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Irgendwo zwischen Tjumen und Omsk sitze ich in der sanft schaukelnden Eisenbahn und beginne damit, dieses Tagebuch zu schreiben, während die sibirische Tiefebene an meinem Fenster vorbei zieht. Dabei hat die Reise von Moni und mir bereits schon vor fünf Tagen begonnen.
Am vergangenen Mittwoch starteten wir unseren „Wochenendausflug“ nach Nordkorea, der insgesamt rund vier Wochen dauern soll. Zwei Stunden bevor unser Zug in Dortmund abfahren sollte, standen wir schon auf dem Bahnsteig und füllten unsere Mägen mit McDonald’s-Produkten. Wir gehören zu dem Typ Mensch, der lieber zu früh als zu spät irgendwo eintrifft. Außerdem, was machen schon zwei Stunden Warterei, wenn man die nächsten acht Tage in einem Zug sitzen wird?
Immer wieder füllte sich der Bahnsteig mit Menschen, die beim Halt eines einfahrenden Zuges in den Waggons der Deutschen Bahn verschwanden. Nur wenige Personen blieben mit uns stehen, als die Züge Richtung Hannover und Berlin wieder abfuhren. Gesprächsfetzen gaben Hinweis auf ihr Ziel – Russland. Sie wollten mit demselben Zug fahren wie wir. Ohne umzusteigen mit 33stündiger Fahrzeit von Dortmund nach Moskau.
Pünktlich kurz vor 23 Uhr traf der Zug ein. Mit unseren beiden Koffern, zwei Rucksäcken und einem Stoffbeutel, gefüllt mit Wasser- und Colaflaschen schritten wir zu unserem Waggon, wo der stämmige, russische Schaffner den Weg versperrte. Bereits von meiner Moskaureise aus dem Vorjahr wusste ich, dass man nur nach Vorlage des Zugtickets Einlass erhält.
Nach einem prüfenden Blick auf das Ticket und einem skeptischen Raunen verwies er uns auf „Room Number Four“. Wir wuchteten unser Gepäck in den Waggon und schoben, zogen und zerrten es durch den schmalen Gang bis zum vierten Abteil.
Erst ein kräftiges Klopfen an die Tür führte dazu, dass es von innen geöffnet wurde. Zu unserer Überraschung öffnete uns eine junge Frau das Dreibettabteil. Dabei waren wir im Glauben, dass wir in einem reinen Männerabteil nächtigen würden. Bei der Deutschen Bahn empfahl man uns damals beim Kauf der Tickets ein Männerabteil zu buchen. Ein Mann hätte wohl weniger Probleme damit, dass einer von uns weiblich ist als eine Frau in einem Damenabteil, die feststellt, dass ich zur männlichen Gattung gehöre. Um dieser Empfehlung Folge zu leisten, entschlossen wir uns also damals Fahrkarten für ein Herrenabteil zu buchen. Und nun öffnete uns eine junge Dame. Wer hat eigentlich mich gefragt, was ich denn gerne hätte?`
Ungeachtet dieser Irritation stemmten wir unsere Koffer in das schmale Abteil, in dem sich an einer Wand drei Klappbetten übereinander befanden. Das mittlere davon also bereits belegt. Moni nahm das untere Bett, während ich über die Leiter nach oben kletterte und eingeengt direkt unter dem Waggondach lag.
Auf meine Frage, ob die Leiter dort bleiben könne, wo sie war, entgegnete mit dir Frau in Englisch, dass dies doch ein Damenabteil sei und sie sich jetzt momentan ein wenig wundere. Gut, wir wunderten uns also nun zu Dritt. Damit wäre das ja auch geklärt.
Bitte beachten: Die Bilder auf dieser und der folgenden Seite sind zu großen Teilen aus einem fahrenden Zug mit verdreckter Scheibe entstanden!
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