Toller Ausblick auf Reine

2017 – Mit dem Wohnmobil durch Norwegen

Schon wieder zum Nordkap? Ja, schon wieder zum Nordkap. Als wir damals im Jahr 2012 mit dem Wohnmobil zum Nordkap fuhren, hat es uns dort und auf dem Weg dorthin so gut gefallen, dass wir das in diesem Jahr einfach mal wiederholen wollten. Wir hatten nämlich ein wenig Zeit übrig, nachdem wir für das nächste Buchprojekt an der deutschen Nordseeküste recherchierten und diese abfotografierten. Die Recherchereise würde nämlich bei Sylt enden und da war uns sowieso schon klar, dass wir auch einen Abstecher auf die dänische Insel Rømø machen würden. Und wenn man schon mal in Dänemark ist und Zeit hat, dann kann man ja auch mal nach Norwegen übersetzen.

Wohnmobilstellplatz auf Römö

Wohnmobilstellplatz auf Römö

Allerdings war uns klar, dass wir vielleicht sogar zu viel Zeit hätten und da wir ja nicht die Typen sind, die sich tagelang auf ein- und denselben Campingplatz stellen, sondern immer irgendwie weiter fahren, befürchteten wir, dass wir in Südnorwegen vielleicht irgendwann auch mal die Lust verlieren – wenn man das so sagen kann. Also beschlossen wir, einfach zum Nordkap zu fahren und dann mal zu sehen, was uns noch erwartet. Damals im Jahr 2012 fuhren wir ganz gemächlich nach Norden. Wir reisten erst durch Südnorwegen, wanderten zu Trolltunga, Preikestolen und Kjeragbolten.

Wir fuhren zu den Klassikern wie Geirangerfjord und Trollstigen, bis wir irgendwann mal am Nordkap ankamen. Den Rückweg legten wir damals über Finnland zurück und das empfanden wir als schlecht. Denn wenn man die wirklich grandiose Landschaft von Norwegen erlebt hat und dann durch das zwar schöne, aber eher unspektakuläre Finnland fährt, dann ist irgendwie die Luft raus. Zumindest bei uns war es so. Daher stand für uns fest, dass wir es dieses Mal anders machen wollten.

Blick nach Sylt

Blick nach Sylt

Wir würden zunächst durch Schweden fahren, auf der E45 und zwar Kilometer fressend, bis wir eben am Nordkap ankämen. Und dann würden wir ganz gemächlich wieder südwärts in Richtung Heimat reisen und uns die schöne Natur und Landschaft anschauen, die uns so unterwegs begegnen würde. Das war unser Plan. Und so packten wir unsere Mitgliedskarte vom Royal North Cape Club in unser Gepäck, ganz so als würden wir einen Parkausweis für einen Firmenparkplatz ins Auto legen. Und schon fuhren wir los.

Der nördlichste Punkt Deutschlands

Der nördlichste Punkt Deutschlands

Nachdem wir also unsere Pflicht an der deutschen Nordseeküste erfüllten, stellten wir unseren Kastenwagen auf dem Wohnmobilstellplatz auf Rømø ab und staunten ob der Größe dieses Platzes. Es war ein Donnerstag, der 10. August, als wir auf der dänischen Insel ankamen und den endlosen Sandstrand genossen. Nach einer anstrengenden Zeit mit vielen Fotostopps, bei denen uns das Wetter sehr gnädig war, sollte es also am nächsten Tag losgehen.

Freitag, 11. August

Wo Nordsee und Ostsee aufeinander treffen

Nach dem Aufstehen und Bezahlen am Automaten des Wohmobilstellplatzes fuhren wir jedoch als Erstes in Richtung Süden. Ich wollte noch einmal gerne für ein paar Bilder zum Fährhafen, von wo aus man nach Sylt gelangt. Außerdem hatten wir am Vortag noch auf der Karte einen weiteren Strand gefunden, den man mit dem Auto befahren kann. Der Zugang dürfte im Süden liegen, unweit des Stellplatzes. Und so war es auch. Wir verließen die befestigte Straße, steuerten unseren Kastenwagen auf den weiten Sandstrand und fuhren noch sehr lange, bis wir vor den Dünen zum Stehen kamen. Hier stiegen wir aus und gingen ein letztes Mal in Richtung Deutschland.

Der Strand kann mit dem Auto befahren werden

Der Strand kann mit dem Auto befahren werden

Und es war toll, denn das Wasser der Nordsee war spiegelglatt. Keine einzige Welle gab es, alles war ruhig. Und wir hatten einen super Blick hinüber nach Sylt und zum nördlichsten Punkt Deutschlands. Sogar einige Seehunde konnten wir auf einer Sandbank sehen. Sie lagen ganz entspannt und nicht weit von uns entfernt. Es war so schön und ruhig und angenehm, dass es schon fast unheimlich war. Doch trotz dieser beruhigenden Szenerie lösten wir uns nach einiger Zeit von ihr und gingen wieder zum Wohnmobil zurück. Wir wollten nun nach Norden, wir wollten nach Lappland und zum Nordkap. Also, los ging es.

Stellplatz auf der Insel Römö

Stellplatz auf der Insel Römö

Das Auto steuerten wir über den Damm von Rømø hinunter zum dänischen Festland. Dort ging es zunächst über die Landstraßen bis zur Autobahn. Noch am Vorabend hatten wir überlegt, ob wir über die Brücken nach Schweden fahren wollen oder lieber mit der Fähre von Frederikshavn nach Göteborg. Wir entschieden uns spontan für Letzeres und hatten für den nächsten Tag Fährtickets gebucht. Denn wir hatten Lust, mal wieder nach Skagen zu fahren. Dort waren wir schon sehr lange nicht mehr. Und ein paar neue Bilder für die nächste Aktualisierung meines Dänemark-Buches würden nicht schaden.

Leuchtturm bei Skagen

Leuchtturm bei Skagen

Ohne eine einzige Pause legten wir die knapp 400 Kilometer zurück. Weite Teile der Strecke hatten wir noch gut in Erinnerung. Wir waren ja erst im Jahr zuvor für eine Buchrecherche in Aarhus, der Europäischen Kulturhauptstadt. Nur auf dem Abschnitt nördlich davon waren wir schon lange nicht mehr unterwegs. Das war auch der Teil der Strecke, der dann endlich etwas ruhiger wurde, denn bis Aarhus war die Autobahn ziemlich voll und erinnerte schon beinahe an die heimischen Autobahnen im Ruhrgebiet. Als wir in Skagen ankamen, steuerten wir natürlich direkt den nördlichsten Parkplatz an, von wo aus wir ganz bequem am Strand entlang gehen konnten.

Schnecke im Sand

Schnecke im Sand

Und zwar bis zu der Stelle, wo alle Touristen hier im Norden hin wollen. Nämlich dort hin, wo die Ostsee und die Nordsee aufeinander treffen – auf die Landzunge Grenen. Wir waren dort zwar schon vor vielen Jahren, doch so wirklich daran erinnern konnten wir uns nicht mehr. Später sahen wir auf unseren alten Bildern, dass wir sehr schlechtes Wetter hatten. Vermutlich sind wir daher nicht lange der Spitze geblieben. Doch dieses Mal strahlte der Himmel blau und wir konnten unsere Beine rechts und links in Nord- und Ostsee gleichzeitig stellen. Oder besser gesagt, in das Kattegat und in den Skagerrag. Da ich Pingu vergessen hatte und ich von diesem Ort noch kein Pingu-Foto besaß, gingen wir zum Wohnmobil zurück, holten ihn und spazierten gleich im Anschluss ein zweites Mal zur Landzunge, um auch Pingu halbwegs in den Sand zu setzen.

Schiffe im Stau

Schiffe im Stau

Für uns stand fest, dass wir die Nacht hier verbringen würden. Erlaubt ist es auf jeden Fall auf dem Parkplatz und wir waren überrascht, wie einfach hier das Bezahlen per Kreditkarte am Parkscheinautomaten klappte. Man musste bei der Ankunft die Kreditkarte einschieben und ein Ticket lösen. Wenn man den Parkplatz verlassen will, dann schiebt man die Karte erneut in den Schlitz und erst dann weiß der Automat, wie lange man geparkt hat und belastet mit dem entsprechenden Betrag die Karte. So machten wir es beim ersten Mal, als wir nur zur Landzunge Grenen gingen. Am Abend schob ich die Karte ein drittes Mal in den Parkautomaten, weil ich nun ein Ticket für die Nacht haben wollte. Und siehe da, nach 18 Uhr gibt es auf dem Display einen weiteren Auswahlpunkt, nämlich für die Übernachtung. Kurz gedrückt und schon spuckte der Automat den Parkschein für die Übernachtung aus. So einfach geht das.

Doch vorher fuhren wir noch einmal nach Süden. Wir wollten nämlich auch noch einmal die versandete Kirche südlich von Skagen besuchen. Nur noch der Kirchturm ist zu sehen, das Kirchenschiff existiert nicht mehr. Und drumherum gibt es nur noch Sanddünen und knorrige Bäume. Die Natur hat sich hier alles geholt, was es einmal gab. Auf dem Rückweg zum nördlichsten Punkt stoppten wir zu einem Einkauf in Skagen, warfen einen Blick in die Fußgängerzone und fuhren schnell wieder zum Parkplatz zurück.

Versandeter Kirchturm

Versandeter Kirchturm

Samstag, 12. August

Erste Begegnung mit einem Elch in Schweden

Wir standen früh auf, denn wir wollten natürlich nicht die Fähre nach Schweden verpassen. Eigentlich war es zwar schade, dass wir nur so kurz in Dänemark verweilten. Aber nach Dänemark kommt man immer mal, wenn man will. Etwas teurer dahingegen ist die Anreise nach Schweden. Nach rund einer Dreiviertelstunde waren wir in der Stadt. Es war Samstagmorgen und es war nicht viel los. Da wir noch ein wenig Zeit hatten, bummelten wir ein wenig durch den Ort, aber den hat man schnell durch. So fuhren wir zum Fähranleger, reihten uns in die Schlange ein und warteten auf die Fähre.

Das Wetter wurde bedeutend schlechter und es begann zu regnen. Im Grunde kam der Regen genau richtig. Denn bis zu diesem Zeitpunkt waren wir für die Fotos auf Sonne angewiesen. Diese ließ uns nicht im Stich. Und jetzt, wo wir ohnehin nur Kilometer machen wollten, konnte es ruhig regnen. Es war uns egal. Die Überfahrt verlief trotzdem recht ruhig. Nur die Tatsache, dass die vielen Passagiere wetterbedingt alle unter Deck blieben, führte zu einigem Lärm und zu wenig freien Sitzplätzen. Doch Moni ergatterte gerade zwei Plätze, als irgendjemand meinte, aufstehen zu müssen. Tja, und da wir gleich gegenüber einen Kiosk hatten, an dem es auch dänische Hotdogs gab, nahmen wir diese Gelegenheit wahr und gönnten uns jeweils einen. Bezahlt hatten wir wieder mit Kreditkarte, was bedeutete, dass wir wieder einmal mehrere Tage in Dänemark verbrachten und genauso wie im letzten Jahr nicht einmal Geld abheben mussten.

Ostsee bei Skagen

Ostsee bei Skagen

Nach drei Stunden Überfahrt kamen wir in Göteborg an und hatten zunächst eigentlich nur ein Ziel vor Augen: Wir wollten zu ICA, einer Supermarktkette, in der es typisch schwedische Leckereien gab. Dazu zählten natürlich Köttbullar, aber auch Brotsorten wie Hönökaka oder Haferkekse mit Schokolade. Eigentlich lautete ja unser Plan, dass wir die E45 durch Schweden nehmen würden. Doch auf Googlemaps fanden wir kein ICA entlang der Strecke, zumindest im südlichen Bereich. Doch auf der E6 in Richtung Oslo würden wir fündig werden.

Brückenunterführung bei Göteborg

Brückenunterführung bei Göteborg

Also beschlossen wir kurzerhand die E6 zu benutzen, um zum Nordkap zu fahren. Es war ohnehin schlechtes Wetter und im Grunde war es egal. Fest steht nur, dass die E6 landschaftlich deutlich attraktiver ist. Ich hatte mich nur ein wenig geziert, weil wir weite Teile der E6 schon kannten und weil ich kein Freund davon bin, eine Strecke hin- und zurückzufahren. Es sollte sich aber herausstellen, dass dies gar nicht so schlimm war.

Blick von der Fähre auf Göteborg

Blick von der Fähre auf Göteborg

Nach den Einkäufen bei ICA fuhren wir also nordwärts an Uddevalla und Tanumshede vorbei. Orte, die wir uns für ebenfalls neues Bildmaterial für den Rückweg vorgenommen hatten. Bei dem jetzigen Wetter wäre das sinnlos gewesen. Die Scheibenwischer flappten hin und her, da waren wir froh, nicht aussteigen zu müssen. Irgendwo zwischen Strömstad und Svinesund, also kurz vor der norwegischen Grenze traute ich meinen Augen nicht. Da stand plötzlich neben der autobahnähnlich ausgebauten E6 ein Elch. Ein echter Elch. Ich habe ihn nur für ein oder zwei Sekunden gesehen, aber es war tatsächlich ein Elch. Irgendwie knuffig. Denn viele Menschen fahren so oft nach Schweden und sehen niemals einen frei laufenden Elch. Und wir sind gerade mal ein paar Stunden im Land, fahren bisher nur auf der E6 und haben dieses stolze Tier prompt gesehen. Das erinnerte uns an unsere Reise mit dem Mietwagen durch die USA im letzten Jahr, als wir zahlreich tolle Tiere in den USA gesehen hatten, unter anderem sogar einen Grizzylbären. Und nun gleich mal einen Elch. Das fing gut an. Allerdings muss man sagen, dass es nicht unser erster Elch war.

Wohnmobilstellplatz in Moss

Wohnmobilstellplatz in Moss

Schon auf unserer Wohnmobilreise zum Nordkap fünf Jahre zuvor sind wir zwei Mal einem Elch begegnet. Einmal war es sogar eine sehr knappe Geschichte, als dieser von rechts nach links über die Straße trottete und wir ihn knapp verfehlten. Dieses Mal konnte das nicht passieren. Der Elch und wir waren durch einen Zaun voneinander getrennt.

Durchquerung des Dovrefjell-Nationalparks

Durchquerung des Dovrefjell-Nationalparks

Nördlich von Svinesund wurden wir an der Grenze schnell durchgewunken und waren dann schließlich in Norwegen. Das hatten wir eigentlich am Morgen, als in Skagen aufwachten, noch nicht erwartet. Wir nahmen ja an, dass wir lange Zeit durch Schweden fahren würden. Aber es war uns recht und wir freuten uns schon auf die Fjordlandschaft. Aber es war bemerkenswert. Am Vortag hatten wir morgens noch den nördlichsten Punkt Deutschlands gesehen, abends waren wir am nördlichsten Punkt von Dänemark und nun waren wir in Norwegen auf dem Weg zum nördlichsten Punkt Europas.

Während ich fuhr, griff Moni zum Telefon und begann, einen Stellplatz für uns rauszusuchen. Im letzten Jahr bei der USA-Reise war sie unsere „Hotelbeauftragte“ und wählte bei booking.com ein Motel oder Hotel für uns aus. Nun suchte sie einen Stellplatz bzw. eine Übernachtungsmöglichkeit und wurde sogar fündig. Freihes Stehen war jetzt hier an der E6, kurz vor Oslo noch ein wenig schwierig. Doch in der Stadt Moss gab es tatsächlich einen Stellplatz am Gästehafen, den wir schließlich auch aufsuchten.

Es war beileibe nicht der schönste Platz, schon gar nicht für norwegische Verhältnisse, wo man ja lieber in der freien Natur stehen möchte. Aber als Übernachtungsplatz beim Kilometerfressen mit spätabendlicher Ankunft war das schon okay. Wir bezahlten mal wieder mit Kreditkarte am Automaten, nachdem wir die letzte freie Stellfläche ergattern konnten, gingen noch kurz nebenan in den Supermarkt und legten uns nach einer Spielerunde hin. Knappe 300 Kilometer waren wir heute unterwegs. Eigentlich nicht viel, aber wir hatten ja auch noch eine dreistündige Schiffsfahrt mitgemacht.

Sonntag, 13. August

Wir tanken zum ersten Mal AdBlue nach

Gleich nach dem Aufstehen ging es weiter für uns. Wir verließen den Wohnmobilstellplatz am Gästehafen und auch wieder die Stadt Moss, um weiter nach Norden zu fahren. Auf der E6 passierten wir Oslo und bemerkten, dass die Presseberichte über Elektromobilität in Norwegen zutreffend sind. Wir sahen sehr viele Nissan Leaf, BMW i3 und vor allen Dingen Elektroautos der Marke Tesla. Den Rondane-Nationalpark ließen wir zunächst rechts liegen. Um den wollten wir uns später noch kümmern. Wir fuhren nach Dombås und anschließend hinauf über den Dovrefjell. Immer wieder machten wir Pause, aber besonders eben in diesem Fjell. Zwar nur kurz, weil das Wetter sehr bescheiden war, aber immerhin waren wir hier in einer Landschaft, die wir uns wünschten. Weite, raue Natur, in die man einfach hätte hineingehen können.

Dovrefjell

Nur die Lust dazu fehlte gerade bei einstelligen Graden und Nieselregen. Also blieben wir weiter auf der E6 nordwärts und folgten über lange Zeit einem Tesla. Vom Fjell bis Trondheim blieben wir konstant hinter ihm, was immerhin eine Fahrzeit von fast zwei Stunden ausmacht. In Trondheim bog er dann ab, während wir unbeirrt der E6 folgten. Hinter Trondheim steuerten wir Steinkjer an. Die Ortschaft kannten wir noch von unserer Norwegentour mit dem VW-Bus im Jahr 2009. Dort befindet sich der Abzweig, um zum geographischen Mittelpunkt von Norwegen zu gelangen. Doch bis Steinkjer kamen wir nicht mehr. Moni fand im Netz vorher einen ganz ordentlichen Übernachtungsplatz bei Rinnan. Es handelte sich um einen Schotterplatz, in dessen Zentrum sich ein ausgedienter Panzer befand. Na gut, wer es mag. Wir stellten uns ein wenig abseits, bezahlten mal wieder am Automaten mit Karte und hatten dadurch Zugang zum sehr sauberen Sanitärbereich mit Dusche und WC.

Übernachtung in Mittelnorwegen

Übernachtung in Mittelnorwegen

Auf diesem Platz befassten wir uns am Abend übrigens zum ersten Mal mit dem Thema AdBlue. Unser Wohnmobil hat einen Euro-6-Dieselmotor und benötigt AdBlue als Zusatz. Da der Wagen neu war und wir überhaupt noch keine Erfahrungen mit AdBlue hatten, besorgten wir uns bereits vor der Reise einen 10-Liter-Kanister mit dem Harnstoff. Bei einer Laufleistung von knapp 7.500 km meldete sich das Armaturenbrett mit einem Piep. AdBlue müsste nachgefüllt werden. Nun gut, das taten wir dann auch. Wir lasen nochmal die Anleitung und ein paar Hinweise im Netz und machten uns dann daran, den Tank damit wieder aufzufüllen. Ziemlich einfache Sache, abgesehen davon, dass der Kanister mit seinen zehn Litern am Anfang natürlich etwas schwer ist. Aber es war okay und es war uns ganz recht, dass wir schon jetzt den Tank damit befüllen mussten. Immerhin hatten wir damit im Stauraum etwas mehr Platz.

Wohnmobilstellplatz mit Panzer

Wohnmobilstellplatz mit Panzer

Zurückgelegt hatten wir an dem Tag rund 650 Kilometer. Wir hatten von unserem Startpunkt auf der Insel Rømø bis zum Nordkap noch nicht die Hälfte. Aber wir waren guter Dinge, dass wir unser angepeiltes Ziel schon bald erreichen würden.

Montag, 14. August

Überquerung des Polarkreises

Am Morgen verließen wir den Stellplatz recht zügig. Wir hatten ja noch viel Wegstrecke vor uns und die E6 gleich nebenan. Also nutzten wir sie und fuhren wie gehabt weiter nordwärts. Ohne größere Verzögerungen kamen wir nach rund drei Stunden an die Grenze der beiden norwegischen Provinzen Nord-Trøndelag und Nordland. Alleine schon die Bezeichnung Nord in den beiden Namen war natürlich schön zu lesen. Das Wetter war schlecht und daher hielten wir nur kurz an dem Rastplatz, der sich an dieser Provinzgrenze befindet. Nett war hier aber auf jeden Fall der Torbogen, der hier über der E6 verläuft und quasi das Eingangstor zur Provinz Nordland bzw. nach Nordnorwegen markiert. Dennoch, ein weiter Weg zum Nordkap war es immer noch. Aber weil das Wetter nicht wirklich eine Schönheit war, nutzten wir die Gelegenheit, um weitere Kilometer zu machen. Es folgten die Ortschaften Mosjøen und Mo i Rana. In letzterer wussten wir von einer Entsorgungsstation, die sich links der E6 befindet und die wir so ansteuerten, als würden wir jede Woche dort Halt machen.

Übergang zu Nordland

Übergang zu Nordland

Anschließend gewannen wir dann an Höhe, da wir mal wieder durch ein Fjell fahren würden. Das Saltfjell erwartete uns und bescherte uns mit einer tollen Landschaft. Ein wenig nervig war die Anfahrt, da die E6 hier in weiten Teilen neu gebaut wurde. Man konnte es nicht nur an der neuen Straßendecke sehen, sondern auch am Navi, das uns auf dem Display anzeigte, wir würden durch die Wildnis fahren. Die alte E6 lag einige Meter neben unserer Strecke, aber hin und wieder kamen wir dort wieder drauf und dann auch wieder weg. Es war ein ewiges Hin und Her und gelegentlich mussten wir über staubige Pisten fahren, Lkw-Verkehr ausweichen, anhalten usw. Ein Hinweisschild gab sogar an, dass wir mit einer Stunde Verzögerung durch diese über 20 Kilometer lange Baustelle rechnen müssten. So schlimm war es aber dann doch nicht. Und staubige Pisten gab es übrigens genau dann und dort, wo es auf der langen Strecke ausnahmsweise mal nicht regnete.

Besucherzentrum am Polarkreis

Besucherzentrum am Polarkreis

Wie auch immer, nach dieser und einer weiteren Baustelle hatten wir ein weiteres Zwischenziel erreicht: Wir waren am Polarkreis angekommen. Wir stellten unser Wohnmobil auf den großen Parkplatz und freuten uns, dass wir mal wieder hier waren. Natürlich schlenderten wir durch den Souvenirshop und kauften uns mal wieder ein Zertifikat, dass wir den Polarkreis überquerten. Und wir wanderten auch ein wenig durch die angrenzende Landschaft, wo Touristen kleine Steinhäufchen bilden, obwohl von norwegischer Seite aus strikt darum gebeten wird, das eben nicht zu machen. Auch dies sei eben eine Landschaftsveränderung. Ich kann diese Bitte irgendwie nachvollziehen, denke aber andererseits, dass man das ja dann nur hier macht und nicht zwei Kilometer weiter. Trotzdem, wenn das Gastgeberland das bittet, dann sollte man das auch respektieren. Und ja, an manchen Stellen wird dann auch schon ziemlich übertrieben. Da wird mit zahlreichen kleinen Steinen ein riesiger Schriftzug gestaltet und der nächste will diesen Schriftzug dann überbieten. Kein Wunder, dass man das eben nicht machen soll.

Symbol am Polarkreis

Symbol am Polarkreis

Wir freuten uns auf jeden Fall, dass wir so problemlos bis zum Polarkreis kamen. Ein paar kleinere Veränderungen hat es gegeben. So stehen jetzt zum Beispiel die Koordinaten auf dem Dach des Besucherzentrums, aber im Großen und Ganzen kannten wir das meiste an dieser Stelle schon. Übernachten wollten wir hier nicht, daher fuhren wir weiter auf der Fjell-Straße und begannen langsam, uns über einen Übernachtungsort Gedanken zu machen. Wir hatten zunächst einen Parkplatz bei Rognan in Aussicht, fuhren aber dann doch noch weiter und sogar an Fauske vorbei. In Fauske lernten wir mal wieder einen neuen Abschnitt der E6 kennen. Denn damals auf unserer ersten Nordkapreise verließen wir hier die E6 und fuhren auf direktem Weg nach Bodø, um zu den Lofoten überzuwechseln. Darauf verzichteten wir dieses Mal, zumindest bis jetzt. Wir wussten ja noch nicht, wo es uns hinführen würde.

Auch an Straumen fuhren wir noch vorbei und erreichten einen Parkplatz auf der linken Seite, auf dem wir sogar schon passend einparkten, um die Nacht zu verbringen. Aber dieser Parkplatz ließ mir keine Ruhe. Er wirkte düster auf mich, was aber definitiv am Wetter und der vorgerückten Stunde liegen kann. Doch ich stellte mal wieder fest, dass ich kein großer Freund von Übernachtungsplätzen bin, wo ich rechts und links Wände um mich herum habe. Also schauten wir auf Googlemaps ob in erreichbarer Entfernung noch ein weiterer Parkplatz kommen würde. Und siehe da, es war noch eine Viertelstunde zu fahren und dann käme ein Parkplatz, an dem wir sogar noch eine Aussicht genießen könnten. So fuhren wir dort hin, parkten ein und stellten fest, dass die Aussicht durch die Bewölkung teilweise eingeschränkt war. Sah aber trotzdem schön aus.

Übernachtung mit Ausblick

Übernachtung mit Ausblick

Ein anderes Wohnmobil stand auch schon hier und wir kamen kurz mit dem Fahrer aus Hamburg ins Gespräch. Er erzählte uns, dass er gerade von den Lofoten käme und sie dort vier Tage lang ständig Regen gehabt hätten. Das Wetter wäre so schlecht gewesen, dass sie nicht einmal wandern konnte. Das ist natürlich schade und wir hofften, dass uns das unterwegs nicht auch noch passieren würde. Momentan war das Wetter definitiv schlecht und ungemütlich. Aber momentan war es uns eben auch egal, weil wir sowieso nur fuhren. Immerhin sind wir an diesem Tag rund 650 Kilometer gefahren, was für norwegische Verhältnisse schon eine ganze Menge ist. Man darf ja nicht vergessen, dass die E6 so weit im Norden keine autobahnähnliche Straße mehr ist, sondern eher eine bessere Landstraße. Und „besser“ eben auch nicht in jedem Fall.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Die Flambahn-Strecke kann auch gut mit einem Mountainbike gefahren werden. Evtl. wird man im obersten Bereich auch ein Stück schieben. Uns kam bei der Abfahrt sogar ein Norwegen mit Mountainbike und Kinderanhänger (mit Kind) entgegen (ohne Absteigen). Die Aussicht auf der ganzen Strecke lohnt sehr!

    • Hallo Gerd,

      ja, das glaube ich – das mit der Aussicht. Ich muss zugeben, dass ich ursprünglich dachte, dieses Tal sei tatsächlich nur mit der Bahn befahrbar. Hätten wir aber die Bahn trotzdem bevorzugt, weil es uns auch um das „Erlebnis Bahnfahrt“ geht. Na ja, und weil wir auch keine Fahrräder dabei hatten.
      Viele Grüße
      Michael

  2. Hallo,

    wir hätten uns doch fast am Nordkap getroffen. Wir hatten es am 13.8.2017 verlassen . Es war unser drittes Mal und sicher nicht das letzte Mal. Bei uns hat das Kino noch nichts gekostet. Allerdings sind wir auch Mitglieder im Royal North Cape Club.

    Liebe Grüße von den Alzenauern mit den beiden Huskys

    Alexandra und Frank Simon

    PS am Freitag treffen wir uns mit 2 weiteren Robel in Nordkirchen.

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