Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Radreise durch Europa <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug

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(Die Bilder sind in schlechter Qualität und zu klein eingescannt.)

14.Tag
Freitag, 11.05.2001
von Altenrhein bis Chur
Km: 97,1
Gesamt: 1040
Durchschnitt: 16,9
gefahrene Zeit: 5:43

Super Wetter, angenehme Strecke zum Fahren. Direkt am Alpenrhein entlang. Kaum was los und die Gegend ist um uns herum schön bergig. Doch wir bleiben relativ eben. Heute haben wir den 1000sten Kilometer Deutsches Eck Koblenzbgeschafft ! Haben mal unsere Finanzen durchgerechnet. Die Campingplätze reißen ein ganz schönes Loch in den Geldbeutel. Bin deswegen ziemlich deprimiert. Haben damit gerechnet, öfter wild zelten zu können. Ich hoffe aber, wir kriegen das noch in den Griff.

 

15. Tag
Samstag, 12.05.2001
von Chur bis Thusis
Km: 32,3
Gesamt: 1072
Durchschnitt: 13,9
gefahrene Zeit: 2:19

Nach einer anstrengenden Bergauf-Tour haben wir kurzfristig beschlossen, die Ortschaft Splügen erst morgen zu erreichen. Sind mittlerweile auf knapp 700 Meter Höhe. Waren also ausgiebig einkaufen und campierten auf einem Campingplatz mitten in einem Wald. Da konnten wir zum erstenmal unsere Hängematten ausprobieren. Total gemütlich! Zum Abendessen hatten wir Besudkgrenzebch von einem Eichhörnchen. Bianca hat die Ketten an den Rädern sauber gemacht, während ich in der Hängematte lag (Eigentlich tat ich das den ganzen Tag.). Und heiß war es heute.

 

16. Tag
Sonntag, 13.05.2001
von Thusis bis Splügen
Km: 28,5
Gesamt: 1101
Durchschnitt: 9,3
gefahrene Zeit: 3:03

Das Eichhörnchen von gestern brachte heute zum Frühstück noch seinen Bruder mit. Anschließend machten wir uns auf den Weg und überwindeten 750 Höhenmeter. Und zwar von 700 Meter in Thusis auf 1.450 m in Splügen. Es war ziemlich anstrengend. Sind durch zwei Schluchten und zwei beleuchtete Tunnels sowie durch einen „Geistertunnel“ gefahren. Den haben wir so genannt, weil er ziemlich unheimlich war (Bergab im Höllentempo durch einen unbeleuchteten in den Berg geschlagenen naturbelassenen Tunnel- hat wahnsinnig Spaß gemacht!) Die ersten Serpentinen haben wir nun auch hinter uns gebracht. Campieren unmittelbar zur Auffahrt zum Splügenpass. Zum Glück ist er noch bis Mittwoch für Autos gesperrt. Auf dem Campingplatz sind viele Italiener, die aber wohl nur das Wochenende hier waren und jetzt wieder nach Hause fahren.

 

17. Tag
Montag, 14.05.2001
von Splügen bis Piuro (I) (3 km östlich v. Chiavenna)
Km: 44,9
Gesamt: 1146
Durchschnitt: 12,6
gefahrene Zeit: 3:34

An der Berghütte in über 2.000 m HöheWir sind heute über den Splügenpass „gefahren“. Naja, eigentlich mehr geschoben. Haben eine kleine Lawine mitbekommen (akustisch). Wurden unterwegs von Bauarbeitern und der Kantonspolizei daran erinnert, dass der Pass noch gesperrt sei und wir eigentlich gar nicht hier sein dürften. Aber es konnte keiner so genau sagen, ob die italienische Seite des Berges bereits geräumt ist. Wir sind trotzdem weiter bergauf. Wolken, Nebel, Nieselregen und weiße hohe Wände neben uns (ca. 6 – 8 m hoch). Und noch mehr Wolken, Nebel, Nieselregen (Sichtweite unter 10 m). Es war ziemlich unheimlich. Oben angekommen auf 2.113 Meter Höhe standen tatsächlich drei italienische Zöllner und schauten etwas verdutzt, sagten aber nichts. Kurz darauf kam eine Schranke und versperrte uns den Weg, doch dahinter war Italien! Und die Strecke war frei! Ab jetzt geht es bergab, aber leider noch nicht so schnell, weil man ja nichts sieht und man ständig durch die Kurven bremsen muss. Ich musste zwischendurch anhalten um meine gefrorenen Finger wiedefeldwegoderbr auf zu tauen. Es war eine eisige Kälte. Die letzte Rettung war ein Geisterdorf in 1.900 m Höhe, das plötzlich im Nebel auftaucht. Immer noch meterhohe Schneewände, aber in einem einzigen Haus brennt tatsächlich Licht und es steht ein Auto vor der Tür. Wir hören Tellergeklapper und wollen rein. Doch ich ziehe an der Tür und es passiert nichts. Nach kurzem Rufen erscheint jemand und meint, die Tür sei doch auf. Wir mussten drücken! Fast erfroren, weil da ein gewisser Herr zu dusselig ist, die Tür zu öffnen!! Und schon standen wir mitten in einer Gaststätte und konnten uns mit Kakao aufwärmen. Anschließend sind wir knapp 25 km nur bergab bis nach Chiavenna (300 m üNN). Das hat wirklich verdammt Spaß gemacht! Doch erwartet uns dort schlechtes Wetter, ein Wasserfall am Campingplatz (schön) und sechs Kilometer Wanderung durch den Ort, weil Montags fast alle Geschäfte geschlossen haben. Durch die bewaldeten Berge und der hohen Luftfeuchte hat man den Eindruck man sei im Regenwald.

 

18. Tag
Dienstag, 15.05.2001-09-18
von Piuro bis Abbadia Lariana (Lecco)
Km: 67,3
Gesamt: 1213
Durchschnitt: 18,3
gefahrene Zeit: 3:40

So wie es gestern schon aussah, nämlich tropisch, so scheint es wirklich zu sein. Es regnet den ganzen Tag. Wir sind nass bis auf die Haut, trotz Regenzeugs. Das ist Italien? Haben zum ersten Mal einen Campingplatz ohne Waschmaschine oder Trockner, noch nicht mal einen Trockenraum. Dafür aber Plumpsklos. Zum Glück aber auch eine normale Kloschüssel. Der Comer See ist eigentlich ganz nett, man konnte bloß nicht allzu viel sehen (tiefhängende Wolken und der andauernde Regen). Waren auch mal wieder im Internet. Der Campingplatzbetreiber hat vergessen eine Person zu berechnen. Das freut uns, weil er dafür tatsächlich die Fahrräder mitberechnet. Trotz Diskussion, dass diese im Zelt stehen, keinen Platz wegnehmen und wir sie rein theoretisch doch zum Zelt tragen könnten. Aber Italiener sind stur. Basta.

 

19.Tag
Mittwoch, 16.05.2001
von Lecco bis Genua
Km: 32,7 (Zugkilometer ca. 200)
Gesamt: 1246
Durchschnitt: 11,5
gefahrene Zeit: 2:50

Wir sind heute morgen einfach nicht aus Lecco mit dem Rad herausgekommen. Jeder Weg führte uns auf Straßen, auf denen Fahrräder verboten sind. Sind teilweise schon auf autobahnähnlichen Straßen in der Regenrinne gefahren, weil es partout nicht anders ging. Nach reichlicher Überlegung beschlossen wir, mit dem Zug nach Genua zu fahren. Wir mussten allerdings in Mailand umsteigen. Nach einer Stunde Wartezeit hielt der Zug nach Mailand tatsächlich nur 20 Sekunden. Es war ein Ding der Unmöglichkeit einzusteigen, da wir erst zum richtigen Abteil mussten. Wußte ja keiner, wo das ist. Und dann noch rein? Ich wollte mein Rad gerade anheben und reinhieven, als sich die Türen schlossen. Zum Glück war er noch nicht drin und ich noch draußen. Naja, nach meinem Wutanfall half uns ein Bahnmitarbeiter und setzte uns in einen anderen Zug nach Mailand. Dort allerdings war der andere Zug nach Genua nicht aufzufinden. Man schickte uns zu Gleis neunzehn (an dem der Aufzug natürlich defekt war), doch da kam laaaange Zeit gar nichts. Nach meinem zweiten Wutanfall konnte uns endlich einer erklären, was da schief gelaufen ist: Mailand hat mehrere Bahnhöfe und wir stehen am falschen! Auf die Frage, wie wir zum richtigen Bahnhof kommen, empfahl man uns die Metro. Dort angekommen (Immerhin, die Rolltreppen funktionierten, aber mit den Rädern auch nicfeldwegschwedenbht ganz einfach) wollten wir gerade durch die Schleuse für Radfahrer, als uns ein Mann in Uniform aufhielt und auf italienisch erklären wollte, dass wir hier nicht durchkämen. Nach meinem Wutanfall die dritte, verstand der Beamte auf einmal ziemlich gut deutsch und meinte, dass er die soeben gehörten Schimpfworte besser nicht hören wolle. Ansonsten würde er die Polizia holen. Zum Glück tat er es nicht, trotz meiner Aufforderung er solle doch, damit endlich mal einer weiterhelfen kann. Man muss dazu sagen, zu dem Zeitpunkt waren wir schon zwei Stunden mit dem Zug unterwegs, zwei Stunden in Mailand und hatten noch zwei Stunden Zugfahrt vor uns und es wurde immer später. Wir hatten keine große Lust, mitten in der Nacht in Genua anzukommen. Der Beamte nahm uns mit zu den (natürlich italienischen) Bestimmungen der Mailänder Metro und bat uns diese durchzulesen. Compendre? Ja, es war Rush-Hour und Fahrräder dürfen zu diesem Zeitraum nicht in die Metro. Aber immerhin konnte er uns sagen, wie wir zu dem anderen Bahnhof kommen. Wir sollen einfach rauf auf die Straße und bräuchten bloß 1,5 km mit dem Rad zu fahren! Eineinhalb Kilometer! Und das konnte uns keiner sagen??? Dafür stehen wir zwei Stunden am Bahnhof und warten auf den Zug und fragen ständig wo er bleibt? Für 1,5 km! Und diese waren auch noch mit einem Radweg geführt! Im übrigen der einzige, den wir in Italien gesehen haben. Tja, mit letzter Kraft erreichten wir Genua um 21.30 Uhr und begannen mit der Suche nach einem Campingplatz. Diesen fanden wir nach einer guten halben Stunde. Eine schöne alte Villa, mit riesigem Garten. Wirklich schön, und wir waren am Mittelmeer. Wir haben es geschafft.

 

20. Tag
Donnerstag, 17.05.2001
von Genua bis Locano
Km: 77,2
Gesamt: 1323
Durchschnitt: 17,3
gefahrene Zeit: 4:27

Ich hatte heute Nacht Zahnschmerzen. Heute morgen unterhielten wir uns mit einem Spanier auf dem Campingplatz über unser Vorhaben. Er meint, an der Südküste Spaniens würden wir allerdings arge Probleme bekommen, da dort teilweise über hundert Kilometer nur Autobahn entlangführe. Er stamme aus Alicante und fährt dort selber manchmal Rad und das sei alles gar nicht so einfach, dort den richtigen Weg zu finden. Wir sind heute den ganzen Tag auf der SupefrankreichbrStrada 1 (Via Aurelia) gefahren. Straße ohne Ende. Und wie die Autos fahren, Wahnsinn. Hoffentlich hat das bald ein Ende. Haben das Meer zwar gesehen, können aber kaum ans Wasser. Schönen Strand gibt es erst recht nicht. Bis jetzt hat uns beiden gar nichts an Italien gefallen. Der erste angefahrene Campingplatz hatte einen zu harten Boden. Selbst die ortsansässigen Camper hatten keine Chance unsere oder ihre Heringe reinzubekommen. Also mussten wir wieder weiter. Der Platz befand sich ja auch “nur” in 100 Meter Höhe im Landesinneren...Der jetzige geht noch, aber Preise sind das hier. Und das für ein bisschen Wiese, etwas Wasser und spartanische Verhältnisse. Ich habe am heutigen Abend vom Tod meiner Großmutter erfahren. Sie wird bereits morgen früh beerdigt. Auch so etwas kann auf so einer Tour passieren. So traurig das ist, aber selbst wenn wir wollten, würden wir nicht mehr rechtzeitig nach Hause kommen.

 

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