Üblicherweise besteht eine Kirche aus einem Kirchenschiff und einem Glockenturm. In manchen Fällen, kann der Glockenturm etwas abseits stehen. Darüber hinaus gibt es auch Rundkirchen, Stabkirchen und Basiliken mit mehreren Längsschiffen. Wenn ein Kirchenschiff über Seitenschiffe verfügt, wird dort, wo sich der Grundriss der Schiffe kreuzt, von Vierung gesprochen. In manchen Fällen erhebt sich über der Vierung dann auch noch der Turm, weshalb man vom Vierungsturm spricht. Im Mittelalter wurde beim Kirchenbau zudem noch darauf geachtet, dass das Gotteshaus geostet ist, also der Altar in Richtung Osten steht – dort, wo die Sonne aufgeht.

Hinweis: Der Inhalt dieses Blog-Artikels stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer mit dem Titel „111 Orte im Thüringer Wald die man gesehen haben muss„.
In Ruhla ist indes alles anders. Bei der evangelischen St. Concordia-Kirche handelt es sich um eine Winkelkirche, bei der zwei Kirchenschiffe in einem 90°-Grad-Winkel aufeinanderstoßen. Winkelkirchen sind zwar ungewöhnlich, doch die eine oder andere kann man in Deutschland finden. Dazu gehören zum Beispiel die evangelische Kirche im niedersächsischen Elsfleth oder das Gotteshaus in Boxberg bei Tauberbischofsheim. Diese Kirchen wurden allerdings erst durch einen späteren Um- beziehungsweise Anbau zu einer Winkelkirche.
Kirche einmal anders
In Ruhla wurde aber schon beim Bau der St. Concordia-Kirche darauf geachtet, dass zwei Kirchenschiffe entstehen. Die Form der Kirche wurde sowohl vom verfügbaren Gelände als auch von den Bürgern des Ortes vorgegeben. Der damalige Baumeister ließ vor der Errichtung des Gotteshauses sämtliche Mitglieder der Gemeinde so aufstellen, wie sie später in den beiden Kirchenschiffen sitzen würden. Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Kirche 1662 fertiggestellt und geweiht. Lediglich die Stadtkirche von Freudenstadt wurde aus ähnlichen Gründen als winkelförmiges Sakralgebäude errichtet. Dort war der Marktplatz zu klein für die klassische Variante.

Der Altar einer Kirche dieses Typs befindet sich immer im Winkel, sodass er von allen Kirchenbesuchern gesehen werden kann. Zumindest in dieser Hinsicht sind alle Winkelkirchen gleich.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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