Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Radreise durch Europa <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug

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(Die Bilder sind leider sehr klein eingescannt.)

31. Tag
Montag, 28.05.2001
von Agay bis Mulhouse
Km: 12,2 (Zugkilometer ca. 800)
Gesamt: 1723
Durchschnitt: 10,1
gefahrene Zeit: 1:11

Ich hatte heute morgen meinen dritten und letzten Zahnarzttermin. Anschließend konnten wir das Zelt endlich abbauen und nach einer Woche Zwangsaufenthalt wieder los. Unser Zug, der nach Mulhouse führen sollte, kam allerdings erst abends um 20.45 Uhr. Also haben wir uns gemütlich St. Raphael angeschaut. Toll, kannten wir ja überhaupt noch nicht. Naja, aber auch das ging rum. Also stiegen wir abends etwas verängstigt in den Zug. Das Trauma von der ersten Zugfahrt in Italien steckte uns schon noch in den Knochen. Aber man lernt ja dazu, diesmal hatte jeder ein Handy und etwas Geld in der Tasche, falls was schief geht. Nachdem wir einsteigen konnten und natürlich total im Weg standen, wurden wir vom Schaffner gebeten, beim nächsten Halt die Räder nach hinten zu bringen. Also haben wir schon mal während der Fahrt die Packtaschen abmontiert und diese nach hinten gebracht. Dann kam der nächste Bahnhof, wir wussten ja nicht, wie lange wir Aufenthalt haben, also entschlossen wir uns, erst mal nur ein Rad nach hinten zubringen. So bin ich quer über den ganzen Bahnsteig von Marseille geradelt und ganz schnell wieder eingestiegen. Danach hatten wir 20 Minuten Aufenthalt! Wer kann das ahnen? Nun, wir fuhren weiter und brachten mein Rad dann amKopie von spluegenauffahrtb nächsten Bahnhof nach hinten. Es funktionierte. So, wir saßen also am Ende des Zuges und hatten wirklich unserer Ruhe und konnten uns darauf freuen, auch ein bisschen die Augen zuzumachen, weil bis auf einen netten jungen Franzosen keiner mehr da war. Die ganze Aktion dauerte allerdings auch lange genug, weil der Zug wirklich nur die großen Bahnhöfe anfuhr. Es waren mittlerweile schon zwei Stunden Zugfahrt vorüber, doch sechs lagen noch vor uns. Aber als nächstes kam direkt Lyon. Auch dort hatten wir wieder 20 Minuten Aufenthalt. Und was machen die Franzosen? Sie koppeln einen weiteren Zug an unseren!!! Somit saßen wir wieder in der Mitte. Natürlich kam auch gleich ein neuer Schaffner und bat uns, die Räder nach hinten zu bringen. Uns war die Lust vergangen und leider konnten wir auf einmal kein Französisch oder Englisch mehr und verstanden ihn gar nicht. Na so was! Er meckerte während der Fahrt noch zwei- oder dreimal, was uns aber nun absolut nicht mehr störte.

 

32. Tag
Dienstag, 29.05.2001
von Mulhouse bis Waldshut (D)
Km: 103,1
Gesamt: 1826
Durchschnitt: 16,5
gefahrene Zeit: 6:13

Wir kamen mit 1,5 Stunden Verspätung frühmorgens in Mulhouse an. Endlich aussteigen. Der nette Franzose half uns auch noch dabei. Er konnte sowieso nicht verstehen, was wir machen und warum wir das machen. Die Preise nahmen wieder vernünftige Verhältnisse an. Ein Baguette kostet hier auf einmal nur noch ein Drittel dessen, was wir immer die ganze letzte Woche bezahlt haben. Und so konnten wir endlich wieder weiter radeln. Das tat gut. Vorwärts kommen und auf dem Rad sitzen. Unglaublich, aber es macht wieder richtig Spaß zu fahren. Nur die heutige Strecke kannten wir ja schon. Wir sind schnell durch Basel hindurch gefahren, die kleinen Hügel, an denen wir vor gut zwei Wochen fast verzweifelten sind wir locker hochgeradelt und haben den gleichen Campingplatz wie damals. Das heißt, wieder fast mit Blick auf das Atomkraftwerk in der Schweiz.

 

33. Tag
Mittwoch, 30.05.2001
von Waldshut bis Stühlingen
Km: 40,9
Gesamt: 1867
Durchschnitt: 13,2
gefahrene Zeit: 3:05

Aufgrund der vorletzten Nacht, wo wir im Zug kaum ein Auge zutun konnten, haben wir heute erst mal ausgeschlafen. Eigentlich wollten wir heute schon bis zur Donau kommen, aber irgendwie fehlte ein Schild und wir sind brav geradeaus gefahren, wo wir hätten abbiegen sollen. Und nicht nur das die Richtung nicht stimmte, nein, es ging auch schön bergauf. Der Umweg betrug zwar „nur“ 12 Kilometer, aber wir brauchten trotzdem zwei Stunden, weil wir diese eine Anhöhe halt zweimal überqueren mussten. Zur Verdeutlichung: Wir sind so hoch gefahren, dass wir das Atomkraftwerk und noch weiter sehen konnten, obwohl dieses bereits 25 km entfernt war. Und alles für nichts. Sowas ist total deprimierend. Aber dafür haben wir einen schönen Platz zum Wildzelten gefunden. Dürfte uns eigentlich keiner sehen. Endlich mal völlige Ruhe. Dafür viele Insekten, die man beobachten kann.

 

34. Tag
Donnerstag, 31.05.2001
von Stühlingen bis Immendingen
Km: 53,8
Gesamt: 1921
Durchschnitt: 14,5
gefahrene Zeit: 3:41

Von den frühen Morgenstunden bis um ca. 14 Uhr hat es immer wieder stark geregnet und gewittert. Hatten heute teilweise Steigungen bis zu 15 %. Das schafft einen ganz schön. Dafür haben wir endlich die Donau erreicht. In Blumberg haben wir uns endlich mal wieder bei einem Bäcker leckere Teilchen gekauft. Sind jetzt auf einem Campingplatz extra für Radler. Er hat Bänke, Tische, ist gepflegt und sogar kostenlos. Ein großes Dankeschön an die Stadt Immendingen! Zusätzlich gab es am Ortseingang Infoblättchen für Radler. Wenn es doch immer so wäre... Im Übrigen gibt es in Immendingen die Donauversinkung. Da soll die Donau an manchen Tagen auf einmal weg sein und unterirdisch verlaufen. War bei uns aber nicht so.

 

35. Tag
Freitag, 01.06.2001
von Immendingen bis Sigmaringen
Km: 69,4
Gesamt: 1991
Durchschnitt: 15,8
gefahrene Zeit: 4:23

Morgens war es zwar sonnig aber trotzdem kalt. Wir wollten so gerne Eier essen, aber das Wasser wollte nicht so recht kochen. Die Kartusche ist fast leer. Anfangs hatten wir sehr starken Gegenwind. Die Ausschilderung des Donauradweges ist phänomenal. Man braucht eigentlich keine Karte. Und es gibt sogar extra Trinkwasserstellen. Toll. Wir genießen das schöne Donautal. Weite Wiesen, schroffe Felswände und immer wieder die Donau rechts oder links neben uns. Abends waren wir in der Stadt bummeln und haben Döner gegessen.

 

36. Tag
Samstag, 02.06.2001
von Sigmaringen bis Ehingen
Km: 77,3
Gesamt: 2068
Durchschnitt: 17,6
gefahrene Zeit: 4:22

Sind morgens sehr gut vorangekommen. Um 10 Uhr schon 25 Kilometer, das ist für uns viel. Haben in Riedlingen eine Polen- und eine Bayernkarte gekauft. Auf der Karte haben wir bis nach Regensburg nur einenKopie von Thusis Waldcampingb Campingplatz gesichtet. Unterwegs unterhielten wir uns mit einer netten Radlerfamilie, die eine ganze Woche unterwegs ist. Unser Zelt steht heute auf einer Wiese irgendwo zwischen Bauernfeldern. Ich habe über dem linken Knöchel irgendeinen Insektenstich, der wahnsinnig schmerzt. Und den 2000sten Kilometer haben wir heute erreicht.

 

37. Tag
Sonntag, 03.06.2001
von Ehingen bis Günzburg
Km :73,4
Gesamt: 2142
Durchschnitt: 17,0
gefahrene Zeit: 4:19

Sind im Regen losgefahren und mussten nach drei Kilometern anhalten, um die Finger wieder aufzuwärmen. Ganz schön kalt! Eigentlich war Ulm nur 25 km entfernt. Doch nach exakt 23,5 km kam uns das Ganze spanisch vor und wir schauten mal sicherheitshalber auf die Karte. Tja, und da stellten wir die Nachteile des Radweges fest. So wie auf jedem Fernradweg in Deutschland führen diese an allen möglichen Biergärten und Sehenswürdigkeiten vorbei. Wir waren in Blaubeuren und durften uns im strömenden Regen ein Kloster anschauen. Wie prickelnd. So haben wir nach Ulm über 40 km gebraucht. Dort überquerten wir die Landesgrenze zu Bayern, doch leider gab es dort kein Schild zu fotografieren. In Ulm trafen wir auf eine Gruppe Franzosen, die nach Wien radeln wollten. Abends sahen wir sie wieder. Sie kamen nach uns auf dem Zeltplatz an und schlugen ihr Zelt direkt neben unserem auf. Tja, und dann war da noch Klaus. Ein netter Diplom-Pädagoge, der mit seinem Bundeswehrtarnzelt doch irgendwie auffiel. Und nicht nur das, er war auch sehr kontaktfreudig. Wir durften uns den ganzen Nachmittag dann mit ihm unterhalten. Abends war er aber dann bei Freunden zu einem Umtrunk (Besäufnis?) eingeladen. So konnte ich meine Bremsklötze austauschen, die völlig abgefahren sind und sich schon in die Felge bohren wollten.

 

38. Tag
Montag, 04.06.2001
von Günzburg bis Neuburg a.d. Donau
Km: 104,8
Gesamt: 2247
Durchschnitt: 17,8
gefahrene Zeit: 5:51

Bianca lag noch im Zelt, während ich das Geschirr spülen ging, als sie Klaus’ Stimme über den ganzen Platz hörte. Er war also wieder da! Und er wich auch nicht mehr zur Seite. Wie gesagt, er war sehr nett und hilfsbereit, aber manchmal etwas zu hilfsbereit. Naja, und irgendwie müssen wir den Eindruck gemacht haben, als würden wir es nicht fertig bringen zwei Tage hintereinander Fahrrad zu fahren. Er bot uns alles mögliche an: Brot, Kaffee, Heringe, ständig seine Hilfe und landstrasseschwedenbsogar einen seiner zwei Schlafsäcke („noch nie benutzt, ich habe nur drauf, aber nicht drin gelegen“). Und er begleitete uns sogar noch bis zur Hauptstraße und erzählte uns dabei wie er gestern abend im betrunkenen Zustand auf dem Weg zum Zelt über die Tischtennisplatte gefallen ist. Fanden wir gar nicht so lustig. Wir stellten uns vor, wie er nachts um halb 2 über unser Zelt stolpert und dabei vielleicht aufgrund des Alkoholpegels eingeschlafen wäre. Eigentlich wollten wir heute in Donauwörth bleiben, aber dort gab es keine Schlafmöglichkeit, also weiter. So kamen wir bis Neuburg und haben uns ständig mit einem anderen Radpärchen Überholmanöver geleistet. Ich habe im Übrigen eine Halbautomatikgangschaltung. Sie schaltet von alleine rauf aber nicht mehr runter. Und das auch immer im unpassendsten Augenblick. Da das auch ruckartig geschieht, schmerzt das schon mal in den Knien. Ich habe mal wieder Zahnschmerzen. Trotzdem waren wir lecker Pizza essen. Der jetzige Platz ist relativ ruhig und hat sogar überdachte, beleuchtete Sitzplätze und kostenlos Strom. Ist nicht unwichtig. Denn das Laden der Handys ist nicht immer ganz so einfach.

 

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