Beiträge von Schimmelrieder

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    Biikebrennen in Nordfriesland
    21. Februar


    Biiki fan Söl, helig ual Jöl,
    flami ap, skiin aur üüs Lön,
    sa üs dü altert heest dön.


    Biike von Sylt, heiliges Feuer,
    Flamme auf, scheine über unser Land,
    so wie du es seit alters getan.


    Am 21. Februar ist es wieder soweit, und zwischen der Eidermündung und der dänischen Grenze werden entlang der nordfriesischen Küste und auf den vorgelagerten Inseln die Biike-Feuer entzündet und treiben den Winter aus. „Maak di Biiki ön!“ heißt es dann auf Friesisch. Zum Biike (dt.: Feuerzeichen) gehören ‘Brandreden’, die meist von den Bürgermeistern der Gemeinden gehalten werden, mitunter auf Friesisch, hier und da auf Plattdeutsch und manchmal auf Hochdeutsch. Der obige Spruch stammt aus einer Brandrede im Sylter Friesisch.



    Die mitunter vertretene Meinung, die Feuer gingen auf ein Abschiedsfest für friesische Walfänger zurück, weist Prof. Thomas Steensen vom Nordfriisk Instituut in Bredstedt als ‘baren Unsinn’ zurück. Eher gebe es gemeinsame Ursprünge mit Fastnachtsbräuchen anderer Regionen. Sucht man heidnische Ursprünge, wie sie zum Beispiel auch der obige Spruch nahelegt, so findet man im keltischen Jahr das Imbolc-Fest, mit dem am 1. Februar der Jahresmorgen (Frühling) beginnt. Imbolc bedeutet wörtlich etwa Schafsmilch, es ist der Zeitpunkt, von dem an die Mutterschafe Milch produzieren.


    Im Jahr 2014 wurde das Biikebrennen in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen UNESCO-Kommission aufgenommen. Die obigen Fotos habe ich vor drei Jahren an der Hafenausfahrt in Tönning aufgenommen, wo man auch in diesem Jahr die ‘Lange Nacht der Biike’ mit einem Grünkohlessen im Multimar-Wattforum ausklingen lassen kann.


    Für alle, die an diesem Tag an der schleswig-holsteinischen Westküste unterwegs sind und an einem Biikebrennen teilnehmen wollen, habe ich hier eine Zusammenstellung der Orte, an denen ein Biike-Feuer angezündet wird:



    Einen schönen Gruß
    Jürgen

    Landschaft, Literatur und Poesie


    Februar 2019



    Ein neuer Monat, und ein neues Kalenderblatt. Ich glaube, zu ‘der Poesie’ muss ich nichts schreiben, das Lied wurde von Otis Redding nur wenige Tage vor seinem Tod aufgenommen und posthum veröffentlicht zu einem Klassiker. Das Foto stammt von der irischen Westküste und zeigt einen Anleger auf der Renvyle-Halbinsel etwa gegenüber der Einfahrt in den einzigen Fjord Irlands, den Killary Harbour. Oben links am Horizont über der Kaimauer sieht man, aber nur wenn man’s weiß, in der Ferne mit dem Croagh Patrick den ‘heiligen Berg’ Irlands.


    Und damit wünsche ich allen hier einen
    guten Start in den neuen Monat
    Jürgen

    Sonnenaufgang über der Eidermündung



    Morning has broken like the first morning,
    Blackbird has spoken like the first bird.
    Praise for the singing, praise for the morning,
    Praise for them springing
    fresh from the world.


    Eleanor Farjeon



    Tönning, Deichstraße, 3. Januar:


    — Leefster, der Himmel ist klar, und die Sonne geht gleich auf.
    Ich öffne müde die Augen. Mien Deern steht am Fenster und schaut hinaus.
    — Ja und?
    — Sonnenaufgangfotos!
    — Jetzt?
    — Wann denn sonst? Wenn wir bis zum Sommer warten, müssen wir dazu um fünf in der Früh aufstehen!


    Gegen das Argument ist nicht anzukommen. Also raus aus dem Bett, rein in die Klamotten und über den Deich hinunter zum großen Strom. Es sind ja nur ein paar hundert Meter. Das Ergebnis waren die nun folgenden Aufnahmen:



    8:49 Uhr



    8:56 Uhr



    8:57 Uhr · · ·· · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · · 9:00 Uhr


    Und auch ich wünsche euch allen einen schönen guten Morgen
    Jürgen

    ... und vielleicht gibst du mir als Ruhrgebietler recht - dass Xanten und Wesel verwaltungstechnisch zum Ruhrgebiet gezählt werden.

    Hallo Michael —


    ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, nicht die geringste, und wusste bislang überhaupt nicht, dass es ein Ruhrgebiet auch verwaltungstechnisch gibt :) . Ich bin vielleicht emotional zu sehr dem Hohen Norden Deutschlands zugetan. Und so wäre ich so wie du nie auf die Idee gekommen, Xanten dem Ruhrgebiet zuzuordnen.


    Schöne Grüße
    Jürgen

    Ich schätze, dass ich deswegen Nordirland einfach zu UK zähle

    Hallo Michael —


    das ist ja richtig, Nordirland gehört zu UK (United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland), aber halt nicht zu Great Britain.


    Denn dieses UK wurde ja deshalb konstruiert, um etwas zu schaffen, was sowohl Großbritannien als auch ursprünglich ganz Irland und seit 1921 dann nur noch Nordirland umfasst. Diese “Klammer” wäre, wenn Nordirland Teil Großbritanniens wäre, unnötig, und der Begriff UK würde dann keinen Sinn mehr machen.


    Ich hoffe, du und auch die anderen sind mir nicht böse ob dieser “Spitzfindigkeit”, aber ich denke schon, dass das nicht unwichtig ist.


    Ich wünsche allen hier einen wunderschönen Tag
    Jürgen


    ----------------------------
    Nachtrag: Nur mal so am Rande, es gab da vor längerer Zeit mal eine Whisk(e)y-Ausstellung in London. Da wurden die schottischen Whiskys unter “britische” geführt und die nordirischen Whiskeys (man beachte die unterschiedliche Schreibweise) unter “irische”.

    weil damit eine britische Crew/Reederei vor einer britischen Stadt warnt.

    Moin Michael —


    das mag jetzt vielleicht ein bisschen kleinkarriert klingen, doch Belfast ist keine britische Stadt — auch für die britische Regierung nicht. Das Problem hier in Deutschland (oft auch in der deutschen Presse) ist, dass das "Vereinigte Königreich", wie man abgekürzt immer sagt, als Synonym für Großbritannien aufgefasst wird. Das ist es es aber nicht, denn offiziell heißt es seit 1921:


    United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland,


    also “Vereinigtes Königreich von Großbritannien und Nordirland”. Dieser Begriff wäre völlig unsinnig, wenn Nordirland Teil Großbritanniens wäre. Vor 1921 hieß es Jahrhunderte lang “United Kingdom of Great Britain and Ireland”. Irland und Nordirland mag man zu den Britischen Inseln zählen, da widerspricht keiner, aber keines von beiden gehörte je zu dem politischen Gebilde Großbritannien, das behaupten selbst die unionistischen Parteien Nordirlands nicht.


    Tschüüs und einen schönen Gruß
    Jürgen

    Mein Mann hatte da jetzt kürzlich auch Bedenken angemeldet, ob man nicht unsere Jungfernreise nach Irland vorsichtshalber auf nächstes Jahr verschieben sollte bis man klarer sieht wer, was, wo ,wie gehandelt wird.

    Moin Broomcruiser —


    wenn man bei der Anreise nach Irland mit dem eigenen Fahrzeug dem Brexit ganz entgehen will, gibt es da auch zwei Fähren von Frankreich direkt nach Irland, womit man die Durchquerung Großbritanniens meidet: Einmal von Cherbourg nach Dublin und einmal von Roscoff nach Cork. Da ändert sich dann gar nichts, auch keine Einreisebestimmungen. Vermutlich ist das jedoch wegen der recht langen Passage nicht gerade preiswert.


    Einen schönen Gruß
    Jürgen

    ... was Irland angeht, hoffe ich, dass es nicht zu Unruhen kommen wird. Obwohl die IRA ja schonden "Aufstand" probt. ...

    Hallo Gorbi —


    mit dem Begriff “IRA” muss man etwas vorsichtig sein. Die IRA, die bis zum Ende der 1990er Jahre für die Gewalt von republikanischer Seite in Irland verantwortlich zeichnete, hat sich nach dem sogenannten Karfreitagsabkommen von internationalen Beobachtern kontrolliert entwaffnet und existiert nicht mehr. Seither haben sich allerdings immer mal wieder dissidente Splittergruppen gebildet und den Begriff "IRA" in ihrem Namen verwendet, so z.B. als Real IRA, Continuity IRA oder jetzt am letzten Wochenende New IRA. Mit der IRA aus dem letzten Jahrhundert hat das aber nichts zu tun.


    Die Sinn Féin, die hinter dieser “alten IRA” stand, ist seither eine rein politische und mittlerweile von zwei Frauen geführte Partei geworden, zur stärksten politischen Partei auf republikanischer Seite in Nordirland, und hat den Vorfall vom letzten Wochenende, den diese sich New IRA nennende Gruppe für sich reklamiert, mit allem Nachdruck verurteilt.


    Einen schönen Gruß
    Jürgen

    Moin Volker —


    wir waren vor drei Jahren einmal in Südengland, das war noch vor der Brexit-Abstimmung, so dass alles, was ich nun sage, “Glaubenssache” ist. An Stimmung gegen Touristen, egal woher, glaube ich in keiner Weise. Ganz im Gegenteil, Ich bin überzeugt, dass man auf der britischen Insel eher die Sorge hat, dass weniger Touristen kommen. Und sollte man nach einem Brexit einen Reisepass brauchen, wäre das auch kein Problem. Das Einzige, was meiner Meinung nach nervig werden könnte, wären Staus bei der Einreise mit einem eigenen Fahrzeug aufgrund intensiverer Zollkontrollen. Aber auch, als das Königreich noch in der EU war, wollte man in Dover bei uns in den Kofferraum schauen.


    Was Irland betrifft, sehe ich überhaupt kein Problem, abgehen davon, dass bei einer Anreise mit eigenem Fahrzeug über Großbritannien zweimal eine EU-Grenze überschritten wird und es dabei zu längeren Wartenzeiten bei der Abfertigung kommen kann. Das Problem für Frau May liegt ja darin, dass nicht nur (wie es die Bezeichnung ‘Brexit’ nahelegt) Großbritannien aus der EU austritt, sondern das ‘United Kingdom of Great Britan and Northen Ireland’. In dem ganzen Streit, der Frau May in die Bedrouille gebracht hat, geht es ja in erster Linie darum, wie man die offene Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland trotz eines Brexits erhalten kann, denn Grenzkontrollen will im Grunde keiner, auch niemand im Vereinigten Königreich. Dazu habe ich ja schon oft in meinen Irlandnachrichten etwas geschrieben.


    Soweit meine persönliche Einschätzung
    Tschüüs und alles Gute
    Jürgen

    Einen schönen guten Nachmittag —


    ich habe gerade in der Kategorie "Europa" einen Beitrag zu Irland geschrieben, wollte ihn mit dem Label Irland kennzeichnen und habe keines gefunden. Ist es vielleicht möglich, dass ein solches bei Gelegenheit in die Auswahlliste eingefügt wird? Das wäre wirklich prima!


    Tschüus und alles Gute
    Jürgen

    Wanderunfall in Irland


    Erfahrungen mit dem irischen Gesundheitssystem



    Moin tosamen —


    da es nicht schadet zu wissen, wie ‘die Sache’ bei einem Unfall mit Krankenhausaufenthalt im Ausland abläuft und woran in einem solchen Fall zu denken ist, berichte ich hier von unserem wenig schönen Erlebnis im vergangenen Juni.



    Der Unfall und die Ambulanz


    Seit mehr als einem Vierteljahrhundert sind wir in jedem Juni in Irland unterwegs und schon oft einen bekannten Weg zu einer Pilgerstätte auf dem Scheitel des Mamean-Passes in Connemara gegangen, von dem aus man einen wunderbaren Blick auf das Inagh Valley mit dem Lough Inagh im Westen und das Joyce’s Country auf der anderen Seite der Bergkette hat. Kein gefährlicher Weg, allerdings an einigen Stellen etwas geröllig. Und kurz vor dem Erreichen des Scheitels rutschte ‘mien Deern’ an einer solchen Geröllstelle weg, verdrehte sich den linken Fuß, und konnte keinen Schritt mehr gehen.


    Zum Glück gab es Handyempfang, und wir kontaktierten die Nummer der Feuerwehr in einer etwa zehn Kilometer entfernten Kleinstadt. Dort sprach man sehr beruhigend auf uns ein, fragte (für uns als Ausländer langsam sprechend), was passiert war. Da es sich um einen in der gesamten Region bekannten Weg handelte, war es leicht, den Unfallort zu beschreiben. Wir hatten eine gute Sicht ins Tal, und sahen nach nicht einmal einer Stunde einen Trupp Männer, dreizehn an der Zahl, den Berg hochkommen. Ein Sanitäter fixierte vorsichtig den Fuß, dann wurde meine Frau auf eine Trage gelegt und es ging bergab, jeweils drei Träger rechts, drei links und voran der ‘Chef’, der das Gelände sondierte und Anweisungen gab, wohin zu treten war. Nach jeweils hundert Meter wechselten sich die Träger mit den sechs anderen bislang müßigen ab. Auf halbem Weg ins Tal kam uns der Arzt der Ambulanz, die mittlerweile im Tal eingetroffen war, entgegen, sah sich den Fuß noch einmal an, bandagierte ihn, und es ging weiter. Unten im Tal wartete der Wagen der Ambulanz, und mit ihr ging es ins 60 Kilometer entfernte Galway University Hospital, ich in unserem Leihwagen hinterher.



    In der Universitätsklinik von Galway


    Bezüglich der Notaufnahmestationen der irischen Krankenhäuser liest man täglich in den Nachrichten von katastrophalen Zuständen, von (sollte nicht ein eindeutig lebensgefährlicher Zustand vorliegen) Wartezeiten von bis zu 20 Stunden und mehr. Und in der Tat war die Notaufnahme der Universitätsklinik völlig überfüllt: mehr als 50 Personen in einer Art Wartesaal und auf beiden Seiten des Ganges, durch den meine Frau geschoben wurde, Krankentransportwagen mit darauf liegenden Menschen.


    Während meine Frau an dem ‘Wartesaal’ vorbeigeschoben wurde, ging unverkennbar ein Aufseufzen durch die Menge. Denn Einlieferungen per Ambulanz werden grundsätzlich bevorzugt behandelt, auch wenn es nicht um Leben und Tod geht. Der Grund liegt darin, dass der Arzt der Ambulanz den Fall seinem Kollegen der Notaufnahme persönlich mit seiner Diagnose übergeben muss, und die Ambulanz somit nicht für andere Fälle einsatzfähig ist, solange das nicht geschehen ist. Formal verlief die Aufnahme ins Krankenhaus völlig unkompliziert; die deutsche Krankenversicherungskarte reichte, und wir mussten weder etwas zahlen noch die Kreditkarte vorweisen. Es kamen in der Folge auch nie irgendwelche Rechnungen.


    Ich kürze nun etwas ab. Es wurde ein dreifacher Bruch im linken Fußgelenk festgestellt, der, da die Knochen verrutscht waren, zunächst einmal gerichtet werden musste. Dies gelang im dritten Versuch kurz nach Mitternacht. Am folgenden Vormittag wurde der Fuß dann vom Chefarzt der orthopädischen Abteilung operiert und dabei drei Metallplatten und 12 Schrauben ‘eingebaut’. Bis zur Operation lag meine Frau auf dem Gang oder in einem der Nebenräume der Notaufnahme, wobei sie immer wieder hin und her geschoben wurde, wenn ein andere Fall behandelt oder vorbeigeschoben wurde.


    Nach der Operation kam sie in ein Fünfbettzimmer. Das klingt vielleicht schrecklich, war es aber nicht, denn es war hell und freundlich mit mehr Platz pro Patient als in einem deutschen Zweibettzimmer, und um den Bereich für jeden einzelnen Patienten ließ sich zur Wahrung der Intimsphäre ein Vorhang ziehen. Schon einen Tag später wurde sie mit einer CD mit den Röntgenbildern und einem Bericht für die Weiterbehandlung in Deutschland entlassen, wobei der Fuß sechs Wochen lang in keiner Weise belastet werden durfte. Dazu gab es zwei Krücken und eine Art Gehgestell; beides musste nicht zurückgegeben werden.



    Zurück in Deutschland


    Am Donnerstag war die Entlassung aus dem Krankenhaus, am Sonnabend ging der reguläre Flug zurück, so dass wir noch zwei Tage in unserem gemieteten Ferienhaus blieben, derweil wir telefonisch noch einiges mit der Leihwagenfirma und der Fluggesellschaft arrangieren mussten. Falls gewünscht, kann ich auch dazu noch etwas schreiben. Zurück in Deutschland stellten wir fest, dass wir bei der Entlassung aus dem Krankenhaus noch zwei weitere Sachen hätten einfordern sollen:


    Das eine betrifft die deutsche Krankenkasse, hier war es die Techniker. Diese wollte die Zeit vom Unfall bis zum ersten Erscheinen beim deutschen Arzt nicht als Krankheit anerkennen, was bedeutet hätte, dass es nach der Beendigung der Lohnfortzahlung eine Woche lang kein Krankengeld gegeben hätte. Der Bericht des Krankenhauses über die Operation, die Schwere der Verletzung und der Nachweis des Krankenhausaufenthalts sei keine gültige Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, hieß es, womit die Arbeitsunfähigkeit erst vom Zeitpunkt des Erscheinen beim deutschen Arzt an gelte, also eine Woche nach dem Umfall beginne. Wenn man in Irland solche Bescheinigungen nicht kenne, sei das nicht das Problem der Techniker Krankenkasse. Als verfassten wir selbst in englischer Sprache einen Text, “that … was not able to work from Monday … to Monday …”, und schickten ihn nach Irland an die Ärztin, die das Entlassschreiben unterzeichnet hatte. Nach zwei Wochen bekamen wir ein entsprechendes Schreiben zurück, und die Krankenkasse gab sich geschlagen und erkannte es an.


    Das zweite betraf das in den Fuß eingebaute ‘heavy metal’, das nach 15 bis 18 Monaten wieder heraus soll. Solche Platten und Schrauben gibt es, sagte der Unfallchirurg in Deutschland, von verschiedenen Herstellern. Nicht jedes Krankenhaus habe die ‘Werkzeuge’ zur Entfernung der Produkte aller Hersteller, und es sei natürlich dumm, wenn man erst bei der Operation sehe, dass man das entsprechende noch besorgen muss. Also schrieben wir noch einmal an die Uniklinik Galway und bekamen nach einmaligem Anmahnen die Spezifikationen der Platten und Schrauben, wobei sich herausstellte, dass Hersteller auch in Deutschland zwei Niederlassungen hat. Womit dann wohl keine Probleme zu erwarten sind, wenn das Metall im kommenden Herbst rauskommt.


    So long, ich hoffe, ich habe mit diesem langen Sermon nun keinen genervt. In der Hoffnung, dass niemand hier von diesen Erfahrungen profitieren muss, wünsche ich allen noch einen schönen Nachmittag.


    Jürgen

    Einen schönen guten Morgen —


    Nachdem es im zuletzt vorgestellten Buch im rollenden Familienheim durch die Vereinigten Staaten von Amerika ging, geht es heute per Anhalter zwar nicht durch die Galaxis (das wäre vielleicht auch einmal eine Buchvorstellung wert), doch zumindest einmal um die Insel Irland herum.



    Tony Hawks


    Mit dem Kühlschrank durch Irland


    Aus dem Englischen übertragen von Xaver Engelhard
    Taschenbuch, 384 Seiten
    Goldmann Verlag, München 2000
    ISBN: 978-3-442-44641-4


    Trampen an sich ist in Irland nichts Seltenes, doch wer trampt schon mit einem Kühlschrank rund um die Grüne Insel? Ein Engländer nach einer Wette! Als der britische Comedian und Schriftsteller Tony Hawks nach einer durchzechten Nacht mit schwerem Schädel erwacht, kann er sich nur noch dunkel an die vergangenen Ereignisse erinnern und findet neben sich einen von seinem Mitzecher unterzeichneten Zettel: “Hiermit wette ich um 100 Pfund, dass Tony Hawks es nicht schafft, innerhalb eines Kalendermonats mit einem Kühlschrank die Küste von ganz Irland entlangzutrampen.”


    Was ein waschechter Engländer ist, der drückt sich nicht vor einer einmal eingegangenen Wette. Ein Kühlschrank muss her, ein Rollwagen für den Transport, und bald sind er und sein Kühlschrank eine Attraktion im Land und geraten, wohin sie auch kommen, in die kuriosten Situationen … Eine vergnügliche Lektüre, auch wenn das immer noch lieferbare Buch hier und da ein paar Längen hat.


    Tschüss denn
    Jürgen

    Moin tosamen —


    da es in diesem Forum nicht gerade wenige Wohnmobilisten gibt, habe ich aus meiner Bibliothek mal einen ‘klassischen’ Reisebericht aus diesem Bereich herausgesucht, erschienen 1977 im Diogenes Verlag. Beim Verlag ist das Buch natürlich längst vergriffen, doch antiquarisch (z.B. bei zvab.com) problemlos für wenig Geld erhältlich:




    Jürgen Lodemann


    Phantastisches Plastikland und
    Rollendes Familienhaus


    336 Seiten, 12,5×19 cm
    Leinen mit SU, Fadenheftung
    Diogenes Verlag, Zürich 1977
    ISBN 3-257-01557-7


    Es ist eine Famlien-Ferienfahrt zu Viert mit zwei Kindern im Motorhome 12.000 Kilometer durch Amerikas Wilden Westen. Die Fahrt geht von Denver aus über die Rocky Mountains zu den ältesten Indianersiedlungen, den Pueblos der ‘ersten Amerikaner’ in New Mexico und Arizona, durch die Nevada-Wüste, Las Vegas, Los Angeles, San Diego, San Francisco, dann weiter am Pazifik entlang von der mexikanischen zur kanadischen Grenze und von dort von den Gletschern des Mount Olympic über den Yellowstone Nationalpark zurück nach Denver.


    Eine Gebrauchsanweisung für alle die dagewesen sind oder hinwollen, meint der Verlag, und auch, wenn (oder vielleicht gerade, weil?) es sich um einen ‘historischen’ Reisebericht handelt, kann es eine tolle Lektüre für alle sein, die sich nun vierzig Jahre später auf eine solche Reise begeben oder einfach nur gerne alte Reiseberichte lesen.


    Einen schönen Gruß
    Jürgen

    Moin tosamen —


    wie in den vergangenen Jahren habe ich auch für 2019 für Freunde & Bekannte einen Kalender zusammengestellt, in denen ich Fotos von Landschaften und Sehenswürdigkeiten mit kurzen Literaturauszügen, Gedichten und Liedern kombiniert habe. Vielleicht reizt es den einen oder die andere, der oder die gerade die Gegend bereist, an diesen Orten mal vorbeizuschauen. Ich starte mit dem Kalenderbild für Januar:



    Das Foto entstand im Winter 2010/11 an der Eidermündung bei Tönning etwa in Höhe des Wohnmobil-Stellplatzes. Bei dem Text handelt es sich um einen Auszug aus einem Lied des Liedermachers Manuel Knortz, der in den 1980er Jahren mit seinem Freund Kalle Johannsen in Husum das Dragseth Duo gegründet hatte. In dem Lied beschreibt er, wie er als Jugendlicher eines Wintermorgens mit seinem Vater, mit dem er sich lange nichts mehr zu sagen hatte, an den Nordseestrand bei Schobüll ging, sie das Eis auf der Nordsee brechen sahen und dabei auch das große Eis zwischen ihnen brach.


    Euch allen einen schönen Tag
    Jürgen

    Nun, dann mache ich einfach einmal mit Buchvorstellungen weiter und hole das Thema aus der Versenkung nach oben, auch wenn es sich hier um Inseln geht, die nie jemand mit seinem Wohnmobil aufzusuchen vermag. Doch das Träumen gehört ja auch zum Reisen, und die abenteuerlichsten Reisen finden auch heute immer noch im Kopf statt.



    Judith Schalansky

    Atlas der abgelegenen Inseln


    144 Seiten, 19×26,5 cm
    Halbleinen, Fadenheftung, farbiger Buchschnitt
    mareverlag, Hamburg 2009
    ISBN 978-3-86648-117-6


    Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde, nennt Judith Schalansky ihr Buch im Untertitel und entführt den Leser von den Weihnachts- über die Himmelfahrts- und Osterinseln auf 50 entlegene Eilande der Weltmeere. Zu jeder Insel hat sie etwas zu erzählen, Geschichten “wie sie nur die Wirklichkeit sich auszudenken vermag, wenn sie mit wenigen Quadratkilometern im Nirgendwo auskommen muss. Es sind Geschichten von seltenen Tieren und seltsamen Menschen, von gestrandeten Sklaven und einsamen Naturforschern, verirrten Entdeckern und verwirrten Leuchtturmwärtern [...], die beweisen, dass die abenteuerlichsten Reisen immer noch im Kopf stattfinden: mit dem Finger auf der Landkarte.”


    Das von der 1980 in Greifswald geborenen Autorin gestaltete Buch wurde von der Stiftung Buchkunst als Das schönste Buch 2009 ausgezeichnet und lag ein Jahr nach dem Erscheinen bereits in der 6. Auflage vor.


    Einen schönen Gruß
    Jürgen

    Sorry, ich hatte den Beitrag aus Versehen in eine falsche Kategorie gesetzt und daher hier gelöscht. Ich setze ihn noch einmal neu in die richtige Kategorie.

    St. Laurentiuskirche Tönning


    De Tönninger Torn is hoch und spitz,
    de Husumer Herren hemm de Verstand in der Mütz!

    Nachdem ich im ersten Beitrag zum Thema Nordfriesische Kirchen mit dem obigen Vergleich der Husumer die Tönninger Kirche bereits erwähnt habe, bietet es sich an, sie nun einmal vorzustellen. Die Tönninger St. Laurentiuskirche ist im Kern noch romanisch, hat aber nach mehrfachen Zerstörungen im 17. und 18. Jahrhundert immer wieder Umbauten erfahren:



    Sie wurde nicht nur zu heiligen Zwecken verwendet. Nachdem die Eiderstedter sieben Dithmarscher Frauen geraubt und in der Tönninger Kirche eingesperrt hatten, kamen 1402 die Dithmarscher über den Fluss, befreiten sie aus dem Gotteshaus und brannten die Stadt nieder.



    In der Kirche sieht man auf der linken Seite ein Gemälde des Malers Jürgen Ovens, der 1623 in Tönning geboren wurde. 1640 ging er als Schüler Rembrandts in die Niederlande und kehrte 1651 in seine Heimatstadt zurück, wo er die Tochter eines reichen Ratsherrn heiratete. Über seinem Bild von der Heiligen Familie hängt ein Selbstportrait von ihm und seiner Frau Maria, die man (rechtes Foto) weniger hochgeschlossen auf einem Bild in der Ausstellung der Gesellschaft für Tönninger Stadtgeschichte bewundern kann.


    Einen schönen Gruß
    Jürgen

    Frohe Weihnachten und tschüüs für dieses Jahr


    Moin tosamen —


    da ich nun für den Rest des Jahres und die erste Woche des neuen im hohem Norden Deutschlands Urlaub auch vom Internet mache, wünsche ich bis zu meiner Rückkehr im Forum in der ‘Sprache dieses Nordens’ allen Schöne Wiehnachtsdaag un en gode Rutsch rin in dat nie’e Johr:



    Dor kummt een Schipp — is laden
    Bet an sien böverst Boord,
    Brengt Gott sien Söhn vull Gnaaden
    Brengt uns dat ewig Woord.


    Das Foto mit dem Kutter vor der Spitze der Halbinsel Eiderstedt habe ich bei einem Abendspaziergang am Ordinger Strand aufgenommen. Ich denke, den Text darunter muss ich nicht ins Hochdeutsche übersetzen. Es ist eine Strophe aus einem alten und wie ich finde sehr schönem Weihnachtslied, entnommen einem Gesangbuch aus dem Jahr 1609, das viele in seiner hochdeutschen Fassung kennen werden. Und da in dem Lied auch jemand reist, habe ich diese Zeilen als Weihnachtsgruß für das Reiseforum ausgewählt.


    Weil ich nun aber auch ein Faible für Irland habe, gibt es hier für alle, die in diesem Jahr mit ihrem Wohnmobil über Irlands Straßen kurvten, einen weiteren Weihnachtsgruß in der laut Verfassung ersten Sprache des Landes:


    Nollaig shona agus síocháin sa bhliain úr


    oder auf Hochdeutsch Frohe Weihnachten und Frieden im neuen Jahr.
    Jürgen