Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Mit dem Zug nach Moskau <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

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Eigentlich sollte die Reise weiter gen Osten reichen, aber gesundheitliche Probleme (Bruch des Mittelfußknochens) zwangen mich dazu, in Moskau kehrt zu machen und den Rückweg anzutreten. So entstand mehr durch Zufall ein Wochenendausflug in die russische Hauptstadt.

Zug zwischen Moskau und AmsterdamMittwochabend am Dortmunder Bahnhof, der Zug rollt mit fünf Minuten Verspätung ein, weshalb die Abfahrt damit am Donnerstag Morgen statt fand. Planmäßig hätte der Zug nämlich um 23.55 Uhr den Bahnhof verlassen sollen. 33 Stunden Fahrt liegen vor mir, die ich in einem Drei-Bett-Abteil verbringen werde.Gang durch den Waggon

Der russische Schaffner lässt mich nur nach Vorlage meines Tickets und meiner Schlafwagenreservierung in den Zug, wo ich mich direkt zu meinem Abteil begebe. Liegeplatz 21 ist für mich reserviert. Es ist das untere, welches am Tage zu einer Sitzreihe umgeklappt werden kann. Darüber existieren zwei weitere Betten, die ebenfalls komplett in der Seitenwand versenkt werden können. Sind alle drei Betten zur Schlafstätte umgeklappt, ist ein aufrechtes Sitzen nicht mehr möglich. Gegenüber der Betten befindet sich ein Hängeschrank mit einem Spiegel und einer 220-Volt-Steckdose, darunter in der Ecke eine Ablage, die den am Fenster sitzenden Passagier stark in seiner Beinfreiheit einschränkt.

eingetütete BettwäscheAls der Zug anrollt, kommt der Schaffner und überreicht mir in Folie eingeschweißte frische Bettwäsche und klappt mein Bett aus. Ich bin alleine im Abteil und beginne mein Bett zu beziehen, bevor ich mich müde ins selbige fallen lasse. Die Bahn rollt leise durch Westfalen, doch schon in Bielefeld ist Schluss mit Ruhe. Gegen ein Uhr in der Nacht betritt ein junger Russe mit seiner Mutter das Abteil. Das enge Räumchen wird plötzlich mit drei weiteren großen Gepäckstücken und zwei Personen gefüllt. Doch auch diese beiden liegen nach wenigen Minuten in ihren Betten und so kann ich meine Augen schließen. Als es rumpelt, werde ich wieder wach und bin in Hannover. Ich weiß, dass dort zahlreiche Waggons des Zuges abgetrennt werden und weiter nach Dänemark fahren. Ein weiteres Mal werde ich in Berlin wach, wo die automatischen Lautsprecherdurchsagen des Bahnhofs über alle Bahnsteige hallen und schwer verständlich sind. Dieses negative Phänomen ist mir im neuen Berliner Bahnhof bereits mehrfach aufgefallen und macht diese Haltestelle unverkennbar. Spurwechsel in Brest

Im polnischen Kutno wache ich endgültig auf, die beiden Mitreisenden über mir scheinen noch zu schlafen. Also stehe ich leise auf und gehe durch den schmalen Gang zum Ende des Waggons, wo sich der Toilettenraum befindet. Als ich wieder im Abteil bin, sind die beiden Russen ebenfalls schon aufgestanden. Die Mutter erklärt mir, dass der „Provodnik“ gleich kommt, und unsere Betten wieder zu Sitzplätzen umfunktioniert. Nur er darf das machen und hat dafür die entsprechenden Vierkantschlüssel.

Fluss BugWenig später erklärt sie mir, dass ich für meinen Чай (Tschai: dt. Tee) bei ihm auch ein Glas mit heißem Wasser erhalte und bietet mir süßes Gebäck an. Sie spricht kaum Deutsch, ihr Sohn überhaupt nicht, aber dennoch können wir uns verständigen. Aus ihren Erklärungen verstehe ich, dass sie ihre Eltern in Gütersloh besucht hat, die bereits seit acht Jahren in Deutschland leben. Sie verbrachten die letzten zwei Wochen dort und es dauert nicht lange, bis sie mir Bilder im Display ihrer Digitalkamera zeigt. So lässt sie mich mitten in Polen daran teilhaben, wie sie mit ihrer Familie in einem Wohnmobil zum Hamburger Hafenfest fuhr.

 

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