Vom Ruhrgebiet zur Nordsee

    • Deutschland

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    • Ich hab auch gleich gedacht, dass ihr ziemlich flott unterwegs wart.

      Meine Tochter nebst Schwiegersohn in spe bricht heute zu einer Radtour auf dem Oder-Neisse-Radweg auf. Mit dem Zug geht es nach Görlitz und ab da bis Ueckermünde mit dem Rad. Ich hoffe, dass das Wetter langsam mitspielt.
      Viele Grüße aus Sachsen,
      Heiko
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      Machen ist wie wollen, nur krasser.
    • Weiter geht's. Morgen sind die 200 Kilometer an der Reihe.

      Start in Duisburg-Wedau, entlang der Ruhr bis Dortmund, dort vorbei am Stadion (was bestimmt spannend wird, wenn die Borussen heute noch gewinnen sollten), weiter nach Gelsenkirchen, durch Essen und auf dem neuen Radschnellweg nach Mülheim und Duisburg.

      Unterwegs bin ich auf dem Ruhrtalradweg und auf Bahntrassen mit Namen wie Rheinischer Esel, Erzbahntrasse und Zollvereintrasse. Ich lasse mich überraschen. Um 7 geht's los...
    • Danke euch für's Daumen drücken. So langsam bin ich wieder unter den Lebenden. Ein bisschen länger schlafen tat heute aber sehr gut.

      Ich will kurz erzählen, wie es mir auf den 200 Kilometern ergangen ist. Im Laufe der Woche werde ich sicher noch einen Blog-Beitrag schreiben.

      • km 0, Stadion MSV Duisburg - Ein bisschen aufgeregt, aber noch ist alles gut. 81 Teilnehmer sind am Start. Die Hardcore-Rennradler sind sofort weg und waren von mir nicht mehr gesehen.
      • km 20, Ruhrtalradweg Mülheim - Vermutlich bin ich letzter und dümpel gemütlich mit 18 km/h hinter einer Gruppe her.
      • km 30, Baldeneysee Essen - Jetzt wird es mir zu langsam. Das ist meine Hausstrecke, auf der ich jeden Stein kenne und normalerweise mit 25-28 km/h fahre. Außerdem weiß ich, dass gleich ein paar Engstellen kommen. Also überhole ich zwei Gruppen mit je rund 12 Radlern und setze mich ab. Eigentlich will ich aber zu so einem frühen Zeitpunkt nicht so viel Energie aufbringen.
      • km 40, Ruhrtalradweg Hattingen - Ich hatte im Vorfeld zum ersten Mal in meinem Leben Powergels und Liquide gekauft. Drei Stück, die ich mir aufteilen wollte. Nun war es an der Zeit, das erste zu probieren. Schmeckte nicht, ob es geholfen hat, kann ich auch nicht bestätigen.
      • km 55, Ruhrtalradweg Hattingen/Bochum - Seit dem Baldeneysee war ich alleine auf weiter Flur, bis ich hier einen einzelnen Radler aufgriff, der ohne Karte/Track hilflos umherirrte und nach eigenen Angaben etwas kraftlos war.
      • km 65, Kemnader Stausee - Gemeinsam fuhren wir zum ersten organisierten Stopp, wo es im Haus Oveney ein ausreichendes Frühstück gab. Ein bisschen Rührei und Obst und danach ging es dann weiter.
      • km 75, Witten - Das Ruhrtal wird jetzt verlassen. Das bedeutet, es geht deutlich bergauf. Macht keinen Spaß.
      • km 85, Dortmund-Kirchhörde - Ein steiler Anstieg und mir geht die Puste aus. Ich probierte das zweite Powergel. Schmeckte sehr gut und ich hatte den Wunsch, davon einen ganzen Liter einzunehmen.
      • km 90, irgendwo am Dortmunder Zoo - Ich kämpfe sehr und ich wünsche mir, endlich den 100. Kilometer zu erreichen. Denn dann weiß ich, auf dem Rückweg zu sein.
      • km 95, Dortmund-Phoenix-See Westufer - Eine Eisdiele... Vollbremsung. Drei Kugeln für 3,60 €. Ich vermute, dass ich selbst als Kind niemals so schnell ein Eis gegessen habe. Während ich da gemütlich sitze und auf den See blicke, radeln 20-25 andere Teilnehmer an mir vorbei. Egal.
      • km 97, Dortmund-Phoenix-See, Ostufer - Geschafft. Der östlichste Punkt ist erreicht. Nun geht es wieder zurück - mit Gegenwind.
      • km 100, Dortmund - Der Gegenwind ist extrem. Ich radel mit 12 km/h und frage mich, wie ich das zu Ende bringen soll.
      • km 110, Dortmund-Dorstfeld - Dortmund will einfach nicht aufhören. Das strengt an. Zum ersten Mal mache ich mir Gedanken, beim nächsten Check-Point aufzuhören.
      • km 115, immer noch Dortmund - Eine Trinkhalle. Ich gönne mir eine eiskalte Cola.
      • km 120 - Checkpoint an der Zeche Zollern. Hier gibt es Mittagessen. Nudeln mit Nachtisch. Allerdings müssen die Räder draußen stehen bleiben. Ich habe es zwar angekettet, aber aus dem Restaurant auf dem Museumsgelände hat man keinen Blick zum Fahrrad. Mir gefällt das nicht und ich habe keine Ruhe, zu bestellen, auf das Essen zu warten und zu essen. Also verzichte ich und halte mich nur fünf Minuten auf. Aber diese fünf Minuten taten gut und an Aufhören denke ich vorerst nicht mehr. Außerdem habe ich durch den Verzicht auf das Essen locker dreißig Mitradler überholt, die dort saßen. Es geht zwar um nichts, aber ich hatte die Sorge, viel zu spät als Letzter wieder in Duisburg anzukommen. Solange aber Leute hinter mir sind, kann das ja nicht passieren.
      • km 122 - Endlich aus Dortmund raus. Jetzt ist Bochum an der Reihe. Das klingt für einen Ruhrgebietler nicht mehr so weit weg von Duisburg und gibt mir irgendwie Schwung.
      • km 140, Erzbahntrasse Bochum - Ich treffe den Radler von km 55 wieder. Für ein kurzes Stück von drei, vier Kilometern fahren wir gemeinsam mit einem Tempo von 25 km/h. Dann lasse ich mich lieber wieder zurückfallen.
      • km 145 - Erzbahntrasse - An der Erzbahnbaude gönne ich mir irgend so ein isotonisches Getränk und ein Snickers. Gleichzeitig beginnt hier der Abzweig zur Zeche Zollverein. Verlockend, denn auf einer alten Bahntrasse sind es nur 11 km dorthin. Dann hätte ich aber 14 Kilometer abgekürzt und gemogelt. Nein, das mache ich nicht. Während der Pause radeln ca. 10 Personen an mir vorbei. Als ich aufbreche, kommt eine weitere Gruppe mit sechs Radlern und legt hier auch eine Pause ein. Gut, noch nicht Letzter.
      • km 150, Rhein-Herne-Kanal, Gelsenkirchen - Es fängt leicht an zu tröpfeln. Blöd.
      • km 157, Veltins-Arena, Gelsenkirchen - Kleiner Checkpoint zwischendurch. Dankend nehme ich Apfelsaft und Wasser entgegen und fülle meine Flasche auf.
      • km 160, Rhein-Herne-Kanal, Gelsenkirchen - Der Regen wird stärker.
      • km 163, Schurenbachhalde, Essen - Unter der A42 stelle ich mich unter und rufe meine Freundin an. Ich denke darüber nach, am nächsten Checkpoint an der Zeche Zollverein aufzuhören. Es ist schon zehn nach fünf. Bis ich an der Zeche bin, dort Kaffee und Kuchen gegesssen habe und dann weiter fahre, würde es sehr spät werden. Und dann muss ich noch mit der S-Bahn zurück nach Essen. Dabei bräuchte ich von der Zeche Zollverein nur 20 Minuten bis nach Hause. Das ist sehr verlockend.
      • km 165, Zeche Zollverein, Schacht IV/XI - Wie ich später erfahren habe, war hier schon der Checkpoint mit Kaffee und Kuchen. Ich habe es nicht gesehen und bin bis zum Hauptgelände von Zollverein durchgeradelt. Das sind mal eben vier Kilometer mehr.
      • km 169, Zeche Zollverein, Schacht XII, Weltkulturerbe - es regnet in Strömen und keiner weiß etwas von einer Einkehrmöglichkeit für die Radler. Kurz nach mir kommt ein zweiter Radler an. Auch er ist überfragt. Wir radeln im strömenden Regen zwei Mal um das Hauptgebäude und finden den Checkpoint nicht. Wir entschließen uns, zur Kokerei Zollverein weiter zu fahren und haben Hoffnung, dass dort der Checkpoint ist.
      • km 170, Kokerei Zollverein - Wir erfahren, dass der Checkpoint bereits fünf Kilometer hinter uns liegt. Nein, wir werden nicht zurück radeln. Ganz sicher nicht. Wir beschließen, gemeinsam zum Ziel nach Duisburg zu fahren. Der Radler war meine Rettung. Er war eine Motivationsspritze und gemeinsam fuhren wir Richtung Essener Innenstadt.
      • km 175, Essen, Beginn des Radschnellwegs nach Mülheim - Es ist 18.15 Uhr und es regnet in Strömen. Ich bin komplett nass und könnte in 20 Minuten zu Hause sein. Aber nein, ich fahre in die andere Richtung nach Duisburg.
      • km 183, Radschnellweg Mülheim - Es geht leicht bergab. Ich weiß nicht, wie. Aber ich schaffe zwischendurch noch einen Schnitt von 25 km/h.
      • km 195, Stadtgrenze Duisburg - Das einzige, was mich noch auf dem Rad hält, ist die Aussicht auf das nahe Ziel. Meine Hände kribbeln und jede kleine Unebenheit auf der Straße verursacht Schmerzen.
      • km 200, Ziel - Es ist 19.43 Uhr. Ich bin angekommen und belege Platz 50. Ich bin erstaunt, dass noch 30 Leute hinter mir sind. Finisher-Foto, Zielurkunde, zwei Stück Pizza und etwas zu trinken, bevor ich mich völlig nass und ausgekühlt zur S-Bahnhaltestelle begebe. Um viertel nach neun bin ich zuhause...
      • Fazit: Die ersten 75 Kilometer entlang der Ruhr waren anstrengend, aber völlig okay. Die Hügel in Dortmund der Stadtverkehr waren jedoch sehr ermüdend. Lieber wäre es mir gewesen, 100 Kilometer an der Ruhr und wieder zurück fahren. Das wäre sicherlich deutlich weniger anstrengend gewesen
    • Puh! :/ Also Hut ab vor deinem verbissenen Durchhalten. Mir ist´s schon vom Durchlesen ganz schlecht <X und spätestens beim strömenden Regen wäre bei mir Schluß, abgesehen davon, ob ich überhaupt bis dahin gekommen wäre? ;(
      Wie Heiko schon geschrieben hat. Respekt, Respekt!! Das war schon eine enorme Leistung! :top: :rose:
      Ich bin..
      Teilzeit-Engel
      Gelegenheits-Hexe
      Gleitzeit-Teufel
      Vollzeit-Verrückte
      ....aber glücklich!
    • Danke, aber es war wirklich so, dass ich ohne die aufbauenden Worte am Telefon und ohne den fremden Radler, der mich mitgezogen hat, möglicherweise abgebrochen hätte. Das wäre bei Kilometer 170 gewesen und im Nachhinein betrachtet, wäre ein Abbruch an der Stelle dämlich gewesen und einfach aus purer Bequemlichkeit entstanden. Ich war ohnehin schon durchnässt und weitere 30 Kilometer sind dann eigentlich auch nicht mehr viel. Sollte ich jemals wieder so etwas machen, dann würde ich es aber deutlich ruhiger angehen lassen und vor allen Dingen nicht am Tag vorher noch einen Zaun abreißen :D
    • Soso, noch einen Zaun abreissen - erleben wir hier den Beginn Deine Stellplatz-Imperiums? ;)

      Spass beseitet: Respekt, dass Du durchgehalten hast, tolle Leistung! Die Unterstützung war sicher hilfreich, aber letztendlich bist Du gefahren und es war Deine Entscheidung und Deine Leistung. Da kannst echt stolz darauf sein!
      Blog: ombidombi.de

      Wer Schmetterlinge lachen hört,
      der weiß, wie Wolken schmecken...
    • rabe schrieb:

      Erst die Arbeit - dann das Vergnügen
      Na ja, was hätte ich schon auf einem Sonntag arbeiten können? Und da ich normalerweise sieben Tage die Woche arbeite, schadet es auch nicht, einmal einen Tag lang nur Sport zu treiben. Dass es sich jetzt zeitlich überschneidet, ist blöd gelaufen, aber lag nicht an mir. Da traue ich mich ja schon gar nicht zu sagen, was ich übernächstes Wochenende machen werde und seit fast einem Jahr vorbereite. Denn die bisher gemachten Radtouren haben einen Trainingshintergrund.