Instagram zerstört Geheimtipps

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    • Instagram zerstört Geheimtipps

      @Globus hat es in einem anderen Thread angesprochen und ich habe mir gedacht, ich starte mal ein neues Thema dazu. Seine Worte sind:

      Globus schrieb:

      Apropos Instagram ... Da war neulich ein Bericht, welche Folgen Instagram Bilder für Natur und Leute haben können.
      So werden oft diese fantastischen Motive heimgesucht, die Umgebung niedergetrampelt oder den Bewohnern jede Privatsphäre verwehrt.
      Beispielsweise in Hallstatt/Salzkammergut wo vor allem Asiaten bis in die Gärten vordringen. Sichtlich in der Meinung, Hallstatt sei ein Themenpark. Gibt schon Fotografen, die der Natur zuliebe, beim Posten in Instagram auf den Verweis des Orts verzichten.

      Mittlerweile häufen sich diese Art von Bericht und ich kann dem nur zustimmen. Und ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich ja in einem kleinen Teil vielleicht sogar mit Schuld habe. Immerhin zeige ich dem Rest der Welt ja auch sämtliche Reiseziele, an denen ich war. Und das nicht nur auf meiner Webseite, sondern auch in den sozialen Netzwerken, in Büchern und bei Vorträgen.

      Zwei Beispiele fallen mir dazu ein. Da wäre zum einen Trolltunga in Norwegen. Ich war dort im Jahr 2012. Damals galt die Wanderung noch einigermaßen als Geheimtipp. Das scheint mittlerweile komplett vorbei zu sein. Einen Teil der Wanderung kann man sich bei früher Ankunft nun durch einen neuen Parkplatz sparen. Außerdem wird das Motiv der Trolltunga nun auch immer öfter von Visit Norway für Werbezwecke verwendet. Und vor ein paar Tagen habe ich gesehen, dass diese Wanderung auch von Google Streetview abgewandert wurde. Das ist nicht nur ein Zeichen für die Popularität, sondern man sieht bei der virtuellen Wanderung sehr viele Wanderer auf der Strecke.
      Wer Trolltunga nicht kennt, hier ein Bild von mir mit Pingu:



      Zum anderen gibt es die kleine Allee namens Dark Hedges. Wir wurden im Jahr 2013 durch einen Zufall darauf aufmerksam. Denn in einem irischen Prospekt auf der Fähre sahen wir ein kleines Bild von Dark Hedges und wir nahmen das zum Anlass, dort hinzufahren.
      Damals konnten wir noch mit dem Womo ganz legal durch die Straße, das Fahrzeug abstellen und waren fast alleine unter den Baumkronen unterwegs. Mittlerweile ist Dark Hedges zur Filmkulisse in "Game of Thrones" geworden und zahlreiche Bilder in den Netzwerken sorgten ebenfalls für einen größeren Bekanntheitsgrad. Und auch ich war nicht untätig. Ich hatte damals einen Blog-Beitrag geschrieben, ein einfaches Video bei Youtube hochgeladen, Dark Hedges in meinen Vorträgen ständig vorgestellt und bei uns auf dem Platz hängt eine 2x3 Meter große Plane mit dem Motiv. Ein Motiv, auf das wir sehr oft angesprochen werden. Auch wenn ich ganz sicher nicht so einen großen Bekanntheitsgrad wie "Game of Thrones" besitze, so fühle ich mich für die Ereignisse in diesem Jahr dann ein klitzekleines bisschen mitverantwortlich. Und zwar hatten wir ja Landgang in Belfast und wollten nochmal zur Straße, weil sie uns damals eben gut gefiel.
      Zunächst fiel uns auf, dass die Durchfahrt durch die Straße nun offiziell verboten ist (nicht versperrt, sondern nur verboten). Außerdem gab es jetzt eine kleine Infotafel über die Filmszene in der Serie und zu guter Letzt waren wir alles andere als alleine unterwegs.
      Mitten in der nordirischen Einsamkeit, wo es sonst nichts gibt, war die Straße teilweise so voll wie aktuell die Fußgängerzonen bei den Weihnachtsmärkten. Und es war alles dabei. Auch diese Idioten, die glauben, sie könnten ihren Namen in die Baumrinde ritzen. Diese blöde 20jährige Göre habe ich so dermaßen angeblafft und erschrocken, dass sie hoffentlich nie wieder irgendwelche Ritzungen vornimmt (sorry, aber bei so etwas fehlt mir komplett das Verständnis).

      Hier mal Bilder von Dark Hedges:


      August 2013



      September 2018


      Und hier noch das Infoschild zu "Game of Thrones". Die Serie habe ich übrigens nie gesehen.

      Ich habe bei der Allee allerdings die vage Hoffnung, dass sich das Thema in ein paar Jahren wieder erledigt haben wird. Dann ist die Straße vielleicht nicht mehr so populär.


      Und was das von Globus angesprochene Hallstatt betrifft, war ich in diesem Jahr auch dort. Mir sind natürlich auch die dortigen Hinweisschilder nicht entgangen:






      Aber jetzt gebe ich den Ball mal an euch. Kennt ihr Spots, die ein ähnliches Schicksal erlitten?
    • Ich wasche meine Hände in Unschuld... ;) Angkor Wat war schon vor mir voll und Peking erst recht! ;)

      Ich hab Ende der 90er bis Anfang 2000er eine Webseite gehabt, auf der ich Drehorte für Astrid Lindgren Filme gezeigt und Wegbeschreibungen veröffentlicht hatte. Das fand sich dann auch auf immer mehr Webseiten, allerdings mit eher geringer Reichweite.
      Heute muss man ja nicht mal mehr richtig lesen und schreiben können und hat trotzdem bei Instagram eine unglaubliche Reichweite.

      Ob es an Schweden liegt, nicht hip und exotisch genug? Zu abgelegen (eigentlich nicht)? Oder sind die Lindgren-Filme zu alt und eher ein Relikt der Vor-Instagram-Generation?

      Ich denke allerdings, dass Instagram ein Problem nur beschleunigt, dass wir früher oder später eh gehabt hätten: Ziemlich viele Leute auf der kleinen Erde.

      Gleichzeitig ändern sich die Urlaubsgewohnheiten, Bettenburgen ziehen wohl doch immer weniger Menschen an. Während es einerseits noch immer unerträgliche Armut in vielen Ländern der Welt gibt, kann sich ein anderer Teil der Menscheit längere, weitere, teurere Reisen leisten als jemals zuvor.

      Wo ich eingangs Angkor Wat erwähnt habe und es ja auch um Instagram geht: Nicht Instagram, sondern Instagrammer, Aufmerksamkeitssüchtige Individuen, die sich statt Instagram sicher andere Plattformen suchen würden, zerstören Sehenswürdigkeiten! Nicht nur, dass die Kleidungsvorschriften missachtet werden, man macht sich da mal fast nackig, steigt über ne Barrikade, tatscht alles an und filmt sich dabei... Mal weg vom fehlenden Respekt: durch Angkor gehen so viele Menschen, dass an den Stellen, wo immer alles angetatscht wurde, die Stonecarvings durch diese gedankenlosen Berührungen praktisch abgeschliffen wurden.
      Blog: ombidombi.de

      Wer Schmetterlinge lachen hört,
      der weiß, wie Wolken schmecken...
    • Ich glaube nicht das Instagram diese Orte zerstört, vielleicht etwas schneller, da die Infos im Netz enorm sind.
      In Zeiten von GPS und Internet ist heute nichts mehr sicher vor Tourismus , wo ich mich auch nicht von freisprechen
      will.
      Trolltunga, Preikestolen, Kjeragbolten,torghatten Norwegen und vieles mehr sind Magneten und wie eine Autobahn in den

      Spitzenzeiten.

      Island der Goldene zirkel ist der Wahnsinn was dort an Asiaten zu gegen war, da war es in den Westfjorden oder im Hochland richtig ruhig.


      Gruß
    • Michael Moll schrieb:



      Aber jetzt gebe ich den Ball mal an euch. Kennt ihr Spots, die ein ähnliches Schicksal erlitten?
      Wir hatten heuer in Dark Hedges auch das Glück, dass wir vor den ersten Reisebussen vor Ort waren und so diese schöne Allee für uns hatten.

      "Instagram zerstört Geheimtipps" und das ist der Unterschied zum allgemeinen Tourismus, denn die begnügen sich mit den üblichen Motiven, ohne die Umwelt oder Privatsphäre massiv zu belasten.

      In Wien gibt es auch etliche Hotspots, wie in Schönbrunn die Blumenbeete (trotz Schild) oder im Stadtpark das Johann-Strauß-Denkmal, dass man selten ohne Touristen fotografieren kann. Da reicht es nicht mehr sich vor dem Denkmal hinzustellen, nein man muss raufklettern und so blättert das Blattgold wieder langsam ab. X(

      Ganz schlimm finde ich, was derzeit in Machu Picchu abgeht.
      Mir graut, wenn ich das lese ... theonlyperuguide.com/machu-pic…rance-rules-july-01-2017/
      Schätze mich aber glücklich, dass ich diese Hotspots schon vor Jahrzehnten ohne Andrang erlebte.

      Asien und Neuseeland habe ich nun aus meiner Reiseliste gestrichen. Vor zwei Jahren stand noch Myanmar am Programm und es war noch einigermaßen verträglich. Aber auch dieses Reiseziel ist schon im Würgegriff des asiatischen Massentourismus und der Instagramer.
      Vom Airport in Heho zum Inle-See ist bereits eine Autobahn in Vorbereitung, um Reisenden einen Tagesausflug von Yangon zum Inle-See zu ermöglichen. Und dort gibt es dann einige Instagram Hotspots in Buddhistischen Tempelanlagen und den schwimmenden Häusern und Gärten.
      Der Weg ist das Ziel
    • Ich denke nicht, dass man Instagram die Schuld geben kann. Es ist ein allgemeines Phänomen dieser Zeit. Es sind gerade die Filme und Serien mit Kultstatus, wie oben schon erwähnt Game of Thrones, und auch andere Top-Produktionen, die an realen Drehorten entstanden sind, sie alle sorgen für reichlich Fan-Andrang. Jeder will die Location sehen und, ja auch sich per Selfie dort verewigen.
      Man könnte ja fast sagen, dass Produktionen, die allein in künstlichen Kulissen oder im Computer entstehen, für Naturschutz sorgen...
      Im Grunde muss jede Gemeinde, die solche Sets für Filme/Serien stellt, sich dieses Umstands bewusst sein. Das kann ein sehr belebender Faktor für die lokale Wirtschaft sein, aber es kann auch die Location am Ende zerstören.

      Es geht uns ja ähnlich, im ganz Kleinen, mit Stellplatz-Tips. Wenn man hier öffentlich eine Location postet, wo man mit dem Wohnmobil einfach so in der Natur oder in einer Stadt unbehelligt übernachten kann, dann wird es wohl nicht lang dauern, bis dieser Platz ein "Für-Wohnmobile-gesperrt-Schild" bekommt, weil der Platz ständig zugeparkt wird und garantiert einige ihren Müll in die Natur werfen.

      LG
      Volker
      Volker und Corinna, im Dethleffs Trend A 6977