Bug der Queen Mary 2

2019 – Mit der Queen Mary 2 nach Hamburg

Es war soweit: Unser fast zweimonatiger Roadtrip durch die USA und Kanada ging zu Ende. Immerhin stand uns noch ein sehr schönes Trostpflaster bevor. Denn wir würden den Abschluss dieser Reise mal wieder mit einer Transatlantiküberquerung auf der Queen Mary 2 krönen. Da will man sich nicht beschweren.

New York

New York

Anders als bei der Rückreise drei Jahre zuvor würden wir aber nicht in Southampton wieder von Bord gehen, sondern erst in Hamburg. Was das noch für Auswirkungen haben würde, ahnten wir zum Zeitpunkt des Eincheckens in Brooklyn noch nicht. Ach ja, Brooklyn. Da standen wir nun. Natürlich mal wieder viel zu früh. Es ist ja nicht so, dass man von Cunard eine Eincheck-Zeit genannt bekommt. Kann man natürlich ignorieren, muss man halt nur ein wenig länger warten. Aber lieber so als andersherum. Zumal wir ja nicht gerade wenig Gepäck mit uns führten.

Unser Gepäck

Unser Gepäck

Begonnen hatten wir diese Reise mit „nur“ vier Koffern, zwei Rucksäcken und einer Tragetasche. Immerhin waren wir beinahe zwei Monate unterwegs und mit unseren Trekkingschuhen, die wir beispielsweise für die Grand Canyon-Wanderung benötigten, würden wir beim Galaabend auf der Queen Mary 2 ein wenig aus der Rolle fallen. Umgekehrt ist Abendkleidung definitiv nicht angebracht, wenn man am Klondike nach Gold sucht. Insofern kommt da einiges an Gepäck zusammen, von unserem technischen Equipment gar nicht erst zu reden.

Manhattan vom Schiff aus

Manhattan vom Schiff aus

Wir sind mit Gepäck gut versorgt

Aber wenn man sich dann noch in den USA und Kanada mit zahlreichen Kleidungsstücken eindeckt, dann reichen die vier Koffer nicht aus. So erwarben wir aus der Not heraus zwei Tage zuvor noch einen weiteren Koffer im schicken Halloween-Style im Disney Store am Times Square. Und weil wir auch noch viel zu viele Lebensmittel dabei hatten, war die Disney-Tasche, in der sich der Koffer einst befand sehr praktisch.

Statue of Liberty

Statue of Liberty

Wie gesagt: Da standen wir nun. Am Terminal in Brooklyn, mit nunmehr fünf Koffern, zwei Rucksäcken, einer Tragetasche und einer übergroßen Disney-Tüte, aus der noch diverse Pop-Tarts und ähnliche Produkte ragten. Und so wollten wir den legendären Transatlantikliner betreten. Es erinnerte stark an unsere Südamerika-Reise, auf der wir mit zwei Fahrrädern, acht Packtaschen und drei Seesäcken am Busbahnhof von Buenos Aires standen. Anscheinend schleppen wir immer unseren gesamten Hausrat mit. Nur in unserem Wohnmobil haben wir erstaunlicherweise oftmals die Schränke weitgehend leer. Seltsam.

Blick zurück

Blick zurück

Wie auch immer. Irgendwann konnten wir das Terminal betreten, einchecken und im Wartebereich Platz nehmen, bis unsere Nummer aufgerufen wurde. Während unsere Koffer bereits im Bauch des Schiffes verschwunden waren, gingen wir mit unseren Rucksäcken und einer Disneytasche unter dem Arm zur Gangway (ich gebe doch nicht meine Pop-Tarts aus der Hand). Wir freuten uns, endlich wieder an Bord sein zu dürfen. Immer wieder ein erhabener Augenblick. Flugs fuhren wir mit dem Fahrstuhl hinauf zu unserem Deck und betraten unsere Kabine.

Freiheitsstatue

Freiheitsstatue

Frühstück im Kings Court

Dort wartete ein kleines „Welcome“-Schildchen auf uns. Doch Moment. Warum nur Welcome? Bei unseren letzten Reisen mit Cunard wurden wir immer Welcome back geheißen. Hat wohl jemand nicht aufgepasst. Egal. Unsere ersten Schritte führten uns zum Kings Court, wo wir unser Frühstück nachholten. Das Frühstück im Hotel ließen wir am Morgen mal wieder ausfallen, weshalb wir uns zunächst mal verköstigen wollten. Außerdem vertrieben wir die Zeit bis zum Ablegen natürlich damit, von den Außendecks die Aussicht auf Brooklyn und Manhattan zu genießen. Wir versuchten, ein wenig zu ermitteln, wo sich unsere beiden Hotels in Brooklyn befinden. Immerhin standen wir auf Deck 13 und hatten einen tollen Ausblick.

Manhattan

Manhattan

Auch der Blick nach unten war nicht ohne. Dort konnten wir noch ein wenig dem Treiben am Terminal zuschauen. Beim zwischenzeitlichen Gang in Richtung Kabine trafen wir an den Fahrstühlen auf unserem Deck plötzlich unseren Kabinensteward von der Hinfahrt. Während ich mir Gesichter nur schwer bis gar nicht merken kann, freute er sich sofort, uns wieder zu sehen. Das freute uns auch, verunsicherte mich aber. Hatten wir so einen bleibenden Eindruck hinterlassen? Lag es am Trinkgeld? War es zu viel, war es zu wenig? Da wir dieses Mal fünf Kabinen weiter residierten, war er aber nicht mehr für uns zuständig und stellte uns gleich seinem Kollegen vor, der sich in den nächsten Tagen unserer Kabine annehmen würde.

Blick auf New York

Blick auf New York

Wir sind wieder an Bord der Queen Mary 2

Kurze Zeit später sahen wir unsere Koffer auf den Rollwagen der Besatzung. Wir teilten ihnen das mit und erklärten, dass wir unsere Koffer schon nehmen würden. Angesichts unserer Kofferanzahl fühlten wir uns geradezu verpflichtet, dem Bordpersonal die Arbeit abzunehmen. Außerdem waren wir ja sowieso gerade auf dem Weg in die Kabine.

Staten Island Ferry

Staten Island Ferry

Irgendwann am späten Nachmittag war es dann soweit. Wir legten ab und ließen New York, die USA, ganz Nordamerika hinter uns. Die Freiheitsstatue grüßte uns an Steuerbord, während die Sonne nur noch knapp über dem Horizont stand. Ein paar Wolken waren nur am Himmel und der starke Wind der vergangenen Tage war mittlerweile deutlich abgeflaut. Wir hatten ja schon in den Tagen zuvor auf das Wetter geachtet. Die Queen Mary 2 war an der Ostküste Kanadas unterwegs und es war bei dem herrschenden Sturm sicherlich nicht nur ein Vergnügen an Bord. Später erfuhren wir vom Kapitän, dass wir nun dem Sturm hinterher fahren würden. So lange wir ihn nicht überholen. Denn natürlich hofften wir auch dieses Mal wieder auf eine ruhige Überfahrt.

Ausblick vom Schiff auf Brooklyn

Ausblick vom Schiff auf Brooklyn

Abschied von New York

Während der Dämmerung unterquerten wir wie gewohnt mit nur wenigen Metern Abstand die Verrazzano-Narrows-Bridge, auf der wir zwei Tage zuvor noch mit unserem Chevrolet Suburban nach Brooklyn fuhren. Ab hier fühlte es sich endgültig an: Wir waren unterwegs. Im Schein der Abendsonne blickten wir auf Coney Island und verschwanden dann auch so langsam unter Deck. Es wurde Zeit, sich für das Dinner zurecht zu machen.

Blick auf Brookyln

Blick auf Brookyln

Zu unserer Freude wartete an der Kabine Post auf uns. Sie war vom Kapitän. Er gratulierte Moni zu ihrem Geburtstag, den sie ausgerechnet am Tag unseres Einschiffens hatte. Wir witzelten ja schon seit Monaten, dass sie nichts zum Geburtstag bekommen würde. Einerseits stand nämlich die Frage im Raum, wie viele Koffer wir denn noch mitschleppen sollten und andererseits konnte man es auch so sehen: Ihr Geschenk bestand aus einer Transatlantikfahrt mit der Queen Mary 2. Surprise! Okay, eine Überraschung war es nicht wirklich.

Wir legen wieder ab

Wir legen wieder ab

Witzigerweise war dies mittlerweile schon ihr zweiter Geburtstag, den sie auf hoher See feierte. 12 Geburtstage zuvor waren wir auf dem Frachtschiff Repubblica Argentina zwischen Brasilien, Senegal und Hamburg unterwegs. Damals bekam sie vom Küchenchef höchstpersönlich eine komplette Torte. Das ist eben der Unterschied zwischen 2500 und zwei Passagieren an Bord.

Schornstein unter der Brücke

Schornstein unter der Brücke

Und wir sammeln wieder Sticker und Stempel

Während wir uns für das Abendessen vorbereiteten, studierten wir natürlich auch schon das Programmangebot für den kommenden Tag. Zunächst einmal war alles wichtig, was mit einem kleinen Stempel markiert war. Diese Stempel konnte man nämlich sammeln und am Ende der Reise gegen kleine Andenken eintauschen. Auf der Hinfahrt bekamen wir immerhin einen Cunard-Wecker, den wir nebenbei erwähnt, sieben Wochen lang durch Nordamerika transportierten, um ihn jetzt wieder an Bord zu bringen.

Das Schiff passt gerade so eben

Das Schiff passt gerade so eben

Gesammelt werden diese Stempel unter anderem bei diversen Deck-Spielen, die da heißen: Hooplah Tournament, Deck Quoits, Tischtennis und vor allen Dingen Shuffleboard. Ich hatte es, glaube ich, schon einige Male erwähnt: Ich liebe Shuffleboard. Das ist für mich der Inbegriff einer Transatlantiküberquerung.

Verrazzano-Brücke

Verrazzano-Brücke

Aber neben dem Sammeln der Stempel durch Erfolge bei diesen kleinen Turnieren haben die Deckspiele auch noch einen weiteren Vorteil: Man lernt nette Menschen kennen. Die Anzahl der Personen ist bisher auf allen Reisen immer überschaubar gewesen und lag bei knapp 20 Gleichgesinnten. Aber diese 20 trifft man halt auch immer wieder woanders an Bord, man grüßt sich, man smalltalkt ein wenig und man verbringt eben auch eine gemeinsame Zeit mit ein wenig Spaß an der Sache.

Unterquerung der Verrazzanobrücke

Unterquerung der Verrazzanobrücke

Volles Programm auf der Queen Mary 2

Für die nächsten Tage auf See galt, dass wir wieder sehr viel Spaß an Bord hatten. Das Essen war wie gewohnt gut, die Überfahrt war extrem ruhig und das Angebot natürlich absolut vielseitig. Wir unternahmen sehr viel und das von frühmorgens bis zum späten Abend. Moni verließ als erste die Kabine, weil sie morgens zur Messe ging. Anschließend trafen wir uns in der Regel im Kings Court zum Frühstück.

Freiheitsstatue

Freiheitsstatue

Jeder von uns hatte aber bis dahin schon mehrere Runden auf dem Walkathon gemacht. Das ist der Rundweg auf dem Außendeck von Deck 7. Nach dem meist umfangreichen Frühstück begaben wir uns zu den erwähnten Deckspielen, umrundeten weitere Mal das Schiff auf dem Außendeck und spulten täglich das am Vorabend ausgesuchte Programm ab.

Die Atlantiküberfahrt beginnt

Die Atlantiküberfahrt beginnt

Bei dem vollen Programm und der ständigen Bewegung kam es dann auch schon mal zu kuriosen Situationen. Während Moni an einem Morgen in der Messe war, stand ich Schlange um zwei Tickets für die nachmittägliche Vorstellung im Planetarium abzuholen. Als wir dann am Nachmittag so gemütlich in den Liegestühlen des Illuminations lagen und nach oben in die Kuppel des Planetariums blickten, passierte es von ganz alleine: Die sanfte Stimme des Sprechers, der dunkle Nachthimmel, die gemütliche Position, der volle Bauch und die viele Bewegung der vergangenen Tage führten dazu, dass wir sanft einschlummerten. Aber nur kurz, ehrlich. Die Vorstellung dauerte ja nur eine knappe halbe Stunde. Danach ging es dann mit dem gewohnten Alltagsstress weiter. Auf zum nächsten Programmpunkt.

New York

New York

Stress an Bord des Schiffs

Eine andere kuriose Situation war der Schatzsuche geschuldet. Diese kannten wir auch schon von der Hinreise und dieses Mal fingen wir es geschickter an. Bei der Schnitzeljagd erhält man um 12.30 Uhr in der Grand Lobby einen Zettel mit neun Detailaufnahmen aus dem Inneren des Schiffs. Nun hat man 24 Stunden Zeit, diese Details zu suchen und sich als Beweis für die Entdeckung mit ihnen zu fotografieren.

Queen Mary 2

Queen Mary 2

Aber 12.30 Uhr ist gleichzeitig die Zeit, in der wir für gewöhnlich beim Lunch im Britannia-Restaurant sitzen. Doch was soll’s. Man kann ja zwischen Vorspeise und Hauptgericht kurz mal nach draußen zur Grand Lobby und den Auftragszettel für die Schatzsuche abholen. In weniger als drei Minuten saß ich wieder am Tisch. Keine große Sache, aber was man nicht alles planen und organisieren muss auf so einer Reise.

Letzter Blick nach New York

Letzter Blick nach New York

Die Abende endeten dann mit Galaabenden oder gewöhnlichen Veranstaltungen im Queens Room. Wir huschten natürlich auch zum Golden Lion, einem britischen Pub, um dort beim Karaoke zu lauschen. Nachdem wir nun schon einige Tage unterwegs waren, hatten wir mittlerweile einige Stempel und Sticker gesammelt. Besonders Moni hatte dieses Mal ein glückliches Händchen und machte ein wenig Furore in der kleinen Deckspiele-Gruppe.

Grand Lobby

Grand Lobby

So kam, was kommen musste: Eines Abends schlenderten wir nach dem Dinner nichtsahnend vom Queens Room zum Golden Lion, betraten den Pub und wurden plötzlich stürmisch begrüßt. Ein Großteil der britischen Mitspieler feierte dort zusammen mit dem Crew-Mitglied, das die Deckspiele organisierte. Ein großes Hallo gab es, Fotos wurden gemacht, Hüte hat man sich gegenseitig auf den Kopf gesetzt und irgendeiner aus der Gruppe stellte uns plötzlich einem uns unbekannten deutschen Pärchen vor. Die schauten genauso verwirrt wie wir. Es machte irgendwie den Eindruck, als wolle man dem Pärchen sagen: „Seht her, das sind die Deutschen, die ständig bei uns mitspielen und gewinnen.“ Kurz gesagt, die Stimmung war ausgesprochen gut.

Deck 7

Deck 7

Es waren viele Deutsche an Bord

Apropos Deutsche. Wir waren natürlich nicht alleine an Bord. Doch so wenige wie auf der Hinfahrt waren es dieses Mal nicht. Als wir von Southampton nach New York fuhren, war es bloß eine Hand voll deutscher Reisender. Jetzt waren es aber fast 500, also rund ein Fünftel der Passagiere. Das war für uns ein wenig wie ein kleiner Kulturschock. Immerhin waren wir in den letzten acht Wochen keine deutschen Stimmen gewohnt. Und plötzlich hörte man immer wieder deutschsprachige Sätze von irgendwoher. Meistens fielen dann die Sprachfetzen auf, aus denen eine gewisse Nörgelei herauszuhören war.

Abendstimmung an Bord

Abendstimmung an Bord

So nahmen wir zum Beispiel erneut an der deutschsprachigen Küchenführung teil. Auf der Hinfahrt waren wir keine 30 Leute, die durch die Küche gehen durften. Da hatte der deutsche Chefkoch auch schon mal Zeit, sich mit uns zu befassen und erklärte einige Abläufe in der Küche und beantwortete geduldig Fragen aus der Gruppe. Bei fast 500 Passagieren geht das nun mal nicht. Zugegeben, es war weniger eine Küchenführung als ein Küchenbesuch, bei dem man einmal durchlaufen konnte. Doch damit war doch zu rechnen, wenn so viele Leute anstehen, um eine Bordküche im laufenden Betrieb zu besichtigen. Schade, dass manche Mitmenschen das dann mit Nörgelei und schlechter Laune quittieren.

Schiffsposition

Schiffsposition

Ankunft in Southampton

Ganz besonders spannend wurde es dann aber ab Southampton. Die Transatlantiküberquerung war beendet und es folgte die Weiterfahrt nach Hamburg. Die deutschsprachige Hostess kündigte uns schon am Vorabend an, dass ein Großteil der britischen und amerikanischen Passagiere ausschiffen würde und nun knapp 1.000 weitere deutsche Passagiere an Bord kämen. Wir genossen den Tag in Southampton ausschließlich an Bord.

Schiffsdaten

Schiffsdaten

Southampton besuchten wir ja vor einigen Jahren mit dem Wohnmobil. In Southampton hatten wir einen Landgang auf unserer ersten Transatlantikreise. In Southampton gingen wir von Bord unserer zweiten Transatlantikreise. Im Jahr zuvor mieteten wir in Southampton einen Wagen, als wir mit der Queen Elizabeth auf unserer Islandreise einen Landgang in Southampton hatten. Und in Southampton übernachteten wir erst zwei Monate zuvor, um eben diese gesamte Reise anzutreten. Mit dem Besuch von Southampton konnte uns also keiner locken.

Souffle mit Vanillesauce

Souffle mit Vanillesauce

Daher blieben wir an Bord und beobachteten wie die einen von und die anderen an Bord gingen. Außerdem verabschiedeten wir uns gedanklich von den Vögeln, die die Abfahrt in New York verschlafen hatten und die gesamte Überfahrt an Deck verbrachten. Jetzt sind sie in ihrer neuen Heimat Großbritannien.

Souffle

Souffle

Es dauerte nicht sehr lange, bis wir bemerkten, dass die Atmosphäre an Bord eine andere wurde. Auf einer Transatlantikreise geht alles sehr gediegen zu. Man kennt sich, man grüßt sich, man ist zusammen in einem Boot. Es wirkt alles genauso wie man es sich auf den traditionellen Schiffsreisen zwischen den Kontinenten vorstellt. Es ist britisch. Es hat Stil. Doch dann kamen Passagiere an Bord, die das extrem günstige Angebot einer Schnupperreise in Anspruch nahmen. Für sie ging es mit dem Flieger nach England, um dann zwei Nächte bis Hamburg an Bord zu verbringen.

Eggs Benedict

Eggs Benedict

Die Eleganz verflog auf der Schnuppertour

Mit den neuen Passagieren war die Gediegenheit verschwunden. Es gab keinen Stil mehr. Ganz ehrlich? Es wurde nur noch laut gegröhlt. Eine kleine Gruppe neuer Passagiere setzte sich ins Kings Court und stellte zunächst einmal alle Tische und Stühle um. Eine Sache, die wir zuvor noch nie erlebt hatten und die sich sonst an Bord auch keiner gewagt hätte. Aus dieser Gruppe hörte man dann so Rufe wie: „Nä, Meike. Datt is‘ schon watt anderes als ’ne AIDA, odda?“ Woanders riefen sich Kinder durch das gesamte Restaurant von der Steuerbordseite zur Backbordseite etwas zu. Andere standen auf dem Außendeck von Deck 7 und führten eine lautstarke Unterhaltung mit Passagieren auf den Balkonen von Deck 10. Und als im Kings Court kleine Windbeutel angeboten wurden, waren diese in Windeseile verschwunden. Was geschah hier eigentlich?

Buffet-Restaurant

Buffet-Restaurant

Moni hatte ziemlich schnell einen guten Vergleich parat. Sie hatte auf der Transatlantikfahrt (mal wieder) das Gefühl, alle Passagiere würden sich im Notfall gegenseitig unterstützen und helfen. Auf dieser eineinhalbtägigen Fahrt von Southampton nach Hamburg wäre sich jeder der Nächste. Und ja, das stimmt. Diese Einschätzung teilte nicht nur ich, sondern auch ein sehr sympathisches deutsches Pärchen, das ebenfalls die Transatlantikfahrt mitgemacht hatte und das wir bei den Deckspielen kennen lernten (Viele Grüße nach Bonn). Mit diesem Pärchen standen wir bei einem netten Gespräch im Untergeschoss der Grand Lobby und tauschten unsere Erfahrungen über die neue Kultur an Bord aus. Während dieses Gesprächs hörten wir zwei oder drei Mal, wie ein Deck über uns die Glocke geschlagen wurde.

Vögel sind mit an Bord

Vögel sind mit an Bord

Das Verhalten einiger neuer Passagiere ließ zu wünschen übrig

Diese Glocke stammt von der alten Queen Mary und wird stets zur Mittagsansage des Kapitäns von einem Crewmitglied acht Mal geschlagen. Niemand, wirklich niemand der Passagiere, hatte in den ganzen Tagen der Überfahrt die frei zugängliche Glocke geschlagen. Und nun hörten wir sie mehrmals, in gerade mal einer halben Stunde. Kurzum: Es wurde geschrieen, geschlagen und sich unkultiviert verhalten. Ein ähnliches Verhalten hatten wir ja im Jahr zuvor schon erlebt, als wir mit der Queen Elizabeth in Southampton waren und ebenfalls ein Großteil der Passagiere für einen Kurzausflug nach Rotterdam und zurück wechselte.

Seekarte

Seekarte

Wir ließen uns die Laune natürlich nicht verderben. Wie könnten wir? Wir waren immer noch an Bord der Queen Mary 2. Aber es war jetzt eben einfach anders. Mir taten diese Leute eigentlich nur leid, weil sie den wahren Geist einer Fahrt mit diesem eleganten Schiff nicht erlebten. Aber wie auch, wenn die Eleganz in Southampton von Bord getrieben wurde?

Die Reise geht zu Ende

Am letzten Nachmittag lösten wir natürlich auch noch unser Stempelheft mit den 16 Stempeln und Stickern ein und erfreuten uns der Andenken von Cunard, die wir zum Abschluss natürlich auch noch in unsere Koffer verstauen mussten. Außerdem schauten wir bei der Versteigerung der Seekarte zu. Hier war ich ein wenig enttäuscht, weil nur 150 Dollar geboten wurden. Hätten wir das gewusst, hätten wir mit geboten, denn der Erlös kommt einem guten Zweck zu Gute.

Wir verabschiedeten uns auch schon einmal von all denjenigen, die uns diese Reise zu einem Vergnügen machten. Von einem Teil der britischen Passagiere mussten wir das ja schon am Abend vor Southampton machen. Aber diese freuten sich umso mehr, als wir plötzlich zum Abschied vor ihnen standen. Wir wussten ja, dass auch sie ihre gesammelten Sticker einlösen würden.

Unsere Erfolge beim Spielen

Unsere Erfolge beim Spielen

Am Sonntagmorgen verabschiedeten wir uns dann auch wieder von der Queen Mary 2. Es war sehr schade, dass diese Reise zu Ende ging. Wehmütig stiegen wir in Hamburg in ein Taxi, ließen uns zum Autovermieter bringen und düsten mit einem Leihwagen nach Nordkirchen, wo wir schon von einigen Gästen unseres Wohnmobilstellplatzes erwartet wurden.

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