Teil 3: Die mittleren Anden und das Seengebiet von Chile

    • Südamerika

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Lust auf eine nette und reiselustige Community? Dann melde dich doch ganz einfach, schnell und kostenlos an. Anschließend stehen dir alle Funktionen im Forum zur Verfügung.

    • Teil 3: Die mittleren Anden und das Seengebiet von Chile

      Die mittleren Anden und die Seengebiete Argentiniens und Chiles

      Zu dem bisher Erlebten möchte ich noch etwas nachtragen, was sich auf die von uns bisher besuchten Gebiete Patagonien und Feuerland bezieht. Allgemein ist zu sagen, dass diese Landschaften grandios, wild, öde, wüst und anstrengend zu bereisen sind. Es gibt eine tolle Tierwelt, die nicht menschenscheu ist (so sind zum Beispiel Kolibris vor unserer Eingangstür herumgeflattert). Der Tourismus erschließt diese Landschaften immer mehr. Was in den Reiseführer von vor einem Jahr steht, kann man getrost vergessen. Reiseberichte mit Angaben von Straßenzustand und Stellplätzen, die älter als 3 Jahre sind, sind nicht mehr zutreffend. Wir vermuten, dass bereits in einem Jahr, die gesamte Gegend mit dem „Rollstuhl“ zu befahren ist. Alle bekannten Sehenswürdigkeiten sind überlaufen und überteuert. Jede „Ecke“ ist ein Nationalpark und kostet Eintritt, ohne etwas zu bieten; weder eine Beschreibung des Parks noch eine Wanderkarte oder Ähnliches.
      Die stillen, einsamen Ufer an den Seen, die sooooft beschrieben wurden, die Ein-samkeit und das Ungestörtsein, gibt es nicht. Entweder sind diese Stellplätze jetzt zu Campingplätze ernannt worden, ohne jeglichen Komfort, die in der Regel pro Tag 10 € kosten oder die meisten Seen oder Flüsse sind nicht frei zugängig. Sie sind eingezäunt. Eigentlich fährt man die ganze Zeit durch einen „Korridor“; links und rechts eingezäunt; Passieren verboten. Es ist hier sehr schwierig, Stellplätze zu finden. Die schönsten Seen und Flüsse sind durch Ferienhäuser bebaut. Das Argentinische Gebiet der 3 bzw. 7 Lagos, welches in allen Reiseberichte als so sensationell toll beschrieben wurde, kann man sich von der Straße aus ansehen, denn die Ufer sind total mit Feriensiedlungen, Hotels und Privathäuser zugebaut. Einen Zugang zu diesen Seen ist mit unserem Auto nicht zu finden. Eigentlich die gleiche Situation wie in Europa.
      Natürlich sind uns, außer den Pauschaltouristen, die in Marken-Outdoorkleidung aus den „Touribussen“ klettern, Fotos machen und wieder abrauschen, auch andere Individualreisende begegnet. Meinen größten Respekt zolle ich dabei den Fahrradfahrern. Die einen durchfahren nur Südamerika, andere gleich die ganze Panamerikana von Alaska bis Feuerland oder umgekehrt. Alle Nationen sind vertreten. Wenn ich unterwegs in deren gestresste Gesichter sehe, frage ich mich warum die das tun. Abgekämpft vom Tageswerk müssen sie abends noch ein Camp suchen, Zelt aufschlagen, waschen und Essen kochen. Ab und zu werden sie mal von den Wohnmobilisten verpflegt, da sie auf ihrem Gefährt nicht so viel transportieren können. Jedenfalls stellen die Radfahrer die größte Gruppe der Individual-Reisenden dar. Uns sind sicher tausende begegnet. Dann gibt es noch die Reisenden, die per Daumen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen. Was nicht so einfach ist bei der mangelnden Verkehrsdichte. Sie warten manchmal Tage auf einen „Ride“. Dann gibt es natürlich auch hier die reisenden „Särge“ von Rotel-Tours. Zwei dieser Ungetüme sind uns auf der Carretera Austral entgegen gerumpelt.
      Es war nicht leicht, auf dieser engen Straße diesen 40 Tonner-Ungetümen inklusiv Anhänger auszuweichen. Die Wohnmobile aus Europa sind eher in der Minderheit.

      Dann begegnet man Fahrzeuge wie von „Kondor-Reisen“, die eine Handvoll Touristen innerhalb ein paar Wochen mit Allrad-LKWs zu den Highlights Südamerikas karren, die dann in Zelten oder Hosterias übernachten. Eine, nach meiner Meinung, gute Möglichkeit diesen Kontinent sich anzusehen. Bis hierher diese kleine Zusammenfassung, doch jetzt wieder zum Verlauf unserer Reise.

      Von „Trevelin“ aus fuhren wir über die asphaltierte Routa 40 bis nach „El Bolson“, die im Reiseführer als „gesichtslose Hippiansiedlung aus den 60er“ bezeichnet wird.
      Vorher rasteten wir abseits der Straße, als plötzlich der rote VW Synchro mit Gisela und Peter auftauchte. Zusammen fuhren wir zu einem Polizeiposten an der alten R 40, wo wir mit deren Genehmigung übernachteten. Selbst hier lag noch von dem Vulkanausbruch bei Chaiten eine Menge Vulkanasche auf der Wiese. Gisela und Peter waren in Chaiten gewesen und erzählten uns wie es da aussah; Autos begraben unter Asche, meterhohe Staubschicht überall, leere Dörfer ohne Wasser.

      Am Abend feierten wir Abschied, denn die beiden hatten ihre Rückreise für Mitte April gebucht. Und wieder auf der „Grande Brasil“ mit der wir zusammen hierüber kamen. Wenige Meter neben unserem Platz konnten wir Adler beobachten, die sich durch uns kaum stören ließen. Am nächsten Tag ging es mit „rotweinschwerem Kopf“ nach El Bolson.
      El Bolson präsentierte sich uns als modernes sauberes Städtchen mit vielen Cam-pingplätzen. Unser Ziel war „Camping Cerveceria“, wo wir einen „Wäschetag“ einlegten. Diesen Platz hat vor ein paar Jahren ein Deutsches Paar aufgebaut. Den Campingplatz haben sie mittlerweile vermietet, das dazugehörige Restaurant bewirtschaftet ihre Tochter, und die kleine Bierbrauerei führt ihr Sohn als „Erlebnisbrauerei“. Das Ehepaar lebt nun in Cordoba und organisiert Touren und Reisen in die Anden.


      Weiter ging es ins Gebiet der 3 Seen im NP „Nahuel Huapi“. Wir haben einen Stellplatztipp bekommen, einsam am „Lago Steffen“. „Für Euer Auto kein Problem“, sagte Toni uns. Bei diesem Satz werden wir immer sehr misstrauisch, denn die meisten Leute berücksichtigen dabei weder unsere Breite oder die Höhe, noch das Gewicht. Als wir auf die Piste zum See einbogen, ahnten wir schon Böses, denn sie war jeweils nur von 10-14 Uhr in der einen und von 15 bis 19 Uhr in der anderen Richtung zu befahren. Um es kurz zu machen, der Weg durch diesen Urwald war "saueng" in Breite, Höhe - und die Beschaffenheit war grausam.
      Unser Wagen bekam eine Menge Kratzer und Schrammen ab, die vordere Abde-ckung der Markise wurde zertrümmert, und die Regenrinne über der Eingangstür total verbogen. Damit waren wir wirklich gut bedient, aber unsere Stimmung war nicht dazu angetan dort einige sorgenfreie Tage zu verbringen, zumal es heftigen Reiseverkehr auf dieser Straße seewärts gab. Wir warteten die Zeit ab und Punkt 15 Uhr ging es zurück bis auf einen Platz neben der Straße, an einem See mit einer Slipanlage. Es sah alles sehr gut aus, bis beim Dunkelwerden die Argentinier ihre Zelte aufschlugen und Feuer machten. Bis weit nach Mitternacht wurde gegrillt und palavert.
      Es war heiß im Auto, doch an Lüften war wegen des Qualms der Asadofeuers nicht zu denken. Ab 7 Uhr morgens waren die „Lokals“ dann wieder munter. „Wann schlafen die Argentinier eigentlich?“ Hat uns schon mal ein anderer Reisender gefragt. Wir wissen es nicht; wahrscheinlich nie.

      Über „Bariloche“, eine mittlerweile große, boomende Stadt an einem See mit unzähligen Feriensiedlungen, fuhren wir zu einem kleinen See an der Chilenischen Grenze. Eine Wiese wurde von einer Estancia zum Campingplatz ernannt, man kassierte 10 €, und wir durften direkt am Wasser stehen. Wir blieben zwei Tage und ruhten uns aus für die Fahrt ins Chilenische Seen- und Vulkangebiet.

      In „San Martin de los Andes“ blieben wir eine Nacht, um danach eine Piste südlich des „Vulcans Lanin“ nach Chile zu nehmen. Nach 108 Km landeten wir auf der Chilenischen Seite bei den „Termas Rio Liquine“, einem Urwaldort mit kleinen „Hütten“ . Der Chef erlaubte uns, auf dem großen Parkplatz im Gelände zu übernachten, denn am nächsten Tag wollen wir uns die Thermen gönnen. Auch zwei Bier gönnten wir uns nach dieser „Strecke“ über den „Paso Carirrine“. Wir informierten den Chef auch über die zerlegte Brücke, was er der Polizei meldete, damit diese Gefahrenstelle behoben werden konnte.

      Eigentlich wollte ich nicht mehr über die Pisten schreiben oder wie man diese „Verkehrswege“ nennen will. Doch heute haben wir uns in 8 Stunden 100 Km über diesen Pass angetan. Es waren die schlimmsten Kilometer, die wir in Südamerika erlebten. Wir haben durch unsere Höhe und Breite mehr Bäume „beschnitten“ als das ein normaler Waldarbeiter in seinem Leben tut. Die engen Passagen zwischen Felswänden und steilem Abgrund zu einem Bergsee hinab, kann ich genauso wenig fototechnisch belegen, wie die halsbrecherische, kurvige Abfahrten zwischen dicken Urwaldriesen und über ein Lavafeld, denn Marions total nasse Hände hätten keinen Fotoapparat halten können. Krampfhaft hielt sie die Sessellehnen umklammert, sie hatte panische Angst, und ihr sekündliches „pass auf“ wurde nur noch getoppt durch „ganz langsam“, was mich immer dann zu einer Vollbremsung veranlasste, denn dann war die Not am Größten.

      Mit Reduziergetriebe kletterte unser zuverlässiger „Dicker“ über Felsbrocken und in tiefe Querrinnen, so dass bei mir kein ungutes Gefühl aufkam. Natürlich war höchste Konzentration erforderlich, denn ich wollte nicht, dass etwas kaputt ging, so einsam und allein im Urwald. Ein Radwechsel wäre rein vom Platz her nicht möglich gewesen.
      Außer, dass uns mal wieder die Scheinwerfer ausfielen, passierte nichts. Man kann schlicht und einfach sagen, dieser Weg ist normalerweise unpassierbar. Aber das haben uns die Argentinischen Zöllner auf Anfrage nicht gesagt, obwohl es uns verdächtig vorkam, dass zwischen ihnen und den Chilenen 50 Km Urwald lag - eigentlich unpassierbar. Der Chilene meinte, dass die Strecke auf seiner Seite sehr gefährlich sei, aber wir sicher keine Probleme hätten.

      Was dachte der sich eigentlich dabei, denn 50 Meter hinter seinem Posten stand vor einer weiteren Holzbrücke ein Schild, dass diese nur für 6 Tonnen zulässig sei?
      Uns machte das weniger Gedanken, denn 6 Tonnen Brücken hatten wir bereits bis zur Grenze etliche hinter uns gebracht.
      Sogar eine, die mit 3 Tonnen ausgezeichnet war, haben wir problemlos überfahren, nachdem wir sie, nach einer Inspektion, für tauglich erachtet hatten.


      Ein Umkehren kam nie infrage, denn wer wollte auch diese elende Strecke wieder zurückfahren.
      Doch dann gibt es doch noch Fotos, denn Marion hat es bei einigen Brücken vorgezogen, auszusteigen und zu Fuß darüber zu gehen. Dann kam eine kleine, unbedeutende Brücke ohne Gewichtsangabe. 2 Meter lang und harmlos aussehend.
      Wie immer nahm ich auch diese Brücke mit Vollgas, nach mir die Sintflut. Und die kam: Ein lautes Krachen, ein Schlag auf die Hinterachse und der Wagen bekam hinten rechts gefährliche Schlagseite. Doch wir standen auf dem Trockenen.
      Marion lief zurück - die Brücke war eingekracht -kurze Inspektion unseres Autos -was soll schon bei einer belastbaren Hinterachse von 15 Tonnen passieren? Nichts! Und so war es. Marion lief zurück zur Minibrücke.



      Danach fotografierte mich meine Frau auf allen nachfolgenden Brücken vom gegenüberliegenden Ufer. Besonders gründlich haben wir eine lange Brücke, die ein tiefes Tal überspannte, inspiziert, denn das alte verwitterte Schild davon sagte, dass sie nur für 2,0 Tonnen zugelassen wäre. Das bezweifelte ich heftig, nicht nur weil der Weg zurück 100 Km lang war, denn sie sah für mich gut aus. Marion war auch der Meinung, dass sich diese Gewichtsangabe auf eine ältere Version der Brücke beziehen würde. Sie ging voraus und ließ mich allein rüber fahren, denn sie wollte mir Zeichen geben, damit ich mit den Rädern genau auf der Spur fahren konnte. Naja, einer muss wohl überleben, um nach Hilfe zu suchen, was hier wohl lange dauern würde, denn auf der ganzen Strecke und während des ganzen Tages ist uns Niemand begegnet.

      Ich musste Marion versprechen, dass das meine letzte „Abkürzung“ war. Sie hatte die Nase voll von „Off Road“. Dabei hat es sich eher um „Off Piste“ gehandelt, denn von einem Weg kann keine Rede sein. Ich muss es zugeben, dieses Fahren im Reduziergetriebe, das Klettern mit diesem tollen Auto über Stock und Stein, hat riesig Spaß gemacht - natürlich war es Arbeit. Aber wo darf man in Europa solche Strecken fahren?

      Wir machten uns in der Terma „Rio Liquine“ mit den Betreiber bekannt, beantworteten geduldig die üblichen Fragen von woher, wie, weshalb und wohin. Natürlich lehnten wir eine Besichtigung unseres Heims durch Chef und Anhang nicht ab. Man erklärte uns die Gegend, und dass man im Fluss tollen Lachs angeln könnte; doch wir wollten lieber einen kaufen. Hier lernten wir auch Juan und Sonia kennen aus „Vina del Mar“ am Pazifik kennen, die hier Urlaub machten. Sonias Eltern kommen aus Deutschland. Sie luden uns zu sich nach Hause ein.
      Tags drauf erschien die Chefin der Cafeteria mit ca. 1,5 Kg, am Morgen gefange-nem, frischen Lachs und 5 Eier aus ihrem eigenen Hühnerstall. Für die Eier wollte sie nichts und für den Lachs 1.015 Pesos, was etwa 1,25 € sind. Wir gingen danach den ganzen Tag in die heiße Therme, obwohl es während der Nacht und bis zum Nachmittag heftig geregnet hat - es war trotzdem göttlich. Den Nachmittagskaffee mit Kuchen nahmen wir in der Cafeteria ein, und abends ging es nochmals in die Therme. Bei der Chefin der Cafeteria bedankten wir uns mit zwei Malbücher und Malstifte für ihre Enkelkinder.

      Zwischen zwei Gängen in die Therme legte ich mich noch unters Auto, um nachzusehen was den Ausfall der Beleuchtung verursacht hatte. Auf diesen „Wegen“, wo unser Wagen springt wie ein Geißbock, ist ein solcher Ausfall nicht verwunderlich. Die eingebaute Lagerung und Verwindung von LKW zum Aufbau wurde durch Ormocar so perfekt ausgeführt, dass in unserer Kabine nichts kaputt ging; nicht einmal eine Türe ist aufgesprungen. Doch dies ist nur zu erreichen, wenn der Hilfsrahmen der Kabine und der Rahmen des LKWs flexibel verbunden sind. Durch die Sprünge und die Verschränkung durch Querrinnen und Schlaglöcher, hebt sich der Hilfsrahmen immer wieder, wodurch die Elektroleitung der nachträglichen (Vorschrift des Spanischen TÜVs) eingebauten Seitenbeleuchtungen, zwischen diese beiden Rahmen gekommen ist. Das war nun wieder bei der Leitung, die ich repariert und neu verlegt hatte, passiert. Also legte ich sie diesmal etwas weiter von Rahmen weg. Mal sehen, was passiert. Also mea culpa, mea culpa, mea culpa!!! (hoffentlich stimmt die Schreibweise, denn es ist schon lange her, dass ich Messdiener war).


      Tags drauf ging es mit funktionierender Beleuchtung zu den Chilenischen Seen. Unser erster Stopp war in „Panguipulli“ am gleichnamigen See. Am Ende des Parkplatzes zum Strandbad fanden wir einen guten Übernachtungsplatz.

      Dort stand ein Chilenisches Wohnmobil, besetzt mit Großeltern, zwei Töchtern und drei Enkelkinder, die aus „Ciudad Aleman“, einem Nachbarort von „Vina del Mar“ kamen. Da der 69jährige über Nacht am Auto Licht brennen ließ, sprang der Wagen nicht an. Wir überbrückten die Batterien und überglücklich fuhren sie weiter, nach langen Verabschiedungsszenen. Eine Enkeltochter von ihnen besucht die Deutsche Schule in ihrem Heimatstädtchen.