Beiträge von Schimmelrieder

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    Nun, liebe Leute —


    da gab es in der letzten Zeit ja bannig viel Aufregung, als da so’n Trumpeltier Grönland kaufen wollte. Doch weder wollten die Grönländer sich kaufen lassen, noch die Lüüd aus Dänemark die Insel verscherbeln.


    Das arme Trumpeltier, dachten sich da die Nordfriesen, was könnte man ihm denn sonst noch anbieten? In der Wochenendausgabe der Husumer Nachrichten fand ein Kommentator DIE Lösung: Man könnte ihm, meinte er, doch für ein paar hundert Millionen Euro oder so Rungholt anbieten. Und beim Intelligenzquotienten des Trumpeltiers, meint der hier Unterzeichnende, ist die Chance gar nicht so schlecht, dass er zahlt!


    Einen schönen Gruß
    Jürgen

    Moin tosamen —


    und meinen beiden Vor-Schreibern ein Dankeschön für ihre Antworten. Stoff zum Nachdenken für eine ganze Woche, wie es Schach&Matt prophezeit hatte, war das Rätsel nach der Punktlandung von Alex am Ende dann aber doch nicht.


    Nachdem sich 24 Stunden nach dem Einstellen des Rätsels noch nichts getan hatte, hatte ich bereits zwei weitere Dias eingescannt, um mit ihnen einen ‘heißen’ Tipp zu geben. Und zwar wollte ich darauf hinweisen, dass von dem Ort aus, zu dem der Bahnhof (Taormina-Giardini auf Sizilien) gehört, die beiden folgenden Fotos aufgenommen wurden:




    Das hätte wohl alle auf die richtige Fährte gebracht, denn so furchtbar viele Bahnhöfe, die sich unterhalb eines aktiven Vulkans befinden, gibt es vermutlich nicht. Darüber hinaus hätte ich auch noch ein Foto des Fahrkartenschalters, über dem das italienischen Wort für ‘Fahrkarten’ angebracht war, präsentieren können. Aber Alex brauchte das alles bei seiner Punktlandung nicht, und daher hier noch einmal meine Gratulation!


    Jürgen

    Einen schönen guten Morgen —


    und hier nun ein Bahnhof aus (falls ich nichts übersehen habe) einem Land, dass in dieser Bilderserie mit Bahnhofsrätseln bislang noch nicht auftauchte. Das Foto ist schon etwas älter. Ich nahm es Mitte Dezember 1996 auf, es stammt also noch aus dem letzten Jahrtausend. Um es hochladen zu können, musste ich das Dia heute Vormittag erst einmal einscannen. Hier ist das Ergebnis:



    Dann also mal ran, ihr Weltbummler, um welchen Bahnhof handelt es sich? So ganz abseits von jeglichem Touristenstrom liegt er nicht.


    Doch jetzt wünsche ich erst einmal einen guten Start in die Woche
    Jürgen

    Kylemore Castle & Mitchell Henry





    Die Geschichte von Kylemore Castle ist auch eine Liebesgeschichte. Ein Märchenschloss im Tudorstil, erbaut vom aus Manchester stammenden Kaufmann Mitchell Henry für seine Frau, die jedoch 1875 während einer Reise im Alter von erst 47 Jahren starb. Das Schloss war da gerade einmal vier Jahre alt. Die kleine Kapelle, die er für seine Frau hat errichten lassen, wurde 1994 wiederhergestellt und von der damaligen irischen Staatspräsidentin Mary Robinson ihrer Bestimmung übergeben. Auch in der Folge sieht man, dass Geld nicht immer glücklich macht: Im September 1892 kam seine Tochter Geraldine auf tragische Weise ums Leben, als sie mit ihrem Pferdewagen ein paar Meilen vom Schloss entfernt in den Dawros River stürzte. Mitchell Henry überlebte seine Frau um fast vierzig und seine Tochter Geraldine um 23 Jahre; er liegt nun zusammen mit seiner Frau in einem Mausoleum etwas östlich der Kapelle begraben.


    Im Gegensatz zu manchem Landlord seiner Zeit genoss Mitchell Henry hohes Ansehen in der ländlichen Bevölkerung, die er auch als ihr Abgeordneter im britischen Unterhaus vertrat. Vor fast einem Vierteljahrhundert schrieb mir ein damals achtzig Jahre alter Mann aus der Region: “… Mitchell Henry war damals der Landlord auf Schloss Kylemore und gab einer stattlichen Anzahl von Männern Arbeit. Kylemore Abbey, nennt man es heute, und die Benediktinernonnen geben immer noch vielen Frauen einen guten Job. Die Rollen haben sich getauscht: erst die Männer, nun die Frauen.”


    Und damit sind wir bei Bezeichnung ‘Kylemore Abbey’, unter der das Schloss bekannt wurde, nachdem es im 20. Jahrhundert Nonnen des Benediktinerorden übernommen und in ihm ein Mädcheninternat eingerichtet hatten. Das Internat wurde im Sommer 2010 geschlossen und die letzten Nonnen verbringen hier jetzt ihren Lebensabend. Heute sind das Schloss und der viktorianische, von einer hohen Mauer umgebene Garten eine Touristenattraktion, und in dem ehemaligen Internatsräumen hat eine private amerikanische Universität ein Kompetenzzentrum eingerichtet.


    Und damit wünsche ich allen eine schönes Wochenende
    Jürgen

    Wobei 80 km/h für diese Straße? Aber das haben wir bei unserer Tour von Derry via Galway nach Limerick auch öfters erlebt. ...


    Moin tosamen —


    nun denn, bei soviel Interesse und Spekulation versuche ich mal, den Hintergrund aufzuklären:


    Zum ersten: Die Schilder stehen dort, wo sie sind, nicht fernab jeder Besiedlung irgendwo in der Klüste, sondern mitten in einem Dorf, in dem ein reges Leben herrscht. Und exakt so, wie sie auf dem Foto zu sehen sind, schon seit Jahren. Man kann also nicht sagen, dass sie noch niemandem aufgefallen sind.


    Zum zweiten: Die Angabe 80 km/h ist in der Tat die richtige, was aber nicht heißt, dass es schon einmal jemandem gelungen ist, dort 80 km/h zu fahren. Die Sache mit den Höchstgeschwindigkeiten in Irland sieht so aus: Auf Autobahnen herrscht eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h, auf normalen Landstraßen von 100 km/h und in Ortschaften von 50 km/h. Dazu braucht es an sich keine Begrenzungs-Schilder. Und dann gibt es untergeordnete Straßen außerhalb der Ortschaften, auf denen man maximal 80 km/h fahren darf, was aber nicht heißt, dass diese Höchstgeschwindigkeit in jedem Einzelfall möglich ist. Diese Straßen sind daran zu erkennen, dass an ihrem Beginn 80 km/h steht — unabhängig davon, ob man auf ihnen überhaupt so schnell fahren kann.


    Jetzt zum Foto: Es handelt sich um eine Straße der Kategorie "untergeordnete Landstraße", die aus einem Dorf herausführt. Die beiden Schilder haben zwei Seiten. Fährt man in die Straße hinein, sollte auf beiden gemäß der Straßenkategorie 80 km/h zu lesen sein, kommt man von dort, wo der weiße Wagen steht, die Straße hoch, auf beiden Schildern 50 km/h, da man ja in eine geschlossene Ortschaft fährt, was mangels eines Ortseingangsschildes sonst nicht erkennbar wäre.


    Nun gibt es aber auch unter den Iren Scherzbolde, und es kostet weder viel Zeit noch Mühe, oben unter einem der beiden Schilder die Schraube zu lockern, es um 180° zu drehen und wieder anzuschrauben. Und da es offenbar niemanden im Dorf stört, hat man diesen Anblick nun schon seit mehreren Jahren. Falls jemand versucht, auf der Straße tatsächlich 80 km/h (oder auch nur 50 km/h) zu fahren, käme er ohnehin nicht weit, hätte nach fünfzig Metern einen Achsbruch oder würde nach hundert irgendwo im Gras auf dem Dach landen. Sollte die im achtzig Kilometer entfernten Galway residierende zuständige Behörde irgendwann einmal darauf kommen, wird sie das rechte Schild wohl zurückdrehen lassen, doch bis dahin ist es für uns Touristen ein hübsches Fotomotiv.


    Tschüüs denn, und noch einen schönen Tag
    Jürgen

    Wie schützt man Bilder wirklich? Sicher nicht mit den Foto-Metadaten EXIF und IPTC, denn diese Informationen lassen sich einfach ändern. Auch nicht mit https vom eigenen Server und auch keine Signaturen links oben oder rechts unten.


    Moin Freerunner —


    Da du mich hier zitiert hast, noch eine Bemerkung von mir dazu:


    Natürlich kann man Fotos so nicht ‘schützen’, denn mit entsprechender Kenntnis und ‘krimineller Energie’ lässt sich all dies entfernen. Um einen ‘Schutz’ z.B. gegen Raubkopierer ging es mir auch gar nicht; wer im Internet etwas veröffentlicht, muss mit dergleichen leben. Aufgrund der in der Regel sehr stark reduzierten Auflösung ist eine Verwendung von aus dem Internet kopierten Fotos jenseits des Internets sowieso kaum möglich.


    Es ging mir nur darum, dass ganz normale, ‘nicht boshafte’ Menschen, die in Foren, Blogs oder per Google-Bildersuche zufällig auf Fotos stoßen, zumindest die Möglichkeit haben, den Autor ohne lange Recherche oder sich irgendwo anmelden zu müssen ausfindig zu machen und ihn zu kontaktieren. So bekam ich vor längerer Zeit eine Mail von einem vierteljährlich erscheinenden Tourismusmagazin der Halbinsel Eiderstedt mit Interesse an einem Foto, dass die Herausgeber jenseits meiner eigenen Website im Internet entdeckt hatten. Man wurde sich einig, ich schickte ihnen das Foto in voller Auflösung und es erschien ganzseitig in einer Ausgabe des Heftes. Großes Geld brachte es nicht, doch freut man sich als Autor dann doch und ist wohl auch etwas stolz (und eitel). Und bei so etwas können in die Datei eingebettete ITPC-Infos oder direkt ins oder unter das Bild eingefügte Quellenangaben dann doch helfen.


    Die Exif-Angaben über das ‘Werkzeug und seine Anwendung’ (Kamera, Objektiv, technische Daten zur Belichtung etc.) lösche ich im Internet ebenso wie du, was vor allem bei kleineren Bildern (bei sehr großen macht es prozentual nicht mehr so viel aus) die Dateigrößen spürbar verringern und die Ladezeiten verkürzen kann — nicht jeder hat schnelles Internet.


    Tschüüs denn für heute
    Jürgen

    Landschaft, Literatur & Poesie


    August 2019



    Da ich in der vergangenen Woche außer Haus und offline war kommt das Kalenderblatt für den Monat August nun mit ein paar Tagen Verspätung. Das Foto zeigt einen Hauseingang in Tönnings Neustraße und wurde im August 2016 aufgenommen. Das Gedicht An die Freunde wurde erstmals 1851 in der Sammlung Sommergeschichten und Lieder veröffentlicht. Hier der vollständige Text:


    Wieder einmal ausgeflogen,
    Wieder einmal heimgekehrt;
    Fand ich doch die alten Freunde
    Und die Herzen unversehrt.


    Wird uns wieder wohl vereinen
    Frischer Ost und frischer West?
    Auch die losesten der Vögel
    Tragen allgemach zu Nest.


    Immer schwerer wird das Päckchen,
    Kaum noch trägt es sich allein;
    Und in immer engre Fesseln
    Schlinget uns die Heimat ein.


    Und an seines Hauses Schwelle
    Wird ein jeder festgebannt;
    Aber Liebesfäden spinnen
    Heimlich sich von Land zu Land.


    Wir hatten vor einigen Jahren in Tönning eine 85-jährige Frau als Feriengast, die als Tochter eines früheren Leiters des dortigen Wasser- und Schifffahrtsamtes in der Dienstwohnung des Amtes geboren wurde, später Finnland geheiratet hatte und dort als Künstlerin lebte. Dieses Gedicht, verriet sie uns, sei ihr Lieblingsgedicht. Bei jedem Besuch in Tönning würde sie sich fragen, wo nun das ‘ausgeflogen’ und wo das ‘heimgekehrt’ liege, doch habe sie es nie sagen können.


    Mit einem schönen Gruß in den Monat August
    Jürgen

    Moin tosamen —


    Ich finde es ganz toll, dass in diesem Reiseforum auch mal gezeigt wird, dass man auch ohne Flieger und ohne Autoanreise recht weit herumkommen kann. Wobei ich andere Reisearten nicht kritisieren will — schließlich fliegen wir selbst seit einem Vierteljahrhundert in jedem Juni nach Irland und haben dort drei Wochen lang einen Leihwagen zur Verfügung. Also schönen Dank an alle, die hier solche Alternativen zeigen!


    Mit einem schönen Gruß
    Jürgen

    Moin tosamen —


    ich denke, nun kommen keine weitere Vorschläge mehr — warum denn auch, denn unserer Bahnfahrexperte Globus lag mit seiner Antwort goldrichtig. Meine Gratulation!


    Wir befanden uns auf dem Rätselfoto am ‘East End’ der Hallig Langeneß, dem Endpunkt der Lorenbahn Dagebüll–Oland–Langeneß. Denn außer Sylt sind auch die Halligen Oland, Langeneß und Nordstrandischmoor über einen Schienendamm durchs Wattenmeer vom Festland aus zu erreichen. Der Hinweis ‘großer Bahnhof’ bezog sich darauf, dass vor gut zwei Wochen der Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein Daniel Günther dort mit ‘großem Bahnhof’ empfangen wurde. Medienmeldungen zufolge beklagten sich hinterher einige Halligbewohner, der Landeschef habe sich mehr mit den mitgereisten Presseleuten unterhalten als mit ihnen über ihrer Probleme.


    Die meisten der Halliglüüd besitzen eigene Loren, und will einer die seine benutzen, ist sportliche Betätigung angesagt. Da die Fahrzeuge ungeordnet hintereinander stehen, heißt es schieben und rangieren, bis die eigene vorne steht. Droht ein Landunter, werden die Loren mit Traktoren auf die Warfen ihrer Besitzer gebracht, denn dann steht der Bahndamm unter Wasser.


    Die CO2–Problematik ist in aller Munde, und so kann nicht umhin darauf hinzuweisen, dass es hier einst einen absolut emissionsfreien Zugverkehr gab. Das Foto links zeigt eine emissionsfreie Segellore vor dem Halligmuseum auf der Ketelswarf, ob es die von Käpt’n Magda war, weiß ich nicht. Als solche ging die auf der Nachbarhallig Oland geborene Magda Matthiessen in die Geschichte ein, denn sie war die Kapitänin der Segellore, die von 1945 bis 1970 auf dem Schienendamm zum Festland verkehrte. Blies der Wind allerdings ungünstig, musste die Lore mit ihrer Fracht geschoben werden, und die Passagiere hatten ungeachtet von Rang und Namen mitzuschieben.


    Einen schönen Gruß
    Jürgen

    Einen schönen guten Morgen —


    Nachdem uns Globus den großen Bahnhof von Innsbruck hat erraten lassen, folgt nun ein ganz kleiner — wenngleich hier jemand vor gut zwei Wochen mit ‘großem Bahnhof’ und einem Haufen Presseleute im Gefolge empfangen wurde:




    Einen gedruckten Fahrplan gibt es hier übrigens nicht, doch bevor ich weitere Tipps gebe, warte ich erst einmal ab, ob der Bahnhof nicht auch so erraten wird.


    Viel Spaß also beim Recherchieren.
    Jürgen

    Moin tosamen —


    es ging hier um eine Umfrage von Michael, in welchem Umfeld die reisefreudige Gemeinde dieses Forums gerne reist. Interessant natürlich für jemand, der selbst Reisedienstleistungen anbietet. Es ging aber, so glaube ich, nicht darum, ob das Reisen alleine, zu zweit, in kleinen Gruppen oder in größeren ‘besser’ oder ‘schlechter’ ist.


    Es mag interessant und vielleicht auch aufschlussreich sein zu wissen, wie viele Leute lieber Rot als Grün mögen, doch heißt das noch lange nicht, dass die eine Farbe besser als die andere ist. Und dann folgen die, die auf rot-grün-kariert stehen. Da lässt sich die Diskussion dann dahingehend ausweiten, wie viele Streifen Grün im Rot noch ‘schön’ sind und wie viele nicht mehr. Doch am Ende ist es eine Sache des persönlichen Geschmacks.


    Natürlich ist es interessant, über unterschiedliche Reisevorlieben zu lesen und von den Erfahrungen anderer zu lernen, doch darf man das nicht mit allgemeingültigen Bewertungen verwechseln. Es existiert da immer untergründig die Gefahr, so mein Eindruck aus früheren (nicht mehr existenten) Foren, dass der eine oder die andere seine Vorliebe und Denkweise für die wahre hält und meint, sie verteidigen und als die ‘bessere’ darstellen zu müssen. Letztlich aber kann jede(r) nur aus sich selbst heraus entscheiden, was sie oder er mag und ganz individuell zum ihm oder ihr passt. Der eher Introvertierte wird sich nie so ganz in den Gruppenmenschen hineinfühlen können, und umgekehrt auch nicht.


    Dies ein paar grundsätzliche Gedanken, die mir bei diesem Thema, das ich bislang übersehen hatte, durch den Kopf gehen. Sie beziehen sich nicht auf konkrete Beiträge, so dass niemand einen Bezug zu seinem suchen muss.


    So long
    Jürgen

    St. Anna von Tetenbüll


    Wir bleiben auf der Halbinsel Eiderstedt und radeln weiter zur Kirche St. Anna von Tetenbüll, einer Gemeinde mit weniger als sechshundert Einwohnern. Um das Jahr 1113 wurde hier eine Kapelle errichtet, die Ursprünge der heutigen, zum Schutz gegen Hochwasser auf einer Warft (künstlich aufgeschütteter Hügel) gebauten Kirche stammen etwa aus dem Jahr 1400. 1491 wurde sie erweitert und der Kirchturm errichtet:



    Besonders bekannt ist St. Anna für ihre einzigartige Deckemalerei. Da im 18. Jahrhundert die ärmere Bevölkerung weder lesen noch schreiben konnte, wurde der Weg Christi als Bibel der Armen in einer Bildfolge an die Decke gemalt. Hier eine Szene daraus:



    Da das Wasser der Nordsee bei Sturmflut früher sehr hoch stand, findet man auf der Kirchwarft anders als bei den meisten anderen Eiderstedter Kirchen keine Gräber. Und so wurde, damit auch der Pastor nicht so schnell nasse Füße bekam, auch das Pastorat auf einer Warft erbaut, die mit der noch höheren Kirchwarft durch eine Brücke verbunden ist. Ich denke, hier wohnt man nicht schlecht:



    Die Fotos wurden im Mai 2017 aufgenommen, und mit ihnen wünsche ich allen hier einen schönen Start ins Wochenende.


    Jürgen

    Der Leuchtturm von Westerheversand & Heinrich Geertsen




    Er war der letzte seines Standes. Am 1. August 1965 trat im Alter von 29 Jahren Heinrich Geertsen sein Amt als Leuchtturmwärter von Westerheversand an und zog mit seiner Familie in die Dienstwohnung unter dem Turms. Nachdem die Möbel per Treckergespann zur Warft transportiert und mit Helfern in die Wohnung gehievt worden waren, watete Ehefrau Traute mit dem sechs Wochen alten Sohn im Kinderwagen durch das Watt — denn auf dem Vorland war wieder einmal Land unter. “Langweilig war es nie”, stellt Heinrich Geertsen in einem Bericht des Hamburger Abendblattes aus dem Jahr 2007 fest. Fischfang gab es vor der Haustür, und im Garten auf der Warft wurden Kartoffeln und Gemüse angebaut. Seine Eltern — schon sein Vater war hier Leuchtturmwärter gewesen — hatten noch Kühe, Schafe und Schweine gehalten, doch damit war nach schlimmen Sturmfluten Schluss.


    Im Jahr 1979 wurde der Betrieb des Leuchtturms automatisiert, er wird seither vom Wasser- und Schifffahrtsamt Tönning gesteuert. Die Leuchtturmwärter hatten ausgedient. Doch noch heute macht der mittlerweile 83-Jährige Führungen an seiner alten Wirkungsstätte — und gerät beim Besteigen des Leuchtturms weniger aus der Puste, als manch ein junger Spund.


    Mit einem schönen Gruß an alle hier im Forum
    Jürgen


    Gode Betern, leve Inge, un hool di stief …


    wie dieser Leuchtturm auf der Grußkarte, die mien Deern gemalt hat, wünsche ich aus Deutschlands Hohem Norden.


    Jürgen

    Landschaft, Literatur & Poesie


    Juli 2019



    Mit dem Juli folgt hier das nächste Kalenderblatt. In dem abgebildeten Husumer Haus aus dem Jahr 1712 in der Hohlen Gasse Nr. 4 spielt Theodor Storms 1880 verfasste Novelle Die Söhne des Senators, bei der es um einen Erbstreit geht. Den meisten Erzählungen Storms ist kein Happy End beschieden, doch in dieser Geschichte gibt es mal eines. Das Haus liegt schräg gegenüber jenem, in dem Storm seine Kindheit verbrachte. Das Foto stammt aus dem Sommer 2014; im Hochformat aufgenommen, habe ich für dieses Kalenderblatt einen Ausschnitt daraus gewählt.


    Und damit allen einen schönen Start in den neuen Monat
    Jürgen

    Moin tosamen —


    Von Häusern und Menschen habe ich dieses Thema genannt, doch will ich den Begriff ‘Häuser’ sehr weit fassen. Gebäude, die von Bedeutung für das Leben bekannter und interessanter Menschen waren oder immer noch sind. Fotos von ihnen (egal, ob kleine Katen, große Schlösser, Mühlen, Türme, einfache Wohnhäuser oder was sonst auch immer) und dazu ein paar Worte zu den Menschen, die z.B. in ihnen geboren wurden oder starben, in ihnen (freiwillig oder unfreiwillig) einen Teil ihres Leben verbrachten oder z.B. irgendetwas Besonderes geleistet haben.


    Ein paar Beispiele: Vielleicht hat ja jemand mal die Löwen Apotheke in Neuruppin fotografiert, in der im Dezember vor 200 Jahren Theodor Fontane geboren wurde, oder den Cavern Club in Liverpool, in dem 1961 die Beatles ihre Karriere begannen. Oder findet in seinem Archiv ein Foto vom Elephant House, jenem Café in Edinburgh, in dem eine Frau Rowling den ersten Band von Harry Potter schrieb. Oder ein Foto von Goethes Wohnhaus in Straßburg, das er oder sie uns hier zeigen kann. Ich selbst habe vor einiger Zeit Hannes Waders Windmühle Fortuna und Knut Kiesewetters Fresenhof in Nordfriesland fotografiert, die gut in dieses Thema passen. Und so weiter und so fort … Ich denke, das sind der Beispiele genug, und es reicht als Prolog. Und so starte ich das Thema ausgehend von einem hier kürzlich vorgestellten ‘Bahnhofsrätsel’ mit:



    Ballynahinch Castle und der Maharadscha von Connemara





    Den ersten Auftritt dieser interessanten Persönlichkeit in Irland beschreibt Anne Chambers in ihrem Buch Ranji – Maharajah of Connemara, ich habe die Zeilen hier ins Deutsche übersetzt, wie folgt:


    17. Juli 1924. Das Postschiff fuhr in Hafen von Kingstown und machte am üblichen Liegeplatz fest. Doch für die neugierigen Passanten war offensichtlich, dass heute irgendetwas anders war. Ein Kontingent der neu geschaffenen Nationalgarde hatte sich am Kai aufreiht, nicht weit davon warteten Minister des irischen Freistaates und offizielle Vertreter Dublins. Von dem Schauspiel angezogen bildete sich eine Zuschauermenge. Alle Augen richteten sich auf die Gangway. Nach kurzem Warten ertönte ein erstauntes Murmeln aus der Menge und eine Gestalt erschien, gekleidet in einen blauen Seidenmantel mit weißen Leggins und einem weißen Turban, auf dessen Mitte ein großer Smaragd prangte. Mit dunklem Gesicht und lächelnder Miene kam die Gestalt im flotten Schritt den Gang herunter und schüttelte Außenminister Desmond Fitzgerald die Hand. Und damit begann die Love Story zwischen seiner Hoheit, Prinz Kumar Shri Ranjitsinhji, Maharadscha von Nawanagar, Staatsmann und berühmter Kricketspieler, und Irland – eine Affäre, die erst mit seinem plötzlichen Tod im Jahr 1933 ihr Ende fand.


    Privat war ‘Ranji’, wie er in der Bevölkerung genannt wurde, eher wie ein englischer Landedelmann gekleidet. Rasch verliebte er sich in die Angelgründe und das Anwesen von Ballynahinch Castle, das er nach einigen Sommeraufenthalten mit einem in England aufgenommenen Kredit erwarb. Eine schillernde Gestalt mit guten Beziehungen zur Regierung des Freistaates – der Außenminister wurde oft zum Angeln eingeladen – und beliebt bei den Bewohnern der Region, denn er zahlte höhere Löhne als üblich und beglich in Irland entgegen seinen sonstigen Geflogenheiten seine Rechnungen. Alljährlich erwarb er fünf neue Autos, die er am Ende der Sommersaison an verdiente Einheimische verschenkte. Wurde seine Ankunft erwartet, legte man vor dem Bahnhof von Ballynahinch Knallkörper auf die Schienen, auf dass die Dienerschaft rechtzeitig zu seinem Empfang bereitstand. Zwei seiner Nichten gingen in Kylemore Abbey zur Schule, wo man den Besuchern noch heute stolz ihre Fotos zeigt. Nach seinem Tod verkauften die Erben das Anwesen, heute ist es ein Hotel.


    Doch wie es jedoch scheint, fand die Love Affair zwischen Ranji und Ballynahinch mit seinem Tod nicht ihr Ende, denn es gibt immer mal wieder Berichte von Einheimischen, die seinen Geist beim Angeln an einem der Gewässer rund um das Schloss gesichtet haben.


    Nun aber bin ich gespannt auf weitere interessante Geschichten Von Häusern und ihren Menschen. Es muss kein ‘langer Roman’ sein, ein Foto des Gebäudes mit einer kurzen Erläuterung zur Person tut es auch.


    Mit einem schönen Gruß in den Tag
    Jürgen

    Moin tosamen —


    und da bedanke ich erst einmal mich bei den Teilnehmern an dem Rätsel für die netten Worte. Sabine hat natürlich Recht: es handelt sich um den Bahnhof von Ballynahinch an der ehemaligen, im Jahr 1895 eröffneten Midland Great Western Railway, die über 84 Meilen mehr oder weniger durch Torfmoore von Galway nach Clifden führte, aber bereits 1935 wieder stillgelegt wurde. Es handelte sich um eine Breitspurbahn mit einer Spurbreite von 1.600 mm. Der Bahnhof von Ballynahinch ist nach meiner Einschätzung der am besten erhaltene der Strecke. Hier noch ein Foto des ehemaligen Güterschuppens links vom Bahnhofsgebäude:




    Das Foto darunter zeigt die Reste der Eisenbahnbrücke kurz hinter der Ausfahrt nach Westen. 1993 bin ich noch über diese Brücke gegangen; heute würde ich es nicht mehr wagen. Man kann sich bei dem Foto sicher gut vorstellen, dass die Region ein beliebtes Angelrevier ist. Auf den legendären ‘Maharadscha von Connemara’, der hier zum Angeln auszusteigen pflegte, werde ich später noch einmal im Rahmen eines neuen Themas eingehen, das mir durch den Kopf geht.


    Tschüss für heute und alles Gute
    Jürgen