Und hier kommt der zweite Teil des Berichtes. Fotos folgen.
Amsterdam
Vor der Reise hatten wir geglaubt, Amsterdam würde einer der Höhepunkte für uns werden. Nein. Möglicherweise war der Gegensatz zwischen der lieblichen Insel und der quirligen Großstadt einfach zu groß, denn als wir nach drei Tagen Naturbeobachtung plötzlich am Amsterdamer Hauptbahnhof unvermittelt auf die Zivilisation prallten, da wollten wir eigentlich nur wieder weg. Leider änderte auch ein Stadtrundgang nichts an unserem Unwohlsein. Der Schmutz, die üblen Gerüche, überall Baustellen, tausende von Menschen, dazu der Lärm – nach einem Nachmittag hatten wir genug gesehen. Vielleicht tun wir der Stadt damit unrecht, aber da es unser Urlaub war, wollten wir auch über unsere Zeit bestimmen. Ergo sind wir in unser Hotel am Flughafen Schiphol zurückgekehrt und änderten unsere Pläne für die kommenden Tage.
Zandvoort und Kinderdijk
Der Donnerstag versprach wettertechnisch noch nicht optimal für das Fotografieren von Flugzeugen zu werden, also beschlossen wir, uns noch ein wenig Land und Leute anzuschauen. Als erstes fuhren wir nach Zandvoort, einem teilweise sehr hübschen Badeort an der Nordsee. Teilweise hübsch, weil vor allem in den Randbezirken noch viel von der typischen Bebauung mit schmucken Sommerhäuschen zu sehen war. Kennt jemand noch den Begriff „Sommerfrische“? Hier trifft er sicher auf viele Gäste zu. Und da noch keine Hochsaison herrschte, konnte man auch tatsächlich noch den Strand in seiner ganzen Pracht bewundern. Doch, wirklich sehr schön. Weicher, weißer Sand, viele Leute gingen einfach an der frischen Seeluft spazieren. Einzig die hässlichen Häuser unmittelbar vor dem Strand, Sünden aus dem Tourismus-Boom der siebziger Jahre, stören. Bäderarchitektur sieht anders aus. Wir bummelten trotzdem einmal durch den Ort und fuhren dann weiter Richtung Süden, Richtung Rotterdam.
Um diese Metropole haben wir einen großen Bogen gemacht, wir sind ja lernfähig, denn uns zog es in das Windmühlendorf Kinderdijk.
Zauberhaft kann man das nur nennen. Entlang mehrerer Kanäle stehen 19 Windmühlen, die teils ausgebaut und ganzjährig bewohnt sind. Postkarten-Holland sozusagen. Klar, dass diese Attraktion marketingtechnisch voll erschlossen ist. Allerdings muss man Eintritt nur bezahlen, wenn man das Pumpenhaus und eine der Mühlen von innen besichtigen will. Wollten wir nicht, denn während man über die Deiche wandert, erschließt sich einem diese Pracht erst so richtig. Und außerdem waren wir immer noch im Beobachtungsmodus, sodass wir automatisch Haubentaucher, Graugänse und Teichhühner bemerkten. Schwierig ist dort allerdings das Fotografieren. Nicht, weil die Tiere so scheu sind. Ganz im Gegenteil, sie sind noch entspannter, als die Tiere auf Texel, denn hier in Kinderdijk ist Vogel an Menschenmassen gewöhnt. Erklärung: Am Eingang zum Windmühlendorf gibt es Liegeplätze für Flusskreuzfahrtschiffe. Nun reisen mit diesen Schiffen zwar keine zwei- oder viertausend Touristen an, sondern „nur“ ein paar Hundert. Aber wenn zwei Schiffe zur gleichen Zeit ankommen, wird es auf den schmalen Deichen eng. Nun ja, so ist das mit den schönen Plätzen dieser Welt. Wem will man verbieten, sie sich anzuschauen.
Flughafen Schiphol
Wir hatten ein Hotel ganz in der Nähe des Flughafens bezogen und waren dadurch praktisch mittendrin, statt nur dabei. Nein, Fluglärm stört uns nicht.
Mittendrin ist ein gutes Stichwort. Der Flughafen Schiphol weist einige Besonderheiten auf, über die es sich zu reden lohnt. Er wird nicht nur quer jeweils von einer Autobahn und einem gar nicht so schmalen Kanal zerschnitten, sondern direkt auf dem Gelände befindet sich auch der Friedhof der kleinen Gemeinde Haarlemmermer. Aber nicht nur deshalb ist der viertgrößte Flughafen Europas ein beliebtes Ziel bei Plainspottern. Den Foto-Jägern stehen verschiedene, teils sehr gut ausgebaute Beobachtungsplätze zur Verfügung. An fast jeder Landebahn gibt es diese Punkte, man sollte sich schon vorab einen Überblick in einschlägigen Foren im Internet verschaffen, z.B. bei http://www.german-spotter-network.de . Allerdings muss man bedenken, dass rund um den Flughafen nach wie vor reges Bautreiben herrscht. Wohl im Takt der Jahreszeiten entstehen neue Straßen, Brücken, Zu- und Abfahrten usw. Anderes verschwindet dafür. Ein Navi im Auto ist zumindest eine gute Grundausstattung, besser ist zusätzlich eine satellitengestützte Navigation per Smartphone. Aber auch das lässt sich noch optimieren, denn allein schon die Anordnung der sechs (!) Landebahnen mit den dazugehörigen Taxiways ist gigantisch. Aus der Luft sehen die Bahnen wie die letzten Mikadostäbe aus, die vor dem großen Finale auf dem Spieltisch liegen geblieben sind. Fünf dieser Bahnen haben sehr hübsche Namen, wie ich finde. Von Westen nach Osten wie folgt angeordnet: Polderbaan, Zwanenburgbaan und Aalsberderbaan. Dazu in Nord-Südrichtung die Buitenvelderbaan und die Kaagbaan. Die sechste und kleinste Landebahn, ganz im Südosten des Flughafens hat keinen Namen, sie heißt schlicht 04/22.
Während unseres Aufenthaltes spielte sich fast der gesamte Traffic auf den inneren drei Bahnen ab, Zwanenburgbaan, Aalsberder- und Kaagbaan. Die Polderbaan war wegen Baumaßnahmen leider ganz geschlossen, was uns um den Genuss der berühmten Pommes Frites brachte, die es dort an einer eigens für die Spotter errichteten Imbissbude geben soll.
Und wer jetzt glaubt, dass es beim Spotten langweilig wird, der täuscht sich gewaltig. Zu unserem großen Erstaunen wechselten die Start- und Landerichtungen sehr häufig. Manchmal mehrmals innerhalb einer Stunde. Und da die Wege zwischen zwei Spotter-Punkten aufgrund diverser Baustellen, Kanäle und weitläufigen Umfahrungen nicht eben kurz waren, konnte es durchaus passieren, dass man zu einem Stellplatz gefahren kam und soeben bemerkte, dass die Startrichtung sich bereits wieder geändert hatte. Es ist ein bisschen wie bei Hase und Igel.
Und je nachdem, welche der Bahnen das betraf, bedeutete dies Umplanen, denn jedes Mal verändert sich ja auch der Standpunkt für den Fotografen, um DAS Foto zu schießen. Zusätzlich muss der Sonnenstand beachtet werden. Denn wenn die Maschinen morgens z.B. Richtung Norden starten, ist das suboptimal durch das Gegenlicht. Landen sie hingegen morgens aus Richtung Norden und steht vielleicht sogar noch der Morgennebel über den Feldern, über die die Riesen angeschwebt kommen, dann gibt es spektakuläre Aufnahmen. Zumindest die Gelegenheit dazu. Als sehr hilfreich erwies sich eine App „Flightrardar24“, die wir auf einem weiteren Smartphone geöffnet hielten. Mit dieser App lassen sich nicht nur die jeweiligen Landerichtungen sofort erkennen. Man kann die ankommenden Flugzeuge auch schon in etlichen Kilometern Entfernung mit einem Klick identifizieren und weiß somit rechtzeitig, wann eine interessante Maschine kommt. Grundsätzlich kamen die schönsten Flugzeuge in den frühen Vormittags- und späten Nachmittagsstunden.
Trotzdem liegt die Faszination dieses Flughafens vor allem in der Gestaltung seiner Randgebiete. Wo immer möglich, trennt nämlich nur ein Wassergraben den neugierigen Beobachter von den Start- und Landebahnen. Jeder Fotograf weiß, das bedeutet, man bekommt Bilder ohne störenden Zaun. Und nebenbei haben diese Kanäle, Gräben und weite Felder noch einen großen Vorteil. Während mein Mann seine Bilder schoss, konnte ich in aller Ruhe die Tierwelt zwischen Zwanenburgbaan und Kaagbaan beobachten. Graureiher, Haubentaucher, Blässhühner, Rohrweihen, Kaninchen, Nilgänse. Und auch hier ein Fasan! Erst hörten wir ihn nur zwischen dem Dröhnen zweier landender Flugzeuge kurz krähen, aber dann spazierte er ganz entspannt am jenseitigen Ufer des besagten Kanals auf und ab. Ich nehme an, er war noch auf Brautschau.
Ein Wort noch zum Schnellrestaurant „Goldene Möwe“, das sich direkt am Beginn/ Ende der Buitenvelderbaan im Osten des Flughafens befindet. Dies ist ein ausgewiesener Spotterplatz mit schöner Terrasse, Verpflegung und sanitären Einrichtungen, die ja auch gebraucht werden. Allerdings befindet sich die Landebahn blicktechnisch in südlicher Richtung von der Terrasse, sodass man nur am späten Nachmittag bzw. in den Abendstunden dort brauchbare Bilder machen kann. Andererseits gibt es kaum etwas Romantischeres (für einen Spotter), wenn er nach einem langen Tag dort zur Ruhe kommen kann, und bei einem Hackfleischbrötchen das Treiben auf diesem Flughafen bestaunen kann. Das haben wir dann auch getan, denn angesichts fehlender Alternativen an bezahlbarer Gastronomie im nahen Umkreis des Flughafens, zog es uns jeden Abend dorthin.
Erwähnen möchte ich noch die Besucherterrasse im Terminal. Sie ist freizugänglich, entgegen anderer Informationen aus dem Netz, muss man keinen Eintritt bezahlen. Dafür hat man einen guten Blick über die Gates und die Landebahnen. Im unmittelbaren Zugangsbereich befindet sich ein großes Selbstbedienungsrestaurant, wo es allerdings typischerweise nur überteuertes Fastfood gab.
Unser Fazit: Entdecker und Fotografen dürften am Flughafen Schiphol voll auf ihre Kosten kommen. Man muss nur flexibel und sehr mobil sein.
Unterkunft und Verpflegung
Wir hatten uns für drei Nächte im Steigenberger Airport Hotel eingemietet, weil wir über das Internet einen super Sonderpreis in einer Aktion „geschossen“ hatten. Normalerweise ist das Steigenberger nicht unsere Landeskategorie. Aber das Arrangement hatte noch einen weiteren Vorteil: Nutzung der Tiefgarage für lau. Die kostet sonst schlappe 23 Euro pro Tag. Und es gibt nur Tagestickets.
Als wir ankamen, wurden wir noch zusätzlich auf das hoteleigene Frühstück hingewiesen. Eigentlich kostet das 27 (!) Euro pro Person, uns hat man es als Aktion 2=1 angeboten und angesichts der Tatsache, dass es in irgendeinem Café am Flughafen auch nicht viel billiger gekommen wäre, haben wir angenommen. Ergo frühstückten wir dreimal im Kreise vieler Schlipsträger, pardon Tagungsgäste, um uns anschließend tagsüber von kleinen Snacks und Kaffee zu ernähren. Über das Abendbrot habe ich schon berichtet.
Die Zimmer im Steigenberger sind komfortabel, wie man es erwartet und Dank schalldichter Fenster konnten wir auch sehr gut schlafen. Leider gibt es so gut wie keine Zimmer mit Ausblick zum Flughafen, obwohl er gleich nebenan ist. Aber die beiden Bettenhäuser stehen im rechten Winkel zu den Startbahnen, dazwischen befinden sich noch etliche, zum Teil sehr avantgardistische Gebäude eines Gewerbegebietes. Aber die Verkehrsanbindung ist perfekt. Mit dem PKW ist man schnell auf der Umgehungsstraße, die dann auch zur Autobahn führt. Und es gibt ein halbstündiges Shuttle vom Hotel zum Flughafenterminal. Von dort fahren im 7-Minunten-Takt Züge direkt ins Zentrum von Amsterdam, die Fahrt dauert nur fünfzehn Minuten.
Fazit für diese Reise: Wir wollten individuell unterwegs sein und trotzdem größtmöglichen Komfort. Ziel erreicht.