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Dienstag 16. November 2004, 10.05 Uhr Keine 10 Meter von mir entfernt befindet sich der Baldeneysee, trübes kaltes Novemberwetter, aber irgendwie schön. Das Ufer ist nicht überfüllt, nur vereinzelt kommen ein paar Spaziergänger vorbei. Im Sommer wimmelt es nur von Menschen. Ein Problem existiert bei meiner Womo-Überwinterung. Naja, ein richtiges Problem ist es eigentlich nicht, nur mal wieder etwas umständliches. Gestern habe ich meinen normalen Pkw aus der Werkstatt geholt. Ihn nutze ich natürlich in der Stadt viel lieber. Er ist spritziger, wendiger, verbraucht weniger und macht die Parkplatzsuche nicht ganz so schwierig. Doch da ich nur ein Fahrzeug gleichzeitig fahren kann, steht eines immer am selben Platz. D.h. der Pkw steht nun in einer Wohnsiedlung. Wenn ich ihn gleich fahren will, muss ich das Wohnmobil dort stehen lassen und heute abend wenn ich zu Bett gehe, ist es wieder umgekehrt. Irgendwie ist das blöd, weiß aber noch keine bessere Lösung. Schön wäre natürlich ein Ort, der zentral gelegen ist, relativ sicher und wo man zur Not auch mal übernachten kann. Gleichzeitig soll da aber auch niemand wohnen, den ich belästigen kann. Doch andererseits wäre es auch schön, wenn da jemand wohnt und somit das jeweilige Auto „bewacht“. Eine bessere Lösung wäre ein Anhänger. Aber ich habe weder eine Anhängerkupplung, noch einen Anhänger noch eine Ahnung, ob das überhaupt an diesem Wohnmobil funktioniert...
Und bei genauerer Überlegung ist es auch gar nicht so dramatisch. Ab nächster Woche bin ich eh mit dem Womo in Bonn und kann in Essen dann den normalen Wagen nutzen.
Alles in allem muss ich sagen, dass ich bisher sehr zufrieden bin und es genauso verläuft, wie ich es mir gewünscht habe. Nun werde ich mich ein wenig an meine Arbeit schmeißen und den Wagen auch endlich mal winterfest machen.
Dienstag, 23. November 2004, 16.55 Uhr Heute war mein zweiter Arbeitstag. Es ist viel passiert. Nun sitze ich auf einem Wanderparkplatz in Bonn-Röttgen, relativ nah an der Autobahn. Einerseits laut, andererseits gut, da ich zwischendurch selber auch mal den Motor anschmeissen muss, so habe ich das Gefühl niemanden zu stören. Allerdings laufen hier manchmal Leute vorbei, die schauen immer blöde herein. Muss mal den Vorhang zu machen.
Nun, zwei Monate hatte ich gewusst, dass ich sicherheitshalber eine zweite Gasflasche kaufen sollte, bevor ich mich auf das Wagnis „Überwintern in Deutschland einlasse“. Und was mache ich? Nichts! So kam es, was kommen musste. Letzten Donnerstag stand ich in Wuppertal und wollte abends um kurz vor acht ein wenig die Heizung anmachen. Tja, da war das Gas leer, wie schade...Also musste für die Nacht dann die normale Decke reichen. War okay, es frostet ja auch noch gar nicht, ist manchmal durch den Regen nur ein wenig ungemütlich - aber nicht kalt. Eigentlich ist die Heizung auch eher für tagsüber. Wenn es da nämlich richtig kalt ist, und man sitzt am Laptop, dann kann eine wärmende Heizung nicht schaden. Für alles andere reicht auch die Decke oder ein Pulli mehr.
Ansonsten bin ich nun in Bonn. Ich kenne mich eigentlich hier überhaupt nicht aus. Eine Sache ist daran irgendwie blöd. Denn einerseits ist Bonn nicht weit genug von Essen weg, um die ganze Zeit hier zu bleiben, andererseits ist Bonn auch wieder zu weit weg, um jeden Tag nach „Hause“ zu fahren. Ist ja eigentlich auch nicht nötig, weil es im Prinzip egal ist, wo ich stehe und an meinen Büchern arbeite. Aber trotzdem vermisst man ein wenig die gewohnte Umgebung. Egal, jetzt bin ich hier, esse gleich was und arbeite ein wenig weiter. Mittlerweile wohne ich seit eineinhalb Wochen hier im Wohnmobil und ich kann immer noch nichts negatives feststellen. Nur bei meinen neuen Arbeitskollegen habe ich noch nichts erwähnt diesbezüglich. Aber das wird wohl auch irgendwann kommen. Hat aber noch Zeit.
Am Wochenende habe ich mir über das Bett eine riesige Weltkarte gehängt. Nun wache ich morgens auf und blicke auf den Pazifik, hat auch was. Und wenn ich ins Bad gehe, öffne ich die Tür mit der Europakarte. Da spricht das Fernweh in mir....Oh, neben mir parkt gerade ein Lkw ein, muss mal schauen, was der macht....mmmh...Bauarbeiter. Sie machen Krach. Naja, was soll´s? Schlafen will ich hier eh nicht. Ich habe in unmittelbarer Nähe meines Arbeitsplatzes eine schöne Wohngegend (mit Klo) gefunden. Da werde ich wohl nachher wieder hinfahren. Tja, sonst gibt es erstmal nichts weiter zu berichten. Die Arbeit ruft...
Dienstag, 07. Dezember 2004, 23.18 Uhr Lange nichts mehr geschrieben. Aber um ehrlich zu sein ist auch nicht sonderlich viel passiert. Das Projekt „Wohnen in einem Wohnmobil im Winter in Deutschland“ scheint zu funktionieren. Ich bin gerade auf dem Weg zu einem Termin mit der Volkswagen AG nach Wolfsburg. Mal wieder für ein anstehendes Projekt. Vielleicht habe ich ja Glück und es funktioniert. Das ist halt das Schöne an so einem Fahrzeug. Man kann am Abend vorher zum Termin fahren und dort nächtigen. Augenblicklich schlafe ich ja auch viel in Bonn, weil ich dort arbeite. Streng genommen ist es auch völlig egal, wo ich abends meine schweren Lider zuklappen lasse. Wenn die Jalousien geschlossen sind und der Vorhang fällt, sehe ich sowieso nicht, in welchem dunklen Wald ich mich befinde. Ich habe nur mittlerweile von dem oben beschriebenen Platz in dem Wohnviertel Abstand genommen, weil die Leute dort abends doch schon mal genauer schauten. Also schlafe ich jetzt neben einer Autobahn mitten im Wald. Aber nachts ist dort nicht so viel los. Ich könnte mir natürlich einen ruhigeren Schlafplatz suchen, aber so viele Nächte sind es nicht. Da möchte ich dann lieber einen kurzen Weg zur Arbeit haben. Alles andere klappt sehr gut. Meine Gasflasche ist mal wieder leer, aber ich habe ja vorgesorgt. Muss nur dran denken, wieder aufzufüllen. Wasser zu besorgen ist auch kein Problem. Die Nächte sind auch nicht sonderlich kalt. Dafür hat man ja Decken. In vielen Nächten heize ich mittlerweile gar nicht mehr, weil es sich nicht lohnt. Blöd ist dann nur morgens das Aufstehen.
Einmal bin ich morgens aufgestanden und raus in den Wald, weil ich mal musste und stelle fest, dass die gesamte Außenhaut des Fahrzeuges mit einer leichten Eisfläche überzogen ist. Im Auto habe ich davon nicht viel gemerkt, obwohl die Heizung des Nachts aus war. Mal schauen, wann ich das Nächste Mal über dieses Projekt schreiben werde. Ich muss zugeben, dass es anscheinend einfacher ist, als ich dachte. Und ich ging eh schon ziemlich optimistisch an die Sache heran. In zwei Wochen ist Wintersonnenwende und ab dann werden die Tage wieder länger. Man merkt es zwar nicht sofort, aber alleine, es schon zu wissen tut gut. Und dann wird es wenige Wochen danach auch langsam wieder wärmer. Was soll noch schief gehen? Anfangs habe ich gedacht, wenn alles schief geht, kann ich mir immer noch eine Wohnung nehmen. Mittlerweile denke ich gar nicht mehr an diese Möglichkeit.
Mittwoch, 15. Dezember 2004, 17.28 Uhr Und wieder eine Woche im Wohnmobil überlebt. War gar nicht so wild. Vorgestern h abe ich doch mal im Wohnmobil geduscht. Bin zwar immer auf Möglichkeiten bei Freunden und Verwandten ausgewichen, weil´s mir einfach zu unbequem war. Ist aber gar nicht so. Kurz Wasser gekocht, ab in den Solarduschbeutel, mit kaltem Wasser gemischt - und trotzdem verbrüht. Okay, das lerne ich noch. In die richtige Dusche kann ich im Augenblick ja kein Wasser eingießen, weil es ja frieren würde. Käme nicht ganz so gut für die Wasserpumpe. Naja, und Frostschutz packe ich natürlich auch nicht in mein Duschwasser. Aber so geht´s auch. Nur sollte ich die Temperaturen demnächst besser abschätzen. Hüpfte wie ein Frosch vor lauter Schmerz durchs Auto. Gut, dass keiner reingucken kann. Nach dem Duschen stand das Wasser im Bad in einer Ecke knöchelhoch. Der Wagen stand leicht schräg und so konnte es halt nicht ablaufen. D.h. ich nahm hinterm Steuer Platz und drehte ein paar Runden auf dem Parkplatz, damit ich den Wagen anders schräg stellen konnte und das Wasser in den Abwassertank laufen kann. Klappte auch, Wasser lief ab, ich roch gut und das Bad war wieder sauber…
Am nächsten Morgen kam eine SMS von einer Freundin, die auch im Auto lebt, dass sie beinahe in ihrem Wagen erfroren wäre, der Hundenapf gefroren ist und sie die Schiebetür von innen nicht aufbekommt – festgefroren. Ihre Heizung funktioniert nicht. Nun, was sollte ich schreiben? Ich saß gerade mit einem T-Shirt bekleidet auf meiner „Couch“ und habe etwas gelesen. Mir war warm… und nicht nur das. An genau diesem Morgen wollte ich einen Schokoriegel essen, dieser lag in einem Ablagefach, weit weg von der Heizung. Dennoch war er weich und fast geschmolzen. Also bitte, mich muss keiner mehr fragen, ob es nicht kalt ist, im Auto zu überwintern. Das Einzige, was mich an die Kälte erinnerte war der Eiszapfen, der außen unterm Auto hing: Der Abwassertank war nicht ganz geschlossen und das Wasser tröpfelt hinaus. Zumindest wollte es das, es kam nicht weit, weil es halt zum besagten Zapfen gefror. Da hing es also, mein Duschwasser vom vorigen Abend….
Was passierte in der Nacht? Die Gasflasche wurde leer. Ich hatte zwar vorgesorgt und noch eine zweite. Aber wer verlässt schon nachts um halb vier das warme Bett, die warme Decke, das (noch) warme Auto, geht hinaus in die Kälte und Dunkelheit um die Gasflaschen auszutauschen? Erst nach dem Aufstehen habe ich morgens die Flasche gewechselt. Und da hatte ich wieder diesen heimeligen Anblick, wenn oben aus dem „Kamin“ der Wasserdampf entrinnt. Dann weiß ich, es ist warm und gemütlich im Auto. Ich finde es mittlerweile nicht nur „nicht schlimm“ im Auto zu wohnen und zu leben. Nein, ich genieße es regelrecht. Manche im Bekanntenkreis haben schon gemeint: “Naja, irgendwann wirst du ja auch wieder eine Wohnung haben“. Soll ich ehrlich sein? Das wird noch verdammt lange dauern!!! Meine nächsten Tätigkeiten, was das Wohnmobil angeht werden sein, mal wieder eine neue Gasflasche zu kaufen (9,99 Euro/11kg, halten tut sie etwas über eine Woche, bei täglicher Nutzung der Heizung (14 Stunden)) und eine Mignonbatterie ins Auto legen. Der Zünder für die Heizung funktioniert per Strom aus einer Mignon-Batterie. Wenn man allerdings nachts nicht mitbekommt, dass das Gas aus ist, zündet der Zünder immer und immer wieder. Und möglicherweise ist irgendwann auch die Batterie leer. Dann stehe ich aber blöd da…
Dienstag, 29. Dezember 2004, 9.33 Uhr Weihnachten ist vorüber. Mir geht es immer noch gut. Zugegeben, die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich zum großen Teil in der Wohnung meiner Mutter verbracht, weil sie nicht da ist. Aber vorletzte Nacht schlief ich auch mal wieder “draußen”. Man will sich ja nicht an das normale Leben wieder gewöhnen. In genau dieser Nacht ist natürlich auch wieder die Gasflasche von mir geleert worden. Durch das laute Klickern des Zünders wurde ich dann letztendlich wach. Oder war es doch die Kälte morgens um 10 nach vier? Wie auch immer, diesmal stand ich auf, zog mir schnell eine Kleinigkeit über und wechselte im hellen Mondlicht die Gasflaschen. Um es mal anzumerken. Ich kann nicht an die Flaschen vom Innenraum heran. Daher muss ich immer raus. Also stand ich mitten in der Nacht barfuß und nur mit einem T-Shirt und einer Jeans bekleidet bei minus 1 Grad draußen und wechselte im Halbschlaf die Anschlüsse. Ich habe es überlebt. Ist gar nicht so schlimm. Tja, mehr gibt es ansonsten nichts zu erzählen. Es läuft weiterhin wunderbar. Das Nomadenleben gefällt. Es ist günstig, ich bin an der frischen Luft und habe meine Ruhe. (Ganz ehrlich, hier im Haus meiner Mutter ist es schon ganz schön laut, man gewöhnt sich daran, keine Nachbarn zu haben.... ;-))
Montag, 03. Januar 2005, 22.24 Uhr Das neue Jahr hat begonnen. Ich gebe zu, dass ich in letzter Zeit ein wenig oft meine Zeit in der Wohnung meiner Mutter verbrachte. Aber nichtsdestotrotz lebe ich noch immer im Wohnmobil. Heute abend zum zweiten Mal in diesem Jahr. Am Auto gibt es noch nichts auszusetzen. Außer, dass ich neben den neuen Reifen mal eine Achsvermessung machen müsste, weil sie einseitig abgefahren werden. Naja, und sonst kann ich nur sagen, dass ich mich mal wieder um Gas kümmern muss. Das heißt, eigentlich immer noch. Ich habe letztens in der Nacht die Flasche gewechselt und noch keine neue gekauft. Wenn ich also jetzt die augenblickliche Flasche leere, dann habe ich keine Heizung mehr und kann nicht kochen. Ich bin in Bonn, wo gibt es hier Gas? Keine Ahnung, Donnerstag hole ich welches bei mir daheim. Bis dahin muss die Flasche reichen. Wird sie wohl auch. Ich mache gleich die Heizung aus oder zumindest auf die kleinste Stufe. Es ist nämlich warm. Gut möglich, dass andere anders empfinden. Wahrscheinlich sind sie wärmeres gewohnt. Ich nicht. Mir ist sehr warm. Wohlgemerkt, es ist Anfang Januar, mittlerweile abends um halb 11.
Wie auch immer, ich habe schon öfter gesagt, die Kälte ist nicht das Problem. Viele Leute fragen auch immer, ob es nicht gefährlich sei im Auto. Dazu folgende Geschichte von gestern. Die wahrscheinlich „gefährlichste“. Ich stand in Essen auf einem großen Parkplatz im Grünen, in der Nähe des Baldeneysees und spielte ein wenig mit meinem Schachcomputer. Leise lief das Radio und ich bemerkte nicht, was draußen vor sich ging. Hatte ja alle Jalousien zu, damit keiner rein schauen kann. Leider kann ich dann auch nicht rausgucken. Anscheinend näherten sich Autos, ohne dass ich das mitbekommen habe. Ich bemerkte sie erst, als sie sich mit Getöse davon machten und ganz dicht an meinem Wagen vorbei fuhren. Einer war dabei ganz besonders witzig und hatte einen Außenlautsprecher, indem er mir mit irgendwem zwischenmenschliche Körpernähe unterstellte, die ich bitte zu unterlassen habe. Witzig. Ich spielte also weiter Schach. Die Nacht blieb ruhig, es waren halt junge Leutchen, die sich einen Spass machten.
Heute saß ich geschlagene drei Stunden vor dem Atlas und habe vor mich hingeträumt. In Folge dessen begann ich damit, wieder Sport zu treiben. Ein wenig Aufwärmen hier im Auto, Dehnübungen, ein paar Liegestützen für den Anfang und dann ging ich raus in die Dunkelheit und joggte einmal quer über den Parkplatz. Das klingt nach wenig, ist es auch. Aber ich fange ja erst noch an. Morgen früh geht es weiter.
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