gezogen. Dann sahen wir, etwas weiter entfernt, einen sehr großen Wal, der weit aus dem Wasser heraus sprang, um dann mit einer großen Wasserfontäne auf die Wasseroberfläche auf klatschte.


    Doch das größte, nicht geplante Ereignis, welches die Stimmung an Bord gegen Null sinken ließ, war die Entdeckung eines Blinden Passagiers. Das was die gesamte Mannschaft am meisten befürchtete, war passiert. Ein Afrikaner hatte sich an Bord geschlichen und wollte nach Europa flüchten. Der 20 jährige Schwarze aus Guinea wollte mit seinem Freund flüchten. Der Freund wurde vorher schon abgefangen, so dass sich unser neuer Passagier ohne Gepäck und ohne Wasser versteckt hatte. Als er sich nach zwei Tagen auf Deck 6 bemerkbar machte, war er „halb verdurstet“. Außer 2 Feuerzeugen und einer Rasierklinge hatte er nichts dabei. Er wurde in der Arrestzelle eingesperrt, erhält Wasser und Verpflegung und wird zweimal täglich auf Deck von zwei Mannschaftmitgliedern beim Spaziergang begleitet.
    Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, entschied der Kapitän, dass heute die Äquatortaufe mit Grillfest stattfinden soll.
    Um eine ruhige Ecke auf dem Schiff zu schaffen, hat er den Kurs um 30 Grad ver-ändert und das Schiff vom Land ab gedreht. Aber es wurde nicht wirklich besser.
    Die Äquatortaufe war eine seltsame Veranstaltung. Aus einem großen Eimer, in dem sich ein undefinierbares Gesöff befand, lagen noch eine Socke und ein Gummischlappen drin. Die Philippinos, die daraus tranken, ko.... anschließend direkt ins Pool. Dann bekamen auch zwei von uns Passagieren, bei denen es sich lohnte, die Haare abrasiert. Bei uns geschah das freiwillig, die Crew hatte keine Wahl, da mussten alle Neulinge ran.
    Anschließend fand ein feuchtfröhliches Grillfest statt.



    Am 25. Oktober liefen wir in Rio de Janeiro ein. Die Einfahrt in die Stadt, die an einer weit ausladenden Bucht liegt, war mit unserem großen Schiff sehr spannend. Leider hatten wir sehr hohe Luftfeuchtigkeit, und die Sicht war minimal. Weder der Zuckerhut noch die Christusfigur auf dem Cocovaro waren zu sehen. Mit einer Taxe fuhren Marion und ich zum berühmten Strand von Copacabana. Mit dem Ruf früherer Tage kann dieser Strand heute nicht mehr mithalten. Der traumhaft mehlige Sand begeistert immer noch, doch das Publikum gehört eher der unteren Mittelschicht an. Nichts von Schickimicki ist zu merken. Auch die Mädels mussten der Ernährung durch Mc Donalds Tribut zahlen. Nichts da mit schlanken, gut geformten Figürchen. Alles etwas aus dem Leim gegangen.
    Am interessantesten waren noch die Fußballspiele an diesem Sonntag. Mindestens 4 Fußballfelder wurden abgesteckt, mit richtigen Toren. Die Mannschaften waren, wie bei uns, einheitlich gekleidet, es gab einen Schiedsrichter und zwei Linienrichter und natürlich etliche Fans. Der einzige Unterschied bestand darin, dass die Spieler barfüßig spielten - mit einem aufopfernden Einsatz, von der tollen Balltechnik ganz zu schweigen - eben brasilianisch.



    Hin und wieder gaben die Wolken den Blick auf die Christusfigur und den Zuckerhut frei. Es war schon ein toller Anblick. Weniger toll waren die Berghänge anzusehen. Wo bei uns die begehrtesten Bauplätze sind, mit einer Panoramaaussicht, hängen baufällige Hütten, primitive Bauten, ohne Straßen, ohne Wasser und Abwasser und mit Strom, den die Bewohner illegal (aber geduldet) von der öffentlichen Leitung abzapfen.
    Beim Anblick dieser Armutsvierteln (Favelas) fällt mir gleich der Song von Michael Jackson ein „what about us“. Das dazugehörende Video hatte er in einer dieser Favelas gedreht und den Bewohnern dafür 2.500 $ gezahlt - welch Großzügigkeit.
    Hier sind wir schon sehr nachdenklich geworden, über das, was in der Welt so abgeht.


    Dann ging es Richtung Santos, 25 Km entfernt von Brasiliens zweitgrößter Stadt San Paulo. Santos hat kilometerlange Strände, die total mit Hochhäusern verbaut sind. Einige standen schon recht schief, des sandigen Untergrunds wegen. Von Rio bis Santos fuhr ein Offizier von Grimaldi mit uns mit, der aus Santos stammte. Er erklärte uns, dass man beim Bau dieser Häuser nicht richtig auf den Untergrund geachtet habe, der zu wenig Tragefestigkeit hat. Er zeigte uns am Strand eine größere Hochhäusersiedlung, überwiegend Ferienappartements von Bewohnern aus Sao Paulo. Zu unserer Anlegestelle in Santos mussten wir diese Bucht bis zum Ende durchfahren.



    Am Ufer wechselten Yachthäfen mit Armutssiedlungen ab. Neben diesen Elends-vierteln standen Superyachten in Hafenanlagen mit großen Grünflächen, mit Ten-nisplätzen und Edel-Restaurants. Der Offizier sagte uns, dass die reichen Leute in Hochhäuser wohnen und die armen in kleinen Häusern. Diese Ärmsten „leben“ in Holz-/Blechhütten auf Pfählen, die sie in den Uferschlamm, zwischen Urwald und Fluss, getrieben haben.
    In Santos haben wir an Bord Marions Geburtstag gefeiert. Als sie zum Frühstück erschien, haben unsere Mitreisenden ihr ein selbst gedichtetes Lied gesungen.
    Unser Koch Greger hat ihr eine Geburtstagstorte gebacken, die wir nachmittags verspeisten. Vom Kapitän wurde sie herzlich gedrückt. Die Philippinische Crew bildete auf dem Flur ein Spalier und sang ihr ein „Happy Birthday“. Romeo, der 2. Offizier der Philippinos gestaltete ihr eine Geburtstagskarte mit einem Foto unseres Schiffes und der Crew. Nach dem Abendessen trafen wir uns am Pool zu einer kleinen Geburtstagsparty bei Wein, Bier und Brandy. So klang ein perfekter Geburts-Tag aus.


    Am folgenden Mittag ging es weiter Richtung Argentinien. Regen, Sturm und eine aufgewühlte See machte das Weiterfahren nicht gerade angenehm.


    Eine kleine Episode am Rande:
    Die Kaffeemaschine der Offiziersmesse funktionierte plötzlich nicht mehr. Der Chefingenieur hat versucht, sie zu reparieren, erklärte dann sie sei kaputt und man müsse 400 € für eine neue investieren, und er wollte wissen, wer zu viel Pulver in die Maschine getan habe. Fredi, unser Schweizer war der Übeltäter. Die Stimmung zwischen Mannschaft und Passagiere sank rapide. Marion und ich versuchten mittags das Ding in Ordnung zu bringen - vergeblich. Am Abend haben Fredi und ich es nochmals versucht, und ich habe mit einem Schraubendreher herum geschraubt, das Ding geschüttelt, mit den Fingern drin herum gefummelt und wieder zusammengebaut - gefüllt und wieder angestellt - siehe da, sie ging wieder. Alle waren happy und auf Nachfrage hat man dem Kapitän gesagt, ich habe sie wieder repariert. Der gratulierte mir und meinte, dass er sich wundere, wieso ich die Maschine hin bekommen habe und sein Chefingenieur nicht. Worauf ich ihm anbot, sich vertrauensvoll an mich zu wenden, wenn er mal Probleme mit den Maschinen des Schiffes habe. Das Gelächter war groß, erst Recht als ich behauptete, dass ich das Ding mit dem Zauberspruch Abrakadabra!!!! flott gemacht habe.


    Während wir die Küste Uruguays passierten, konnten wir den Robben beim „Baden“ zusehen. Die possierlichen Tierchen trieben auf dem Rücken liegend, sehr dicht an unserem Schiff vorbei. Der eine oder andere streckte dabei seinen Kopf sehr weit aus dem Wasser, als ob er uns nach schauen wollte. Es ging in den Rio de la Plata, der zwischen 40 und 60 Km breit ist. Am nördlichen Ufer konnte man die Skyline von Montevideo deutlich sehen. Das Wetter wurde immer besser, die Nachrichten weniger. Denn der Kapitän informierte uns, dass wir zwischen Montevideo und Buenos Aires zwei Tage auf Anker liegen müssen, da zur Zeit in Zarate noch ein Schiff beladen werden muss, und von der Grimaldi-Line das Schiff „Grande Francia“ vor uns dran wäre. Dieses Schiff lag neben uns vor Anker und durfte zuerst in den Rio Paraná nach Zarate einfahren. Der Paraná ist kaum breiter als unser Schiff und somit nur in einer Richtung zu befahren.


    Es wurde in dem Fluss sehr eng, und wir mussten unseren Funkmast umlegen, da wir sonst nicht unter der Brücke durch kamen, die wir passieren mussten, um den Hafen von Zarate zu erreichen. Wir nutzten die Zeit, im Auto alles wieder anzu-montieren, aufzuräumen und die Schonbezüge und Teppiche zu waschen.
    Die Crew nutzte die Gelegenheit, die Rettungsboote zu überprüfen, indem sie diese ins Wasser lassen wollte. Bei dem Einen gelang das, obwohl ein Seil abriss. Bei dem Zweiten streikte die Winsch, da sie ohne Strom nicht läuft. Gut, dass es sich um eine Übung handelte. Warum sollten gerade die Rettungsboote funktionieren, da sonst so wenig an diesem Schiff nicht Schrott ist? Übrigens haben unsere Kräne großen Anteil an unserer Verspätung, denn auch diese fielen aus und konnten auf der ganzen Reise nicht repariert werden. Dieses Schiff soll 8 Jahre alt sein, unvorstellbar dieser Zustand. Hier wurde für angeblich 1 Milliarde ein Kahn „zusammengeschustert“, der nie und nimmer sein Geld wert ist. Danach wurde nur noch Geld herausgezogen, ohne die einfachsten Wartungs- und Erhaltungsarbeiten durchzuführen. Es gibt keine richtige Schallisolierung (von ständigen Dröhnen haben wir langsam genug), die Einbauten im Bad sind teilweise locker bzw. fehlen bereits, der Wassertank ist defekt, deswegen sollen wir sparsam mit dem Wasser umgehen, die Feueralarmanlage gibt Fehlalarm, woran sich Niemand mehr stört; die Rettungswesten haben wir uns nicht angesehen und es gab keine Rettungsübung (wahrscheinlich zu unserem eigen Schutz); dass die Kaffeemaschine ausfiel (siehe oben) ist wohl das kleinste Übel, obwohl auch das auf mangelnde Pflege zurückzuführen ist.




    Auch die zwei Tage vor Buenos Aires vergingen, und die Fahrt in den engen Rio Paraná ging los. Eine tolle Landschaft begrüßte uns rechts und links dieses sehr engen Flusses, üppige Vegetation und die Vogelvielfalt dieses Feuchtgebietes. An dem Ufer des Flusses standen auf Stelzen Wochenendhäuser mit Bootstegen - ein Paradies, besonders für Wassersportler. Die Häuser waren von einfach bis Luxus und standen auf 1000 qm Grund. Der Preis der Anwesen ohne Stromanschluss beträgt 10.000 €, die mit Strom 20.000 €. Für Argentinier viel Geld.


    Am Montagmorgen soll es nach Buenos Aires gehen, von wo aus wir unsere Südamerika-Rundreise starten werden. Mal sehen, ob wir ohne Versicherung für unser Auto aus dem Hafen herauskommen, denn durch unsere 3 wöchige Verspätung war am 1.11. unsere Spanische Autoversicherung abgelaufen. Wir wollten sowieso für Südamerika den Wagen vor Ort versichern.


    Und dann begann unsere Rundreise über diesen Kontinent.

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