Felsenmeer von oben

Felsenmeer im Odenwald

Das Felsenmeer im Odenwald – na ja, so ganz überzeugen konnte es mich nicht. Obwohl es eigentlich schön anzusehen ist. Aber es gab da doch ein paar Punkte, die ich nicht ganz so optimal empfunden habe.

Es begann eigentlich schon mit dem Parkplatz. Im Normalfall war er ausreichend groß, für Pkws. Wir kamen jedoch mit einem Wohnmobil, als wir gerade vom Saarland in den Odenwald unterwegs waren. Noch nicht einmal mit einem großen Wohnmobil, sondern nur mit einem Kastenwagen. Sich in eine der engen Parklücken zu quetschen war ein Ding der Unmöglichkeit. Das würde aber nicht viel ausmachen, denn immerhin gibt es noch einen Ausweichparkplatz. Da war noch genug Platz und man hätte sich auch mit einem größeren Wohnmobil dort problemlos hinstellen können.

Beginn vom Felsenmeer

Beginn vom Felsenmeer

Dummerweise war die Zufahrt zu diesem Ausweichparkplatz mit einem rot-weißen Poller versehen. Kleine Pkw kamen gerade so eben dran vorbei. Ob sie es überhaupt durften, vermag ich nicht zu beurteilen. Doch größere Fahrzeuge konnten diesen Poller nicht umschiffen. Also nützte der Ausweichparkplatz überhaupt nichts. So schielt man dann auf den Busparkplatz. Aber der Busparkplatz ist eben für Busse gedacht. Da kneift mich so ein wenig das schlechte Gewissen. Denn wenn in zehn Minuten zwei oder drei Reisebusse kommen sollten, dann wäre das ziemlich blöd für die Fahrer.

Keine Parkmöglichkeit für Wohnmobile

Andererseits stand auf dem Busparkplatz ein großer Lastwagen mit Hühnern. Ich habe keine Ahnung, was der da verkauft hat, aber vermutlich Produkte vom Bauernhof, einschließlich echter Hühner. Also stellten wir uns aus Platzmangel auf den Busparkplatz. Kaum standen wir, kam auch schon der nächste Kastenwagen und gesellte sich zu uns. So ist das nämlich, wenn einer erstmal anfängt…

Felsen im Felsenmeer

Felsen im Felsenmeer

Da manche Leute einen Kastenwagen schon als Bus bezeichnen, habe ich mich entschlossen, wenigstens das teurere Parkticket zu ziehen. 3 Euro würde es für Pkw kosten. Fünf Euro kostete es uns, weil ich ein Ticket für Busse gezogen habe. Zwei der drei gesichteten Parkscheinautomaten waren übrigens defekt. Anhand der Optik der Beschilderung schien dieser Defekt schon länger anzudauern. Kann mir egal sein, macht aber irgendwie auch keinen guten Grund.

Als nächstes las ich, dass man den Parkplatz nur tagsüber nutzen dürfte. Wir hatten zwar eh nicht vor, hier zu übernachten. Aber es ist immer wieder schade, dass es mancherorts nicht erlaubt ist, mit dem Wohnmobil über Nacht zu bleiben. Es hat sich offensichtlich immer noch nicht überall herumgesprochen, dass Wohnmobilfahrer bereit sind, für einen ordentlichen Übernachtungsplatz einen kleinen Obolus zu leisten. Na, dann halt nicht.

Felsenmeer von oben

Felsenmeer von oben

Biederer Eindruck am Besucherzentrum

Als wir das Besucherzentrum betraten, schauten uns ganz viele Augen an. Die meisten von ihnen waren nicht echt und steckten in ausgestopften Leichen. Anders gesagt: Zahlreiche ausgestopfte Tiere schienen eine ausgesprochene Jagdleidenschaft zu beweisen. Zahlreiche Vögel und sogar harmlose Eichhörnchen wurden hier ausgestellt und erinnerten mich an alte Wirtshäuser im Stil der 1960er-Jahre. Sorry, aber meiner Meinung nach ist das nicht mehr zeitgemäß. Aber es passte in das Bild einer Sehenswürdigkeit, an der alles etwas bieder herüberkommt. Hunde sind im Informationszentrum nicht erlaubt und die Benutzung der Toiletten kostet 50 Cent. Aus anderen Besucherzentren bin ich da zum Glück ganz anderes gewohnt.

Viele Besucher zwischen den Felsen

Viele Besucher zwischen den Felsen

Gleich hinter dem Besucherzentrum beginnt auch schon der Aufstieg zum Felsenmeer.
Vorab: Das Felsenmeer ist wirklich interessant und auch nett anzusehen. In Norwegen hat man diesen oder einen ähnlichen Anblick zwar an jeder Ecke, aber hier war es dann doch noch etwas Besonderes. Deshalb ist es ja auch als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Schade nur, dass damit dann nicht so umgegangen wird. Gefühlte 98% aller Besucher, und davon waren es ja verdammt viele, nahmen nicht den normalen Wanderweg, der sich im Zickzack nach oben schlängelt, sondern kletterten über sämtliche Felsen nach oben.

Hier klettert niemand

Hier klettert niemand

Mit einem Gejaule und Geschrei fielen die Menschen über die Steinblöcke im Felsenmeer her und sorgten dafür, dass man als Beobachter des Geschehens den Eindruck bekam, man würde eher auf einen Spielplatz blicken. Dabei waren es nicht nur Kinder, die naturgemäß johlend über die Steine kletterten. Auch viele Erwachsene benahmen sich so, als würde es etwas zu gewinnen geben, wenn man laut über die Felsen klettert und möglichst als Erster oben ist.

Kein Platz für die Natur im Felsenmeer

Gut, jetzt bin ich vermutlich eine Art Spielverderber. Denn es sind ja nur Steine. Leblose, alte Felsbrocken. Keine Ahnung, ob in den Hohlräumen zwischen den Felsen Kleintiere leben könnten. Vielleicht. Fest steht aber, dass auch diese Steine eine Lebensgrundlage sein könnten. Denn in einem anderen Bereich des Waldes sahen wir ein deutlich kleineres Felsenmeer. Ganz ohne Besucher, denn die waren ja auf dem Hauptteil unterwegs. Dieses kleinere Felsenmeer lag da ganz idyllisch unter Bäumen und war für die Touristen völlig uninteressant. Denn in diesem Bereich konnte man nicht bis ganz nach oben klettern. So kam es, dass hier die Natur sich frei entfalten konnte.

Normaler Wanderweg durch den Wald

Normaler Wanderweg durch den Wald

Kurz gesagt: Die Felsen hatten eine wunderschöne Moosschicht, sahen dadurch deutlich schöner aus und wurden vermutlich zu einer Heimstätte für Insekten und andere kleinere Tiere. Die Felsen im eigentlichen Felsenmeer hatten keine Chance, Moos anzusetzen. Alle paar Minuten kommt ein Mensch und klettert mit seinen Sneakers über die Steine, klammert sich an den nächsten Felsen und zieht sich nach oben – und wie gesagt: Mit einer Lautstärke, als sei man im Freibad.

Schade. Ein andächtiger Umgang mit der Natur ist hier nicht zu erwarten. Dieses Naturschutzgebiet ist fest in der Hand der Fun-Gesellschaft.

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