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Auch der zweite Winter im Wohnmobil war kein großes Problem. Für mich begann die "Heim-Saison" Anfang Dezember als ich von meiner letzten Reise 2005 zurückkam.
Das bedeutet, ich überwinterte erst, als der erste Wintereinbruch schon vorbei war, denn Ende November knickten im Münsterland die Strommasten wegen eines Schneesturmes um. Davon erfuhr ich nur per SMS, als ich gerade unterwegs war. Doch innerlich konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen. Denn selbst wenn ich da gewesen wäre, ich hätte in meinem Auto gesessen, die Gasheizung angehabt und ein gutes Buch gelesen. Wer braucht schon Strommasten, wenn er im Auto lebt?
Doch dann hieß es wieder "Überwintern in Deutschland in einem Wohnmobil." Mal schauen, vielleicht schaffe ich es ja im nächsten Jahr, ob ich das Wort Deutschland mit dem Wort Marokko oder Spanien tauschen kann ;-)
Wie auch immer. Was hat sich verändert zur Überwinterung im Vorjahr?
Eigentlich nicht so viel. Das Auto ist dasselbe geblieben. Leider ist es etwas verbeulter, weil ich auf meiner Spanienreise eine Straße benutzte, die ziemlich zugewachsen war. Rechts und links unter dem Gestrüpp befanden sich kleine Felsbrocken, die für mich nicht sichtbar waren. Und die wollten nicht weichen, als ich mit dem Womo (Wohnmobil) angefahren kam.
Aber weiter? Das Auto hat ein neues Kennzeichen. Ich könnte jetzt ganz versnobt sagen, mir gefiel das alte nicht mehr. Aber dem war nicht so. Richtiger wäre: Ich fand das alte nicht mehr. Es befindet sich irgendwo in Frankreich. Dort habe ich es wohl auf einer kleinen Schotterstraße verloren. Wahrscheinlich ziert es jetzt irgendwo das Kinderzimmer eines französischen Jungen.
Interessant waren die Reaktionen der Franzosen: "Dann geh zum Supermarché und kauf dir ein neues. Ach, kannst du ja nicht, denn dann hättest du ja als blaues Nationalitäten-Kennzeichen ein F und kein D." Tja, in Frankreich hat das Kennzeichen keinen so hohen Stellenwert wie bei uns, wo die Ausstellung einer neuen Nummer (das ist Pflicht!) mit den Kosten für die Schilder, den Verwaltungsgebühren und einer eidesstattlichen Erklärung hoch zu Buche schlagen. In meinem Fall waren es rund € 90.
Doch das, was ich wirklich freiwillig neu einbaute, war ein Rauchmelder. Der Grund ist simpel. Ich möchte auch mal über Nacht die Heizung laufen lassen. Da im Wohnmobil aber alles Holz und Kunststoff ist, bin ich etwas vorsichtig damit. Also ist ein Rauchmelder meiner Meinung nach Pflicht. Allerdings muss ein Rauchmelder natürlich unter die Decke. Doch da war ich mir zuerst nicht sicher, ob das eine gute Idee ist, wenn ich Schrauben in die Autodecke drehe. Nicht, dass ich nachher bei Regen sogar eine Sprinkleranlage habe ;-)
Es dauerte rund eine Woche, bis ich mich dazu durchgerungen habe, das Gerät anzubringen. Und es gab kein Problem damit. Aber lustig war es schon, als ich erst mal den ersten Rauchmelder meines Lebens ausprobiert habe. Ich habe dabei fast den halben Essener Süden inklusive Wohnmobil in Brand gesetzt. Er hat zwar eine Taste, um den schrillen Alarmton zu testen, doch wer sagt mir, ob der Sensor des Gerätes auch wirklich Qualm erkennt? Muss ja mal getestet werden.
Mittlerweile habe ich festgestellt, dass ich nicht alleine bin mit dieser "Leben-im-Wohnmobil"-Geschichte. Auf Grund meines alten Berichtes haben sich mehrere Menschen gemeldet, die ähnliches vorhaben oder bereits praktizieren. Manche brauchen einfach nur Erfahrungswerte, andere ein wenig Mut auch diesen Schritt zu wagen. Mir gibt es zugegeben auch Mut, weiter zu machen.
Nach weit über einem Jahr hat sich mittlerweile auch mein Freundeskreis daran gewöhnt, dass ich keine feste Wohnung habe. Manche kommen mich nach Voranmeldung (sinnvoll!) auf meinen Stamm-Übernachtungsplätzen besuchen. Andere fragen, wenn ich bei Ihnen zu Besuch bin: "Bist du mit dem Wohnmobil da? Dann kannst du ja was trinken, brauchst heute ja nicht mehr fahren."
Alles in allem verläuft auch in diesem Winter wieder alles sehr gut und ich werde auch in diesem Jahr auf Grund meiner Reisen keine Wohnung beziehen. Somit wird das Überwintern in Deutschland zum Jahreswechsel 2006/07 in dritte Runde gehen.
Doch eines möchte ich in diesem Winter endlich schaffen, wozu ich letztes Jahr nicht gekommen bin: Mir eine Pizza zum Wohnmobil liefern zu lassen!
NACHTRAG JANUAR 2012:
Oft werde ich gefragt, was eigentlich aus dem Leben im Wohnmobil wurde. Nun, wer noch nicht auf meiner Startseite war und gesehen hat, was ich nun mache, der soll hier eine kurze Zusammenfassung bekommen:
Während der Zeit, in der ich im Wohnmobil lebte, lernte ich meine heutige Partnerin kennen. Ich verbrachte noch den dritten Winter im Wohnmobil und verkaufte das Fahrzeug schließlich im Frühjahr 2007. Meine Freundin und ich radelten anschließend nach Frankreich, setzten uns auf ein Frachtschiff und fuhren zuerst in die Karibik, dann nach Brasilien. Von dort durchquerten wir per Fahrrad, Überlandbus und Leihwagen den gesamten südamerikanischen Halbkontinent bis zum südlichsten Zipfel. Nach wenigen Monaten nahmen wir das nächste Frachtschiff und fuhren mit einem Zwischenstopp in Afrika wieder nach Deutschland. Dort begannen wir im Dezember 2007 bei Null und richteten uns eine kleine Wohnung ein. Meine Freundin ging ihrer Arbeit nach, ich arbeitete weiter als Reisebuchautor. Einige Reisen unternahmen wir mit einem 13 Jahre alten Clio und einem Zelt bis es uns zu blöde war. Also kauften wir im Oktober 2008 einen VW-Bus und machten Europa damit unsicher. Im Jahr 2010 fuhren wir mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Peking und auch wieder zurück. Und im Herbst 2011 verkauften wir den Bus wieder und hatten mittlerweile wieder so viel angespart, dass wir uns einen vier Jahre alten Ford Transit kaufen konnten. Dieser ist so modern und besitzt so viel Schnickschnack, den ich mir mit dem alten Transit nicht zu träumen wagte. Nun sind wir damit wieder gemeinsam unterwegs und kommen nach jeder Reise gerne wieder in unsere kleine, feste Wohnung.
Ob ich wieder im Wohnmobil wohnen würde?
Grundsätzlich ja. Damit hätte ich kein Problem. Doch wahrscheinlich nur, wenn ich wirklich müsste. Denn es ist natürlich auch schön, wenn man den Wasserhahn aufdreht und sofort heißes Wasser heraussprudelt. Und so viel spart man nicht, wenn man im Wohnmobil lebt, dass sich das unkomfortablere Leben rechtfertigen würde. Es ist deutlich mehr Aufwand, Wäsche zu waschen, Müll zu entsorgen, zu duschen oder schlicht diese Zeilen ins Internet zu setzen als an einem stationären Platz. Und Diesel und Gas werden auch nicht billiger. Ganz davon abgesehen ist es einfach so, dass man ein Wohnmobil deutlich schneller “verwohnt”, als wenn man nur ein paar Wochen im Jahr darin Urlaub macht. Das macht sich schnell beim Wiederverkauf bemerkbar. Wer so etwas macht, der muss es sehr lange machen, um Kosten deutlich einzusparen.
Fazit: Es waren drei wundervolle Jahre, die ich nicht missen möchte. Aber es ist deutlich schöner, ein Wohnmobil für das zu nutzen, für das es gebaut wurde - damit zu verreisen.
Übrigens: Ich habe es zeitlich nie geschafft, mir eine Pizza ans Wohnmobil liefern zu lassen. ;-)
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