Teil 5: Argentiniens Nordwesten

    • Südamerika

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Lust auf eine nette und reiselustige Community? Dann melde dich doch ganz einfach, schnell und kostenlos an. Anschließend stehen dir alle Funktionen im Forum zur Verfügung.

    • Teil 5: Argentiniens Nordwesten

      Argentiniens Nordwesten[size=large][/size]

      Wir blieben bis Sonntag, dem 1.3.09 in dem gastfreundlichen „Purmamarca“ und warteten das Ende des Faschings ab. Wir standen weit genug weg von der Ortsmitte und das närrische Treiben, das bis 5 Uhr morgens ging, störte uns wenig.
      Wir hatten Glück, die sehenswerte Dorfkirche öffnete gerade an diesem Tag ihre Pforte. Diese Kirche wurde ab 1648 gebaut und 1779 vollendet. In diesem Gottes-haus sind einige Werke der Meisterschule von „Cuzco“ (Peru) zu sehen.

      Am Freitagmittag, während ich mit meiner Lieblingsbeschäftigung (LKW abschmieren) beschäftigt war, hielt ein Landrover aus England neben uns. John und Lesley aus London sind auf einer Zweijahresreise von Alaska nach Feuerland. Es wurden Tipps und Infos ausgetauscht, bevor die Beiden sich auf dem örtlichen Campingplatz einrichteten. Gegen 20 Uhr besuchten sie uns mit einer Flasche Rotwein und, wir verlebten zusammen einen unterebensamen Abend.

      Heute ist der 2.3.09; mit immer größerem Widerwillen setze ich mich an den Laptop, denn er funktioniert fast gar nicht mehr. Aber ich will zu mindestens die Fotos sichern und eine Aufzeichnung haben, was wir so alles hier erlebten. Denn wir merken jetzt schon, dass wir uns an viele Dinge nur noch schwer erinnern können. Es ist eben zu viel in zu kurzer Zeit. Wahrscheinlich werden wir erst zuhause die ganze Tour nach und nach verarbeiten können.

      Von “Purmamarca” aus fuhren wir nach “San Salvador de Jujuy”. Viel gab es da nicht zu sehen, außer der übertrieben gebauten Prunkkirchen, die sich die katholischen Herren als Denkmal gesetzt hatten. Was sonst, denn die wirkliche Historie Südamerikas haben sie entweder „ermordet“ oder „zerstört“ und sonst gibt es wohl keine Geschichte und keine Kultur in Südamerika. Auf der Fahrt nach „Salta“ hat Marion sich gegen die Strecke über die Autobahn entschieden und für die Weiterfahrt die alte Routa 9 gewählt. Es ging auf einer geteerten Straße durch den subtropischen Regenwald. Eine herrliche Landschaft empfing uns.


      Leider war für mich volle Konzentration notwendig, denn die über hundert Kehren waren sehr spitz, und die Urwaldbäume ließen mir nicht sehr viel Platz zum Durchfahren. Aber es war ein wesentlich entspannteres Fahren als durch den kalten Regenwald in Süd-Chile. An einem Stausee übernachteten wir. Eigentlich wollten wir hier einige Tage verweilen, aber ein gewaltiges Gewitter mit starkem Regen vertrieb uns in den Ort „La Caldera“. Als wir die schmale, einspurige Brücke überquerten, sahen wir an deren Ende Anne und Mathias aus Darmstadt mit ihrem 613er stehen.


      Wir gesellten uns zu ihnen, übernachteten dort und tauschten unsere Erlebnisse aus. Unser Drang etwas mehr über die Einheimischen zu erfahren, trieb uns in die Kneipe, die eine offene mit Strohgras bedeckte Hütte war.


      Wir schwitzten nicht gerade wenig in dieser schwülen subtropischen Hitze. Aber es war schon toll, zum Apero ein kühles Bier im Urwald zu genießen. Nach einem Rundgang mit einigen Besorgungen in dem kleinen Ort, waren wir von dessen Sauberkeit und Schönheit begeistert. Wir entschieden länger zu bleiben. Zu einer gewaltigen Christusfigur des Ortes wanderten wir, und aßen in dem Restaurant an dessen Fuße herrliche Empanadas.

      Heute, am 3.3.09 fuhren die Darmstädter weiter nach „Salta“ auf den Camping-platz, denn sie hatten sich mit Freunden dort verabredet. Und wir erlebten, wie es im Urwald in der Regenzeit aussieht. Es schüttete gewaltig vom Himmel. Bereits nach kurzer Zeit war das kleine Rinnsal neben uns zu einem gewaltigen Strom angeschwollen. Ganz vergessen hatten wir den Teenager, der morgens an uns vorbei ins Flussbett marschiert war. Unter der Brücke, an einen Pfeiler hatte er sich angelehnt und ist wahrscheinlich eingeschlafen. Ein aufmerksamer Autofahrer hatte ihn entdeckt, und es der Polizei gemeldet.

      Der Junge war bereits von den Fluten umzingelt, und es gab für ihn kein Entkom-men. Die Polizei fuhr weg, um ein Seil zu besorgen. Der Besitzer der Kneipe neben unserem Stellplatz fuhr seinen Caterpillar heran, um in den Fluss zu fahren und den Jungen zu retten. Gott sei Dank gelang es den Polizisten, mit dem Seil den Jungen auf die Brücke hochzuziehen, keine Minute zu früh, denn sein Sandhügel wurde in dem Moment weggespült, als er am Seil hin.


      Der tropische Regen wollte nicht aufhören. Der Kneipenbesitzer meinte, falls wir irgendetwas benötigen oder Hilfe brauchen, sollten wir zum ihm rüber kommen, egal tags oder nachts. Wir wollten die Sache im Auge behalten, denn im Notfall würden auch wir, wie es der Notfallplan für die Bevölkerung vorsieht (erzählte uns der Kneipenbesitzer), auf den Hügel zu der Christusfigur fahren.

      Doch das Wetter besserte sich, wohl immer noch bewölkt und ab und zu tröpfelte es aus den Wolken, wir sind schließlich im Regenwald. Trotzdem fühlten wir uns immer noch wohl hier. Bei Einkaufsspaziergängen durch den Ort bemerkten wir, dass wir hier schon so bekannt sind, wie seiner Zeit in Tespe bei Hamburg. Man grüßte uns freundlich, und wir sahen, dass unser „Kneipenwirt“ bei der Gemeinde angestellt ist, denn er fährt den Müllwagen und ist beim Kehren und Säubern der Straßen und Plätze dabei.

      Marion fragte ihn, ob es im Ort eine Reinigung gäbe. Am späten Nachmittag kam er mit einer Dame an unseren Stellplatz. Der übergaben wir unsere Bettwäsche und die schmutzige Kleidung, die sie auf dem Fahrrad mitnahm und uns einen Tag später frisch gewaschen zurückbrachte - alles für 3,85 €. Am Ort gab es alles zu kaufen, was wir brauchten.
      Als auf unsere Nachfrage nach Trinkwasser unser „“Kneipenwirt“ anbot bei ihm Wasser nachzutanken, entschlossen wir uns, hier noch ein paar Tage länger zu bleiben, bis die Regenzeit in „Bolivien“ zu Ende ist, und das Reisen durch die Tropen und den „Chaco“ problemloser sein wird.
      Heute will uns unser Nachbar und „Kneipenwirt“ den Fahrplan des örtlichen Linienbusses bringen, denn wir haben uns entschlossen, zur Besichtigung des 20 Km entfernt liegenden „Saltas“, mit dem öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren. Das schien uns einfacher, als in dieser großen Stadt mit unserem „Dicken“ einen Parkplatz suchen zu müssen

      Samstag 7.3.09 ging es per „colectivo“ (dem öffentlichen Bus) nach „Salta“ rein.
      Die Provinzhauptstadt mit fast 500.000 Einwohnern trägt stolz den Beinamen „La Linda“ - die Schöne. Das hat sich wohl ein cleverer Marketingmann ausgedacht. Dabei fiel mir so Manches ein, was ich so in meiner Marketingzeit angestellt hatte und war dann wieder etwas milder gestimmt. Doch außer der schönen „Kathedrale“, dem „Plaza 9. de Julio“ und der „Igl. San Francisco“ gab es wirklich nicht viel Schönes. Die beiden Fußgängerstraßen sahen nach 15 Uhr (Geschäftsschluss am Samstag) aus wie eine Müllhalde.

      Auch wenn ich mich wiederhole; was kann man in Südamerika, bei so einer jungen Geschichte, erwarten? Es gibt keine gewachsene Kultur und keine Geschichte. Es gibt ein paar Denkmäler von Generälen und Freiheitskämpfer. Es gibt Kirchen, deren überschwänglicher Reichtum und Prunk die Armut, von über 80 % der Einwohner, verhöhnt. Natürlich war auch der Papst (Johannes-Paul II) 1997, hier und segnete eine kleine Holzfigur, die den kindlichen Jesus darstellen soll.


      Sehenswert war die Markthalle, in der das wirkliche Leben stattfindet. Wir aßen dort zu Mittag, und sahen uns das geschäftige Treiben an. Im überfüllten Bus, der nach südamerikanischer Manier 1 ¼ Stunde Verspätung hatte, fuhren wir zurück in unser kleines Urwalddorf. Städte sind eben nicht unser Ding.

      Am Abend saßen wir gemütlich vor unserem Fahrzeug, unter einem Baum direkt am Fluss und machten ein Asado mit Rinderfilet, und es gab Rotwein dazu.
      Am Sonntagmorgen habe ich den Riegel für die Moskitotür zurechtgefriemelt, den wir uns in Salta gesorgt hatten, eingebaut. Somit war dieses Provisorium endlich vorbei. Dann marschierten wir durchs Dorf, denn wir wollten beim Christo-Denkmal wieder diese vorzüglichen Empanadas essen.

      Heute sendete wieder mal das örtliche Radio von 10 bis 14 Uhr. Auf der überdachten Terrasse saßen die Reporter mit den Interviewgästen und machten Radio. Der eine weibliche Gast sang live „Indianerlieder“. Über große Lautsprecher wurde das Ganze direkt den Live-Zuschauer übertragen und natürlich auf Kanal 89,9 UHF gesendet.
      Auf unserem Weg kamen wir an der kleinen Kirche vorbei, wo der Pope gerade eine Predigt hielt. Die Kirche und der Platz davor waren total mit Menschen überfüllt. Soweit wir der Predigt folgen konnten, ging es mal wieder darum, dass die Armut der Menschen gottgewollt ist, dass man Disziplin und Demut leisten soll etc. etc. etc.


      Im „Los Angeles“ wurden wir von Javier wie alte Freunde begrüßt. Er erzählte seiner Partnerin Cladys, wer wir sind und woher wir kommen. Er hatte sich das alles seit unserem letzten Besuch gemerkt. Cladys hatte unser Auto schon an der Brücke bemerkt, und es entwickelte sich wieder eine angeregte, nette Unterhaltung.
      Wir bestellten eine große Flasche Bier, und er servierte uns dazu von Cladys selbst gebackenes Brot und ein Tapa von Linsen, Rotwein und Kaninchenfleisch. Natürlich auch noch zwei der köstlichen Empanadas mit Käse.
      Zum Abendessen nahmen wir uns noch 8 weitere Empanadas gefüllt mit Käse, Hühnchen, Mais und Thunfisch mit, also eine kleine Auswahl dieser von Cladys selbstgemachten Köstlichkeiten. Den Preis dieses Restaurantbesuch darf man ei-gentlich nicht erwähnen, denn wir bezahlten: 7,00 € für das Alles.

      Am Freitag, 13.3.09 beginnt hier in „La Caldera“ das große „Chicha-Fest“ mit vielen, vielen Besucher aus „Salta“ und der Umgebung. Es soll viel getrunken, getanzt und Musik gemacht werden. Danach ist das sehr saubere Dorf total vermüllt, und muss komplett gereinigt werden, sagte uns Javier. Also planten wir, Freitagmorgen abzureisen.

      Am Sonntagabend bekamen wir einen Vorgeschmack dessen, was hier so am nächsten Wochenende abgehen wird. Denn, als wir so gemütlich im Wohnmobil lagen, parkten mehrere Fahrzeuge neben uns, und eine Menge Menschen kletterten aus ihren kleinen Wagen und gingen an den Fluss zum Angeln. Natürlich plärrte aus jedem Wagen laute Musik, jedes Radio spielte einen anderen Song. Neben uns setzten sich vier junge Männer auf die Pritsche ihres Pick-ups und begannen mit Trommel und Gitarre richtig gute Südamerikanische Musik zu machen - wahrscheinlich eigens für uns, denn sie winkten und lächelten uns freundlich zu. Gegen 20 Uhr dampften dann alle ab, und der Beweis wurde wieder angetreten, warum das, wo wir hier sind, Regenwald heißt. Es goss in Strömen, der Fluss stieg gewaltig an, und Marion hatte Angst wir würden weggeschwemmt werden. Sie ließ mir keine Ruhe, bis ich um 22 Uhr den Wagen startete. Diese und die beiden folgenden Nächte verbrachten wir vor der Kirche am Park mitten im Ort. Es schüttete die ganze Nacht, und am Morgen hatte Marion eine neue Negativbotschaft. Siehe da, wir brauchen gar nicht ins Internetcafé zu gehen, um schlechte Nachrichten zu erhalten. Die Gebläse-Dachluke muss undicht sein, denn der Teppich an der Decke hatte einen ca. 1 qm großen nassen Fleck.
      In strömendem Regen kletterte ich aufs Dach und stellte fest, dass sich die Haube an den vier Ecken gehoben hatte, und durch diese Ritze kroch das Wasser ins Wageninnere. Wenn diese Haube richtig geklebt und mit den richtigen Nieten montiert worden wäre, hätten die Äste der Bäume und das Gerüttele der „Carretera Austral“ der Haube sicher nichts anhaben können. Aber so! Total durchnässt kletterte ich vom Dach und Marion verwöhnte mich mit Kaffee und Pflaumenkuchen den sie auch deshalb gebacken hat, damit durch die Wärme des Backofens der Teppichboden besser abtrocknen kann. Abends gab es gebackenen Ziegenkäse auf einem Salatbett mit Argentinischem Weißwein. Ein leckerer Schmaus am 42. Geburtstag meines Sohnes Rainer.

      Am 10.3.09 hörte der Regen für ein paar Stunden auf. Ich kletterte aufs Dach, habe mit 20 langen Nieten die Haube neu befestigt und satt mit Silikon abgedichtet. Wir hoffen das Beste, lieber Leser!

      Auf unserem Weg zum Einkaufen haben wir die Englischlehrerin getroffen und mitten auf der Hauptstraße, wie Einheimische, lange miteinander geschwätzt. Sie bot uns an, wenn wir etwas brauchen, zu ihr zu kommen und zeigte uns wo sie wohnt.
      Nachmittags, so gegen 16 Uhr klopfte es an unserer Tür und eine der „Schülerin-nen“ besuchte uns mit ihrem Sohn (sie hat 4 Töchter und 2 Söhne, ist 33 Jahre alt und sehr attraktiv). Sie brachte uns selbstgebackenes Brot.
      Für ihre Kinder gaben wir ihr Malstifte mit, die uns Rainer aus seiner Firma zum Verschenken mitgegeben hatte.
      Der Regen hörte nach zwei Tagen auf, und wir fuhren wieder zurück zu unserem „alten“ Platz, um den Tag mit einem Asado zu feiern. Unser „Kneipenwirt“ hat uns überredet, zum „Gaucho-Fest“ noch zu bleiben, da es nicht so laut werden würde, wie wir befürchteten, außerdem wäre am Samstag ein Rodeo, was wiederum Marion sehr interessierte. Also blieben wir. Der Platz an dem wir standen, wurde zum örtlichen Parkplatz umfunktioniert. Unser „Kneipenwirt“ hat uns neben seinem Restaurant einen Stellplatz freigemacht, wo wir sehr gut standen. Auch Wasser tankten wir bei ihm. Natürlich gaben wir seinen Kinder und Enkelkinder Kugelschreiber, Taschenrechner und Spielbälle als Geschenk. Und ihm und seiner Frau eine Flasche Champagner.

      Freitagabend stürzten wir uns ins Getümmel. Schlecht zu beschreiben wie es war. Das geht besser im persönlichen Gespräch und mit Fotos. Es hat uns sehr gut gefallen. Wir kauften Salami und Schinken dort; als der Verkäufer uns erkannt hatte, wer wir sind, schenkte er uns noch ein Brot dazu. Bei jedem Gespräch erwähnten wir, dass wir mit dem Wohnmobil da seien, und sofort tippte man auf das Fahrzeug bei der Brücke. Fast jeder wusste, wie lange wir schon hier sind und war begeistert, als wir erzählten wie gut uns „La Caldera“ gefällt.


      Die ganze Nacht über hat ein, lokal sehr bekannter Sänger, tolle Musik gemacht; Melodien und Texte die das Spanische mit dem Indianischen verknüpften.
      Für Samstagabend haben wir geplant, zu unserem „Kneipenwirt“ zum Essen zu gehen, denn er hat versprochen, dass es gegrillte „Cabra“ (Ziege) gibt, worauf ich mich freue. Am Sonntagnachmittag gibt es dann das Rodeo.

      Da Marion Stimmungen besser einfangen kann als ich, will ich die Festtage aus ihrem Tagebuch zitieren:

      „ 13. und 14.und 15. März; Freitag, Samstag und Sonntag, warm 27 Grad, fast wol-kenlos und leichter Wind.
      Sind hier geblieben, weil uns unser Wirt die große Fiesta richtig schmackhaft ge-macht hat und am Sonntag ein Rodeo stattfinden soll, was uns natürlich sehr interessiert.
      Sind auch am Freitag und Samstagabend auf Achse gewesen, jeden Abend war eine Band hier und hat von 23 bis 6 Uhr morgens gesungen.
      Wir hatten ja schon eine Vorahnung, dass viel los sein würde, aber was sich dann tatsächlich abspielte übertraf unsere Vorstellungskraft. Dieses kleine Dorf hier wurde förmlich überflutet von Autos und Menschen.
      Unser Wirt und Nachbar hat uns zu sich aufs Grundstück gebeten, weil unser „al-ter“ Standplatz als Parkplatz diente, außerdem war es hier auch ruhiger. Aller-dings hatten wir die Brücke – einspurig und die einzige Zufahrt nach La Caldera (der Kessel) – im Blick und konnten die Autoschlange beobachten, die sich bis 1 Uhr nachts in den Ort bewegte und das seit 19 Uhr. Man sagte uns, dass man an jedem der beiden Abende mit ca. 12.000 Menschen rechnet.
      Die Versorgung der Massen wurde von einer ganzen „Fressstraße“ abgesichert. Unzählige Asados brannten, unbebaute Grundstücke wurden kurzerhand mit großen Zelten, Tischen, Stühlen etc. zu „Restaurants“ umfunktioniert, Strom zwackte man ebenso ungefragt und z.T. abenteuerlich von den Oberleitungen ab, so dass es Licht, Musik und Strom für die Kühlschränke gab. Jeder Anlieger machte ebenfalls einen Ausschank, einen Eisverkauf auf oder produzierte traditionelle Imbisse wie Empanadas, Humida, Panillos usw.
      Hier auf dem Fest haben wir auch Christoph (27 J) aus Munster bei Lüneburg ken-nen gelernt. Er und wir waren wohl die einzigen Ausländer hier.
      Christoph lebt und arbeitet (für 1 Jahr) hier in Salta bei einem Freund, er will die Sprache und natürlich auch das Land kennen lernen. Er arbeitet hier, wie auch in Deutschland in einem Heim für geistig und körperlich behinderte Jugendliche und lebt in der Familie seines Freundes für 400 Peso (90 €) im Monat inkl. Essen und Wäsche waschen.
      Auch sonst bekommt man schnell mit den Leuten in Kontakt. Da nicht jeder es sich leisten kann, den Eintritt für die Konzerte zu zahlen und man die Musik auch in der „Fressstraße“ hört, verbringt man die Nacht eben „draußen“ und trinkt bis zum Umfallen. Vorzugsweise Cola mit Rotwein, kaut Coca und isst. Wir tun nichts davon, fangen bei unseren Rundgängen lediglich die Stimmung ein und sind, bevor die Wellen zu hoch schlagen, gegen 24 Uhr zuhause, sitzen dann noch draußen bei einem Bierchen und freuen uns, hier geblieben zu sein und so ein irres Fest mal mitzuerleben.
      Am Sonntag machen wir einen „Frühschoppen“ und einen Rundgang im Dorf. Da liegen echt Leute irgendwo herum und sind so dicht, dass sie einfach irgendwo ihren Rausch ausschlafen.
      Heute ist ein Rodeo um 16 Uhr angesagt, und das wollen wir uns ansehen. Schon auf dem Weg dorthin sehen wir viele Leute in der traditionellen Kluft der Gauch-os, auch Frauen und Kinder – sieht echt klasse aus. Schließlich sind wir hier im Gaucholand, wie die nordwestl. Provinzen Salto und Juyui sich nennen.
      Dann folgte die eigentliche Show. Es sollten junge Pferde zugeritten werden, und wer sich am längsten im Sattel hält, ist der Held des Tages und kassiert so um die 7-8000 Pesos. Das sind echt harte Jungs. Einer bekam den Huf eines Pferdes zwischen die Beine und nach einigen Minuten schickte er den herbeigeeilten Arzt wieder weg und ritt weiter – sind eben echte Machos. Ein Eisbeutel wäre wohl besser für ihn gewesen.

      Wir freuen uns auf etwas Tiefschlaf in den nächsten Nächten, da an viel Schlaf wegen der Lautstärke der Musik natürlich nicht zu denken war.
      Am Samstag sind wir essen gegangen, weil es endlich mal gegrilltes Zicklein gab, was Hans sich schon lange wünschte. Wir kehrten natürlich bei unserem Wirt und Nachbar ein – quasi als kleines Dankeschön. Er war schon etwas bedudelt und dadurch rührselig. Er wollte uns einladen und sagte, wir wären immer seine Freunde und werden immer in seinem Herzen sein. Seine Frau war dann aber doch ganz froh, dass wir die Einladung ablehnten und brav bezahlt haben, (ganze 9 € für 2 Essen und 2 große Flaschen Bier)

      16.3.09 Montag, sonnig 25 Grad, leichter Wind
      La Caldera ist fast wieder zu seiner gewohnten Ruhe zurückgekehrt. Heute werden die Müllberge beseitigt, und die letzten Auswärtigen (außer uns) verlassen den Ort. Wir wollten noch mal Wasser tanken und waschen. Am Mittwochmorgen fahren wir dann endgültig Richtung Bolivien.“

      Soweit Marion. Vielleicht stand die Rührseligkeit unseres Wirts am Samstagabend auch in Zusammenhang mit dem Besuch seines Bruders (er hat 8 davon). Dieser bemitleidenswerte Mann war geistig und körperlich sehr schlimm dran – ein Kriegsversehrter. Er wurde 1982 unter der damaligen Militärdiktatur in den Falklandkrieg gegen die Engländer geschickt. Noch immer hängen die Argentinier an diesen, wie sie sie nennen „Islas Malwinas“, die die Engländer 1833 ihnen weggenommen haben und die sie immer wieder von den Tommys zurückfordern.
      Auf dem Fest haben wir mit mehreren Argentinischen Jugendlichen zusammenge-standen und uns teilweise in Englisch oder Spanisch unterebenen. Dabei hat eines der Mädels erwähnt, dass ihre anwesende Freundin von den Mapuches abstamme. Diese erwähnte daraufhin, dass ihr Opa aus Deutschland stamme. Wenn man bedenkt, dass dieses Mädel ca. 20 Jahre alt war, und der Opa demzufolge so ca. 1945 eingereist sein müsste, stellt sich mir die Frage: Welcher Deutsche hat sich eine Mapuchefrau genommen? Ein Nazi auf der Flucht? Natürlich wird ein Ehemann einer Mapuchefrau im Reservat dieses Indianerstammes aufgenommen und verschwindet somit auf nimmer Wiedersehen.

      Da jetzt Regenzeit in „Bolivien“ ist, und der Besuch des Urwaldes in der Regenzeit nicht ratsam ist, haben wir uns entschlossen, deren Ende hier in „La Caldera“ abzuwarten.....
      ...und diese Entscheidung war goldrichtig, denn wir verbrachten herrliche Tage in diesem kleinen Dorf im Regenwald (aber dem warmen).

      Freitag 20.3.09 Zwei Deutsche Motorradfahrer kamen über die Brücke, und als sie uns sahen, zu uns. Es waren Ruth und Andy, zwei Kriminalbeamte aus Heilbronn, die jeweils zwei Jahresurlaube zusammenfallen lassen, um dann 3 Monate durch die Welt zu fahren - in den letzten Jahren durch Mittel- und Südamerika. Sie frag-ten bei „Angel“ um Erlaubnis und schlugen dann ihr Zelt neben uns auf - so für geplante eins bis zwei Tage......

      Dazu aus Marions Tagebuch:

      Andy und Ruth haben auf dem Campingplatz in Salta von Mathias (DA) von La Caldera gehört und von uns. Es waren sehr schöne, interessante Tage mit Berich-ten über Reisen, Begegnungen, Grillen, Bier en mass, bei Angel einkehren usw. Die beiden sind sehr angenehme Zeitgenossen und reisen auch eher abseits der touristischen Routen.
      Als am 23.3.09 für die Beiden zum Aufbruch geblasen wurde, und das Zelt abge-baut und auch sonst fast alles verstaut war, brach ein Gewitterregen los, und wir warteten bis 15 Uhr. Zum Weiterfahren war es nun natürlich zu spät und so hatten wir noch einen netten Abend miteinander....


      Die Beiden brachten die Nachricht mit, dass in „Bolivien“ eine „Dengue-Epidemie“ ausgebrochen sei, mit 40 Toten und weiteren 2 Toten in der „Provinz Salta“. Diese Krankheit wird wie die Malaria von einer Stechmücke übertragen. Wir informierten uns im TV und in unseren Büchern und erfuhren, dass diese Gefahr vorbei sein soll, wenn die Regenzeit zu Ende ist. Außerdem soll das Ganze nicht viel schlimmer als eine starke Grippeepidemie sein. Obwohl es genau die Gebiete betrifft (wie auch die Malaria), die wir bereisen wollen, entschlossen wir uns, die Route nicht zu ändern, denn gerade diese Ecke interessiert uns sehr. Marion nähte besonders engmaschige Moskitonetze, denn die in allen Mobilen serienmäßig eingebauten taugen nur etwas gegen die Europäischen Fliegen. (Wir hatten eines Morgens einen Käfer im Bett, der so groß ist wie ein Daumen - und das bei geschlossenen Moskitonetzen; (Hallo Herr Seitz, was bauen sie da für ein Sch...) Wir haben einiges an Mückenabwehrmittel dabei und kauften noch einen Spray im Ort, der für uns bestimmt schädlicher ist als alle Moskitos. Wir werden ganz toll aufpassen und uns abends früh ins Wohnmobil zurückziehen, nahmen wir uns vor.


      Marions Tagebuch:

      24.3.09 Dienstag, 21 Grad, Regenschauer, etwas Sonne
      Gestern Abend deckten Angel und Familie das Dach ihrer Wirtschaft (Quincho) ab. Andy und Hans legten mit Hand an (ich: Denn wir hatten eine richtige Beißzange und eine Blechschere - die Argentinier hatten eine Beißzange, die fast so gut die Drähte durchgebissen hat, wie ein neuer Hammer!!!) und bis es stockfinster war, waren sie fertig, noch ein Bierchen und ab in die Falle.
      Heute Morgen regnet es, und Andy und Ruth blieben, da es nun eine Änderung der Reiseroute gibt. Sie haben nur bis Ende April Zeit und wollen noch nach Missiones und Iguazú Wir kaufen ein und wollen noch mal lecker grillen, wenn der Regen mal eine Pause macht.
      Ende der Woche sollte die warme Regenzeit und die Gefahr mit den Moskitos rum sein, dann geht es weiter. Übrigens haben wir am Nachmittag alle zusammen Angels Dach fertig und vollständig abgedeckt sowie alles sauber gemacht. Für uns 4 Deutsche eine gute Gelegenheit, uns für die Gastfreundschaft zu bedanken.


      25.3.09 Mittwoch 21 Grad, bewölkt, Sonne, gegen Abend Regen
      Haben die Gunst der Stunde genutzt und gewaschen, alles trocken....
      In der Ferreteria hier in La Caldera eine Machete gekauft...
      Ruth und Andy sind noch hier, mal sehen ob es morgen mit der Weiterfahrt klappt. Eigentlich sollte die Regenzeit vorbei sein...

      26. u. 27.3.09. Donnerstag u Freitag, sonnig u. warm
      „das letzte Aufbäumen“ der Regenzeit hat Andy und Ruth davon abgehalten, wei-ter zu fahren. Es schüttete wie aus Kannen. So sind sie auch heute, am Freitag noch bei uns. Heute strahlend blauer Himmel!
      .....gegen 14 Uhr sind Andy und Ruth gestartet...Richtung Chaco und Missiones – gute Reise!

      Freitagabend ging es dann mit dem Aufbau des neuen Dachs weiter. In der Nacht wurden wir von Hundegebell wach und hörten einen Pick-Up bei Angels Kneipe ebenen. Wir sahen durch die Schlitze unserer Läden, wie sich zwei Kerle dranmachten, sich das Holz und die Dacheindeckung von Angel anzueignen. Ich öffnete unsere Dachluke, und mit der Taschenlampe strahlte ich den Wagen an, und Marion brüllte los. Total aufgeschreckt ließen sie alles stehen und liegen und fuhren mit quietschenden Reisen über die Brücke und davon. Natürlich bedankte sich Angel und Frau herzlich bei uns.

      Heute, Samstag sollen wir um 20 Uhr zu Angel kommen und mit ihnen ein Asado als „Richtfest“ feiern. Wir freuen uns schon sehr darauf, denn es wir auch gleichzeitig unser Abschied, denn morgen, Sonntag wollen wir starten. Angel zeigte uns eine Abkürzung über den Berg auf einer Schotterstraße, die aber gut zu fahren sei. So sparen wir uns den Umweg über „Salta“ und die Autobahngebühren - Marion ist einverstanden.
      Wir haben die Wassertanks gefüllt, ausgiebig geduscht, nochmal die Wäsche von unserer Waschfrau mit dem Fahrrad abholen lassen und alles für morgen gerichtet.
      Wir freuen uns sehr, auf das was jetzt noch vor uns liegt.
      Es wurde ein toller Abschiedsabend mit der ganzen Familie und viel, viel Bier. Nebenbei schauten wir uns gemeinsam im TV die Ausscheidungsspiele für die Fußball-WM in Südafrika an. Argentinien gewann gegen Venezuela 4:0; toller Sieg für den neuen Trainer Diego Maradona.

      Sonntag, 29.03.09 ging es ans Abschied nehmen. Die Damen und selbst Angel hatten feuchte Augen bekommen. Es waren wirklich tolle Wochen bei diesen lieben Menschen. Wann wir wieder kommen werden, wurden wir gefragt: Zu meinem 70. Geburtstag, stellte ich in Aussicht.
      Dann ging’s durch den subtropischen Regenwald Richtung „Bolivien“. Die Strecke war traumhaft schön, und im Vergleich zu dem was wir bisher gefahren sind, sehr einfach. Eine schmale Erdstraße ohne Probleme, denn sie war mittlerweile abge-trocknet.
      Unterwegs haben wir in einer gewohnt lauten Stadt übernachtet, um danach, lt. Reise-Know-How Reiseführer in der Stadt „Ciudad de Libertador San Martin“ in der „Straße San Lorenzo“ bei der Parkverwaltung die Genehmigung zum Befahren des Nationalparks „Calilegua“ einzuholen. „San Martin“ ist eine richtige Industriestadt mit einer großen Fabrik, in der Zuckerrohr zu Zucker, Alkohol und Papier verarbeitet wird. Die Nationalstraße 34 ist eingerahmt von Zuckerrohrfelder. Da diese Pflanzen stark bewässert werden, bilden sich da richtige Brutstätten von Stechmücken - die beste Voraussetzungen für Dengue Fieber.

      In „San Martin“ kannte niemand die „San Lorenzo Straße“, die Parkverwaltung sei im Nachbarort „Calilegua“. Dort fanden wir die Straße „San Lorenzo“ und natürlich auch die Parkverwaltung. Melden mussten wir uns dort nicht, denn am Eingang zum Park sei eine Rangerstation, dort soll man sich melden.
      Wie sagten Andy und Ruth in „La Caldera“ zu uns: Ruth: „Ich habe schon vor Jahren alle Reisebücher weggeworfen, denn sie stimmen hinten und vorne nicht!“ Und ihr Mann meinte: „Man sollte sie aufheben, damit man genau weiß wohin man nicht fahren soll!“

      Vor der Parkverwaltung in „Calilegua“ haben wir übernachtet und hatten Besuch von Tukanen, direkt am Mobil. Die Parkranger haben uns gleich zum Anfang über Vorsichtsmaßnahmen gegen Dengue-Fieber informiert. Die Ranger im Dorf sagten, dass Dengue nur im Park vorkommt, und die im Park meinten es käme nur im Dorf vor. Wir schmierten uns mit dem entsprechende Mittel kräftig ein. Nach ein paar Tagen hatte ich eine Reaktion auf das Mittel. Teile meines Gesichtes sahen aus wie ein Krümelkuchen.


      Tags drauf fuhren wir in den Park. Auf einer Urwaldlichtung, an einem kleinen Seitenweg durften wir kostenlos campieren und blieben 5 Tage dort. Der Park zieht sich ab 400 Höhenmeter bis auf knapp 2000 Meter den Berghang hinauf. Diese hängenden, subtropischen Urwälder nennt man „Yungas“ und sind eher aus „Bolivien“ bekannt. Doch der Urwald macht an der Landesgrenze keinen Eben. Und man findet die „Yungas“ auch in Nordargentinien.
      Direkt an unserem Platz können wir tolle Vögel, Schmetterlinge und einen „Cam-pinchetto“ fotografieren. Wilde, gefährliche Tiere haben sich „Gott sei Dank“ nicht blicken lassen. Obwohl die nächtlichen Geräusche toll, unheimlich, aber schon gewöhnungsbedürftig sind. Schließlich waren wir ganz alleine im tiefen Urwald, aber Angst haben wir keine, behaupten wir alle Beide.



      Tagsüber sind wir einige Wanderstrecken im Park abgelaufen. Zu einer kleinen Lagune, wo ein großes Schild vor dem hier lebenden Jaguar warnt (hat Marion nicht gesehen, und ich habe es ihr erst nach der Wanderung gesagt). Wir fanden einen tollen Aussichtspunkt mit weitem Blick über die „Yungas“ bis hinauf zu den schneebedeckten 4000er Gipfeln.


      Wie die Straßen in den Yungas sind, wissen unsere Moraira-Freunde, denn dort habe ich mal ein Rundmail verschickt mit einer Wegstrecke zu „unserem neuen Ferienhaus“ . Dieses Mail hat mir mein „alter Freund“ Ralf Borowski geschickt. Er wusste wohl damals schon, dass ich solche Wege suchen werde. Daran dachte ich, als wir den Tipp bekamen, in den Bergen das Indianerdorf „San Franzisco“ zu besuchen. Wir fragten den Ranger, und der riet uns sofort ab, diese Strecke mit dem eigenen Wagen zu fahren, denn sie sei sehr gefährlich. Unser Wagen sei zu groß, zu schwer und zu lang für diesen Weg. Wir haben uns daraufhin entschlossen die 40 Km mit dem „Colectivo“, dem Linienbus zu fahren.


      Es handelte sich dabei um einen Mercedes-Bus (Rundhauber) aus den 60er mit kurzem Radstand. Diese Tour wurde zu einem „Highlight“ unserer Reise.

      Doch diesen Tag will ich aus Marions Aufzeichnungen zitieren:

      Der Colectivo soll morgens um ca. 9:15 Uhr am Parkeingang anhalten und spät-nachmittags zurückfahren. Die Angaben über die Rückfahrtzeit gingen von 16 bis 18 Uhr. Der Colectivo hat den Vorteil, dass Hans auch mal mehr anschauen kann, als sich immer nur auf Piste und Auto zu konzentrieren.
      War waren also kurz vor 9 vor Ort, der Bus kam aber erst 10:30 Uhr. Mit dem fuh-ren wir nicht, weil er proppenvoll mit Leuten, Gepäckstücken und Lebensmittellieferung war. Aber es soll noch ein anderer kommen – tat er dann auch, um 11:15 Uhr. Der war – wie der 1. Bus – auch aus den 60er Jahren, ein Mercedes-Benz. Die ersten Kilometer waren wir am Vortag ja gewandert und glaubten, die Strecke bliebe so, bis zum Pueblo. Was dann kam, waren die Yungas pur, wie man sie von Bildern aus Bolivien kennt. Ich glaube, wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre ich nicht auf diese Idee gekommen. Der alte Bus quälte sich geräuschvoll die steilen, kurvenreiche Piste, hautnah an steil aufragenden Hängen an den einen und ebenso dicht an ebenso steil abfallenden Abgründen entlang. Beide Enden – ob nach oben oder unten, waren nicht auszumachen. Tief durchatmen und hoffen, dass man heil ankommt, ist die Devise. Besonders gläubige Mitfahrer bekreuzigten sich, andere kauten Coca und fielen in einen Dämmerzustand. Wir waren hellwach!!! Diese schmale Piste ist dem steilen Berg und dem Urwald förmlich abgerungen und wird – wie wir an vielen Stellen sehen konnten – oft von Bergrutschen unpassierbar gemacht. Bei Gegenverkehr wird’s echt schwierig, und einer muss solange rückwärtsfahren, bis eine etwas breitere Stelle kommt, wo man sich aneinander vorbei tastet – mir standen Schweißperlen auf der Stirn.


      Endlich oben angekommen; 13:30 Uhr – über zwei Stunden für 39 Km -, finden wir ein wohl organisiertes Bergdorf. Es gibt alles – Schule, Kirche, Fußballplatz, Res-taurant, kleine Lebensmittelgeschäfte, Krankenstation und – wir sind in Argentinien. Hans begeistert sich bei unserem Rundgang für einen Pick-Up und dessen stolzer Besitzer erklärt ihm alles; (BJ ca. 1963, argentinische Produktion von Cordoba; Präsident Peron war von der Deutschen Technik begeistert, und hat deshalb für den Wagen das Fahrgestell und den Diesel-Motor von Borgward (Bremen) bezogen, die Elektrik und die Einspritzung von Bosch, die Bremsanlage von ATE und die Filter von MAN. Einen Eigennamen hat das Auto nicht, aber es läuft und läuft zuverlässig, selbst auf diesen Pisten hier oben mit Geröll und Schlamm.

      Zu Mittag speisten wir in einem netten kleinen Restaurant mit herrlichem Blick auf die gegenüberliegende Bergkette. Es gibt Empanadas als Entrada, Hühnchen mit Pommes, Bier und Café con leche. Ich lasse mir bei der Gelegenheit mal so einen gemauerten Backofen im Hof zeigen und erklären. (die Details, wie so ein Gerät gebaut und benutzt wird, erspare ich mir hier. Wer will, kann Marion fragen)


      Um 16:30 Uhr kommt der 1. Colectivo und wir wollen mit dem zurückfahren, um noch bei Helligkeit am Auto zu sein, um auch die herrliche Aussicht während der Fahrt zu genießen. Der Bus ist wieder gut besetzt, und wir hören schon nach einigen Metern ein merkwürdiges Klopfen und Hans meint: „Wenn unser Auto solche Geräusche machen würde, würde ich keinen Meter mehr fahren!“ Hier scheint das niemanden zu stören und am wenigsten den Fahrer, der sich auf eine 2 ½ stündige Fahrt auf diese Strecke begibt.

      Der erste Pi-Pi Stopp wird so nach ca. 8 Km eingelegt und da das Klopfen unter uns immer lauter wurde (wir sitzen auf den linken Hinterreifen), schauen alle mal nach – nichts zu sehen. Kann auch nicht, da das Problem an der Aufhängung des Federpakets liegt. (Es gibt keine Halterung für die einzelnen Federblätter, die sich auf dieser Straße total verschoben haben, und erst gegen die Fragmente des Kotflügels schlagen und dann gegen das innere Rad der Zwillingsreifen) Hans versucht es, dem Fahrer klar zu machen. Aber ein bisschen geht’s wohl noch, denn es geht im Schritttempo weiter, wobei die Schläge in Rechtskurven heftiger sind als in Linkskurven, da die Federpakete dann immer an die Felge bzw. an den Kotflügel schlagen. Irgendwann gab es ein lautes, metallisches Klick! Das war dann der 2. Pi-Pi-Stopp.

      Jetzt waren die Auswirkungen schon deutlicher zu sehen – ein 30 cm langes Metallstück war aus der inneren Felge gebrochen. Uns war es sehr mulmig zumute – es war bereits dämmerig, wir wussten nicht, wann der 2. Bus kommt, und waren mitten im Urwald. Sollten wir aussteigen oder mit den Anderen weiterfahren – auch in Anbetracht der Dengue-Mücken entschieden wir uns für die Weiterfahrt.
      Sehr langsam und immerhin bis auf ca. 6 Km vor unserem Ziel lief der Bus noch, dann war endgültig Schluss. Ohne Taschenlampe, ohne Werkzeug und im Stockdunkeln saßen wir fest. Etwas Licht durch die trüben Scheinwerfer hatten wir zumindest und warteten nun auf den 2. Bus. Gegen 20:30 Uhr kam der dann, mit nur 1 Scheinwerfer, allerdings mit Werkzeug. Kurzerhand wurde das Rad gewechselt – der Ersatzreifen lag im Innenraum unseres Busses und war mit einem 10 cm langen Querriss versehen-!

      So ging der Rest der Tour zu Ende, und wir kamen mit Hilfe des Blitzlichtes unse-rer Kamera im Stockdunkeln bis zum Auto. Na, Gute Nacht!


      Einen Tag später bekamen wir Besuch eines Deutschen Pärchens aus Bremen, die ihren 4-wöchigen Urlaub in Nordargentinien verbringen. Die jungen Leute erzählten uns von einer Therme mit Campingplatz, die es, 50 Km entfernt in Richtung Bolivien, seit 8 Jahren gibt. Natürlich steht in unserem September 2007 total überarbeitetem Reise-Know-How Reisebuch kein Wort darüber drin. Sie haben ihre Information aus einem Werbeblättchen des Argentinischen Automobilclubs ACA. Wäre sicher auch eine gute Informationsquelle für die Aktualisierung der Reise-Know-How Bücher!

      Wir hatten genug im dampfenden und feuchtheißen Urwaldklima geschwitzt. Wir wollen uns in den Thermen abkühlen, und unsere Batterien aufladen. Der Kühl-schrank lief ständig auf Hochtouren, und wir haben oft die Innenventilatoren laufen lassen - außerdem haben wir in den letzten 5 Wochen immer den Schatten für unser Auto gesucht, sind kaum gefahren, so dass unsere Wohnraumbatterien nahezu leer sind.

      In „San Martin“ wechseln wir Geld, gehen ins Internet-Café und kaufen für mindestens eine Woche Lebensmittel, denn die Thermen liegen mitten im Urwald, weitab von jeglicher Einkaufsmöglichkeit. Zum Abschuss aßen wir leckere Empanadas auf einem Wochenmarkt.


      Danach legen wir noch einen Zwischenstopp in „Calilegua“ vor der Parkverwaltung ein und bleiben dort über Nacht.

      Morgens geht es in die Thermen „Agua Caliente“. Auf der Straße dorthin liefert sich ein vorbeifliegender Tucan ein Wettrennen mit uns. Er gibt aber auf und fliegt knapp vor unserer Windschutzscheibe quer über die Straße in ein Zuckerrohrfeld.

      Direkt vor unserem Standplatz auf dem Campingplatz befinden sich 3 große Becken mit über 40 Grad heißem Wasser. Die Anlage sieht eher „marokkanisch“ aus, man kann nicht alles haben. Aber wir „kuren“ mit Freude. Nachts wackelt unser Wohnmobil stark, und wir erschraken ganz schön. Doch alles halb so schlimm. Nur ein Pferd, das auf dem Rasen des Campingplatzes graste hat sich am Ersatzreifen das Fell gescheuert. Nach dieser Nacht ging es morgens bereits vor dem Frühstück ins Thermalbad.

      Wir hatten sehr nette Begegnungen in dieser Therme; mit Gästen, dem Personal und dem Chef, dessen Vater Russe, und die Mutter Engländerin ist. So wuchs er zweisprachig (Englisch und Castiliano) auf, und wir konnten uns in Englisch unter-ebenen.

      Wir lernten Rodrigo und Laura kennen. Bis spät am Abend saßen wir vor unserem Wohnmobil. In einem Mix aus Englisch und Spanisch gequatscht, Bier und Martini getrunken, obwohl sie an diesem Tag abreisen wollten.
      Das Gespräch ging über das Leben in Argentinien, die Politik, die Argentinier im Allgemeinen, die Ökonomie, den Umweltschutz und natürlich über die Probleme, die so ein Zahnarzt hier hat. Rodrigo 35 J ist Zahnarzt und Spezialist für Implantate. Das Material für die Implantate holt er sich aus Europa, seine Frau assistiert ihm dabei. Die beiden arbeiten 14 Stunden jeden Werktag, und er mault darüber, dass er 50 % Steuer zahlen muss, für seine Landsleute, die nicht arbeiten wollen. Einmal mehr hören wir die Verärgerung darüber heraus, dass viele Argentinier nicht arbeiten und sich vom Staat ausebenen lassen. Eine Großfamilie von ca. 15 Leuten, von denen 4 Stütze kassieren, und das Geld, das sie vom Staat für die meist zahlreichen Kinder erhalten, reicht, um ohne Arbeit zu leben. Nicht luxuriös, aber man kommt über die Runden, und das ohne Stress. Die beiden haben uns sehr gut gefallen, waren sehr offen und nett. Sie haben ihre Praxis in Salta.

      PS: Fotos auf der homepage!!!