Beiträge von Schimmelrieder

Lust auf eine nette und reiselustige Community? Dann melde dich doch ganz einfach, schnell und kostenlos an. Anschließend stehen dir alle Funktionen im Forum zur Verfügung.

    Einen schönen guten Morgen —


    Nachdem bei den Rätseln mit dem Bahnhof von Westport Heinrich Bölls Irisches Tagebuch zur Sprache kam, bietet es sich an, es hier in der Literaturecke vorzustellen:



    Heinrich Böll


    Irisches Tagebuch


    208 S., geb. in grünem Leinen mit SU
    Mit bislang unveröffentl. Fotos und Dokumenten
    Kiepenheuer & Witsch, März 2007
    ISBN 978-3-462-03797-5


    „Das war einmal wieder ein netter Bursche“, sagte der Taxichauffeur, der uns zum Bahnhof fuhr, „ein reizender Kerl.“ „Wer?“ fragte ich. „Dieser Tag“, sagte er, „war das nicht ein Prachtbürschchen?“ Ich stimmte ihm zu; während ich ihn bezahlte, blickte ich nach oben, die schwarze Front eines Hauses hinauf: eben stellte ein junge Frau einen orangefarbenen Milchtopf auf die Fensterbank hinaus. Sie lächelte mir zu, und ich lächelte zurück.


    Mit diesem Satz endete 1957 Bölls Irisches Tagebuch, in dem er seine Erlebnisse und Beobachtungen aus Irland festgehalten hat. Es gab und gibt bis heute eine Vielzahl von Ausgaben, die links abgebildete erschien im Jahr 2007 zum 50. Jahrestag des Erscheinens der Erstausgabe und wurde durch bis dahin unveröffentlichte Fotos, Dokumente und einen dreizehn Jahre später verfassten Rückblick erweitert. Alfred Andersch, der seinerzeit über eine Auswanderung nach Irland nachdachte, schrieb nach dem Erscheinen der Erstausgabe: “Dieses kleine Meisterwerk einer durch und durch humanen Schreibweise versetzt seine Leser in ein Land der Armut, der Anarchie, des Katholizismus und des Humors, mit anderen Worten in eine Böllsche Utopie, die sich von gewöhnlichen Wunschträumen aber dadurch unterscheidet, dass sie Wirklichkeit war.”


    Seither ist viel Guinness durch irische Kehlen geflossen und das Land hat sich gewandelt, “doch das Irland des Heinrich Böll, in dem der Schriftsteller seit Mitte der 50-er Jahre immer wieder mit und ohne seine Familie lebte und arbeitete, ist noch nicht ganz verschwunden, es hat nur weitere Zeitschichten angesetzt”, lautet das Resümee eines Essays von Bernd Fischer aus dem Jahr 2009.


    Und damit wünschen ich einen guten Start in den neuen Tag
    Jürgen

    Einen schönen guten Morgen —


    lösen muss ich das Rätsel nun nicht mehr, denn Sabine von den Fernschreibern und Globus haben das bereits glänzend erledigt, Sabine, indem sie meine Tipps klug zusammenführte und Globus, der den Bahnhof von Westport gar aus eigener Anschauung kannte.


    Auf diesem Bahnhof also stieg an einem Sonntagnachmittag im Mai 1955 Heinrich Böll mit seiner Frau Annemarie, drei Kindern und einer Bekannten der Familie aus dem Zug, auf Kredit der irischen Eisenbahn, denn nach ihrer Ankunft mit der Fähre in Dublin war es ihnen nicht gelungen, deutsches Geld gegen irisches einzutauschen. Beschrieben ist das in Bölls 1957 erschienen Irischen Tagebuch, das nun als ‘Preisgewinn’ für das Lösen des Rätsels in einer ‘historischen’ Ausgabe aus dem Jahr 1959 an Sabine geht.


    Von Westport aus fuhr die Familie Böll mit dem Bus nach Achill Island. Wäre Böll zwanzig Jahre früher angereist, hätte er auch mit der Bahn weiterfahren können, den bis 1937 führte die Bahnlinie weiter bis an den Achill Sound. Das Foto unten zeigt die Ausfahrt in diese Richtung, die Schienen enden kurz hinter der Kurve:



    Einige hundert Meter hinter dieser Ausfahrt findet sich noch ein Viadukt, über das die Verlängerung der Strecke seinerzeit ging. Die Trasse existiert noch, über sie führt heute ein vor einigen Jahren eingerichteter kombinierte Rad- und Wanderweg von Westport nach Achill Island. Man kann sich in Westport Fahrräder leihen, um mit ihnen auf den historischen Spuren der irischen Eisenbahn nach Achill zu radeln, und sie dort dann wieder abgeben:



    Und nun brauche ich von der Gewinnerin noch eine Versandanschrift für das Irische Tagebuch, als private Nachricht via Forum oder über das Kontaktformular auf einer meiner in der Fußzeile angegebenen Websites, und wünsche allen einen guten Start in die Woche.


    Jürgen

    Moin tosamen —


    ich mache dann mal weiter mit einem neuen Bahnhofsrätsel, dieses Mal mit einem recht kleinen Bahnhof, der heute der Endpunkt einer Eisenbahnlinie ist. Den Namen der Station auf dem oberen Bild habe ich entfernt, doch könnte, wenn man genau hinschaut, ein kleines, durch die Verkleinerung des Fotos allerdings etwas unscharf gewordenes Detail auf dem unteren Bild in Zusammenarbeit mit Mother Google bei einer groben regionalen Zuordnung helfen:




    Da es sich nicht um einen der großen Bahnhöfe der Welt handelt, ist das Rätsel vermutlich recht schwer, und daher gebe ich einen weiteren Tipp: Der Bahnhof taucht in einem Werk eines Literatur-Nobelpreisträgers auf. Und da ich zufällig eine ältere Ausgabe dieses Buches in meiner ‘Verschenkkiste’ habe, möchte ich dieses (falls Interesse daran besteht) als ‘Gewinn’ für die- oder denjenigen aussetzen, die oder der als Erste bzw. Erster die richtige Lösung bringt.


    Damit ziehe ich mich nun für ein paar Tage von diesem Rätsel zurück. Anfang nächster Woche werde ich dann entweder dem ‘Gewinner’ gratulieren oder, falls nötig, einen weiteren Tipp geben.


    Womit ich allen ein schönes Wochenende wünsche
    Jürgen

    Landschaft, Literatur & Poesie


    April 2019



    Nach zwei Wochen Urlaub vom Internet melde ich mich hier im Forum mit dem Kalenderblatt für den Monat April zurück. Das Foto nahm ich im September 2016 auf der Hallig Hooge im nordfriesischen Wattenmeer auf. Bei dem Text handelt es sich um zwei Strophen eines Liedes des in Bremen lebenden niederdeutschen Songpoeten Helmut Debus aus dem Jahr 1981, die ich hier mal, wenn gleich nur inhaltlich und ohne Reim und Poesie, ins Hochdeutsche übersetze:


    Traum von einer Insel


    Ich träum’ von einem Eiland im Meer,
    das treibt unterm Wind, wild und frei.
    Da bau ich das Haus aus Strohwerk und Grün —
    Du bist bei mir, Liebste, da könnten wir sein.


    Hier will ich mit dir überleben,
    weitergeh’n, nicht mehr so bleiben.
    Hier werden wir so, wie wir noch nicht sind —
    Er weht vorbei, Liebste, der kalte Wind.


    Und damit wünsche ich leicht verspätet allen hier einen guten Start in den Monat April
    Jürgen

    Moin tosamen —


    ich kann natürlich nur für mich sprechen, doch hat mich die Umstellung bislang weder gestört noch ‘leiden lassen’.


    Warum ich nun, wenn sie denn schon abgeschafft wird, für die jetztige Sommerzeit als Standardzeit bin, ist simpel: Ich halte mich gerne im Freien auf, bin inzwischen zwar offiziell aus dem Berufsleben raus, freue mich aber nachmittags und abends weiterhin über jede helle Stunde. Nicht nur, um körperlich aktiv zu sein. Wenn das Abendessen vorbereitet wird, schäle und schnibbel ich den ganzen Kram mit Vorliebe von Vögeln umzwitschert auf dem Balkon (in Dortmund) oder in Tönning draußen vor der Tür auf der Terrasse; wenn ich ein Buch lesen oder auch einen Brief schreiben will, ziehe ich mir eher einen warmen Pullover an und setze mich dazu ins Gärtchen, als in der Wohnung in einen Sessel.


    Und je länger es abends hell ist, desto länger ist das abends möglich. Davon abgesehen ist es doch so, dass sich gesellschaftlich Vieles zeitlich nach hinten verschoben hat. Als ich ein Kind war, machten grundsätzlich alle Läden um neun Uhr am Vormittag offen. Gehe ich heute nach Dortmund in die Stadt, hat um 9 Uhr noch kein einziger Laden geöffnet. Viele öffnen gegen halb zehn, manche inzwischen sogar erst um zehn. Und Menschen, die später anfangen zu arbeiten, werden dann — nehme ich mal an — am Tag auch später zu arbeiten aufhören und sich über eine Stunde mehr Helligkeit am Abend auch freuen.


    Soweit mein Senf zu diesem Thema
    Tschüss denn und alles Gute
    Jürgen

    Moin tosamen —


    ich bin mir etwas unsicher, ob es bei diesem Thema "Was ich aus dem Ausland kenne, und auch für Deutschland wünsche" nur um den Verkehr gehen soll, denn ich habe da noch etwas anderes. Was ich mir auch für Deutschland wünsche ist das Bestell-System in britischen und irischen Pubs: Man geht zur Theke, holt sich sein Guinness und bezahlt es auch gleich, und kann dann mit seinen Freunden beliebig lange mit den Getränk in einer Ecke hocken, ohne dass, wenn es langsam zur Neige geht, eine Kellnerin stört und fragt, ob man ein neues haben möchte. Und wenn man dann gehen will, geht man, ohne sich noch um das Bezahlen kümmern zu müssen.


    Mit einem schönen Gruß in den Tag
    Jürgen

    Vielen Dank für diese Diskussion, die ich warum auch immer erst jetzt entdeckt habe! ... Umso mehr bedanke ich mich für die schönen Bilder!


    St. Magnus-Kirche Tating


    Ja, dann muss ich mit dem Thema wohl weitermachen. Ich weiß nicht, ob es stimmt, dass es auf der nordfriesischen Halbinsel Eiderstedt die größte Kirchendichte Deutschlands gibt, doch mit 18 Kirchen bei in unseren Tagen 22.400 Bewohnern würde mich das nicht wundern. Glaubt man der Eiderstedter Chronik von 1104 bis 1547, begann die Geschichte dieser Kirchengemeinden mit einem Mord. Demnach hatten im Jahr 1113 die Männer der Familie Boyens in Garding ihren Kirchenherrn Harmen Lütke erschlagen, weil er zu spät zum Gottesdienst kam. Darauf entzog man ihnen das Vorschlagsrecht zur Besetzung der Pfarrstelle, und so bauten sie sechs eigene Kapellen, aus denen sich die heutigen Gemeinden entwickelten. Die älteste von ihnen ist St. Magnus in Tating:



    Im Jahr 1103 zunächst als hölzerne Kapelle errichtet, wurde sie sehr bald durch einen Steinbau ersetzt. Das auf dem Foto sich etwas absetzende romanische Mittelschiff aus dem 12. Jahrhundert ist heute der älteste Teil der Kirche. Den Turm erhielt sie erst 1662.



    Zu den zahlreichen Kunstschätzen, die sie beherbergt, gehört der um 1450 erstellte und im 17. Jahrhundert erweiterte dreiflügelige Altar. Die drei Fotos sind noch ‘ganz frisch’, sie wurden vor vier Wochen aufgenommen — am 18. Februar, sollte es jemand ganz genau wissen wollen.


    Soviel für heute und noch einen schönen Tag
    Jürgen

    Ein Fachhandel für Überflüssiges


    Ich drängel mich noch einmal mit Werbeschildern nach vorne. Vielleicht kennt die eine oder der andere von euch das Buch des Fernsehmoderators Dieter Moor (inzwischen nennt er sich Max Moor) über seinen Umzug aus der Schweiz auf einen Bauernhof in Brandenburg, in dem er unter anderem über einen Dorfladen berichtet, der über der Tür mit Wir haben alles was Sie brauchen, und was wir nicht haben, brauchen Sie auch nicht auf sich aufmerksam macht. Ein Foto von dieser Tafel habe ich leider nicht, aber es geht auch umgekehrt:



    Läden, Kaufhäuser und Online-Shops, die alles haben, was man braucht, gibt es schon genug, dachte sich ein findiger Husumer, was aber fehlt ist ein echter Fachhandel für Überflüssiges — und gründete einen in einem Hinterhof an der Hohlen Gasse. Mischmasch nennt sich der Laden. Anlässlich des am 26. Januar begangenem Tag der Handschrift, in finnischen Schulen z.B. gilt die Handschrift inzwischen als überflüssig und wird weder unterrichtet noch verlangt, schloss er sich der Kampagne zur Rettung dieses nach Ansicht von manchen Bildungsexperten überflüssigen Kulturgutes an. Klar, dass er das Material dazu feilbietet.


    Mit einem schönen Gruß
    Jürgen

    Moin tosamen —


    da gratuliere ich meinen Vor-Schreibern, denn die Lösung ist richtig, wobei ich die Bezeichnung ‘Estação do Oriente’ noch nicht einmal kannte und ihn nur als ‘Expo-Bahnhof’ in Erinnerung hatte. So lernt man halt dazu! Ich habe jetzt gerade einmal in meinen Reisenotizen von damals geblättert und unter dem 28. Februar 2000 folgendes gefunden:



    Lissabon, 28. Februar 2000


    Unsere erste 3-Tages-Karte für die Tram ist abgefahren, also fahren wir heute mit der Eisenbahn. Zum Expo-Gelände. Mien Deern weiß, welcher der drei Kopfbahnhöfe Lissabons für die Strecke nach dort zuständig ist: der Bahnhof Santa Apolónia. Es gelingt ihr herauszufinden, von welchem Bahnsteig wann ein Zug fährt und zwei Rückfahrkarten zu erstehen. Zum Gesamtpreis von, man mag es kaum glauben, umgerechnet gerade einmal DM 5,60.


    Der Expo-Bahnhof, in Reiseführern auch als ‘neuer Hauptbahnhof’ bezeichnet, ist ein futuristischer Palmengarten aus Glas und Stahl. Dass er jemals ein echter Hauptbahnhof wird, vermag man jedoch kaum zu glauben; dazu liegt er zu weit ab vom Zentrum. Auf dem Bahnhof, von dem wir gestartet sind, war wesentlich mehr Leben als auf diesem hier, der kaum genutzt zu werden scheint. Und in dem riesigen überdachten Einkaufszentrum ihm gegenüber scheinen wir abgesehen von Verkäufern die einzigen Menschen zu sein.


    Das Expogelände selbst wirkt ein bisschen wie ein großer, moderner — wenngleich weitgehend menschenleerer — Universitätscampus, vielleicht abgesehen von der Seilbahn, die am Ufer des Tejo entlang über das Gelände führt. Doch uns interessiert vor allem das Ozeaneum, das zweitgrößte der Welt, haben wir gelernt. Beeindruckend über mein sonstiges Lästern erhaben, aber dennoch: wenn dieses das zweitgrößte der Welt ist, besitzt Tönning wohl das drittgrößte …


    Ich denke das reicht als Ausschnitt aus meinem alten Reisetagebuch, alles andere hat nichts mehr mit dem Bahnhof und seinem Umfeld zu tun. Vielleicht ist dort, wo nun fast zwanzig Jahr vergangen sind, heute mehr los und es tobt das Leben. Ich wünsche allen einen schönen Start in die neue Woche.


    Jürgen

    .. aber ich wollte andere Teilnehmer nicht blockieren auch hier Bahnhöfe zu posten. ^^ Mir gefällt jedenfalls dieses Thema und möchte es ein wenig beleben. Vielleicht finden sich noch einige Bahnfreunde ?( ...


    Moin Globus —


    ja, dann greife ich deine Anregung doch gleich einmal auf und präsentiere hiermit zwei Fotos eines futuristischen Bahnhofs:



    Futuristisch? Nun denn, heute ist diese Zeit fast schon ‘graue Vergangenheit’, und damals war mein Bart noch nicht so grau, wie er es heute ist. Die Fotos wurden am 28. Februar des Jahres 2000 mit einer Olympus OM4 Ti auf Kodak E100 S Diafilm aufgenommen. Um welchen Bahnhof handelt es sich wohl?


    Einen schönen Gruß
    Jürgen

    Werbetafeln in Südengland


    Moin tosamen — In der Abteilung Interessantes, Amüsantes und Kurioses am Wegesrand hier nun ein paar Werbe- und Warnhinweise, die mir im März 2015 im Süden Englands vor die Kamera gekommen sind:



    Ganz links eine Tafel vor dem Pub The Rose im Städtchen Deal, in der Mitte die Werbung an einem Restaurant im Dorf Sandwich, welches für sich reklamiert, dass von seinen Räumlichkeiten aus das vom Earl of Sandwich erfundene Sandwich seinen Siegeszug in die Welt gemacht haben soll, und ganz rechts die Warnung am Eingang eines Hauses in Rye.


    Mit einem schönen Gruß
    Jürgen

    Vielen Dank für diese sehr interessante Diskussion, die ich leider erst jetzt gesehen habe, und vor allem für letzten Buchtipp! Mich hat die Figur des Jules Verne schon immer fasziniert ...


    Moin Minguelete —


    wenn dem so ist, habe ich da in meiner Büchersammlung noch etwas für dich entdeckt. Beim Verlag ist das Buch zwar längst vergriffen, doch habe ich gerade mal im Internet gesucht und bei zvab.com für rund 13 Euro eine, wie ich meine wohlfeile Ausgabe gefunden:



    Jules Verne


    Reise mit Hindernissen nach England
    und Schottland


    256 Seiten, geb. mit Schutzumschlag
    Aus dem Französischen übersetzt und mit
    einem Nachwort von Elisabeth Edl
    Paul Zsolnay Verlag, Wien 1997
    ISBN 3-552-04861-8


    Im August 1859 verdient sich der 31-jährige Jules Verne, sein Jurastudium hat er längs an den Nagel gehängt, seinen Lebensunterhalt als Börsenmakler, doch seine wahre Leidenschaft gilt der Literatur. Als ein langjähriger Freund mit der Nachricht kommt, er habe über seinen Bruder zwei Gratis-Billets für eine Schiffspassage nach Schottland zu Verfügung, zögert er nicht lange und kommt mit. Während dieser Reise ins Land seiner Vorfahren mütterlicherseits notiert er peinlich genau alle Eindrücke und Erlebnisse und verfasst daraus unter dem Titel Voyage à reculons en Angleterre et en Écosse sein erstes Werk, in das seine Beobachtungen eingehen. Veröffentlicht wurde dieser Reisebericht in Form eines Romans allerdings erst 84 Jahre nach seinem Tod; im Paul Zsolnay Verlag erschien dann 1997 die hier vorliegende deutsche Übersetzung.


    Einen schönen Gruß
    Jürgen

    Einen schönen guten Morgen —


    nachdem ich in diesem Forum gestern unter Landschaft & Literatur Jules Verne habe in Tönning an Land gehen lassen, hier nun der vollständige Bericht seines Bruders Paul über diese Reise, wie er für € 7,95 über jede Buchhandlung zu beziehen ist.


    Paul Verne


    Jules Verne in Schleswig-Holstein


    92 Seiten, Br.,
    Übersetzt von Hanne Witte
    Erstveröffentlichung: 1887
    Husum Verlag, 4. Aufl. 2012
    ISBN 978-3-89876-198-7


    Am Abend des 15. Juni 1881 legte die Dampfyacht Saint Michel in Tönning an. Die vier Passagiere bestanden aus dem Eigentümer der Yacht Jules Verne, seinem Bruder Paul, dem ältesten Sohn seines Bruders und einem französischen Advokaten. Mit ihrer 10-köpfigen Besatzung — wie es scheint, gehörte der Schrifsteller nicht zu Carl Spitzwegs armen Poeten — und einem Lotsen, der immer wieder neue Gründe fand nicht von Bord zu gehen, waren sie am 4. Juni in England gestartet. Den hier vorliegenden Bericht über ihre Fahrt von der Nord- in die Ostsee durch die Eider und den alten Eiderkanal schrieb Paul Verne, der Bruder des weltberühmten Schriftstellers vieler klassischer Abenteuer-, Entdecker- und Science-Fiction-Romane. Er erschien 1887 in deutscher Übersetzung. Der ursprüngliche Titel lautete De Rotterdam à Copenhague, was (ich habe nie Französisch gelernt) Von Rotterdam nach Kopenhagen bedeuten dürfte, woraus der Husum Verlag aus Erwägungen des Marketings Jules Verne in Schleswig-Holstein machte.


    Der Landschaftsfotograf Günter Pump ist der illustren Gesellschaft einhundert Jahre später nachgereist und hat ihren Törn durch Schleswig-Holstein mit Fotos aus unseren Tagen illustriert.


    Ich wünsche ein schönes Wochenende
    Jürgen

    Landschaft, Literatur und Poesie


    März 2019



    Hier nun das Kalenderblatt zum Monat März. Im Jahr 1881 unternahm Jules Verne mit seinem Bruder Paul, zwei weiteren Passagieren und einer zehnköpfigen Besatzung auf seiner Dampfyacht Saint Michel II eine Reise von Rotterdam nach Koppenhagen. Um sich die Fahrt um Dänemark herum zu ersparen, bogen sie bei Tönning in die Eider ab und fuhren von dort weiter die Eider hoch und durch den alten Eiderkanal, von dem nur wenige Jahre später Teile in den Nord-Ostseekanal eingingen, in die Ostsee.



    Nach ihrer Rückkehr veröffentlichte Jules Vernes Bruder Paul einen Bericht über die Reise, von dem auf dem obigen Kalenderblatt ein kleiner Ausschnitt wiedergegeben ist. Der vollständige Bericht ist in deutscher Übersetzung im Husum Verlag erschienen. Das Foto nahm ich Ende Februar 2015 auf; es zeigt den Hafen von Tönning.


    Und damit nun einen guten Start
    in den neuen Monat
    Jürgen

    Die Halligkirche von Langeneß



    Nach zwei großen nordfriesischen Kirchen folgt nun mit der Halligkirche von Langeneß eine kleine. Bei den zehn heute noch existierenden Halligen vor der nordfriesischen Küste handelt es sich um kleine Eilande, die anders als Inseln bei starken Fluten überspült werden, so dass dann nur noch die auf künstlich aufgeschütteten Hügeln stehenden Gebäude aus dem Wasser ragen. Diese Hügel werden im allgemeinen Warft genannt, nur auf Langeneß lässt man das ‘t’ am Ende weg und nennt sie Warf.



    Die erste Kirche der Gemeinde Langeneß stand an anderer Stelle und ging bei der Ersten Grooten Mandränke von 1362 verloren. 1666 entstand ein Neubau auf der heutigen Kirchwarf, auf deren Fundament 1894 die oben abgebildete gegenwärtige Kirche errichtet wurde. Man beachte auch den kleinen hölzernen Glockenturm neben der Kirche, etwas, was man auch bei einigen anderen kleinen nordfriesischen Kirchen findet.



    Oben nun ein Foto vom Kirchenschiff mit einer beeindruckenden Deckenmalerei und eines von einer Grabplatte in friesischer Sprache, die nicht mit der plattdeutschen verwechselt werden will, im Vorraum. Die Fotos entstanden am 31. Oktober 2012.


    Mit einem schönen Gruß in den Tag
    Jürgen

    Denkmäler am Straßenrand


    Irland ist stolz auf seine Geschichte, besingt in den Pubs die (meist gescheiterten) Rebellen vergangener Tage und (meist verlorenen) Schlachten früherer Jahrhunderte und stellt ihnen Hinweisschilder und Denkmäler wie “hier fand im Jahr … die Schlacht von Ballynadingsbums statt” auf. Sollte man dann passenderweise einen Craftshop bei einem solchen Ort haben, ist das dem Umsatz nicht weiter schädlich.


    Doch was macht man, wenn man seinen Laden an einer vielbefahrenen Straße hat, an der nie ein Held erschossen und nie eine Schlacht geschlagen wurde? Kein Problem für einen Iren:



    Bei so vielen Helden und so vielen Schlachten ist das doch auch etwas Besonderes, meinte die Familie Joyce an der Straße von Galway nach Clifden, und stellte bei Sráid Salach auf dem Parkplatz gegenüber ihrem Laden und Pub das obige Denkmal auf. Und nachdem ich es, wie wohl auch manch anderer Tourist, fotografiert hatte, begab ich mich in ihren Craftshop.


    Einen schönen Gruß
    Jürgen

    Ich frage mich immer bei so etwas, was man sich dabei denkt.


    Moin tosamen


    Da muss ich jetzt wohl doch auf die Frage eingehen, was sich die Schildaufsteller dabei gedacht haben. Es wird wohl niemand davon ausgehen, dass hier eine Geschwindigkeit von 80 km/h möglich ist. Es ist nun einmal in Irland so, dass es grob gesehen drei ‘Grundklassen’ von Straßen gibt: Autobahnen, auf denen ein generelles Tempolimit von 120 km/h gilt, ‘normale’ Landstraßen, auf denen dieses bei 100 km/h liegt und ‘schmale’ Landstraßen, bei denen grundsätzlich nicht mehr 80 km/h gefahren werden darf. Autobahnen von ‘normalen Landstraßen’ zu unterscheiden ist kein Problem, doch wie macht man deutlich, dass eine Straße als ‘schmale Landstraße’ aufzufassen ist, auf der an keiner Stelle mehr als 80 km/h gefahren werden darf? Schmal ist schließlich ein relativer Begriff. Also stellt man am Straßenanfang ein Schild ‘80’ hin. Und genauso wenig, wie man auf ‘normalen Landstraßen’ (auch wenn dies nicht durch ein Schild gekennzeichnet ist) überall 100 km/h fahren kann, ist es auf ‘schmalen Landstraßen’ schon physikalisch nicht möglich, überall 80 fahren. Auf der hier abgebildeten Straße sicherlich an gar keiner Stelle.


    Das ‘psychologisches Problem’ bei solchen Schildern hatte 2015 Verkehrsminister Paschal Donohue erkannt: Sie könnten Autofahrer unter Umständen dazu verleiten, meinte er damals, das darauf angegebene Tempo tatsächlich fahren zu wollen, und schlug vor, die bisherigen Schilder an solchen Stellen durch neue zu ersetzen, die einen “schwarzen Kreis mit einer diagonalen Linie” zeigen, was dann bedeuten solle, dass es in der Verantwortung des Fahrers liegt, die Geschwindigkeit dem Straßenzustand anzupassen. Ich weiß nicht, was daraus geworden ist; gesehen habe ich solche Schilder bislang nicht.


    Das war jetzt ein gar nicht vorgesehener langer Vortrag über Geschwindigkeitsbeschränkungen in Irland, und klar doch, natürlich kann jetzt jeder hier weitere (und sei’s auch nur für den urlaubenden Betrachter) kuriose Straßenschilder posten. Doch da es in diesem Thread nicht speziell um das Autofahren und Straßenschilder, sondern generell um Interessantes, Amüsantes & Kurioses am Wegesrand gehen soll, werde ich im nächsten Beitrag mit ‘einer anderen Kuriosität’ weitermachen.


    Tschüüs bis gleich
    Jürgen

    Geschwindigkeitsbeschränkungen in Irland


    Moin tosamen — Ich denke, jedem von uns ist auf der Reise in dem einen oder anderen Land schon einmal etwas Kurioses, Amüsantes oder aus anderen Gründen Interessantes vor die Kameralinse gekommen. Und so lege ich mal ein Thema dazu an.



    Ich beginne mit Geschwindigkeitsbeschränkungen in Irland. Das obige Foto stammt von der Westküste, aufgenommen unweit von Leenaun am Killary Harbour, der der einzige Fjord Irlands genannt wird. Es zeigt den Eingang zum Gleann na nGeimhleach (Tal der Gefangenen) an Nationalstraße 59 an der Grenze zwischen den Grafschaften Galway und Mayo.


    Wer es aber nun in seinem Wohnmobil eilig hat, den kann ich beruhigen und ihm oder ihr versichern, dass es an dieser Straße keine Blitzer gibt.


    Slán (oder auch sláinte) agus beannacht *
    Jürgen


    _______________________________________
    * Tschüüs (oder auch prost) und einen Gruß

    Nachdem ich gerade gesehen habe, dass ein Mitglied dieses Forums momentan eine Reise im Wohnmobil nach Schottland plant, habe ich in meine Bücherregale geschaut, ob da nicht irgendetwas zu finden ist, was dem zumindest nahe kommt, und bin auf das folgende Buch gestoßen. Es ist im normalen Buchhandel vergriffen, doch habe ich für sehr wenig Geld zwei gebrauchte Exemplare bei zvab.com gefunden:



    Ulrich Straeter


    Schottland schaurig-schön


    Eine Reise von Cornwaall
    zu den Hebriden
    306 Seiten, Br.
    ARKA Verlag, Essen 1999
    ISBN 3-929219-09-3


    In einem gebraucht erstandenen und zu Campingzwecken umgebauten Renault-Rapid-Kombi, dem Nachfolger des legendären Renault R4, machten sich vor zwanzig Jahren der Autor Ulrich Straeter und seine Frau, im Buch ‘die Malerin’ genannt, von Dover durch Cornwall und England über den Hadrianswall nach Schottland auf, im Gepäck literarische Reisebegleiter wie dem deutschen Theodor Fontane, den Engländern James Boswell & Dr. Johnson und den Schotten Robert Burns & Robert Louis Stevenson, auf deren Spuren sie das Land durchreisen. So gelangen sie bis zur Isle of Skye, der größten Insel der Inneren Hebriden, und versuchen auf dem Rückweg das Geheimnis von Loch Ness zu lüften.


    Rote Felsen im Licht der untergehenden Sonne, weite Landschaften, Kultur, Geschichte, wortkarge Schotten, die Einsamkeit der Highlands und Wetterlagen, bei denen nur noch ein Single-Malt-Whisky hilft, vermischen sich mit Informationen über Land und Leute zu einem literarischen Reisebericht, mit – wen wundert’s, wenn man ‘seine Malerin’ an Bord hat – Bildern und Zeichnungen von Ilse Straeter.


    Ich wünsche noch einen schönen Nachmittag
    Jürgen

    Moin Miguelete —


    nein, Erfahrungen habe ich leider auch nicht, das ‘leider’ deshalb, weil die Färöer auch auf der Liste unserer potenziellen Reiseziele stehen. Allerdings denken wir eher daran, wenn es denn soweit kommen sollte, mit der Fähre der Smyril Line und dem eigenen Auto zu fahren. Doch wie auch immer, solltest du in diesem Jahr dort landen und hier davon berichten, fände ich das toll.


    Tschüüs denn
    Jürgen


    P.S.: Ich bin ein bisschen neugierig ob deines Namens hier im Forum, hängt er mit dem Turm in Valencia oder dem Ort in Uruguay zusammen?