So, die Tour ist allmählich vorbei, und allmählilch sollte ich hier vielleicht noch ein wenig Feedback geben.
Es war eine sehr schöne Tour, auch wenn sie gegen Ende (Vilnius, Warschau) ein wenig anstrengend wurde. Aber ich habe eine ganze Menge Eindrücke mitgenommen, und so hat sich die Reise für mich auch gelohnt.
Hier mal ein paar Bilder von der Tour. Zu den einzelnen Städten schreibe ich in den Städte-Threads noch ein wenig mehr.
Zunächst mal der Hinflug. Ich hatte mich schon gefreut, vom Fensterplatz aus die Aussicht zu genießen, aber während 90% des Fluges gab es da nur eine dichte Wolkendecke zu sehen. Mit einer Ausnahme:

Hier sieht man die Insel Saaremaa vor der estnischen Küste.
Dann ging es erstmal mit dem Bus ein Stück vom Flughafen Helsinki ins Hinterland:

So flach, wie ich mir das Land vorgestellt hatte, ist es also gar nicht. Irgendwann ging die Autobahn dann sogar noch durch Tunnel...
Zu Helsinki schreibe ich in einem separaten Beitrag noch etwas. Danach ging es mit der Fähre rüber nach Tallinn:

Die Altstadt ist wirklich wunderschön und beeindruckend - allerdings auch sehr touristisch. Zu allem Überfluss war sie auch noch rappelvoll, als ich dort war, weil zu dieser Zeit gerade die "Altstadttage" (Vanalinna Päevad) stattfanden, die mit ihren hunderten von Kulturveranstaltungen nochmal massenweise Publikum anlockten. Nachdem das "Pflichtprogramm" vorbei war, habe ich mich dann auch in die Peripherie verzogen. Zu meiner Überraschung fand ich dann zwischen dem Jachthafen und dem Kloster Pirita das hier:

Wer es nicht gleich erkennt: Hier kann man sein Elektroauto auftanken. Keine Ahnung, wie viele solcher Gefährte es in Estland gibt, aber einfach nur so aus Jux wird diese "Tanksäule" wohl nicht da stehen.
Die nächste Etappe war die erste Fahrt mit einem der in diesem Thread angesprochenen Busse nach Riga. Über den Sitzabstand konnte ich mich nicht beklagen, und auch die Infrastruktur im Bus war in Ordnung:

Es gab also tatsächlich ein WLAN im Bus, das auch fast während der ganzen Fahrt funktioniert hat. Ausname war ein kurzes stück hinter der lettischen Grenze, das wohl mobilfunktechnischn nicht ganz so gut erschlossen war.
Dass ich mich in Riga von allen bereitsten Städten am wohlsten gefühlt habe, lag vielleicht auch daran, dass ich hier zwei Übernachtungen vor Ort hatte (Ankunft abends, Weiterfahrt am übernächsten Morgen). So konnte ich mich ausgeschlafen auf den Streifzug durch die Stadt begeben, hatte keine Sorge, mein Gepäck irgendwo unterbringen zu müssen, und konnte am Nachmittag auch mal für einen kurzen Mittagsschlaf ins Zimmer kommen.
Der Bus-Komfort der letzten Etappe wurde auf der Weiterfahrt von Riga nach Vilnius noch übertroffen - obwohl es beides Busse von derselben Firma waren. Hier sah es aus der Passagier-Perspektive so aus:

Hier gab es also tatsächlich ein Entertainment-System im Bus, wie ich es bisher nur von Langstreckenflugzeugen kannte. Man konnte sich Filme ansehen, Musik hören, Spiele spielen und ein paar mehr oder weniger nützliche Informationen abrufen. Das Smartphone hatte natürlich auch seinen gewohnten WLAN-Zugang.
In Vilnius hatte ich nur ca. 10 Stunden Aufenthalt, weil meine nächste Übernachtung im Bus stattfinden sollte. Nach der Wechselstube (Tausch meiner übrig gebliebenen lettischen Lats gegen litauische Litas) suchte ich also erstmal nach einem Schließfach für mein Gepäck. Sowas war aber im ganzen Busbahnhof nicht zu finden. Statt dessen gab es am anderen Ende der Station noch den guten alten Gepäckaufbewahrungsschalter. Öffnungszeit bis 21 Uhr, d.h. ich musste über eine Stunde vor Abfahrt meines nächsten Busses schon mein Gepäck wieder rausholen, und diesen Termin durfte ich auf keinen Fall verpassen. Habe ich dann auch nicht, aber es war halt lästig.
Die nächste Etappe, die Nacht-Busfahrt von Vilnius nach Warschau sah dann anders aus als die bisherigen. Hier habe ich nichts fotografiert, und im Grunde war das auch nicht nötig. Denn abgesehen von den hier ebenso vorhandenen Steckdosen und dem WLAN hatte ich hier wieder das gute alte Eurolines-Sardinenbüchsen-Gefühl. Offenbar gibt es die richtig komfortablen Busse nur auf den relativ kurzen Strecken (bis zu 4 Stunden Fahrtzeit), während auf den längeren Strecken (hier: 8 Stunden) die Leute mit ausreichend Geld wohl eher den Flieger nehmen, während der Bus eher die Billigreise-Klientel bedient. Dementsprechend war der eben auch eng bestuhlt.
Ankunft in Warschau morgens um 5. Na gut, nach litauischer Zeitzone war es 6, aber so oder so war es verdammt früh. Erster Gang: zum Bankomat, zweiter Gang: zu den Duschen im Obergeschoss des Hauptbahnhofs. Diese empfingen mich mit der Aufschrift: Geöffnet ab 8 Uhr...
Also erstmal über 2 Stunden Zeit totschlagen. Den größten Teil davon habe ich dann beim Starbucks verbracht. Eigentlich nicht die Art von Lokalen, die ich gern frequentiere, aber hier konnte man sitzen und es gab Frühstück (und Münzgeld für die Dusche). Nach Frühstück, Dusche und Einschließen des Gepäcks konnte ich dann endlich losziehen. Hier in Warschau hatte ich am wenigsten Zeit zur Verfügung, und ausgerechnet diese Stadt entpuppte sich als sie Stadt der langen Wege. Irgendwann am frühen Nachmittag musste ich meine Tour ("ein Ziel geht noch...") jäh abbrechen, zur nächsten Straßenbahnhaltestelle sprinten, schnell noch am Kiosk ein Ticket kaufen und in die Tram steigen. Zum Glück reichte mein Polnisch noch soweit, dass ich mich bei Mitfahrern vergewissern konnte, dass diese Bahn tatsächlich zum Bahnhof fuhr. Und so kam ich mit ausreichend Reserve wieder am Bahnhof an, konnte mein Gepäck holen und den Zug nach Berlin nehmen. Dort noch - in den letzten Strahlen der Abendsonne - schnell etwas gegessen, bevor dann der Nachtzug nach München losfuhr. Hier hatte ich mir den Luxus erlaubt, eine Einzelkabine im Schlafwagen zu buchen. Das war auch ganz gut so, denn das war der passende Ausgleich zur vorangegangenen Nacht. So gut habe ich wohl noch in keinem Zug geschlafen. Wirklich ausgeschlafen war ich zwar nicht, als ich am nächsten morgen daheim ankam, aber immerhin. Jetzt konnte ich mich wenigstens vom Urlaub erholen.
Nochmal Danke an alle, die hier ihre Tipps weitergegeben haben. 