Teil 7: Brasilien, Uruguay und Rückreise

    • Südamerika

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    • Teil 7: Brasilien, Uruguay und Rückreise

      Brasilien

      Zuerst versorgten wir uns in Puerto Iguazú mit den nötigen Lebensmitteln und dann ging es ab zu Grenze. Der Argentinische Teil war schnell erledigt, doch danach gab es bei den Brasilianern Schwierigkeiten. Da man dort das unverständliche Portugiesisch sprach und weder Spanisch noch Englisch konnte, war das Klären der Situation nicht so einfach. Doch dann hatten wir es: Unsere Passnummern stimmten mit den in dem Computer gespeicherten nicht überein!?! Wieso haben die unsere Passnummer in ihrem Computer, fragten wir uns? Nach einigem Nachdenken kamen wir auf des Rätsels Lösung - wir waren schon mal in Brasilien, nämlich in „Rio de Janeiro“, anlässlich eines Tagesausfluges vom Schiff aus. Klar, die hatten wohl damals beim Zoll unsere Pässe fotokopiert, hatten aber die Passagierliste von der „Grande Brasil“, von der sie dann unsere Passnummern in den Computer übernommen haben. Und auf dieser Liste standen die Passnummern unserer alten Pässe, mit denen wir 2007 das Schiff gebucht hatten. Im April 2008 haben wir dann neue Pässe beantragt, mit denen wir dann die Reise Ende 2008 angetreten haben.
      Die netten und sehr höflichen Polizisten der Emigration waren einsichtig, und wir durften einreisen.
      Beim Zoll erhielten wir zum ersten Mal anstatt eines DIN-A 4 Blatts fürs Fahrzeug derer vier. Gott sei Dank dachte Marion noch daran, dass der Zöllner auf dieses Formular als Fahrzeug „Casa Volante“ eintragen soll, was er auch tat.

      Dann kamen wir in ein ganz anderes Südamerikanisches Land: saubere Straßen, gepflegte Seitenstreifen, kein Müll und an jeder Straßenecke eine Beschilderung. Es war uns schon nach ein paar Kilometer klar, dass Brasilien das am best-entwickelsten Land in Südamerika ist und dass die Wirtschaft hier boomt. Auf den über 600 Km bis „Curitiba“ begleiteten uns ständig bewirtschaftete Felder, gepflegte Anwesen - außer der Gegend, wo Indianer wohnten. Dort waren Urwald, ärmliche Hütten und faul rumhängende Menschen. Am ersten Reisetag und in der folgenden Nacht hat es stark geregnet. Und da alle Seitenstraßen Naturstraßen sind, war die Asphaltbahn bedeckt mit rotem Schlamm. Marion weinte fast, wegen unseres frisch gewaschenen Autos. Es wurde total mit rotem Schlamm übersät.

      Der Verkehr ist hier viel dichter als in den anderen Ländern. LKW reiht sich an LKW, und alle moder und überwiegend von Mercedes aus Brasilianischer Produktion. Sie fahren wie mit PKWs, so als ob sie auf einer Formel 1 Rennstrecke seien. Immer über die ganzen 600 KM, bergauf – bergab und immer sehr steil. Dann, der erste Brasilianische Supermarkt - eine Auswahl wie in Deutschland, das reinste Paradies; sauber, geordnet und wohlorganisiert - eine Wohltat, nach den bisherigen Erfahrungen. Aller super, nette Mensch, höflich, zuvorkommend und hilfsbereit, wenn.....ja wenn sie nicht so ein schreckliches Kauderwelsch sprechen würden, das Niemand versteht - man nennt es Portugiesisch.

      Zweimal übernachteten wir an Tankstellen, und es war alles andere als ruhig. Am Sonntag sind wir nach „Curitiba“ reingefahren, denn wir wollten nicht im Großstadtverkehr versinken. „Curitiba“ hat 1,8 Millionen Einwohner, und wir fürchteten den LKW-Verkehr. Doch LKWs dürfen generell nicht in die Stadt hineinfahren. An einer Tankstelle an der BR 277 wuschen wir den roten Schlamm von unserem Mobil, denn mit einem schmutzigen Auto wollten wir unsere Bekannten aus Ushuaia nicht besuchen. Als wir vor einem Lebensmittelladen anhielten, hatten wir wieder mal großes Glück, denn einer der jungen Männer sprach Englisch. Wir riefen José an und er holte uns gemeinsam mit seinem Freund René (der auch in Ushuaia war) ab.

      Durch den Großstadtverkehr schleusten sie uns zu seinem Haus - und zu was für einem Haus! Eine große Villa mit hoher Mauer, Stacheldraht und Stahlspitzen oben auf der Mauer. In Brasilien igelt man sich ein. Er erzählte uns später, dass er bis vor 3 Jahren außerhalb auf dem Land gewohnt habe und zweimal überfallen wurde. Beim letzten Mal hielten sieben Gangster ihn und seine Frau über 8 Stunden gefangen, mit Gewehren im Anschlag. Auf die Polizei könne man sich auch nicht verlassen, denn die sei korrupt. So möchten wir nicht wohnen!

      Doch das Haus war toll. Ein großer Stellplatz für sein 9 Meter Wohnmobil und dahinter hatten auch wir noch reichlich Platz, um zu parken, ein Pool etc. innen setzte sich der tolle Eindruck fort. Marmor, Granit, Stilmöbel, tolle Küche mit großem Hauswirtschaftsraum etc. José besitzt in „Curitiba“ zwei Restaurants und bewirtet täglich 1000 Gäste. Dabei hatte er noch Zeit für uns, Taxi zu spielen. Er organisierte eine Stadtbesichtigung, eine Fahrt mit dem „Tren Sierra verde“ durch den Urwald am steilen Berghang entlang und fand eine Werkstatt, wo am Magirus kleine Arbeiten verrichtet werden können. Und das Wichtigste: Wir konnten mal wieder ein paar Nächte toll schlafen, denn es war sehr ruhig in dieser Wohngegend, obwohl sie nahe am Zentrum liegt.


      Am gleichen Tag wie wir, war aus „Iguazú“ eine Familie (Eltern und zwei Jungs 9 und 14 Jahre) mit einem VW-Bus (den man hier Combi nennt) angekommen. Sie wohnen vorübergehend bei José, denn er will ihnen Auftritte in „Curitiba“ verschaffen. Die drei „Männer“ sind Musiker, und wir hatten täglich Livemusik auf dem Grundstück. Bisher hat diese Familie in „Blumenau“ gewohnt. Der Vater spricht sehr gut Deutsch, was unsere Verständigung mit José und seiner Frau erleichterte. José spricht wenig Spanisch und kaum Englisch, doch Marion versteht das Portugiesische mittlerweile gut, wenn die Brasilianer langsam sprechen. Wenn es schwierig wurde, übersetzte der Musiker.
      Wir wurden sofort in die Familie integriert. Eine so unbefangene Gastfreundschaft und Herzlichkeit haben wir noch nie erlebt!
      Abends marschierten wir mit José und seiner Frau durch die Parks von „Curitiba“. Das Ehepaar marschiert jeden Abend stramm durch die Gegend, und wir hetzten hinterher.
      Den Ausflug mit der Bahn beschreibt Marion so:

      Heute klingelt bei uns der Wecker um halb sieben, denn wir wollen ja mit dem „Tren Sierra verde“ durch den Urwald fahren. Bidy (José) bringt uns um 8:15 Uhr zum Zug und zunächst geht es mal Rtg. Außenbezirke von Curitiba und vorbei an den Favelas. Kein so toller Anblick! Aber hier eben doch Realität, eine Realität, mit der ich so meine Probleme habe!
      Die Tour durch den Urwald ist schön, bis abenteuerlich, wenn man an die tiefen Schluchten und schmalen Brücken denkt!
      Irgendwann hat`s auch mal einen Container nebst Eisenbahnwagen runter in die Tiefe gerissen, was wir aber erst auf der Rückfahrt sahen – zum Glück. Die schwüle Luft schafft uns beide sehr, und wir sind platt, als wir gegen 18:15 Uhr wieder in Curitiba ankommen. Ach ja, der Ort, wo die Bahn hingefahren ist, ist nahe der Küste, ober sonst kaum erwähnenswert.“


      Bilder von dem Ausflug gibt es nur sehr schlechte, denn sie wurden mit dem Handy gemacht. Unsere Kamera hatte Marion in Bidys Auto liegen lassen.

      Die nachfolgenden Tage in „Curitiba“ beschreibt Marion in ihrem Tagebuch wie folgt:

      13.5.09 –Heute ist Waschen, putzen und Computern angesagt. Nachmittags kommen die Musikanten vom Vorspielen zurück, das Bidy organisiert hat, und eine Schule für die Jungs ist auch gefunden worden. Sie sind alle wesentlich entspannter, und wir sitzen noch lange draußen zusammen. Auch Bidy und Frau kommen dazu, müssen dann aber los, weil die Enkeltochter heute 6. Geburtstag hat, und die Familie in einem Restaurant feiert. Wir geben ein paar Kleinigkeiten als Geschenk mit (Malbuch, Stifte usw.). Auch den Jungs von „sinal verde“ geben wir ein paar Kugelschreiber und einen Taschenrechner (solar). Die sind total aus dem Häuschen und ganz happy!

      Bidy hat uns gesagt, dass er für uns einen Termin bei seiner Autowerkstatt ausgemacht hat, um ein paar Dinge an unserem „Dicken“ schweißen zu lassen. Das freut uns sehr, und morgen früh um 8:30 Uhr verlassen wir dieses gastfreundliche Haus und seine netten Bewohner. Wir waren gerne hier, gab es uns doch die Möglichkeit, mal tiefer in die hiesigen Verhältnisse zu schauen, und auch die Ausflüge zu machen, denn ohne Bidy hätten wir zu viele Bedenken weger unserer Sicherheit gehabt.

      Unsere Musikerfamilie hat uns am letzten Abend noch ein selbstgebackenes Leckerli gebracht (Hefeteigröllchen in Fett ausgebacken - Marion hat das Rezept).
      Mauris Sohn (Musikerfamilie) hat uns dann noch, als Vorgeschmack, ein paar Fotos von „Blumenau“ gezeigt. Außerdem gaben sie uns eine Adresse mit Telefonnummer von einem „tollen Mann“ (wie er sagte), bei dem wir sicher stehen könnten und der uns bestimmt helfen wird. Wir nahmen den Zettel, obwohl ich mir sicher war, dass wir davon keinen Gebrauch machen werden.

      In Bidys Werkstatt gab es dann doch eine Enttäuschung für uns; die ganze Sache gestaltete sich schwieriger als ich angenommen hatte, zumal die Verständigung nicht funktionierte - sie sprachen nur Portugiesisch. Ok, dann verschieben wir das Ganze, bis wir in dem deutschsprachigen Gebieten sind - oder nutzen doch die Informationen, die wir von Mauri bekommen haben.

      Am selben Tag, gegen 15 Uhr kamen wir in „Blumenau“ an. Wir fuhren in der 300.000 Einwohner Stadt an eine Tankstelle, um uns nach dem Weg zum „Club Guarani“ zu erkundigen. Der junge Brasilianer verwies uns an die gegenüberliegende Tankstelle, dort würde man Deutsch sprechen.

      Marion fragte dort Carmen Delling, die Besitzerin, nach dem Weg. „Ja was wollt Ihr denn da?“ fragte sie. Marion erzählte ihr, dass wir einen Fritz suchen. „Ich ruf den mal an, ich kenn ihn gut.“ Bei dem Telefonat stellte sich heraus, dass Fritz vor ein paar Minuten an der Tankstelle vorbeigefahren ist und meinte, dass er Carmen mit einer blonden Frau sprechen sah. „Ja, um die geht es. Die sucht Dich!“ Nach ein paar Minuten war er da. Als er ankam und unser Auto sah, meinte er, dass er vor „Blumenau“, zusammen mit seinem Freund und seinem Sohn, hinter uns hergefahren sei und sie hätten vom Auto aus, von allen Seiten, Fotos mit dem Handy von unserem „Dicken“ gemacht.
      Wir erzählten ihm unsere Geschichte mit Mauri und „sinal verde“, und dass wir einen Übernachtungsplatz suchen. Wir folgen ihm zum Club in den Hof, wo wir auch übernachten können... solange wir wollen!
      Wir wurden herzlich begrüßt, es gab einen Imbiss, Bier, und wir unterhielten uns bis spät in die Nacht hinein. Als wir schon langsam müde werden, sagt Fritz, dass er uns noch etwas Leckeres kochen will - zum Abendessen. Es kommen dann noch Freunde dazu, und wir sitzen gemütlich in der riesigen Restaurant-Küche, plaudern und trinken reichlich Bier - und die gesamte Unterhaltung in Deutsch!!!
      Es ist schön, und wir fühlen uns von so viel Herzlichkeit und Gastfreundschaft überwältigt.
      Es gibt hier ein Restaurant mit verschiedenen Sälen für bis zu 500 Personen, ein Reisebüro, Mietwohnungen usw. - alles gehört Fritz - und noch mehr, wie wir in den nächsten Tagen sehen werden.
      Ein Freund von Fritz kann schweißen und will sich morgen unseren Wagen ansehen.


      Fritz ist 56 Jahre alt und hat bereits alle seine Geschäfte an seine Kinder abgegeben. Seine Söhne 28/22 Jahre, führen das Reisebüro, die große Restaurationsanlage und den Partyservice. Die Tochter, 26 J, hat ein anderes Restaurant bekommen. Er selbst nennt sich Rentner, hilft aber immer noch tüchtig mit (heute Freitag 100 Personen, morgen 250), außerdem züchtet er seit einigen Monaten Schweine - wir sahen uns diese 100 Exemplare unweit der Stadt an.


      Für Samstag wurden Kalli, Fritz’ Freund aus Schleswig-Holstein und seine brasilianische Lebensgefährtin Rita verdonnert, mit uns eine Stadtbesichtigung durchzuführen. Wir waren im Mausoleum von „Dr. Blumenau“, der vor 150 Jahren diese Stadt gegründet hat. Natürlich besuchten wir auch das Oktoberfest-Gelände. Hier soll alljährlich das größte Oktoberfest außerhalb Münchens stattfinden. Die Häuser um die Halle, in der das Fest stattfindet, sind im deutschen Fachwerkstil erbaut, und sehen wirklich toll aus. Alles ist in Schwarz-Rot-Gold, man fühlt sich wie in Bayern. Die sind hier Deutscher als jeder Deutsche. Wir waren lecker Kuchen essen und Kaffee trinken, wie zuhause.

      Außerdem sahen wir uns die Verwüstungen an, die ein wochenlanger Regen im letzten November hier verursacht hat. Die Erde wurde so aufgeweicht, dass es etliche Bergrutsche gab. Über 50 Personen wurden unter den Schlammlawinen zusammen mit ihren Häusern begraben. Es war schrecklich was hier passiert ist.

      Um es nicht zu vergessen; Fritz hat sich wohl vorgenommen uns zu mästen. Er lädt uns ständig ins Restaurant zum Essen ein. Und wenn wir nicht kommen, bringt er uns Essen ins Wohnmobil. Auch Bier ist keine Mangelware. Eine Bezahlung lehnt er strikt ab.

      An einem Tag fuhr er mit uns zu seinem Freund Gerhard Neumann. Gerd betreibt in „Blumenau“ eine „Bayrische Bierstube“ mit Restaurant. Natürlich in Südamerikanischen Größenverhältnissen. Er zeigte uns sein ganzes Anwesen, mit Hotel und ein paar kleinen Häusern (die er vermietet) auf seinem 6000 qm Grundstück.
      In dem Wald, der zum Grundstück gehört leben eine Affenfamilie und ein paar Krokodile, die ihm die Schlangen fangen, sagte er. Obwohl ich bei ihm noch nicht unterscheiden kann was Flachs und was wahr ist. Er erzählt aus seinem ereignisreichen Leben und man merkt seine „braune“ Tendenz, was aber bei den Deutschen in Südamerika eher normal ist.

      Am Samstagabend wehrten wir uns fast erfolgreich gegen Fritz’ Einladung zum Abendessen. Doch dann kam er und meinte wir sollten auf 20 Minuten mit zu einem Freund fahren, der heute seinen 53. Geburtstag feiert. Dabei brachte er Krabbensalat mit. Wir aßen und fuhren mit. Später merkten wir, wie lange 20 Minuten sein können. Natürlich wurde getrunken und gegessen. Gerd (nicht der mit dem Bayrischen Restaurant), der Freund, hat sich riesig über unseren Besuch gefreut. Außer uns war nur noch die Familie anwesend, und es wurde gegrillt. Uns zu Ehren wurden deutsche CDs aufgelegt. „Der Musikantenstadl“ ist nicht unser Ding, aber das nimmt man hier wohl von Deutschen an, und wir ließen diese alten deutschen Volkslieder über uns ergehen.


      Der Abend endete wieder in Gerhards Bayrischem Restaurant, mit Bier und Schnaps.

      Der Schweißer-Freund von Fritz kann unseren LKW nicht reparieren, so fuhr uns ein anderer Freund, Piti (Luxemburger mit einem Fliesengeschäft) zu einer LKW-Werkstatt, die unser Problem lösen könnten. Dienstag um 8:15 Uhr haben wir Termin. Also bleiben wir doch länger in „Blumenau“, als geplant. Das kostet uns wahrschein noch weiter 2 Kg Mehrgewicht. Wir werden auf jedenfalls nach „Arapey/Uruguay“ in die Thermen zu Fasten fahren!!!

      Fritz freute sich sehr, dass wir so lange bleiben wollen/müssen! Sofort lud er uns für Dienstag zu dem 55.Geburtstag seines Cousins ein, der hier ein sehr exklusives Restaurant besitzt. Der freue sich auch schon auf unseren Besuch, sagt Fritz.
      Heute, Sonntag hat uns Fritz zu seinem Haus eingeladen, denn er will für uns und seine Freunde ein Asado machen. Das hielt ihn aber nicht davon ab, uns mittags ins Restaurant zu drängen, um am Buffet teilzunehmen. Wo sollen wir das alles hinstecken???
      Uns überfordert das ganze schon ein wenig, allerdings kann man der Offenheit und Herzlichkeit unmöglich mit Verschlossenheit begegnen, das widerstrebt unserem Naturell, und so haben wir jede Menge Spaß!
      Am Nachmittag fuhren wir zu dem neuen Haus seines ältesten Sohnes, Fritz jun. Sehr modern gebaut, aber die Ausführung - wie früher in Spanien.

      Um 17 Uhr ging es zu Fritz nach Hause, der viele Leute eingeladen hat und grillen will. Er ist sehr quirlig und freut sich über Gäste. Es wurde ein lustiger Abend mit all den Leuten, die wir hier näher kennengelernt haben. Es wurde gut gegessen, noch mehr getrunken und man sang Deutsche Stimmungslieder.


      Außerdem gab es eine Ansprach von Fritz, uns zu Ehren. Marion hat dann noch ein paar Dankesworte gesprochen.

      Montag waren wir im Internet bei Diego - .Fritz‘ jüngster Sohn. Marion bügelte unsere Ausgehkleidung, die wir morgen Abend zum 55. Geburtstag im Edelrestaurant tragen wollen.
      Dienstag und Mittwoch (19. u. 20.5.09) sind wir in der hiesigen LKW-Werkstatt, Fa. Kuhlmann. Der Meister und viele Monteure sprechen Deutsch, und es wird noch richtig repariert, nicht nur Teile ausgetauscht. Dienstag wird die Motorbremse und der eine Staukasten geschweißt, die Fahrertür gerichtet, der Tacho ausgebaut und repariert (denn es war nicht die Tachowelle die defekt war), und ich benutze die starke Druckluftanlage der Werkstatt, um meine Luftfilter und die Kühlrippen des Motors richtig auszublasen. Mittwoch wird der Krümmer geschweißt und die Lampe repariert. Ich nutzte die Gelegenheit, Rost an der Karosserie zu entfernen und zu streichen. Alle Arbeiten wurden zu unserer 100 %igen Zufriedenheit ausgeführt, und über den Preis sollte man kein Wort verlieren, denn dafür würden die Deutschen Werkstätten noch nicht mal die Hofschranke öffnen.


      In der Werkstatt trafen wir auf Jochen aus Köln, der mit seinem braunen Mercedes 208 schon seit 5 Jahren in Südamerika unterwegs ist. Von ihm hat uns Mathias aus Darmstadt bereits in „La Caldera“ erzählt, weil er ihn auf dem Campingplatz in „Salta“ treffen wollte. Er lässt jedes Jahr bei „Kuhlmann“ seinen Wagen herrichten. Vor ein paar Jahren hatte er das gesamte Blechkleid ausbessern, ersetzen und lackieren lassen. Heute hatte er das Differenzial an der Hinter-Hinterachse mit Teilen aus Deutschland erneuern lassen. Er erzählte uns, dass Anita und Andrej, wie bereits in Deutschland, Probleme mit der Federung an der Vorderachse haben. Die wäre schon einmal gebrochen, dann in „Salta“ geschweißt worden und jetzt wieder gebrochen sei. Zwei Tage bevor wir in „Blumenau“ angekommen sind, wären sie nach „Montevideo“ weitergereist, um dort zu versuchen eine neue Feder aus Deutschland zu bekommen. Das ist bei seinem Sprinter nicht einfach, denn den hat die „Fa. Igelhaupt“ auf Allrad umgebaut. Er hatte damals schon in der BRD Probleme, eine neue Feder zu bekommen. Die Beiden seien total down, was ich gut verstehen kann. Wir haben ihnen eine E-Mail geschickt. Vielleicht melden sie sich.

      Am ersten Werkstatt-Tag fährt Marion mit Fritz Caschasa (Zuckerrohrschnaps) besorgen und einige andere Mitbringsel. Dabei zeigt er ihr auch die verheerenden Verwüstungen, die das Unwetter im November 08 in dieser Gegend angerichtet hatte. Ganze Berghänge sind ins Tal geschwemmt worden, zusammen mit Bäumen, Felsen und Schlamm. Ganze Straßenzüge liegen darunter begraben, Häuser von Baumriesen sind durchlöchert worden. Viele Menschen sind mit ihren Häusern begraben worden, andere haben Häuser, Restaurants, Tankstellen verloren, mit allem, was darin war. Selbst Grundstücke gibt es teilweise nicht mehr, weil die Hänge, die mal Bauland waren, einfach nicht mehr da sind. Bäche, die heute als Rinnsale träge dahinfließen, stauten sich so hoch auf, dass sie ein 200 m breites Tal bis zu 15 m Höhe überspülten. Es ist unfassbar! Frau Merkel hatte natürlich sofort als Ersthilfe Spendengelder nach „Blumenau“ geschickt. Ich frage mich nur warum.

      Wenn man an den jährlichen Überschuss der Brasilianischen Nationalbank denkt, frage ich mich, wieso dieser Staat das nicht selber zahlen kann? Liest denn unsere Regierung keine Wirtschaftsberichte, und weiß man nicht, wie schlecht es um unseren Staatshaushalt bestellt ist??? Und wie pleite unsere Kommunen sind???
      Fritz ist dann noch mit uns 10 Km außerhalb „Blumenau“ zu seinem Landhaus gefahren, das vermietet ist. Das Haus ist 200 qm groß, und liegt auf einem ca. 2000 qm großen Grundstück mitten im Urwald. Um das Haus herum gehören noch 40.000 qm Urwald zu dem Besitz. Wir fuhren durch den Wald über eine Lehmstraße, die bei dem großen Regen unpassierbar war.
      Auch die Zufahrt zu dem Grundstück war damals nicht mehr möglich, denn es hatte die gesamte Einfahrt, nebst Brücke und Elektroversorgung weggespült. Jetzt konstruiert Fritz gerade eine neue Zufahrt.

      Dienstagabend schmeißen wir uns in unsere „Galakluft“ und gehen zu der Geburtstagsfeier. Das Restaurant und die Lage am Fluss sind einzigartig. Besonders eindrucksvoll ist es, wenn abends die Flussschweine auf der Weise grasen. Die Kellner trugen schwarze Anzüge mit Fliege etc., doch den Service und das Essen kann man vergessen. Der 2. Bürgermeister ist da und spielt Quetschkommode, man singt Deutsche Lieder.


      Man ist mal wieder deutscher als deutsch. Wir erfahren, dass hier viele Rentner aus Deutschland hinkommen. Die „Damen“ der Gesellschaft warten schon darauf, einen betuchten Deutschen kennen zu lernen, sein Geld zu verleben und ihn wo möglich zu heiraten - der guten Deutschen Rente wegen. Einige dieser Exemplare haben wir persönlich kennen gelernt. Wie können die Siebzigjährigen nur so dämlich sein?

      Am Mittwoch hat uns Fritz zu seinem Schützenverein mitgeschleppt. Leider schlug mir das kalte Bier auf den Magen, so dass der Abend nicht besonders gut für mich verlief. Leider, denn wir geben für Fritz und Diego ein Abschiedsessen in einer Pizzeria. Dort geht’s nach dem Motto „soviel man essen kann“. Alle paar Minuten kommt ein Kellner mit einer anderen Art von Pizza vorbei und man kann aus 70 bis 90 Sorten Pizzen auswählen, soviel und sooft man will. Als Vorspeise kann man sich noch eine Suppe holen und zwischendurch, als Abwechslung, bringt man Lasagne, Nudeln und Hühnerfleisch. Zum Abschluss gibt es dann noch süße Pizza. Alles köstlich, aber ich hielt mich zurück.

      Donnerstag wollen wir weiter reisen. Man will uns nicht loslassen. Fritz drängte uns zum Mittagessen ins Restaurant. Er hatte noch kurz Essen zu einer Veranstaltung zu bringen und wollte um 11 Uhr zurück sein. Um 12:30 Uhr kam er, nachdem ihn Diego angerufen hatte, dass wir sonst auch ohne Abschied wegfahren würden. Wir ließen in „Blumenau“ liebenswerte Freunde zurück und versprachen in Kontakt zu bleiben.


      Dann ging es mit unserem, nun wieder sehr leisen, „Dicken“ Richtung Süden. Jetzt muss ich mich wieder daran gewöhnen auf den Tacho zu schauen, denn jetzt sieht auch Marion wie schnell ich fahre. Wir fuhren bis „Praia do Rosa“ über die BR 101, eine üble Teerstraße mit gewaltigen Spurrillen, Schlaglöchern und LKW-Fahrer die wohl eine besondere Abmachung mit Gott haben, denn so fahren nur Lebensmüde. Der Hit sind dann doch die Motorradfahrer, die uns, auch wenn der entgegenkommende LKW auf unserer Höhe ist, überholen. Die haben sicher eine ganze Kompanie Schutzengel bei sich. Aber auch diese haben ab und zu Ferien - dies sieht man an den vielen LKW-Unfällen. Die LKWs fliegen wegen überhöhter Geschwindigkeit aus der Kurve. Der Verkehr auf dieser Hauptstraße nach Süden ist noch dichter als auf deutschen Autobahnen, was ich nie für möglich gehalten hätte. Man ist dabei, diese Straße zu einer 4-spurigen auszubauen, deswegen geht es immer wieder durch wüste Baustellen.


      Immer an der Küste entlang geht es durch ein Gebiet zum „Praia do Rosa“ mit vielen Ferienhäusern. Über eine Sandpiste fahren wir, bis die Piste an einem Wendeplatz zu Ende ist. Dort stehen nur ein paar Fischerhütten. Wir wollen hier das Wochenende verbringen. Wenig Essen, kein Alkohol und viel Ruhe sind angesagt.

      Wir schliefen tief und fest, bis morgens um 5:30 Uhr die Fischer kamen. Den Tag in der Bucht verbrachten wir mit spazieren gehen am Strand und faulenzen. Mittags hatten wir Besuch eines Polizisten mit Frau auf dem Moped, die unser Mobil fotografierten und uns erzählten, dass er in 5 Jahren in Pension ginge und dann auch mit so einem Auto reisen wolle. Seine Frau hatte für uns eine Tüte selbstgebackener gut-schmeckender Plätzchen mitgebracht. Sie luden uns ein, bei ihnen auf dem Grundstück zu stehen, wegen der Sicherheit und so. Wir lehnten ab, denn erstens fühlten wir uns in der Bucht sicher und zweitens wollten wir endlich mal ungestört unsere Arbeiten erledigen. Die Woche bei Fritz hatte zu sehr geschlaucht. Wir bleiben zwei Nächte, dann geht’s weiter Richtung Süden.

      Eigentlich hatten wir uns einen „Traumplatz“ bei „Torres“, zwischen Lagune und Meer, vorgestellt. Aber all diesen Plätzen trauen wir nicht, nachdem wir gesehen haben, dass die Häuser in der Nähe mit Zäunen und Stromleitungen gesichert waren, wie Fort Knox. Ein gammliger Campingplatz, weit weg vom Meer, wollte 7 € für die Nacht. Diese Abzocke machten wir nicht mit und fuhren Richtung „Ruta romantica“.


      Von Meereshöhe auf 900 Höhenmeter ging es über eine traumhafte, toll ausgebaute Strecke durch den Urwald – es sah aus wie im Schwarzwald mal 20, - wie Marion meinte. Eine tolle Gegend zum Wandern und Fahrradfahren, wenn man nur dürfte. Denn es gibt weder Fahrrad- noch Wanderwege. Ab fünf Meter neben der Teerstraße ist alles Privatbesitz und eingezäunt - wie fast überall in Südamerika. Diese 10 Km Passstraße fuhren wir im dritten Gang mit 28 Km/h, so steil war sie. Als ich die letzte Brücke vor dem Pass von der Seite aus sah, schickte ich kurz ein Stoßgebet zum Himmel, damit sie noch ein paar Minuten hält. Denn die Fahrbahnaufleger lagen irgendwie krumm und locker, in unterschiedlichen Abständen, auf den Stempeln. Das sah alles nicht sehr vertrauenserweckend aus. Doch wir hatten auf unseren bisherigen 18 Tausend Kilometer durch Südamerika viel Glück gehabt, warum soll es uns jetzt verlassen?
      Am Anfang der „Ruta romantica“, in „Sao Francisco de Paula“ stellten wir uns in eine Nebenstraße und hatten eine einigermaßen ruhige Nacht.

      Der Eingang zur „Ruta romantica“ wurde uns durch eine Zahlstation versperrt. Die wollen doch wirklich für das Befahren dieser schmalen Landstraße Geld haben. Unvorstellbar, dass man für das Befahren der Schwarzwald Hochstraße (denn so sieht die Gegend hier aus) 13 Real haben will. Man kann ruhig 1 zu 1 umrechnen, denn ein Facharbeiter verdient hier im Monat ca. 1.200 Real.

      In „Gramado“ erlebten wir unsere zweite Sonntagprozession (nach „Rio Grande“ in Patagonien). Tausende von Menschen wanderten die 10 Km vom Ort nach einer Wallfahrtsstätte. Außerdem gab es eine genauso lange Autoschlange mit PKWs, aufgemotzten Jeeps und vielen, vielen LKWs, die bei unserem Entgegenkommen lautstark mit den Fanfahren lärmten. Diese Fahrzeuge erhalten an dem Wallfahrtsort ihren Segen.
      Den brauchen sie auch, wie ich schon bei der Beschreibung ihrer Fahrweise angemerkt habe. In diesem „Schwarzwaldort“ besuchten wir eine der zahlreichen Chocoladerias. Leckere Sachen gab es hier.


      Kurz vor „Nova Petrópolis“ kauften wir eine große, tolle Holzschale. Sie wurde aus dem Holz einer Urwaldzeder per Hand geschnitzt. In „Stadtplatz“, wie die Deutschen Einwohner „Nova Petrópolis“ nennen, fanden wir einen ruhigen Übernachtungsplatz. Natürlich kamen uns wieder viele Einheimische besuchen, um ihre deutschen Sprachkenntnisse aufzufrischen. Unser Fahrzeug und die Aufschrift „Alemania“ waren wie immer Anziehungspunkt.


      Die Nacht über und während des ganzen nächsten Tages regnete es immer wieder. Es ist eben Herbst, ungefähr unserem November gleich zu setzen. Die Temperaturen lagen trotzdem nachts bei 19 und tags bei 22°.
      Wir machten einen Einkaufsbummel durch die sehr touristisch geprägte Stadt, und es überrascht uns immer wieder, wenn wir dabei von den Verkäuferinnen und Verkäufer in Deutsch angesprochen werden. Es ist wohl ein anderes Deutsch als wir es kennen, es ähnelt eher dem Dialekt, der im Hunsrück gesprochen wird. So meinen die Deutschen in Südamerika, dass man sich in Deutsch mit „Sie“ anspricht, wenn man befreundet ist, und dass „Du“ als Höflichkeitsanrede benutzt. Also komplett umgekehrt, als wir es gewohnt sind.

      In „Nova Petrópolis“ ist ein Museumsdorf mit Häusern aus der Einwanderungszeit (ca.1850) aufgebaut, das ich heute allein besichtigt habe. Marion geht es nicht gut, sie hat sich ins Bett gelegt. In jeder Ecke auf dem Gelände sind Lautsprecher angebracht aus, denen Deutsche Volksmusik dröhnt. Nun, wer den Musikantenstadl mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Alle „Offizielle“ tragen dort eine Art Bayrische Tracht mit Tirolerhut. Die gesamte Anlage ermöglicht einen guten Einblick in die Lebensweise der ersten Deutschen Einwanderer. Aber es hat sich hier mittlerweile eine Art der Präsentation des Deutschtums gebildet, das nichts mehr mit dem wirklichen Deutschland zu tun hat. Auch Fotos von Deutschen Politiker werden gezeigt, die hier ihr Füllhorn ausgeschüttete haben, wie zum Beispiel der damalige Bundespräsident Roman Herzog 1995.

      Wir fuhren anderntags weiter über die „Ruta romantica“ Richtung „Porto Alegre“. In „Presidente Lucena“, bekannt für seine Strickwaren, stoppten wir bei der Verkaufsstelle einer Strickwarenfabrik und erstanden einige sehr schöne Stücke in bester Qualität. Über den Preis schweigen wir lieber, denn es war unverschämt billig. Die Damen sprechen Deutsch. Doch wir müssen zweimal hinhören, um alles richtig zu verstehen. Man spricht Hunsrücker Platt gemixt mit einigen Portugiesischen Vokabeln.....“we de do herkom sen, han se Schneise mache misse, woan ja all Beem.“ Da kommt der erste Teil von vielen Ortsnamen her: „picata“..., was „Schneise“ heißt...also eine Waldschneise wurde geschlagen, damit man seine Behausung bauen konnte bzw. dorthin gelangte.
      Natürlich gab es wieder die unvermeidlichen Fragen: „..dod ihr do spaziere?“....Oder:
      „..wo spaziert ihr?“ Damals als die Deutschen hierhin ausgewandert sind, gab es Worte wie „Urlaub“ und „Reisen“ noch nicht. Was diese Deutschstämmige damit von uns wissen wollten war, ob wir in ihrem Land herumreisen wollen, bzw. wohin wir überall fahren wollen.


      An der Hauptstraße der Küste entlang kauften wir Obst ein und nicht wenig! Das Angebot und die Preise lassen uns das Wasser im Munde zusammen laufen. Früchte nach der Devise „..ich kenn dich nicht, aber ich ess‘ dich trotzdem...“ Wir erfahren, dass man nicht mehr als eine Maracuja pro Tag essen soll, die sollen wohl bei Einschlafproblemen helfen, aber für die Fahrtauglichkeit sind, mehr als eine, nicht gut. Mango und Papaya (das Stück bis 3 Kg schwer), Sternfrüchte und Physalis, Trauben, Äpfel, Zitrusfrüchte, Kaki und Ananas sind normales Angebot. Die Kilopreise liegen allesamt unter 2 Reales (RS) ca. 0,75 €.

      Vor „Porto Alegre“ werden die Orte immer größer, Hochhäuser, Mega-Industriegebiete, Autobahnen und viel Verkehr. Die großen Städte gehen nahtlos ineinander über und wir blicken auf ein Meer von Hochhäusern und auf „Favelas“, die sich in den Randbezirken der Städte gebildet haben. Deren Bewohner bekommen von der Müllabfuhr den Abfall der Stadt angeliefert, den sie sortieren und das Brauchbare verkaufen. So liegt vor jeder Bretterbude ein Berg Müll. Ein Fest für die Ratten und eine Brutstätte für Krankheiten.

      Wir fahren durch ein Indianer-Gebiet (oder sollte ich besser Reservat sagen?) bis „Tapes“, ca. 70 Km südlich von „Porto Alegro“. Dort gehen wir an einer riesigen Lagune auf den Campingplatz, denn Marion geht es seit „Nova Petrópolis“ weiterhin schlecht. Es ist sehr, sehr ruhig hier und wir sind die einzigen Gäste - es ist Nachsaison. Marions Grippe (oder was es war) war doch sehr heftig, und mich hat es auch leicht erwischt. Wir genießen die paar Sonnenstunden des Tages und ziehen uns dann wieder ins Wohnmobil zurück. Nachts wird es bis zu 11°. Wir nähern uns schnellen Schritts dem Winter. Wir bleiben dann doch 5 Tage, denn Marion geht es immer noch nicht gut. Wir rätseln, was das sein kann, kommen aber auf kein Ergebnis, und die Diagnose ist schwer. Wir vermuten, dass das alles mit dem Essen in „Blumenau“ zusammenhängt, denn Restaurantessen ist nicht unser Ding über so lange Zeit.

      Als wir uns neben dem Auto im Sonnenschein wärmen lassen, sehe ich, dass auf der Fahrerseite die Klammer gegen das Verrutschen der Federblätter abgebrochen ist. Was für ein Glück, dass wir sie nicht verloren haben und sie noch lose auf den Federn hängt. Man sieht noch, dass sie damals in Deutschland schlecht angeschweißt wurde. Wieder ein Ergebnis der „Straßen“ in Südamerika. Wir werden das Teil bei nächster Gelegenheit anschweißen lassen. Am Sonntag ging es 370 Km Richtung Uruguay.

      Für den letzten Tag in Brasilien lasse ich wieder Marion zu Wort kommen:

      Die Wolken wurden mit zunehmender Fahrt Richtung Süden – genau anders herum, als bei uns! – immer „Dicker“. Irgendwann fing es an zu schütten und wir verwarfen unseren eigentlichen Plan, an das Meer zu fahren, nach „Cassino“, nahe „Rio Grande“. Himmel grau, Asphalt grau und dann noch graues Meer? Nee, das ist zu viel grau!
      Plötzlich bleibt der Scheibenwischer an der Fahrerseite links einfach hängen. Hans muss ans Werkzeug!! Leichter gesagt, als getan! Der Wind hat mittlerweile Sturmstärke angenommen und alles –Mütze, Schrauben usw.- fliegen davon. Außerdem kommen die Autos irre dicht an uns vorbei.
      Wir sind froh, dass heute Sonntag ist und nicht so viel Verkehr, wie sonst. Der liebe Gott hat auch ein Einsehen mit Hans, dessen Vokabular nur noch aus einem Wort zu bestehen scheint. Sch....! – und lässt es während der Reparatur gänzlich aufhören zu regnen.
      Die Landschaft rechts und links lässt uns glauben durch Holland oder Norddeutschland zu fahren – natürlich alles mal 100!
      Kanäle, Wiesen, Rinder, Störche und – jede Menge Wasserschweine, nee muss wohl doch noch Südamerika sein!
      Wir fahren also weiter Richtung der Grenze nach „Uruguay“, die wir dann morgen passieren und wieder einmal „Neuland“ betreten.

      Die letzte Nacht in „Brasilien“ verbrachten wir an einer Tankstelle. Es regnete weiterhin in Strömen, es war leise und wir konnten gut schlafen, obwohl es nachts zum ersten Mal unter zehn Grad hatte.

      Am 1.6.09 nahmen wir die letzten 40 Km bis zur Grenze „Uruguay“ unter die Räder des „Dicken“. Unser Tacho scheint wirklich am Ende zu sein, denn er funktioniert nicht mehr richtig. Wir werden ihn in Deutschland austauschen. Im letzten Brasilianischen Ort „Santa Vitoria do Palmar“ kauften wir Brot und fanden eine Traktoren-„Werkstatt“ und ließen die Klammer über der Blattfeder anschweißen. Das Elektro-Schweißgerät müsste erst funktionstüchtig gemacht werden, denn das Kabel des Minuspols war total verzottelt. Darum sägte der Mechaniker es mit einem Eisensägeblatt per Hand ab (eine Säge hatte er nicht), entfernte die Isolierung und fertig war es. Dann steckte er die beiden losen Drahtenden der Stromleitung in eine Steckdose, und alles war gut. Für das Anschweißen der Halterung wollte man kein Geld haben. Wir hatten noch einige Reales übrig und gaben davon 20 RS als Trinkgeld. Als wir weiter fuhren, standen die 4 Mechaniker am Tor, mit gezückten Handys und fotografierten wie wild, als wir Richtung Grenzstation fuhren.




      Uruguay


      Der Grenzübergang war problemlos. Auf Brasilianischer Seite wurden wir in perfektem Hochdeutsch angesprochen, denn die Großeltern des Zöllners stammen aus der BRD und seine Schwester ist bei Bonn mit einem Deutschen verheiratet. Er informierte mich über den Endstand der letzten Bundesligasaison. Welch ein Schock, wie kann Wolfsburg Meister werden? Das ist ja noch schlimmer als 2006 mit Stuttgart! Wie hat Magath das nur gemacht? Und wie schlecht war mein Lieblingsclub?!? Gut dass ich das nicht miterlebt habe.

      Auch die Uruguayer fertigten uns schnell ab. Der Zöllner hatte mit dem Ausfüllen des Formulars, für die vorübergehende Einführung eines Wohnmobils aus Europa, keine Erfahrung. So gab er uns für unser Fahrzeug eine Aufenthaltsgenehmigung von 12 Monaten. Darüber hätten sich sicherlich einige Kollegen gefreut, denn die kämpfen immer darum, in Argentinien 8 Monate zu bekommen, damit sie in dieser Zeit nach Deutschland fliegen können.

      Nach ein paar Kilometer in Uruguay kam uns ein riesiges Wohnmobil entgegen. Schon von weitem sahen wir am Alkoven „ALEMANIA“ prangern. Beide stoppten wir am Fahrbahnrand, und wir lernten zwei sehr nette Hamburger kennen. Austausch von Informationen war das Erste. Dann wechselte ich meine letzten Reales bei den Beiden in Uruguayanische Pesos um, damit ich und er jeweils so viel Geld in Landeswährung haben, damit wir die ersten Straßenbenutzungsgebühren entrichten können. Danach natürlich die Frage nach Büchern zum Tauschen. Sechs Bücher wechselten den Besitzer und alle sind froh, wieder frische Lektüre für lange Winterabende zu haben.

      Kurz nach diesem Treffpunkt ging es links ab zum „Nationalpark Santa Teresa“. Hier haben wir per E-Mail von Anita und Andrej einen GPS-Punkt für den “Playa Grande“ erhalten. Völlig allein und direkt am Meer fanden wir diesen herrlichen Standplatz. Jetzt noch 30°, und es wäre himmlisch. Aber man kann nicht alles haben und wir mussten uns mit 15° zufrieden geben.

      Regen begleitete uns auch am folgenden Tag nach „Punta del Este“, dem Nobelbadeort östlich von „Montevideo“. Hier ist im Sommer die Hölle los. Hochhäuser über Hochhäuser in der Stadtmitte und außerhalb am Meer entlang Megavillen über Megavillen. Keine Hundert, viel, viel mehr stehen da in riesigen Parkanlagen. Unser Haus und Häuser wie sie unsere Bekannten in Spanien haben, sieht man hier nicht, denn die wären viel zu klein.


      Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, nachdem wir festgestellt haben, dass diese riesigen Anlagen keine Hotels sind, sondern lediglich Ferienhäuser superreicher Südamerikaner. Und fast 90 % stehen leer, denn wir haben Winter, 11° tagsüber, Sturm und Regen, nachts 4°, aber immerhin plus. Hier haben viele Argentinier große Anwesen gekauft. Man spricht auch davon, dass die Drogenbosse von Kolumbien etc. hier ihr Geld stecken haben, von der Maffia ganz zu schweigen. Deswegen sieht man wohl weder hohe Mauern, Gitterzäune, Elektrozäune noch sonstige Sicherungseinrichtungen. Hier wird wohl keiner einbrechen wollen, wenn ihm sein Leben lieb ist. In einer Nebenstraße, mit Blick auf den Atlantik verbringen wir eine ruhige Nacht.

      Uns gefällt das, was wir bisher von Uruguay gesehen haben, sehr gut. Ein richtig schönes, sauberes, geordnetes Land, so richtig zum Wohlfühlen. Nur die Oldtimer, von denen in den Reiseberichten aus 2004 immer geschwärmt wurde, gibt es nicht mehr auf den Straßen. Man findet sie jedoch in großer Zahl auf Autofriedhöfen, auf Wiesen und Äcker abgestellt, wo sie vor sich hin rosten... Schade! Schade! Schade!


      3.6.09 Wir haben Sonnenschein mit einem eisigen Wind. Marion geht es immer noch schlecht. In “Maldonado“ gehen wir in eine Klinik, und sie lässt sich untersuchen. Wir hoffen, dass es ihr mit der verschriebenen Medizin bald besser geht.
      10 Km vor dem Zentrum von „Montevideo“ parken wir für diese Nacht in einem Villenviertel. Hier gibt es wieder die berühmten Zäune, Überwachungskameras und einen Sicherheitsdienst. Da wird man schon nervös, wenn in der Straße ein Auto parkt, das man nicht kennt. Wir haben uns der Dame des Hauses, vor dem wir standen, zu erkennen gegeben und gefragt, ob es Probleme gibt, wenn wir hier über Nacht stehen bleiben.
      Wir durften und waren sicher wie in Fort Knox. In der Nacht hörten wir immer wieder Sicherheitsleute vor unserem Auto und hörten öfters ihre Sprechfunkgeräte. Ist ja auch ziemlich verdächtig so ein Wohnmobil.

      Am Ufer des „Rio del la Plata“ unternehmen wir einen ausgiebigen Spaziergang. Ich finde eine tolle Silbermünze. Sie wurde zum Jahrtausendwechsel als 200 Peso-Münze in Uruguay herausgegeben... ein tolles Souvenir. Als zusätzliches Geschenk hatten wir vor der Villa Internet-Empfang und konnten unsere E-Mails abrufen - einfach toll!!!
      Heute Abend gibt es ein Pilzgericht, denn Marion hat auf der Fahrt hierher am Straßenrand bei Bauern ganz frische Pilze erstanden.
      Eine Bemerkung zu den Straßen: Die besten, die wir in Südamerika bisher gesehen haben, alles gut gepflegt und die Straßenränder, bis an die unvermeidlichen Zäune heran, gemäht und schön bepflanzt.

      4.6.09 Wir fahren ins Zentrum von „Montevideo“ und finden einen Superparkplatz direkt neben der Bank, wo wir unsere letzten Dollars wechseln können. „Montevideo“ ist, wie die meisten Großstädte, laut und hektisch. Es hat wohl auch schon bessere Zeiten gesehen. Alte, vernachlässigte Prachtbauten, neben modernen verwahrlosten Betonbauten, da fällt die Hauptstadt von Uruguay im Vergleich zu dem gegenüberliegenden “Buenos Aires“ schon sehr ab. Die Leute hier sind sichtbar ärmer, sind uns aber sehr, sehr angenehm auf ihre zurückebenende und freundliche Art. Die Ärmsten der Armen holen per Pferd den Müll in der Stadt ab und sortieren ihn an ihren Behausungen am Stadtrand. Das noch Verwertbare wird verkauft, und es stinkt erbärmlich in dieser Gegend.


      Als wir zur großen Plaza kommen, staunen wir über ein paar Hundert 2-Meter große Bären aus Berlin. Jeder Bär hat eine andere Bemalung und vertritt ein anderes Land, der von Kuba hat dazu noch eine dicke Havanna im Mund. Ein Hinweis an jedem Bär informiert über den Sponsor und die jeweilige Botschaft des Landes in Berlin. Wir sind wieder einmal erstaunt über die Wichtigkeit des Tuns von Botschaften und Vertretungen und fragen uns, ob Deutschland sich im Ausland mit so einer Wanderausstellung darstellen muss. Die BRD steht nämlich in Südamerika in hohem Ansehen bei den Leuten. Doch dieses „Kasperl-Theater“ steht für uns in krassem Gegensatz dazu. Aber vielleicht haben wir auch nicht genug Gespür für zeitgenössische Kunst und können den tieferen Sinn des Ganzen nicht recht erkennen, denn bei den Leuten hier trifft diese Ausstellung auf regen Zuspruch.


      Wir sind dann noch bis “Trinidat“ gefahren, kauften ein und übernachteten neben einem Sägewerk. Das Zentrum der kleinen Stadt lebt noch von den sehr schönen alten Spanischen Häusern, die leider oft eine gründliche Renovierung nötig katten. Man kann die ehemalige Schönheit der Bauten aber noch erkennen.

      5.6.09 Wir fahren nach einer ruhigen Nacht Richtung „Salto“. Marions Medizin hat gut angeschlagen, denn sie fühlt sich besser. Die Landschaft ist ziemlich eintönig und flach gewellt. Ortschaften und Höfe sind selten. Hier und da sieht man mal ein Auto, oder einen Gaucho bei seiner Arbeit mit den Pferden, die man hier in reicher Zahl sieht. Bei der ersten Therme machen wir eben und sehen uns die Anlage an. Leider hat das Wasser nur 30° - viel zu kalt für uns!
      So fahren wir weiter nach “Arapey”. In “Salto“ decken wir uns noch mit Pesos und Lebensmittel für die Therme ein und übernachten bei der Esso-Tankstelle an der Routa 3 direkt am Ortsausgang.

      Am anderen Morgen füllen wir an dieser Esso-Tankstelle den Diesel- und den Wassertank auf. Hier habe ich doch noch meine Oldtimer gefunden. Neben uns hat ein LKW von Britisch Leyland (oder Britisch Elend wie man sagt) getankt, Baujahr 1970. An der Zapfsäule für Benzin stand dann plötzlich ein Simca Kriegsmodel, was mich als Saarländer besonders freute, denn diese Französischen Autos kannte ich noch als Kleinkind.

      Danach wir fahren die letzten paar Kilometer nach „Arapey“. „Arapey“ ist für uns die schönste, best- gepflegteste und sauberste Therme, die wir hier in Südamerika gesehen bzw. besucht haben. Leider war es so, wie es uns andere Reisende bereits gesagt hatten, es gibt keinen besseren Preis bei einem längeren Aufenthalt. Egal, ob man einen Tag oder einen Monat bleibt. Trotzdem gelang es uns, unseren LKW klein zu machen, so dass wir anstatt 100 Peso nur 35 Peso pro Tag für ihn zahlen mussten, was uns immerhin 100 Euro für unseren Gesamtaufenthalt ersparte. Man muss eben handeln, auch wenn es so aussieht, als ob es nicht ginge.


      Hier verlebten wir schöne Wochen in warmen „radioaktivem“ Wasser. Wir säuberten unser Auto komplett von unten bis oben, innen wie außen. Hier trafen wir wieder einen der Augsburger Pick-Ups; Mara und Wilfried aus Königsbrunn, die mit demselben Schiff zurück nach Hamburg fahren, wie wir. Doch zuvor wollen sie noch an die Atlantikküste und nach Montevideo fahren (was sie dann doch nicht taten).

      Ein nicht so tolles Erlebnis, welches ich hatte, möchte ich trotzdem festebenen:
      Als ich mit meiner Leinentasche und 4 leeren Bierflaschen Richtung Einkaufsladen ging, kamen mir zwei Mädchen (ca. 13-14 Jahre alt) entgegen. Die eine murmelte etwas. Als mir klar wurde, dass die deutsch gesprochen hatten, waren sie gerade neben mir, als mir dann klar wurde was die eine gesagt hatte, waren sie etwa 10 Meter hinter mir, und ich war nicht schlagfertig genug, darauf zu reagieren. Wer rechnet schon in Uruguay damit, dass deutsch gesprochen wurde. Die „Kleine“ murmelte:
      „Na Alterchen, gehste Dir was zum Trinken kaufen?“ Das hat mich schon tief getroffen!!!
      Später erfuhren wir, dass ein Bus Mennonitischer Schüler aus der Nähe von Montevideo hier eine Woche Ferien verbracht haben.

      Anfang Juli nahmen wir die letzten 600 Km Südamerika unter die Reifen. Genauer gesagt, Marion tat es, denn die folgenden zwei Tage hatte ich frei, denn meine Frau übernahm das Steuer. Was sie übrigens hervorragend machte.
      Dann ging es über die Brücker bei Paysandú nach Argentinien. Die Grenzformalitäten waren wie immer schnell erledigt, wir erfuhren nur von der Hektik, die die Gefahr der Schweinegrippe, die in Argentinien stark verbreitet ist, ausgelöst hat. Dann ging es auf die „Routa 14“ in der Provinz „entre rios“, die bei den Reisenden wegen ihrer korrupten Polizei berühmt berüchtigt ist. Wir hörten davon, dass nicht wenige Reisende bis zu 400 € zahlen mussten, damit sie weiterfahren durften, nachdem man an den Haaren herbeigezogene Mängel an den Fahrzeugen festgestellt hatte.
      Zwei Tage lang fuhren wir an Polizeikontrollen vorbei, die auf der Gegenfahrbahn stattfanden, und bei einer durften wir durchfahren. Dann endlich sahen wir 2 km voraus die Hochbrücke über den Rio Paraná bei Zarate, unter der wir vor 8 Monaten mit der „Grande Brasil“ durchgefahren sind. Dort beginnt die Provinz Buenos Aires. Ich wusste nicht ob ich mich freuen sollte, es gleich geschafft zu haben oder ob ich dieses letzte Abenteuer noch gerne erlebt hätte. Doch nach wenigen Augenblicken wurde ich dieser Gefühlsentscheidung enthoben, denn wir fuhren direkt in eine große Polizeikontrolle.

      Natürlich fanden die erfahrenen „Touristenabzocker“ einen Grund uns festzusetzen: Die Stoßstangen unseres „Dicken“ sind hinten und vorne zu hoch, denn bei einem OffRoad Fahrzeug gibt es dort keinen Unterfahrschutz. Von anderen Reisenden wussten wir, dass das eine der Taktik dieser Polizei ist. Unser Auto ist nicht verkehrssicher und darf nicht weiter fahren!!! Dann musste ich parken und mit ins Polizeigebäude gehen. Hier versuchte man mich gewaltig unter Druck zu setzen, denn man wollte mich auf keinen Fall auf Argentinischen Straßen weiterfahren lassen. Natürlich habe ich eine kleine Diskussion über verkehrssichere Fahrzeuge in Argentinien begonnen. Dann beharrte ich immer wieder darauf, dass nach internationalem Recht ein Fahrzeug das mit einer Ausstattung, die im nationalen Raum zugelassen wurde, auf der ganzen Welt ein Jahr lang fahren darf. Auch Argentinien hätte diese Vereinbarung der UN unterschrieben, behauptete ich. Das war ihm alles egal, denn auf dieser Straße habe er als Polizeichef dieser Station das Sagen.

      Plötzlich wurde er freundlich und erzählte mir, dass er ein sehr entgegenkommender Mann sei und mir eine Sondergenehmigung zum Befahren der Argentinischen Straßen ausstellen wolle. Das würde aber 400 US Dollar kosten. Er würde mir das quittieren und auch Kreditkarten akzeptieren.
      Ich war nicht einverstanden, denn ich dürfte ein Jahr so fahren, behauptete ich wieder, verabschiedete mich und wollte erst mal in Ruhe im Auto Mate trinken und Kuchen essen. Was Marion und ich dann auch taten.

      Nach 20 Minuten kam ein Polizist uns holen, denn der Chef wolle endlich zum Schluss kommen. Ich sagte dem Chef, nachdem er von seiner Position nicht abrücken wollte, dass ich den Wagen jetzt in einer Seitenstraße parken werde, um mich zum Übernachten vorzubereiten. Dann ging ich wieder in die Polizeistation, nahm aber diesmal nur eine Kopie des Fahrzeugscheines, eine Kopie meines Ausweises und einen gefälschten Presseausweis mit. Marion blieb im Mobil.

      Dann ging es zur Sache, ich kam mir vor wie bei meinen vielen Jahresgesprächen mit meinen ehemaligen Kunden. Die wollten auch nur Geld sehen, wobei auch dort die Argumente an den Haaren herbeigezogen waren - Metro lässt grüßen!!!

      Also schlug ich dem Polizisten vor, 100 Peso oder 20 € zu zahlen. Das fand er lächerlich und zeigte mir Belege von Uruguayer, Brasilianer und Argentinier, die auch gezahlt haben. Dabei fiel mir auf, dass Uruguayer 3600 Peso, Brasilianer 6600 Peso und Argentinier 66 Peso bezahlt hatten. Es ging hin und her, über 1 ½ Stunden lang. Dann erzählte ich ihm, dass unser Auto deswegen so gebaut sei, weil ich Journalist bei der Rallye Dakar gewesen sei. Ich sagte ihm auch, dass ich über die Ungleichbehandlung von Einheimischen und Fremden in Argentinien schreiben werde. Dann wunderte er sich darüber, dass ich Deutscher sei, einen Pass habe, der eine Deutsche Adresse ausweißt, ein Auto habe auf dem meine Adresse in Spanien steht und mein Presseausweis eine Adresse von Marokko hat. Ich erklärte ihm, dass ich in Deutschland und in Spanien wohne. Dass ich in Agadir ein Büro hätte, das noch von der Rally her stammt, als die in Afrika stattfand.

      Er war dann bereit, für 100 Pesos und 20 € mich fahren zu lassen. Leider musste ich ihm die finanziell schlechte Situation der Deutschen Rentner erklären und bestätigen, dass ich mich außerstande fühle, diese hohe Summe aufzubringen, zumal man als Journalist bei der Rallye nur die Verpflegung und die Anreisekosten erstattet bekäme. Total perplex war er, als ich ihm erklärte, dass ich Zeit hätte, denn mein Schiff ginge erst in 8 Tagen. Drei Mal bin ich vom Stuhl aufgestanden und aus dem Raum gegangen und habe gesagt: „Manaña“, denn ich habe ja Zeit, und es ist für mich billiger hier, unter den Augen der Polizei sicher zu übernachten und damit die Kosten für den Campingplatz zu sparen.
      Als ich die Polizeistation daraufhin verließ, lief er mir bis vor die Tür nach. Marion hat mich dann endlich nach fast 2 Stunden wieder gesehen, und war beruhigt, dass ich nicht verhaftet worden war.
      Wieder ging ich mit dem Polizeichef ins Büro, hielt ihm 100 Pesos hin und sagte, dass ich nur sein Einverständnis brauche, fahren zu dürfen, denn ich benötigte weder eine Quittung noch eine Erlaubnis, mit meinem Auto die Argentinischen Straßen befahren zu dürfen. Jetzt verstand er die Welt wohl nicht mehr. Nachdem in allen Reisebüchern den Reisenden empfohlen wird, eine Quittung zu verlangen, hatten sich diese Polizisten darauf eingestellt und sowas drucken lassen. Jetzt kommt da so ein Typ und sagt, dass er weder eine Quittung noch eine Genehmigung will. Fast habe ich ihm dabei das Geld in die Jacke gesteckt. Er widersetzte sich nicht mehr und, ich fuhr weg.

      Nach zwei Stunden hartem „Jahresgespräch“ und umgerechnet 20 € leichter, ging es die restlichen 40 Km problemfrei bis zum Hafen nach Buenos Aires.

      Danach folgten zwei Tage „Einkaufsorgie“ zu Traumpreisen.

      Mittwochmorgen 15.7.09 gegen 9:00 Uhr geht es an Bord der „Grande Buenos Aires“ Richtung Hamburg.

      Hier in BA haben viele Geschäfte seit letztem Jahr geschlossen, so auch C&A. Man merkt, dass sich der schlechte Kurs des Pesos auch im Inland auswirkt. Seit November 2008 hat sich der Peso gegenüber dem EURO um 30 % verschlechtert. Die Preise dagegen sind um ca. 20 % gestiegen (Diesel 10 %), und somit müssen viele Bevölkerungsschichten dieses Landes ihr geringes Geldvolumen noch mehr strecken.
      Zu dieser Misere der Geschäfte kommt hier noch hinzu, dass weniger Leute außer Haus gehen, der Schweinegrippe wegen. Das merkt man sofort, wenn man durch die Straßen geht. Buenos Aires hat es mit dieser Pandemie stark getroffen. Das öffentliche Leben ist sehr eingeschränkt, die Schulen wurden geschlossen, und man sieht viele Menschen mit Mundschutz in der Stadt herumlaufen.
      Wir glauben nicht an eine positive Zukunft dieses Landes.

      Mit diesen wenigen negativen Eindrücken werden wir dieses große Land, das so viele Ressourcen hat, verlassen.


      „ 20.000 KM und 9 Monate durch 6 Länder Südamerikas“

      Zum Ende einer solchen langen und anstrengenden Reise sei es erlaubt ein kleines Resümee zu ziehen.

      - Die meisten Mopeds sahen wir in Paraguay und Uruguay, da hier viele arme Menschen leben.
      - Die lautesten Menschen leben in Argentinien und Chile.
      - Fast in allen Ländern gibt es kaum Käse und wenig Wurst zu kaufen, denn die Rinder werden zur Fleischproduktion, zum Grillen genutzt. Außer in Uruguay, hier ist die Wurst und Käseauswahl sehr groß. Man sieht nur hier Milchkühe auf den Weiden.
      - Das am wirtschaftlich stärksten Land, Brasilien, hat auch die meiste Armut und Gettos für Mittellose, Favelas!
      - Was nervte sind die Zäune links und rechts der Straßen. Wie in einem Korridor wird man von A nach B geführt. Parken, Rasten oder gar Übernachten ist auf diesen Strecken nur an Tankstellen und in Ortschaften möglich. Die Entfernungen zwischen diesen Übernachtungsstellen sind enorm groß, was eine gute Planung notwendig macht.
      - Tolle Seen und viele schöne Plätze in der Natur sind in Privatbesitz: Betreten verboten.
      - Was großartig ist, sind die Tiere, die Anden, die Gletscher, der Urwald, die Yungas, der Paraguayische Chaco und die tollen Off-Road Strecken, die aber nicht jedermanns Sache sind. Die bekannten und intensiv vermarkteten Sehenswürdigkeiten muss man sich ansehen (sich antun), aber das wirklich interessante an Südamerika liegt dazwischen, im individuellen Entdecken.



      Rückreise[size=large][/size]

      16.07.2009 Um 9:00 Uhr waren wir mit dem Agenten am Hafen verabredet. Die Ausreiseformalitäten fürs Auto waren schnell erledigt, dazu war ein Agent nicht notwendig. Die Nacht auf den 17. mussten wir in unseren Autos im Hafen verbringen.



      Tags darauf kam der Agent um 10:00 Uhr und ging an Bord. Danach wollte er uns informieren, wann wir mit den Fahrzeugen aufs Schiff können. Doch dann ward er nicht mehr gesehen. Wir nahmen die Dinge selbst in die Hand und gingen zur Einfahrtrampe ans Schiff und sprachen mit einem sehr netten Lademeister. Wir konnten sofort reinfahren und bekamen einen schönen, sauberen Platz auf Deck 6, welches abgeschlossen wurde. Unsere Autos waren sicher untergebracht.

      Sofort fiel uns auf, in welch sauberem und gepflegten Zustand die „Grande Buenos Aires“ ist. Die Maschinen liefen sehr leise, und wir vermissten auch die großen Rußpartickel nicht, die aus dem Schornstein der Grande Brasil geblasen wurden.
      Alles andere fiel im Vergleich zur Herfahrt enorm ab. Es liegt eben immer an der Crew und hier speziell am Kapitän, wie das Leben an Bord abläuft.

      Den Koch soll man bei der Beurteilung nicht vergessen......obwohl: Unseren konnte man glatt vergessen. Ob der je sein Handwerk erlernt hatte??? Wir bezweifeln das. Also das Essen war nur „Ernährung“, welches ich in die Kategorie „Kantinenverpflegung“ einsortiert habe. Auch sonst kamen wir uns eher wie Fracht, als Passagiere vor.
      Es gab weder ein Pool an Bord noch eine gemütliche Sitzecke mit Überdachung noch Liegestühle oder Sessel an Deck. Oh,....wo bist du herrliche „Grande Brasil“.
      Von der Mannschaft haben wir Niemand gesehen. Die Offiziere waren zu 80 % Inder, wie auch der größte Teil der Mannschaft. Alle trugen beim Essen stets Uniform. Private bzw. Freizeitkleidung, wie es auf der Herfahrt üblich war, gab es bei der Besatzung nicht.

      Beiderseits neben der Brücke wurde ein Seil gespannt - für Passagiere verboten. Auf der Herfahrt konnten wir auf der Brücke ein- und ausgehen.

      Auf diesem Italienischen Schiff herrscht noch der Führungsstil des 19. Jahrhunderts.
      Die Grippehysterie hatte das Schiff auch erreicht. Der Kapitän ließ Verhaltens- und Warnzettel verteilen. Permanent wurden Türrahmen und Haltestangen desinfiziert. Und im ersten Hafen in Paranaguá ließ der Kapitän die Hafenarbeiter nur mit Mundschutz an Bord.


      Das freundlichste Lebewesen, das uns willkommen hieß, waren die zahlreichen Delphine, die um unser Schiff schwammen, als wir diesen Brasilianischen Hafen erreichten.



      Rio de Janeiro begrüßte uns wieder einmal mit schlechtem Wetter. An Land zu gehen machte wenig Sinn. Dann kam noch die Brasilianische Emigration auf die Idee, uns Passagiere sehen zu wollen. Mit unseren Pässen fuhren wir mit einem PKW zu dem Büro, und in ein paar Minuten war diese Beamtenwillkür erledigt.

      Die Nacht im Hafen von Rio war lau und zum Wein plünderten wir noch den Küchenkühlschrank - es wurde spät. Am anderen Morgen sagten wir Südamerika auf Wiedersehen und unser Schiff drehte auf Kurs Afrika. In der Nacht wackelte unser „Kessel“ sehr, und wir schliefen unruhig.
      Auf See organisierten wir uns Campingsessel und genossen die Sonne. Wie bestellt begleitete uns auf unserem Weg nach Hause, eine große Zahl von Walen und Delphinen. Ich löste bei Wilfried mein Versprechen ein, dass ich ab Rio genug Kondition hätte, um ihn beim Tischtennis zu schlagen. Tischfußball spielt er nicht mehr gegen mich, denn das ist für ihn zu deprimierend. Der Kapitän forderte uns mit einem Offizier zum Tischfußball auf.....wir haben natürlich verloren.


      Nachdem wir die Häfen Brasiliens hinter uns gelassen haben, werden die Offizieren und unser Master immer lockerer. Wir sprachen jetzt öfters über die allgemeine Unzufriedenheit über den Rumänischen Koch. Als Marion den Offizieren vorschlug, einen Kuchen für morgen, Sonntag, zu backen, waren die hellauf begeistert. Am heutigen Abend hat das schon der Kapitän gewusst und alles sofort organisiert. Die Jungs sind total wild auf Deutschen Kuchen. Aus der Nummer kommt Marion nicht mehr raus. Morgen muss sie Farbe bekennen. Alle sind schon gespannt darauf, was sie da zaubern wird. Ich weiß, dass sie das sicher ganz toll machen wird.
      Sonntag 26.7.09. Nach dem Mittagessen gab es Marions Kuchen. Sie war nicht ganz so begeistert von dem Backergebnis wie die Offiziere und der Kapitän. Der verabredete sich wieder mit uns um 17 Uhr, um Tischfußball zu spielen. Wenn er gewinnt, sagte er, soll Marion wieder einen Kuchen backen. Dann fragte Marion ihn, ob es bei der Äquatorüberquerung eine Feier gäbe? Das wolle er machen, wenn Marion wieder einen Kuchen bäckt.
      In Dakar will er die Zutaten für Tiramisu kaufen, denn Marion hat den Offizieren versprochen eine herzustellen.


      Es ist wohl bedauerlich für die stolzen Italiener, daß die Offiziere im Tischfußball gegen mich verloren haben. Auch beim Tischtennis erging es ihnen nicht besser. Aber sie geben nicht auf und wollen morgen wieder gegen mich spielen. Mal sehen, was sie sich einfallen lassen, denn daß Italiener im Fußball gegen einen Deutschen verlieren, damit können sie wahrscheinlich nicht leben.
      Gestern gab es ein paar Probleme, weil wir ein E-Mail erhielten, das eine Anlage hatte. Der Kapitän meinte, daß diese Anlagen zu lange den Satelitten beanspruchen und damit seine wichtige Daten nicht runtergeladen werden können. Wir müßten deswegen dieses Mail zahlen. Heute hat sein Offizier dies dann wieder rückgängig gemacht. Es ist halt nicht einfach mit den Italiener.
      Heute Abend, Mittwoch 29.7.09 wurde einem zweiten Offizier das Abendessen durch den Stuart (mit Atemmaske) auf dem Zimmer serviert. Er sei krank, wahrscheinlich Grippe. Der gesamte Gang, der Handlauf, die Türen samt Rahmen, wurden desinfeziert. Hoffentlich hat es etwas genützt. Mal sehen wie sich die Sache entwickelt bis Dakar. Wenn er Fieber hat, werden die hoffentlich einen Arzt konsultieren. Wir haben auf jeden Fall schon mal eine Desinfektionslösung zum Händewaschen bekommen. Wir werden aufpassen. Hoffentlich dürfen wir in Dakar von Bord, denn wir wollen uns einiges ansehen.
      31.7.09 Dakar; unser kranker Offizier ging an Land zum Arzt und nachmittags sahen wir ihn außerhalb des Schiffes mit seinen Koffern auf ein Taxi warten. Er fliegt nach Indien auf Urlaub, sah auch schon besser aus und wir hoffen es geht im bald gut und daß es nicht die „Schweinegrippe“ ist. Auch wir gingen an Land. Die Stadt haben wir uns bereits bei der Herfahrt gründlich angesehen, heute wollen wir mit dem Schiff auf die Sklaveninsel „Goreè“ fahren. Einen ausführlichen Bericht über diese Sammelstation der Afrikanischen Sklaven vor dem Abtransport nach Übersee haben wir vor ein paar Jahren im Deutschen Fernsehen verfolgt. Jetzt sahen wir uns die einzelnen Gebäude vor Ort an. Es war sehr interessant und auch erschreckend, wie damals mit dem „Handelsgut Mensch“ umgegangen wurde.
      Es war drückend heiß und schwül auf der Insel - es war eben sommerliche Regenzeit im Senegal.
      Auf Gorée wurden die Sklaven aus Afrika „gesammelt“ und dann durch das kleine Tor im rosa Haus auf die wartenden Schiffe verfrachtet und nach Amerika verkauft. Eine der traurigsten Geschichten Afrikas.
      Einen schönen Wandschmuck haben wir für unser Heim in Spanien erstanden...nach sehr sehr langem hartnäckigem Verhandeln, denn der Senegal ist das teuerste Land Schwarzafrikas.

      Unser Schiff fuhr von Dakar aus über Emden, Bremerhaven nach Hamburg. Das Wetter blieb weiterhin „bescheiden“. In Hamburg kamen wir sonntagmorgens an. Der Zoll war schnell und einfach passiert (Gott sei Dank, bei dem was da so in unseren Staukästen lagerte).
      Ein Mitreisender gab uns den Tipp, bei „Globetrotter“ gäbe es einen Spezialisten für Navigationsgeräte, denn wir wollten uns ein neues Gerät anschaffen. Auf dem Hof dieses Geschäftes übernachteten wir und trafen dort auch mein Patenkind Susi nach langen Jahren mal wieder.
      Ein Mitglied des Magirus 170er Clubs sah uns dort stehen, und ein reger Wissensaustausch fand statt. Er konnte uns eine Firma in Hamburg nennen, wo unser Tacho repariert wurde und einen Restaurator für historische LKW zwischen Hamburg und Bremen angeben, der selber zwei 170er besitzt.

      Nachdem der Tacho wieder funktionierte, bestellten wir bei IVECO Nord in Hamburg eine neue Frontscheibe und das Glas für den Außenspiegel. Alles klappte vorzüglich, und die Fahrt ging dann weiter Richtung Bremen. Die Fa. Walter hatte noch bis kommenden Montag Betriebsferien, doch der Chef war da und wir konnten unser Anliegen besprechen. Wir kampierten 5 Tage auf seinem Werksgelände. Am Montag wird die Luftanlage des „Dicken“ überholt, die Scheibe eingebaut und die Geometrie der Vorderachse des „Dicken“ instandgesetzt. Dann werden wir wohl auch in den nächsten Jahren einen treuen Begleiter auf unseren Reisen haben.

      Unsere Reisepläne für die nahe Zukunft werden immer konkreter.
      Nachstehend noch zwei Gedanken intelligenter Menschen, deren Worte viel Wahres beinhalten.




      PS:
      „Es ging mir wie denen, die sich auf die Reise begeben,
      um mit eigenen Augen
      eine Stadt ihrer Sehnsucht zu schauen,
      und sich einbilden, man könne der Wirklichkeit
      den Zauber abgewinnen den die Phantasie uns gewährt.“

      Marcel Proust
      .-.-.-.-.-.


      ‘‘Der Sinn des Reisens besteht darin,
      unsere Phantasien durch die Wirklichkeit
      zu korrigieren. Statt uns die Welt vorzustellen,
      wie sie sein könnte, sehen wir wie sie ist.“

      Samuel Johnson (1696-1772)


      E N D E