Beiträge von WasserWombat

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    Willkommen zurück, Du hast uns stimmungsvolle Bilder mitgebracht. Eine tolle Reise. Danke fürs Mitnehmen. :rose:

    Hallo Broomcruiser. Ich werde in nächster Zeit in diesem Thread noch etwas mehr dazu posten. Ich hoffe der etwas ausführlichere Bericht stört hier keinen. Muss man ja nicht alles lesen...

    Ein neuer Tag, neue Brücken. Bei Wrenbury taucht die erste "lift bridge" auf. Diese werden fast immer manuell hydraulisch über eine "Windlass" (Kurbel) bedient. Eine Ausnahme steht in Wrenbury. Diese Brücke ist elektrisch samt Ampeln und manuell zu schließende Gates/Schranken. Für solche Zwecke hat jedes Boot einen Schlüssel für die Freischaltung. Nach einem kleinen Stau auf dem Wasser folgt ein kleiner Stau auf der Straße.



    Die Autos müssen dann eben mal warten...



    Schnellschulung zum Brückenwärter/Brückentroll


    Bald danach quetschen wir uns zwischen Schilf und "Workboat" an einer Baustelle vorbei. Vor wenigen Wochen war hier der Kanal über das Ufer getreten. Während die Uferbefestigung repariert wurde war die Passage hier zunächst gesperrt, dann später zeitlich eng reglementiert. Das haben wir glücklicherweise verpaßt. Ein Bruch des Kanales wie z.B. 2018 im nahen Middlewich konnte hier noch abgewendet werden.



    Da passt man durch? Ja das geht, aber das Boot schrabt letztlich doch am Workboat vorbei, da es vom Schilf etwas rübergedrückt wurde.


    Das nächste interessante "Feature" wartet auf uns in Form eines dreifachen Staircase Locks in Grindley Brook. Es gibt wieder Infotafeln die die erforderliche Füllreihenfolge der Schleusenbecken erläutern. Wir sind froh, denn einer der wartenden erfahrenen Boater hilft mit (wirklich) hilfreichen Tipps. Der Llangollen Kanal ist einer der touristisch beliebtesten Kanäle in England. Daher hätte ich besonders im Sommer und gerade hier mit Wartezeiten gerechnet. Wir sind aber bereits nach ca. 10 Minuten "dran" sobald ein Boot stromabwärts die Schleuse passiert hat. Ein Café nahebei sorgt für Schaulustige und Eisnachschub.



    Grindley Brook mit drei "kommunizierenden" Schleusenbecken. Solange auch die Schleusenbediener und Skipper miteinander kommunizieren wird alles gut...


    Es naht der Ort Whitchurch. Hier wollen wir mal wieder einen Supermarkt entern und auch in einem Kanalseitenarm übernachten. Das läuft zunächst folgendermaßen. 1. Am Kanalarm vorbeifahren (weil: Kurve ist zu eng), 2. 200m später an einem "Winding Hole" wenden. 3. In den Kanalarm einfahren und nach Liegeplätzen schauen. 4. Im Arm wieder an einem "Winding Hole" wenden, 5. Anlegen, Fertig!



    Mooring im Whitchurch Kanalarm.


    Der Weg zum Supermarkt dient auch wieder dem örtlichen Sightseeing. Man kann hier für ca. 1,5km, der ehemaligen, - aktuell zugeschütteten - Fortsetzung des Kanales folgen und erspart sich so unnötige Steigungen. Wer den historischen Stadtkern allerdings sehen will der muss dennoch auf den Hügel. So ein Supermarktbesuch in England birgt auch einen gewissen Unterhaltungswert. Zudem können die Kinder ihre Präferenzen besser durchsetzen. (Im Urlaub haben wir nur wenige kilo Erdnussbutter verbraucht. Es gibt da diese 750g Pötte...)


    • Winding Hole:
      Das Boot ist 18m lang, der Kanal so 3-10m breit. Das paßt nicht und wenn mal doch, dann ist er an einer Seite vermutlich zu flach. Dafür gibt es alle paar Meilen Winding Holes. Das "Wind" spricht sich wie in "Windlass" (Kurbel) oder die Luftbewegung "Wind". Idealerweise wendet man vor Publikum (Gongoozler) damit die auch mal was zu lachen haben. Denn da die meisten Boote ohne Bugstrahlruder fahren (wer braucht schon sowas), ist das etwas anspruchsvoller. Auf Grund laufen, verkeilen, hektisches kommunizieren und schieben von Helfern an Bug und Heck. Das ist gerne mal dabei.

    Am Folgetag ging es dann über die Hurleston Locks in den Llangollen Canal. Es handelt sich dabei um 4 Schleusen in kurzer Folge. Man spricht dann von einem sogenannten "Flight". Diese Schleusen werden von Freiwilligen beaufsichtigt, da die unterste Schleuse etwas baufällig und schmal geworden ist. Dieses Jahr blieben wohl bereits 2 Boote stecken. Eines war so "doof" und hatte wohl seine Fender draußen gelassen.


    Der Hurleston Flight

    • Love no Fender
      Leih-Plastikboote sind ja üblicherweise mit Fendern nur so garniert. Bei Narrowboats sind die seitlichen Fender dagegen deutlich kleiner und dienen nur dem Komfort, wenn ein Boot z.B. zwecks Übernachtung anlegt. Sie vermeiden dann Lärm duch Kontakt von Stahl auf Stahl oder Beton wenn im Boot oder Wasser Bewegung ist. Während der Fahrt, insbesondere in Schleusen sind die seitlichen Fender aber zu verstauen. Zusätzlich gibt es einen Fender (meist geknüpft) vorne. Der schont die Schleusentore bei Kontakt. Der hintere Fender kann ggf. das Ruder vor Schaden bewahren. Das Ruder ist das Teil was auf so einem Narrowboat am ehesten Schaden erleiden kann. Alles andere ist robust. Auch auf Grund laufen ist komplett ok, da der Boden flach ist und die Schraube hinten leicht oberhalb des Bodens und damit passabel geschützt.



    Gleich nach den Locks machen wir noch einen Abstecher. Über die Felder und diverse Übertritte geht es zu Snugburys. Blaue Farbflecke an Zaunpfählen weisen uns unauffällig den Weg. Das Wetter ist nach Eis und hier gibt es reichlich Sorten.



    1. Nur noch wenige 100m über die Felder und wir sind da..., 2. Bitte entscheiden Sie sich....


    Der Llangollen Kanal zeigt nun seinen ländlichen Charme. Es zeigen sich die "Rolling Hills" mit vielen Feldern und Knicks mit vereinzelten alten großen Bäumen. Das ist das Vorbild das in vielen Englischen Parks versucht wurde nachzuempfinden (z.B. der "Jenisch Park" in Hamburg). Auch Tiere sind unübersehbar, natürlich Enten samt Nachwuchs, Gänse, Schwäne, Fischreiher gelegentlich Greifvögel und seltener blitzt auch mal ein Eisvogel durchs Bild. Wir "mooren" abends mittendrin. Es wird wieder gefuttert, für die Enten gibt es auch etwas Porridge.


    Unser 2. Mooringplatz.



    Abendliche Aussicht aus dem Kombüsenfenster.


    • Mooring
      Anlegen darf man mit dem Boot prinzipiell überall am Treidelpfad, wo es nicht anderweitig verboten ist. Für diesen Zweck gibt es einerseits Haken oder Ketten, falls die Uferbefestigung z.B. aus Leitplanken oder ähnlichem besteht. Ansonsten gibt es "Mooring Pins". Das sind große Heringe/Nägel die mit einem Fäustling in den Boden gekloppt werden. Manchmal ist das Ufer etwas uneben oder der Grund zu flach um mit dem Boot bis an die Uferbefestigung heranzukommen. Dafür gibt es dann die "Gangplank". Es gibt auch ausgewiesene "Visitor Moorings" dort liegen natürlich eher mehr Boote. Dafür stimmt dort die Wassertiefe und das Festmachen ist dank Ringen oder Leitplanken recht bequem. Im Laufe des Urlaubs haben sich folgende Wunschkriterien für Mooringplätze bei uns herauskristallisiert: - Schöne Gegend, ggf. Aussicht, - keine bzw. nur wenige Boote in direkter Nähe, - Mobilempfang (geht aber auch mal ohne), - kein Lärm (Straßen), - Porridge-Empfänger in der Nähe (Enten, Gänse etc.), - Brücke zum drauf sitzen und abchillen in der Nähe, - kein Gestank (Gülle auf Feldern oder Bauernhof/Misthaufen nahebei), - keine bzw. wenig Mücken oder Pferdebremsen. Da sucht man manchmal schon etwas bis alles zusammenpaßt. ;)


      Die Boote sind recht autark. Der 450l Frischwassertank sollte bei fünf Verbrauchern aber häufiger aufgefüllt werden. Dazu gibt es Wasserhähne an verschiedenen Punkten des Kanals. Einmal die Woche sind die Klotanks an einer Marina/Wharf abzupumpen. Die Batterien werden durch die Maschine aufgeladen. Fährt man einen Tag mal nicht, sollte aber der Diesel ein paar Stunden im Stand laufen. (Mietboote haben nur seltenst Solarzellen) Gas und Sprit reicht mindestens 2 Wochen.

    Hallo, ich bin dann mal wieder zurück! Ich denke, hier ist die richtige Stelle um einen Reisebericht zu unser (Eltern + 3 Kinder) diesjährigen Kanalreise durch England und Wales abzuliefern. Tut mir leid wegen des vielen Textes, es werden mehrere Posts. Ggf. einfach nur die Bilder anschauen. :)


    Also...
    die Tour startete in England auf dem Shropshire Union Canal und lief dann über den Llangollen Canal nach Wales. Auf dem Rückweg gab es noch - wieder auf dem Shroppie - einen Abstecher in Richtung Chester. Wir wollten die Reise eher gemächlich in 2 Wochen erledigen. Damit wäre z.B. vom Vermieter aus auch die "4 Counties" Ringtour möglich gewesen oder ggf. sogar der "Chesire Ring".


    Mit gerade mal 6 Booten und 3 Mitarbeitern war unser Vermieter Chas Hardern einer der kleineren Vermieter. Dafür ist er ein kleines bisschen günstiger als die "Großen" und erhielt dennoch recht gute Bewertungen. Im Laufe der Tour wurde ich übrigens von Boatern oder Fußgängern häufiger (im positiven Sinne) auf Chas angesprochen.



    Beeston Castle Wharf, die Heimat von Chas Hardern Boats.


    Der Buchungsvorgang war dann auch eher persönlicher per e-mail und telefonisch. Dass zumindest einer der Reisenden Englisch spricht und versteht ist daher von Vorteil.


    Anreise und Parken mit Kfz ist natürlich möglich, wir kamen per Flugzeug nach Manchester und erledigten die letzten Meilen dann per Taxi.


    Die Übernahme des Bootes "Snowmane" war denkbar einfach. Da wir ja kein eigenes Kfz hatten wurde eine Mitreisende :) für die erste Ladung Nahrungsmittel zum nächsten Supermarkt gekarrt. Der Rest brachte das Gepäck unter und erhielt nach minimalem Papierkram zunächst eine Einweisung in die grundsätzliche Bedienung des Bootes (Schalter für Pumpen/Elektro, Gasherd, Notschalter/Absperrhähne, Feuerlöscher, Toiletten, starten, tägliche Minimalwartung). Als wir dann wieder komplett waren gab es von "George" noch eine Einweisungstour auf dem Kanal. Ein "Winding Hole" (Kanalverbreiterung die den langen Booten ein Wendemanöver erlaubt) war gleich nahebei und auch eine erste Schleuse ist direkt beim Vermieter. Dort erhielten auch die Kinder ihre Einweisung in die Bedienung (die Teenies kommen mit Englisch schon gut klar) nebst Feinheiten der "Wide Locks". Alle Fragen waren nun geklärt und los ging es.



    Die "Snowmane"...
    ist mit 60 Fuß (18,3m) Länge schon im oberen Segment. Aber die 5 Personen müssen auf 2,2m Breite ja auch unterkommen. Dieses Boot war sicher nicht die Superluxusklasse aber alles was man brauchte war vorhanden und funktionierte. 4 Betten waren fest vorhanden. Hinzu konnte man die "Sitzecke" in ein Doppelbett umbauen. Die Küche glänzte mit Stauraum, Arbeitsplatten einen Gasherd mit 4 Flammen, Grill (z.B. zum Brot toasten) und Ofen,auch ein Spülplatz, ein Kühlschrank und eine Mikrowelle (eher ihh bäh wegen des Stromverbrauches) waren vorhanden. Die Kitchenette/Bodum für den Kaffee musste ich anfordern (wichtig!). Außerdem gab es an Bord 2 Mini-Bäder mit je Klo+Waschbecken, eines auch mit Dusche. Mehrere 220V (Britischer Stecker) Steckdosen, ein TV und eine dieselbetriebene Standheizung (mit Heizkörpern für alle Räume + Warmwasser). Dazu noch ein paar Klappstühle. Wichtig ist noch anzumerken, dass man sich nur an sehr wenigen Stellen an Bord aneinander vorbeiquetschen kann. Es ist also oft rangieren angesagt. Die Kinder sind deshalb auch häufiger "außenrum" über das Dach oder den Treidelpfad "Towpath" gegangen.



    Die Snowmane, hier in Trevor.


    Ernährung...
    geht in so einem Urlaub auf mindestens zweierlei Art: Entweder man hangelt sich von Pub zu Pub von denen mehrere direkt am Wasser oder in der Nähe liegen. Sie sind natürlich in den einschlägigen Kanal Guides verzeichnet. Man legt dort z.B. abends an, isst+trinkt und morgens geht es weiter. Viele machen das wie die Bootsanzahl rund um die Pubs zeigt. Oder man macht es wir wir, man kocht häufig selbst in der Kombüse. Unsere Esser waren zum Großteil eher vegetarisch/vegan. Das funktioniert zwar in den Pubs oft auch überraschend gut aber so waren die Optionen etwas besser, die Kosten etwas geringer und der abendliche Liegeplatz konnte frei bestimmt werden. Der Nachteil ist, dass wir häufiger die Supermärkte ansteuern müssen und die liegen hier selten in direkter Kanalnähe.


    Tja, und da unsere Kinder wie Heuschrecken futtern haben wir als erstes Ziel das Örtchen Nantwich auserkoren. Bis dahin führte uns die Strecke durch diverse - in diesem Fall - breite Schleusen/Locks. Die "Bunbury Locks" waren ein kleiner Sonderfall. Es handelt sich hier um ein sogenanntes "Starcase Lock" bei dem die Schleusenbecken direkt ineinander übergehen. Da sich die Schleusenbecken auch gegenseitig befüllen gilt es ein paar Regeln zu beachten. Glücklicherweise helfen hier freiwillige aber "offizielle" Helfer = "Volunteers" beim Logikrätsel. Da es sich um eine breite Schleuse handelt ist hier sogar Begegnungsverkehr möglich. Bis zu drei Narrowboats normaler Länge können bei ausgeglichenen Becken umeinander herum kurven.



    Zwei Boote rauf, ein Boot herunter. In Bunbury wird gerade fröhlich rangiert.



    Wenn gerade kein Volunteer greifbar ist muss man diese Anleitung dann auch verstehen. Bei Dreifachstufenlocks kommt wohl als Punkt 8. dann noch "Don't Panic!" hinzu.


    Kanalstimmung...
    kommt schon bald auf. Und die ist fast immer höflich und freundlich. Eigentlich alle Boater grüßen sich gegenseitig und auch die Personen auf dem Towpath werden einbezogen. Es wird gerne Smalltalk betrieben (ja, das Wetter, nein, nicht Brexit) oder Tipps für Pubs etc. weitergegeben. Später sagte uns einer der vielen Continuous cruiser, dass er so gerne auf dem Kanal lebe, gerade weil dies eine Zone/Reservat der Freundlichkeit ist und weil hier über die Jahrzehnte die Zeit quasi stehengeblieben sei. Die erste Bewährungsprobe gibt es vor Nantwich. In einer engen Kurve taucht Gegenverkehr auf. Ich stoppe zunächst und will dann die Snowmane nach Steuerbord drehen um Platz zu machen. Das Pferdchen will aber nicht und der Gegenverkehr wartet in diesem Falle mal nicht. Es gibt ein kräftiges "Kablonk" und ich bekomme ein fröhliches "Don't worry! It's a contact sport." zugerufen. Im weiteren Verlauf waren meine Gegenüber übrigens rücksichtsvoller. Die Boote sind stabil, echte Schäden eher selten. Das sehen wohl auch die Versicherungen so. Die war bei uns im Preis inklusive bei einer Selbstbeteiligung von maximal 100 Pfund.


    Die Innenstadt Nantwichs ist recht hübsch historisch und einen großen Supermarkt hats auch für uns. Allerdings muss man schon ein Stück gehen. Der Kanal läuft durch Nantwich auf einer Art Damm in ca. 10m Höhe. Hier gab es auch das erste Kanalbauwerk. Ein kleines Aquädukt hilft dem Kanalwasser (und den Booten) über die Straße.



    1: Eine hübsche (und laute) Kirche in Nantwich, 2. Das Aquäduct, 3. Der höher gelegene Kanal. Hier mit einem fahrenden Kunsthändler/Maler.



    Unser erster Übernachtungsplatz mit leicht städtischem Charakter. Man beachte die Mooring Pins.

    Die Anbindung ist natürlich höchst unterschiedlich. Traditionell meiden die Kanäle weder Städte noch Verkehrsachsen. Ich habe gerade mal auf der aktuellen "CRT" Seite nachgeschaut ( https://canalrivertrust.org.uk…ting-canoeing-or-kayaking ). Es braucht für Flüsse und Kanäle eine Lizenz, welche für Kajaks so bei 15-30 Pfund liegt (1 Pfund ca. = 1,10-1,20 Euro).


    Bezüglich konkreter Tips zu Kajaktouren bin ich aber echt überfragt.
    Für Kurzstrecken bin ich beim Googlen über das hier gestolpert.
    http://www.riverspublishing.co.uk/pub-paddles/


    Bei Kreisfahrten ist man evtl. auch mal flexibler als die Kanalboote da man auch z.B. kleinere Flüsse einbeziehen kann.


    Fahrrad geht bei Kanälen eigentlich immer parallel auf dem Treidelpfad. Bus & Bahn gibt es natürlich auch.

    Hallo, danke für die Rückmeldungen. :)


    Viele Paddler waren auf dieser Strecke zwar nicht zugegen, aber natürlich ist fast die gesamte Strecke für Kajaks, etc. geeignet und wird meines Wissens auch gerne benutzt. Die weitgehende Abwesenheit von gewerblichem Verkehr und die (eher selten erreichte) Höchstgeschwindigkeit von 4 Meilen pro Stunde sollte da eher förderlich sein.


    Es gibt natürlich hier und da ein paar Ecken die ich umschiffen würde. Lange Tunnel z.B. wären m.E. nicht zu empfehlen, da ist das Risiko übersehen zu werden einfach recht groß. Schleusen kann man entweder umtragen oder ggf. auch mal das/die Kajaks vom Ufer her durchziehen (am Seil).


    Strömung gibt es auf den Kanälen selbst eher nicht. Der in Michaels Eingangspost gezeigte Llangollen stellt da eine Ausnahme dar.


    Bei den Urlaubsfotos ist auch ein "Beweisbild" dabei. Es zeigt eine "Geisterfahrerin" ;) Denn auf Englands Kanälen gilt Rechtsverkehr.

    Hallo, ich habe mitsamt Familie 2017 einen Urlaub in England mit einem Narrowboat gemacht und in wenigen Wochen machen wir unseren zweiten Urlaub in gleicher Art. Das Thema an sich finde ich auch spannend, so daß ich sogar eine Simulator App / Programm für Narrowboats verfasst habe. Hier mal meine Sicht:


    Das Boot: Ein Stahlrumpf ist z.B. für Leihboote im internationalen Vergleich ungewöhnlich. In anderen Ländern werden meist Plastikboote vermietet. In seiner Form ist der Rumpf vergleichbar mit traditionellen englischen Kanalbooten. Nur die Aufbauten weichen aus Komfortgründen ab. Allerdings haben fast alle Boote eine maximale Höhe, Breite (ca. 2,2m) und Länge (maximal ca. 70 Fuß) um durch die Schleusen, unter Brücken und durch die Tunnel zu passen. Das Cockpit is fast immer offen und gesteuert wird mit einer Pinne (Engl.: Tiller).


    Historisch-Technisch: Tunnel? Genau, die über 2000 Meilen an Kanälen in (hauptsächlich) England und Wales weisen zahlreiche historische Bauwerke auf. Das sind einige Tunnel (ein- und mehrspurig bis ca. 3km Länge) sowie kleine und große Aquädukte ("Trogbrücken") und natürlich Schleusen, Dreh- und Hebebrücken sowie insgesamt 2 Schiffshebewerke. Auf z.B. dieser "offiziellen" Seite findet sich weiter unten eine Karte des Kanalnetzwerkes: https://canalrivertrust.org.uk…network/grand-union-canal


    Selber machen: Das ist das Stichwort. Und das fand ich besonders spannend. Fast alles auf den Kanälen macht man selbst. Und da es meist "historische" Gerätschaften sind, ist das durchaus sportlich. Es gibt eine relativ kurze Einweisung vom Vermieter. Da lernt man u.a. das Schiff zu bedienen und zu steuern (der Stahlrumpf hält was aus) und bedient in der Regel auch mindestens eine Schleuse zusammen. Dann geht es los und man darf "Paddles" auf- und zukurbeln, Schleusentore aufwuchten, Drehbrücken herumschieben und derweil Smalltalk mit anderen Kanalfahrern üben. Eigenverwantwortung wird großgeschrieben, Geländer sind die Ausnahme. Damit die Arbeit nicht überhand nimmt, würde ich empfehlen mindestens zu zweit zu fahren. Je mehr Hände desto besser. Die Boote haben verschiedene Längen/Kapazitäten bis zu 12 Personen.


    Schleusenwärter gibt es zuweilen nur an den Flüssen (z.B. Themse) und z.B. in London. Auf den Kanälen helfen aber an den komplizierteren Schleusen "Freiwillige" (Volunteers). Gewerblicher Verkehr findet auf den Kanälen fast gar nicht statt.



    Komfort: Gibt es durchaus. Natürlich sind die Boote etwas schmal aber neben den Betten (teils ist bei Vollbelegung ein Esstisch umzubauen) gibt es die Kombüse mit Gasherd, Spüle, Kühlschrank sowie ein bis zwei "Bäder", Warmwasser, Heizung und mindestens eine Dusche. Die Verstaumöglichkeiten sind mannigfaltig verteilt, daher ist eine knautschbare Tasche besser als ein sperriger Hartschalenkoffer. Viele Boote sind nicht unbedingt topmodern gestyled aber das teils "plüschige" Design macht es auch aus.



    Essen kann man selber kochen oder in einen der zahlreichen taktisch günstig am Kanal gelegenen Pubs einkehren bei durchaus abwechslungsreicher oft Englischer und/oder Indischer Küche plus Ale oder Cider.



    Ausflüge: Ausflugsziele sollte man sich m.E. nicht zu viele/weit entfernte vornehmen. Die Fahrt an sich steht in der Regel im Mittelpunkt und verläuft meist ziemlich entspannend. Neben dem Versamlungsort an der Pinne (Heck) gibt es meist noch einen schönen stillen Rückzugsort am Bug. Und da das Schiff sowieso nur Schrittgeschwindigkeit fährt (max. 4mph) kann man auch parallel auf dem grundsätzlich vorhandenen Treidelpfad laufen. Ein Park, ein Schloss/Burgruine, ein kleines Museum, ein Städtchen oder ein Wanderweg in Kanalnähe wären typische Ziele.



    Tierwelt: Rund um den Kanal gibt es meist viel Natur, durchaus auch in den Städten (mit Ausnahmen natürlich). Regelmäßige Kandidaten sind Graureiher, Schwäne, Enten und Moor- und Bleßhühner samt Nachwuchs. Schwäne und Enten lassen sich sehr gerne auch mal mit Gemüseresten oder Haferflocken füttern. Wer genauer hinschaut hat meist auch gute Chancen einen Eisvogel zu sehen.



    Strecken: Die typischen "Hireboats" lassen sich von 3 Tagen bis zu mehreren Wochen mieten. Bis zu 7 Tagen Mietdauer läuft es meist auf eine Strecke mit Hin- und Rückweg hinaus. Möglichkeiten bei Stationen des selben Vermieters am anderen Ort ein Boot abzugeben sind aktuell sehr selten. Ab 10 Tagen kann man ohne Streß auch Ringstrecken (z.B. "4 Counties") befahren. Das heißt man fährt unter Einbeziehung des umfangreichen Kanalnetzes quasi im Kreis. "Narrowboats" können aufgrund ihrer Länge nicht überall wenden. Es gibt i.d.R. alle paar Meilen Verbreiterungen "Winding Holes", die das erlauben.



    Konkrete Strecken will ich hier noch nicht empfehlen. Es gibt eben abgelegenere bzw. auch städtische, historische, eindrucksvolle oder auch sportlich anspruchsvolle (30 Schleusen am Stück) Strecken. Ggf. kann man sich auch mal bei Youtube mit konkreten Kanalnamen umsehen. Es gibt viele Vlogger auf den Kanälen....



    Anlegen: Kann man prinzipiell fast überall am Treidelpfad. Es sei denn, es ist schlicht zu voll (z.B. in London) oder die Plätze sind für andere Zwecke ("Dauerparker", Festivals, Wendepunkte etc.) reserviert oder das Ufer ist ungeeignet oder eine laute Straße/Bahnstrecke ist einem zu nah dran, u.s.w.. Liegegebühren fallen nur in seltenen Ausnahmefällen an.



    Dennoch bleiben genug Liegeplätze - teils mit schöner Aussicht - über. Aussicht? Ja, denn die Kanäle folgen meist den Höhenlinien um Schleusen zu vermeiden. Das heißt, auf der einen Kanalseite geht es hinauf und an der andere Seite meist hinab und damit auch mal eine schöne Sicht über hügelige Wiesen (wenn kein Baum im Weg steht). Viele der Kanäle sind daher gewunden und auch gerne mal von kleinen Brücken überspannt. Das führt dazu, das es hinter jeder Biegung/Brücke etwas neues zu sehen gibt. Meist nicht spektakulär, aber kurzweilig.



    Kosten/Vermieter: Es gibt einige 100 Vermieter für Narrowboats in England. Urteilen kann ich nur über unseren letzten Vermieter. Das war "Wyvern Shipping" auf dem Grand Union Canal (nicht fern von Milton Keynes gelegen). https://www.canalholidays.co.uk/home
    Bei diesem Vermieter war alles bestens organisiert. Es gab auch Empfehlungen für Transfers vom zum Flughafen / Einkaufen / Unterkünfte und z.B. genaue Stücklisten für die Bordausstattung. Das Boot war tiptop in Ordnung und die Einweisung war entspannt aber auch ausführlich und verständlich. (Englisch sollte einer aus der Mannschaft aber schon verstehen und radebrechen können.) Bei Wyvern Shipping war der Preis "all-inklusive". D.h. es fielen keine Extrakosten für Diesel, Versicherung o.ä. an. Andere Vermieter berechnen dies einzeln. Für manche Flüsse (z.B. Themse) bzw. selten auch mal für "spezielle" Kanäle fallen Zusatzgebühren an. Die Gebühren für das "Hauptnetzwerk" des CRT sind aber i.d.R. im Mietpreis enthalten.



    Viele Vermieter haben kostenlose Parkplätze auf dem Gelände, wenn man per Kfz anreist. Wer per Flug/Bahn kommt bekommt meist ausführliche Transfertips. Deutsche gelten dann als "Overseas Customers" und bekommen z.B. oft die Bettwäsche ohne Aufpreis gestellt.



    Welcher Vermieter es werden soll, richtet sich meist grob nach dem konkreten Reiseziel und welche Kombination von Terminen / Bootsgrößen / Ausstattung und Preisen am besten paßt.



    Leute: Die Stimmung auf den Kanälen ist fast immer freundlich bis herzlich. Gedrängel und Hektik wird vermieden. (Auf dem sehr beliebten Llangollen Kanal ist es im Sommer aber schon mal voller.) Nette Gespräche finden sich schonmal an der Schleuse auf dem Treidelpfad ("Towpath") oder im Pub. Winken und Grüßen ist voll angesagt, sowohl zu anderen "Narrowboatern" als auch (insbesondere jüngeren) Zuschauern an Land.



    Kinder: Die Kinder sind sowohl als Arbeitskräfte eingespannt, haben aber auch Zeit, sich bei Bedarf in das Boot oder an den Bug zurückzuziehen. Mal während der Fahrt mit Pokemon Go "Eier ausbrüten", einen Geocache am Wegesrand finden, einen Schwanenkonvoi filmen, mit Walkie-Talkie im Tunnel als Auskuck im Bug, im "Flight" von Schleuse zu Schleuse rennen, ein "Ich, cool am Schleusentor" instagrammen. Ab 10 spätestens 12 Jahren sollten sie eigentlich alles hinbekommen (evtl mit vereinter Muskelkraft). Darunter braucht es wohl die Begleitung von Eltern oder großen Geschwistern.



    Offizielles: Die Kanalboote können ohne spezielle Lizenz von Personen ab 18 (ggf. siehe Mietbedingungen) auf dem Kanalnetz und vielen Flüssen gefahren werden. Kinder unter 18 dürfen die Boote auch führen es muß aber ein Erwachsener direkt dabei sitzen. Alkohol an der Pinne sollte nicht passieren. Es gibt auf den Kanälen allerdings keine "Wasserschutzpolizei" oder ähnliches. Im Problemfall kümmert sich die "Police". Schwimmwesten werden gestellt. Eine Pflicht sie zu tragen besteht auf den üblichen Strecken nicht. Die Boote halten einiges aus, daher sind Schäden bei verantwortungsvollem Gebrauch eher die Ausnahme. Auch eine Schramme an einem fremdem Stahlrumpf ist meist kein Problem ("it's a contact sport" wurde mir schon entgegengerufen). Dennoch ist natürlich Vorsicht und Rücksicht geboten. Insbesondere an Schleusen.


    Abschließend noch ein paar Fotos: (ich hoffe das klappt)
    (Boote beim Vermieter)
    Schleusenarbeit mit Publikum:

    Tunnel:


    Blick von einem Kleinem Aquädukt:


    Drehbrücke + Schleuse + Pub:


    Tierwelt:


    Natur:


    Kids als "Schleuser":


    WasserWombat an der Pinne (auerhauerha, na wenn das man gut geht...):