Authentisch Reisen?

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    • Authentisch Reisen?

      Moin und ni hao!

      Ich habe mich im Rahmen einer Blogparade mit dem Thema "Authentisch reisen" auseinandergesetzt. Meine persönlichen Erfahrungen damit (mein mittlerer Sohn fand Peking überhaupt nicht authentisch chinesisch...) garniert mit ein paar Anektdötchen mit von mir als authentisch empfundenen Erlebnissen.

      Vielleicht mögt Ihr gucken?
      ombidombi.de/authentisch-reisen/
      Die Blogparade wird veranstaltet von Ulrike vom bambooblog.de.

      Und wie ist es bei Euch? Sind Euch "authentische Erlebnisse" wichtig auf Reisen? Wenn ja, wie steuert Ihr die an? Oder was sind wichtigere Kriterien für Eure Reiseplanung?

      LG Lin
      Blog: ombidombi.de

      Wer Schmetterlinge lachen hört,
      der weiß, wie Wolken schmecken...
    • Hallo Lin,

      hab mich durch deinen Blogbeitrag geschmökert und bin ganz deiner Meinung.

      Es kommt auch viel darauf an , was uns als "authentisch" bzw. auch "typisch" für dieses Land vorgegaukelt oder durch Medien suggeriert wird.

      Ich muß gestehen, ich kann mich auch nicht zurückhalten auf die Knipse zu drücken, wenn ich eine "authentische Szenerie" sehe. Trotzdem bin ich immer neugierig darauf, hinter die Kulissen zu schauen. Das war besonders spannend, als wir Bali bereisten. Von unserem Führer bekamen wir auf sehr charmante Weise das Bilderbuch-Bali gezeigt und abends machten wir uns auf die Suche nach dem "echten" Bali.

      Da ist sie wieder..... die Kathegorisierung.

      Grüßle

      Natalie
      Ich bin..
      Teilzeit-Engel
      Gelegenheits-Hexe
      Gleitzeit-Teufel
      Vollzeit-Verrückte
      ....aber glücklich!
    • Sehr schön geschrieben und ich habe dazu mal ein bisschen in der Erinnerung herumgekramt. So ein wahres authentisches Reisen gibt es wohl kaum. Zumindest nicht bei uns und wenn, dann nur teilweise. Ein paar Sachen, die mir einfallen:
      2005 fuhr ich mit dem Wohnmobil über den Balkan. Albanien war spannend, habe ich aber nur aus dem Fahrerhaus erlebt. In Bulgarien kam ich in Kontakt mit einer Familie auf einem kleinen Dorf, die mich total herzlich zu sich einluden. Das war vermutlich sehr authentisch, aber nur für einen Nachmittag, bis ich dann nämlich wieder ins Womo einstieg.
      Im Jahr davor war ich in Estland unterwegs und hatte Kontakt zu einer Studentin, die mir vier, fünf Tage lang das ganze Land zeigte. Mit ihren Freunden fuhren wir durch die Gegend und ich erlebt Estland so, wie man es als Normal-Reisender nie erleben würde. Das war klasse, ein toller Einblick in das Leben der Esten. Aber eben mit einem Wohnmobil, was wiederum nicht dazu passte.
      Unsere Transsib-Reise war eine Fahrt in der 1. Klasse. Das ist weit entfernt von den 3.Klasse-Abteilen mit den klassischen Wodka-Veranstaltungen, aber eben auch weit entfernt von den klassischen Fahrten mit dem Zarengold. Und trotzdem hatten wir unterwegs von beidem irgendwie ein bisschen.
      Am authentischsten war wohl unsere Frachtschiffreise. Aber kann man das wirklich so sagen? Denn wir waren Passagiere. Wir aßen mit den Offizieren und dem Kapitän und eben nicht mit den Matrosen. Wo beginnt also hier die Authentizität und wo hört sie auf?

      Da ich ja meistens auf vier Rädern durch die Gegend reise, ist es mir in der Vergangenheit oft passiert, dass ich das authentische Leben vor Ort meistens bei einer Autopanne kennenlernte. So wie im letzten Jahr in Canterbury. Man spricht plötzlich mit Leuten, mit denen man sonst eigentlich keinen Kontakt sucht (Abschlepper, Mechaniker) und lernt Orte kennen, zu denen man auf einer normalen Reise nicht hinfährt (Industriegebiet, Hinterhofwerkstatt). Ansonsten ist es für mich wichtig, im Reiseland einkaufen zu gehen. So geschehen auch letzte Woche wieder in Aarhus/DK. Wir waren ja nur ein paar Tage vor Ort und hätten sämtliche Lebensmittel aus Deutschland mitbringen können. Aber so etwas machen wir bewusst nicht, weil man durch Einkäufe in einem gewöhnlichen Wohnviertel einen ziemlich authentischen Eindruck von dem Ort und den Menschen erhält, wo man sich gerade aufhält. Finde ich.
    • Zu dem Beispiel in Lins Blog, ob Peking denn als authentisch chinesisch zu bezeichnen ist, wäre meine Gegenfrage: Ist Hamburg etwa nicht authentisch deutsch? Auch für jemanden, der vorher nur Oberammergau gesehen hat? Natürlich ist es das, auch wenn es eine völlig andere Facette des Landes zeigt.

      Für mich spielt das Wort "authentisch" eigentlich nur eine Rolle, wenn landestypische Dinge außerhalb ihres "Heimatlandes" angeboten werden. Also etwa chinesische Restaurants in Deutschland oder deutsche Spezialitäten (oder gar ein "Oktoberfest") irgendwo im Ausland. In diesen Fällen ist es nämlich eher selten, das wirklich "authentische" Erlebnis zu bekommen, weil allzu oft zu große Kompromisse gegenüber der "Gastgeber"-Kultur gemacht werden.

      Wenn ich auf Reisen bin, stelle ich mir eher zwei Fragen:
      - Wie "landestypisch" ist das, was ich hier sehe?
      - Wieviel bekomme ich vom Leben der einheimischen Bevölkerung mit?

      Landestypisch ist natürlich erstmal die Landschaft. Natürlich besuche ich da ganz gerne Gegenden, die besonders einzigartig sind. Außerhalb solcher Gegenden wird eine Landschaft hingegen schnell auch mal mit anderen Reisezielen austauschbar. Das ist mir zum Teil beim Betrachten der Bilder im "Bild des Tages"-Thread aufgefallen: Bei manchen Bildern erkennt man sofort ein bestimmtes Land oder eine Region, bei anderen ist das längst nicht so deutlich, und man vertut sich beim Raten sogar manchmal im Kontinent.
      Ähnlich ist das auch bei Städten. Eine Großstadt ist erstmal eine Großstadt, und wenn man nicht gerade das Wahrzeichen einer Stadt vor der Linse hat, sind sich - mit etwas Abstand betrachtet - viele Städte der Welt doch erstaunlich ähnlich. Und bei vielen Anblicken, die für ein Land oder eine Stadt besonders "typisch" sind, bekomme ich oft das Gefühl, dass sie so stark touristisch geprägt sind, dass sich dort gar kein einheimisches Leben mehr abspielt, und somit ein gutes Stück von "Authentizität" wiederum verloren gegangen ist. Beispiele, die mir da spontan einfallen, wären die Innenstädte von Danzig oder Rothenburg ob der Tauber (da muss man schon in die Seitengassen ausweichen, um das "authentische" Leben zu finden) oder auch die Reisterrassen-Dörfer in der Nähe von Guilin in China.

      Damit kommen wir auch zum Thema Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung. Oftmals bewegt man sich auf Reisen ja in einer Art "Blase" die den Reisenden von der lokalen Bevölkerung trennt. Michael hat das ganz gut hinsichtlich des Reisens im Wohnmobil beschrieben. Auf anderen Reisen bewegt man sich hingegen fast nur in Flughäfen, Taxis, Hotels und Touristenbussen, die einen punktgenau zu den Sehenswürdigkeiten bringen und danach auch gleich wieder abtransportieren. Oder man hat als Reisegruppe immer einen (meinetwegen einheimischen, aber deutsch- oder englischsprachigen) Reiseleiter, der den Reisenden zwar vieles vereinfacht, ihnen aber auch das Erlebnis nimmt, sich wirklich selbst im land zu bewegen.
      Für mich sind die eindrücklichsten Reiseerlebnisse oft solche, in denen ich aus dieser "Blase" ausbrechen konnte - ähnlich wie die Begegnungen, von denen Michael erzählt hat. Das bedeutet nicht selten ein Verlassen der "Komfortzone", weil man sich dann erstmal orientieren muss. Aber meiner Erfahrung nach lohnt sich das in den allermeisten Fällen. Mit Autopannen und Ähnlichem hatte ich zum Glück kaum zu tun. Aber es ist schon mal recht interessant, einfach mal (außerhalb der Touristenfallen) einkaufen zu gehen, oder auch die ganz normalen öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Und wenn man mit Einheimischen ins Gespräch kommt, erfährt man natürlich noch wesentlich mehr. So erinnere ich mich auch noch gut an meinen Abend in Guilin, wo mich ein Einheimischer angesprochen hatte, den ich zunächst als etwas aufdringlich empfand. Am Ende wollte er mir zeigen, wo ich etwas zu essen bekommen kann. Und nachdem ich sowohl beim McDonald's als auch beim Edelrestaurant den Kopf geschüttelt hatte, nahm er mich mit in eine Art Schnellimbiss, wo er selbst täglich seine Mittagspause verbrachte. Da gab es zwar ausschließlich Reisnudeln, aber die waren richtig gut, und die Stimmung in diesem Laden hätte ich sonst nirgends erlebt. Oder das Hotel, in dem ich dort wegen eines verpassten Anschlusses übernachten musste. Dort gab es kein Frühstück im Haus, aber von meinem Zimmerfenster aus hatte ich in den Seitengassen gesehen, dass dort Straßenhändler diverse Teigtaschen und ähnliches anboten. Also habe ich mich dort verpflegt.
      Ich gebe zu, dass ich hin und wieder auch froh bin, mich wieder in die "Blase" zurückziehen zu können. Gerade in China fand ich das Reisen unter Einheimischen mit der Zeit doch ziemlich anstrengend, so dass ich froh war, irgendwann in einer europäisch geführten Unterkunft zu landen. Aber ohne diese Erlebnisse hätte mir in diesem Urlaub definitiv etwas gefehlt.