Eidechse auf einer Trockenmauer

Auf dem Apolloweg bei Valwig

Eine fröhliche Farbenpracht begleitet uns flatternd auf einem Apolloweg oberhalb des Moselortes Valwig. So genießen wir nicht nur die Aussicht auf den Fluss, sondern halten auch Ausschau nach dem seltenen Apollofalter, der sich zwischen den vielen Schmetterlingen am Wegesrand verbirgt. Beim Aufstieg zum Valwigerberg passieren wir zudem die Stationen eines Kreuzwegs und genießen auf dem Rückweg die Ruhe zwischen den Rebstöcken einzelner Weinberge.

Weinbergpfirsiche

Weinbergpfirsiche

Der folgende Text stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer „Wanderungen an der Mittelmosel“. Die Angaben können daher veraltet sein.

Vom Parkplatz oder – wer mit dem Wohnmobil anreist – Wohnmobilstellplatz gehen wir hinauf zur Moselweinstraße. Von dort folgen wir dem Fluss in Fließrichtung an der stilvollen Promenade von Valwig entlang bis zum Haus Mosella. Unterwegs stärken wir uns für unsere Wanderung im Alten Winzerhaus Weingut Steuer oder im Hotelrestaurant zum Valwiger Herrenberg.

Ausgangspunkt der Wanderung in Valwig

Ausgangspunkt der Wanderung in Valwig

Valwig gilt als einer der ältesten Moselorte und wurde vermutlich schon von den Kelten und den Römern bewohnt. Erstmalig erwähnt wurde es jedoch erst im 9. Jahrhundert mit dem Namen Falavoia, später auch als Valefayer. Heute besteht Valwig aus zwei Ortsteilen. Neben dem Hauptort, welcher direkt am Ufer der Mosel liegt, lässt sich über eine schmale Straße der Ortsteil Valwigerberg erreichen. Er liegt – wie der Name es bereits ankündigt – oberhalb von Valwig. Beide Ortsteile besitzen eine sehenswerte Kirche. Die St. Martinskirche in Valwig stammt aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und gilt als älteste neoromanische Kirche Deutschlands. Die in Valwigerberg gebaute Wallfahrtskirche St. Maria und Magdalena stammt bereits aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurde von Ritter Johann von Winneburg errichtet.

Die schmale Kreuzstraße wandern wir hinauf bis zur neoromanischen Pfarrkirche und wenden uns nach einer kurzen Besichtigung des Gotteshauses nach rechts. Sofort erkennen wir zu unserer Linken die letzte Station eines Kreuzwegs, der an der Kirche endet und dem wir zunächst in umgekehrter Richtung folgen werden.

Trockenmauer

Trockenmauer

Wandertour oberhalb von Valwig

Doch zuvor sollten wir einen Blick in das benachbarte alte Spritzenhaus (GPS: 50.143447, 7.210335) werfen. Im Inneren erwarten uns neben Informationen, Flyern und Zeitungsausschnitten zum Apolloweg auch historisches Arbeitsgerät der Winzer, wie zum Beispiel Rigolhauen und Weinbergscheren. Ein Hinweisschild verrät uns auch, dass das Spritzenhaus früher als Gefängnis genutzt wurde und obdachlosen Wanderern als Schlafraum diente.

Strohpuppen

Strohpuppen

Übernachten, wie die beiden Strohpuppen im Haus, wollen wir hier nicht, daher machen wir uns auf den weiteren Weg bergauf. Hinter dem Ortsausgangsschild folgen wir der wenig befahrenen Bergstraße. Dabei genießen wir schon die ersten schönen Ausblicke auf die Mosel und auf den malerischen Ort Ernst. Informationsschilder erklären uns den interessanten Steillagenanbau sowie die charakteristischen Trockenmauern, die die Weinberge abgrenzen. Doch nicht nur Wein wächst hier. Denn in einer Serpentine umrunden wir auch einen Baum voller Weinbergpfirsiche.

Mit einem Pfirsich zwischen den Fingern wandern wir jedoch sofort hinter der Kurve rechts auf dem grasigen Weg steil bergauf. Weitere Stationen des Kreuzwegs werden von uns passiert und den Zugang zum Breva-Klettersteig lassen wir an der Seite. Efeu- und moosbewachsene Trockenmauern säumen unseren Weg, während wir hinter einer kleinen Marienkapelle links abbiegen. Unser Weg führt weiter bergauf. Doch vor uns erhebt sich schon die Wallfahrtskirche (GPS: 50.149912, 7.222496) von Valwigerberg. Erbaut wurde sie im 15. Jahrhundert. Schräg gegenüber der Wallfahrtskirche sehen wir noch das historische Pfarrhaus aus dem endenden 18. Jahrhundert.

Apolloweg oberhalb von Valwig

Apolloweg oberhalb von Valwig

Wanderung auf dem Apolloweg

Wir hingegen wenden uns vor dem Gotteshaus jedoch nach links und wandern nach einer Pause im Gasthaus Zucchet auf der abwärts führenden Talstraße hinab, bis rechts ein schmaler Wanderweg abzweigt und in einen Wald hinein führt. Auf dem wurzeligen Weg wandern wir zwischen Hainbuche und Traubeneichen hindurch bis zu einer kleinen Lichtung. Wir folgen dem schmalen Weg und mit etwas Glück sehen wir einen flatternden Apollofalter, nach denen dieser Apolloweg benannt wurde.

Zwischen Ende Mai und Ende August bestehen gute Chancen, den Roten Apollo – kurz auch Apollofalter genannt – zu sehen. Der Schmetterling, der nur eine Lebensdauer von zwei bis drei Wochen hat, ist in vielen europäischen Regionen stark gefährdet oder sogar vom Aussterben bedroht. Der Falter ist nämlich standorttreu und lebt in der Regel in einer isolierten Population. Das bedeutet, dass die Zerstörung eines Gebietes, in dem eine bestimmte Art des Apollofalters lebt, die gesamte Population dieser Unterart vernichtet. Auch hier an der Mosel war der Schmetterling durch den Einsatz von Insektenschutzmitteln im Weinbau stark gefährdet. Seit dem Ende der 1980er-Jahre ist der Einsatz chemischer Mittel stark zurückgegangen, was den Mosel-Apollo wahrscheinlich vor der Ausrottung geschützt hat. Heute wird der weiße Schmetterling mit seinen markant roten Flecken auf den Flügeln durch den hiesigen Apollo-Wanderweg geehrt.

Ausblick auf das Moseltal

Ausblick auf das Moseltal

An mehreren Aussichtspunkten laden uns Sitzbänke zu einer Pause ein, von denen wir den Blick auf das Moseltal genießen können. Unser Weg führt uns immer im Wechsel durch kleine Waldstücke und am Hang entlang. Erst an einer Gabelung entscheiden wir uns für den linken Weg, der von nun an wieder in das Tal hinab verläuft.

Zum Abschluss noch den Apollofalter fotografieren

Auf dem breiten Wanderweg passieren wir eine Schutzhütte und biegen hinter wenigen Stufen an einer T-Kreuzung links ab. Weitere Hinweisschilder erläutern uns die Flora und Fauna der Moselregion, wie z. B. die Zippammer oder die Rotflügelige Ödlandschrecke, die auch immer wieder vor unseren Füßen flieht und so ihre roten Flügel präsentiert.

Ausblick bis Ernst

Ausblick bis Ernst

Mit Blick auf Valwig und Ernst wandern wir sanft hinab und erreichen eine wenig befahrene Asphaltstraße, an der wir links abbiegen. Dass die Straße auch schon in früheren Zeiten ein wichtiger Verkehrsweg für die Winzer war, zeigt uns die alte Viehtränke am Wegesrand, an der die Winzer, die auch herkömmliche Landwirtschaft auf dem Valwigerberg betrieben, ihr Vieh mit Wasser versorgten. Hinter einem Bildstock verlassen wir die Straße wieder nach rechts und nehmen den Abstieg, der zwischen zwei Leitplanken auf der rechten Seite beginnt. Auf einem schmalen Pfad wandern wir durch die Weinlage Schwarzenberg und nähern uns dabei Valwig.

Pfarrkirche in Valwig

Pfarrkirche in Valwig

Am Ende des Pfades, der uns an hoch aufragenden Rebstöcken vorbei führt, steigen wir noch eine Treppe hinab und erkennen plötzlich, dass wir uns am bereits bekannten Ortsausgangsschild befinden. Wir biegen links ab, grüßen noch einmal die beiden Strohpuppen im ehemaligen Gefängnis und halten uns vor der Pfarrkirche nach rechts. Noch einmal wandern wir steil hinab, doch bevor wir die Moselweinstraße und damit unseren Ausgangspunkt erreichen, kehren wir in einem der einladenden Gasthäuser ein.

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