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Bis es aber soweit war, passierten wir vorher noch den legendären Baikalsee. Das südliche Ende dieses tiefsten Sees der Welt liegt malerisch an einer Bergkette. Zwischen den Hügeln hindurch, fahren wir durch zwei kleine Tunnel, die ersten se it Moskau, und erblickten plötzlich den Baikal von etwas oberhalb. Langsam fuhr der Zug bergab, bis wir bei der Ortschaft Sljudjanka fast auf Seehöhe waren.
Sljudjanka erinnerte uns rein optisch irgendwie an die südlichste Stadt der Welt – Ushuaia in Argentinien. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir den Eindruck bekamen, am Ende der Welt zu sein, so wie es Ushuaia immer von sich behauptet.
Da es uns damals auf unserer Südamerikareise in Ushuaia am besten gefiel, müsste es uns eigentlich auch in Sljudjanka gefallen. Genau beurteilen konnten wir dies jedoch nicht. Unser Zug hielt nur kurz um dann in den folgenden drei Stunden teilweise direkt am Ufer des Baikalsees entlang zu fahren.
Auffällig war nur, dass der See trotz seiner Berühmtheit zumindest in Sljudjanka touristisch absolut gar nicht erschlossen ist. Die wenigen Touristen, die im Umkreis Trekkingurlaub machen, sind entweder bei Port Baikal bzw. in Irkutsk.
Zwei von ihnen stiegen in der Nacht zuvor in Irkutsk zu. Wir empfanden sie als etwas eigenartig. Sie waren zwar freundlich aber ins Gespräch kamen wir nicht mit ihnen. Uns fiel lediglich auf, dass sie sich für die Schönheit des Baikalsees kein bisschen interessierten. Auch die Landschaft der Mandschurei, die sich durch die steppenartigen Weiten endlich von der europäischen Landschaftsform abhob, würdigten sie keines Blickes. Sie saßen in ihrem Abteil, hatten die Jalousien heruntergezogen und schauten DVD auf ihrem Laptop. Irgendwie habe ich sie bemitleidet. Da ist man so viele Tausend Kilometer von zuhause entfernt, passiert wunderbare Landstriche und schaut sich amerikanische Actionfilme auf dem PC an? Da wir weder Nationalität noch Namen erfuhren, waren sie für uns einfach nur „die Neuen“.
Die Neuen reisten ohnehin anders als wir es tun würden. Ihren Laptop schlossen zum Akkuladen an eine Steckdose in der Nähe der Toilette an. Da es in den Abteilen keine Steckdosen gab, blieben einem nur die Stromgeber auf dem Gang. Aber muss es dann gleich eine sein, die weit weg ist und überhaupt nicht eingesehen werden kann? Ich würde mir um meine Geräte Sorgen machen.
Überhaupt sind wir beim Reisen mit einer gesunden Portion Vorsicht unterwegs und in der Regel sehr gut vorbereitet. Wir gehören zudem zu den Leuten, die lieber früher vor Ort sind als auf dem letzten Drücker.
Zwei anscheinend gegenteilige Exemplare trafen wir in Sabaikalsk. Sabaikalsk ist der letzte Ort vor der chinesischen Grenze. Das heißt, man ist bis dorthin über vier Tage unterwegs. Dort hat man dann sechs Stunden Aufenthalt, weil unter anderem wieder die Waggons umgespurt werden müssen.
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