Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Leben im Wohnmobil <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug

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Sonntag, 16. Januar 2005, 13.11 Uhr
Es ist sonnig. Es ist zwar noch kalt aber sonnig. Das tut richtig gut. Aber der Reihe nach. Am Mittwochabend holte ich mein Fahrrad aus dem Keller meiner Mutter. Ich wollte endlich mal wieder Fahrrad fahren. Und eigentlich möchte ich es auch bei mir haben. Doch wohin damit? Ich habe einen Fahrradträger für das Wohnmobil. Doch das Risiko wollte ich nicht eingehen. Es könnte ja gestohlen werden. Also bleibt nur die Möglichkeit es IM Auto zu verstauen. Ich möchte allerdings auch nicht, dass es mir im Weg steht. Also was tun? Mir fiel nur das Badezimmer ein. Dort könnte es ja passen, wenn man das Rad hochkant hinstellt. Und siehe da. Wenn man das Vorderrad mit dem Schnellverschluss heraus nimmt, dann klappt´s wirklich. Sehr praktisch. Nun kann ich also jederzeit von “zu Hause” mit dem Rad irgendwohin. Über diese Neuerung habe ich mich sehr gefreut. Tags darauf, also letzten Donnerstag dachte ich mir, es wäre ganz sinnvoll regelmäßig zu radeln. Und zwar mit Gepack. Da es mir aber zu blöd ist, jedesmal die Packtaschen mit schweren Büchern oder ähnlich Ballast zu füllen, nahm ich einige Pfandflaschen von Lidl, ging zur Ruhr und füllte sie mit Wasser. Wir haben Mitte Januar und ich habe 14 Flaschen jeweils eine Minute unter Wasser gedrückt, damit sie sich füllen. Ich muss wohl nicht erzählen, wie mewomo im winter 3aine Hand anschließend geschmerzt hat. Doch auch das habe ich überstanden. Nun sind meine Packtaschen mit 21 Liter “Gepäck” gefüllt und ich fahre Wasser aus der Ruhr spazieren. Völlig unnötig, aber vielleicht doch ein wenig Training? Zudem gibt einem das Radeln mit den Packtaschen das Gefühl von Urlaub und Reise. Als wenn ich das durch mein Leben im Wohnmobil nicht sowieso schon hätte.

Nach dieser Abfüll-Aktion beschloss ich, mein kleines Weihnachtsbäumchen einzupflanzen. Also nahm ich den Weihnachtsschmuck ab, bohrte ein kleine Loch in den sehr weichen Boden in den Hattinger Ruhrauen und stellte den Baum hinein. Mal schauen, was so im Laufe der Zeit daraus wird.

Das mit dem Joggen halte ich im Übrigen immer noch durch. Allerdings liegt mir Radfahren doch mehr. So machte ich mich gestern auf, ein Stückchen zu radeln. Ich packte meine Packtaschen ans Rad, und los ging´s. Rund 40 Kilometer am Rhein-Herne-Kanal und am Rhein entlang. Es tat gut, aber ich merkte schon wie ungeübt ich im Augenblick bin. Zudem hatte ich eine riesige Panne mit meiner Kette. Wahrscheinlich muss ich sie demnächst ersetzen. Doch während ich da stand und meine Panne begutachtete hielt ein Radler und wollte helfen. Sehr nett, ich habe mich gefreut. Aber helfen konnte er auch nicht. Wie auch immer. Lustig war zumindest seine Frage, ob ich auf einer mehrtägigen Tour bin, weil das Rad komplett beladen ist. Ich stotterte mir irgendetwas zusammen aber dachte im gleichen Augenblick: “Nö, ich fahre bloß 14 Liter Wasser aus der Ruhr spazieren. Einfach nur so.”

Heute ist auch schönes Wetter. Deswegen werde ich mich nun wieder auf meinen Drahtesel schwingen und den Baldeneysee umrunden.

So viel im Augenblick. Mir geht es also weiterhin gut. Das Überwintern schadet mir nicht. Viele Einträge werden in diesem Tagebuch wohl nicht mehr folgen. Es scheint ja alles zu funktionieren und im Augenblick habe ich das Gefühl, dass der Winter bald schon wieder vorbei ist. Und dann werde ich auch bald wieder unterwegs sein.

Donnerstag, 03. Februar 2005, 9:49 Uhr
Ich habe ein Müllproblem. Na ja, es ist nicht wirklich schimm. Aber es fällt mir auf, dass ich manchmal Schwierigkeiten habe, meinen Müll zu entsorgen. Insbesondere dann, wenn ich faul bin und mir denke, den Müll schmeiße ich morgen weg. Leider wird dann manchmal da nichts draus und der Müllberg wächst. Ich kann ja auch nicht meinen Müll einfach bei fremden Leuten in die Tonne werfen, so bleiben mir nur öffentliche Mülltonnen. Aber da kann ich auch nicht alles auf einmal reinschmeißen. Also immer dran denken und jedesmal ein kleines bisschen an der nächsten öffentlichen Tonne einschmeißen.

Wer im Wohnmobil überwintert bzw. lebt, der wird langsam zum Wetterfrosch und achtet abends darauf, wie das Wetter wird. Wird es windig, dann stellt man sich besser irgendwo in den Wald. Wenn es regnet, meidet man die Bäume, was ja sowieso allgemein bekannt sein sollte. Denn von dem Regen hat man noch lange was von, obwohl vielleicht schon wieder die Sonne scheint, oder die Sonne rausguckt.

Ist der Winter eigentlich schon wieder vorbei? In den letzten Tagen hat es geschneit, aber mittlerweile scheint es wieder wärmer zu werden, allerdings mit viel Regen. Was soll´s? Nächsten Monat ist Frühlingsanfang und die Tage werden jetzt schon abends etwas länger. Nicht viel, aber immer etwas. Es tut gut, ständig draußen zu sein. Normalerweise bin ich um diese Jahreszeit immer erkältet. Dieses Jahr habe ich nichts dergleichen.

Ach ja, und es war wieder Monatsanfang. Der dritte seitdem ich im Wohnmobil lebe. Ich habe kurz überschlagen, wieviel ich seit dem gespart habe und muss sagen, es hat sich jetzt schon gelohnt. Sehr beruhigend. Die einzigen Unkosten entstehen durch das Gas. Etwa jede anderthalbte Woche benötige ich eine neue Gasflasche im Wert von 10 Euro. Damit lässt´s sich leben. Besonders, wenn man bedenkt, dass ich damit koche und heize. Und das nicht wenig.

Samstag, 05. März 2005, 12:40 Uhr
Schon lange keinen Eintrag mehr vorgenommen. Aber was soll auch schon groß passieren? Dies dürfte in Sachen “Überwintern in Deutschland” auch der letzte gewesen sein. Ich gehe ganz normal meinem Alltag nach, mit der Ausnahme, dass ich die Tage und auch Nächte in einem Wohnmobil verbringe. Da ich keinen Schaden genommen habe und es nicht ein einziges Problem gab, kann dieses Projekt als bestanden betrachtet werden. Draußen liegt zwar noch Schnee, aber das ist nicht weiter schlimm. In der letzten Woche gab es sogar die kälteste Nacht in Deutschland in diesem Jahr und als ich diese Nachricht hörte, erinnerte ich mich daran, wie ich in der Nacht aufstand um die Heizung runter zu drehen, weil es mir so warm war. Also, Kälte ist kein Problem. Auch nicht, wenn man morgens aufwacht, aussteigt und sieht, dass unterhalb des Bettes einge große Eiszapfen hängen und diese nur durch eine dünne Außenhaut von den Füßen entfernt sind. Aber es stört nicht.

Das freie Stehen auch nicht. Ich habe mittlerweile in Wohngebieten gestanden und geschlafen und auf Parkplätzen, die in der Nacht relativ ruhig sind. Es gab nur eine Ausnahme, als irgendwann um 1 Uhr ein Spaßvogel sich von dem Parkplatz entfernte und meinte, dies mit einem Gehupe kund tun zu müssen. Weitere Probleme traten aber nicht auf. Nur ein einziges Mal stand der Wagen zu lange auf der selben Stelle, so dass ich die Batterien des Autos verbraucht habe und nur durch Überbrücken wieder starten konnte. Hinzu kam allerdings auch noch die ungeheure Kälte. Im Sommer wäre dies wahrscheinlich ein geringeres Problem gewesen.

Apropos Strom. Ich kann Funken schlagen. Ich lade mich elektrostatisch im Auto auf und kann im Dunkeln durch Reiben an der Polsterung des Autos kleine Fünkchen machen. Es ist witzig, tut nicht weh und sieht nett aus. Damit könnte ich mich stundenlang beschäftigen. In diesem Sinne wünsche ich ales Gute. Meine nächsten Einträge stammen von der nächsten Reise. Dort werde ich auch wieder mit dem besagtem Wohnmobil unterwegs sein. Wer Fragen hat zum Überwintern in Deutschland, der schreibt mir einfach mal eine Mail. Leider habe ich es in der gesamten Zeit versäumt, Pizza zu bestellen und sie mir ins Wohnmobil liefern zu lassen. Doch das wird beim nächsten Mal noch nachgeholt... ;-)
 

 

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