Michael Moll - Reisebuchautor, Fotograf und Weltenbummler / Mit dem VW-Bus an die Nordsee <body> <p>Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug</p> </body>

Die Weltenbummler

Informationen über Sabbatjahre (Sabbatical), Ausstieg auf Zeit, Leben im Wohnmobil und weltweite Reisen ohne Flugzeug

Sie sind hier: 

 >> Home  >> Reisen  >> Berichte  >> Mit einem VW-Bus zur Nordsee
 


 

Niedersächsisches PferdEin Wochenende, an dem wir einfach nur mal ausspannen und frische Luft atmen wollen, führt uns in der Regel an die Nordsee. Dort heißt es, wirklich einfach genießen und nicht von Ort zu Ort fahren, um etwas zu besichtigen. Für so etwas bietet sich der Wohnmobilstellplatz in Harlesiel ideal an. Er liegt direkt am Hafen mit Blick auf die Insel Wangerooge. Im Vorfeld setzten wir uns mit einem Wattwanderführer in Verbindung, der uns durch das Weltnaturerbe zur Insel Spiekeroog bringen soll. Eine zehn Kilometer lange Wanderung durch das ostfriesische Wattenmeer wäre eine interessante Erfahrung.

Kreuz am ehemaligen KZ Neusustrum
Gedenkstein in Neusustrum
So ganz ohne Besichtigung schaffen wir es aber dann doch nicht. Auf dem Weg nach Norden machen wir zunächst Halt im Emsland, wo nur noch wenige Überreste der einstigen Emslandlager zu finden sind. Eingang zum Kloster an der KZ-Gedenkstätte EsterwegenEs handelte Erste Strophe vom Lied der Moorsoldatensich um 15 Lager der Nationalsozialisten, in denen die Gefangenen die umliegenden Moore kultivieren mussten. Daraus entstanden ist das berühmte Lied der Moorsoldaten, welches von Häftlingen während ihrer Gefangenschaft komponiert wurde. Wir besuchten drei Orte, an denen früher die Lager standen.


Innenhafen von HarlesielIn Neusustrum, direkt an der niederländischen Grenze waren überwiegend Homosexuelle eingesperrt. Zu sehen ist dort nur noch ein Denkmal. Wo die Baracken standen, Achtung, Zecken!befindet sich heute der dorfeigene Sportplatz. An das KZ Börgermoor, unsere zweite Anlaufstelle, erinnert nur noch ein Gedenkstein und auch das KZ Esterwegen wäre kaum noch existent. Auf dem Gelände quartierte sich nach dem Krieg die Bundeswehr, die das Areal im Jahr 2000 verließ.


Enten in der HarleErst in letzter Zeit gab es Bestrebungen, eine KZ-Gedenkstätte an diesem Ort zu errichten. Noch ist diese nicht fertig, idyllisches Carolinensieldoch man kann schon einiges gut erkennen. Eng gepflanzte Bäume symbolisieren die Baracken der Häftlinge und Hinweistafeln erläutern das Leben und Sterben im KZ. Doch einzelne Besucher können die Gedenkstätte erst ab Herbst 2011 besichtigen, momentan werden nur Gruppen eingelassen.


Stürmische NordseeAuf dem Gelände befindet sich auch ein kleines Kloster in dem vier Franziskaner-Schwestern leben. Vorsichtig steckten wir unsere Köpfe in das KlosterRaddampfer Concordia II auf der Harle und lasen den Text des Moorsoldatenliedes an der Wand, als eine der Schwestern uns empfing und sich sehr viel Zeit nahm, uns das Kloster und das KZ zu erläutern. Die Niederländerin führte uns durch die Räumlichkeiten, die einstmals von der Bundeswehr erbaut wurden.


Strandkörbe in HarlesielNach diesen Eindrücken fuhren wir die letzten Kilometer bis Harlesiel, wo wir auf dem uns bekannten Stellplatz einparkten und zu Fuß die zwei Stürmische NordseeKilometer an der Harle nach Carolinensiel spazierten. Dabei erhielten wir den Anruf des Wattführers, der die für den nächsten Tag geplante Wanderung wegen des schlechten Wetters absagen musste. Wir ahnten bereits schon so etwas. Es war für Juni nicht nur empfindlich kalt, sondern auch sehr stürmisch. Nach Aussage des Wattführers war das Wasser zudem 40 Zentimeter zu hoch. Schade, dann eben beim nächsten Mal.


Rutschgefahr in der NordseeDafür Nordsee-Idyllewanderten wir an einem der Tage über den frisch gemähten Deich nach Neuharlingersiel (Deich-Track als kmz-Datei für Google Earth). Unser GPS-Logger verriet uns später, dass es sich um eine Strecke von 7,6 Kilometern handelt, die wir mal eben hin und zurück gingen, nur um in Neuharlingersiel das dortige Buddelschiffmuseum zu besichtigen. Die kleine Ausstellung zeigt zahlreiche Schiffe, die irgendwie in Flaschen jeglicher Größe einzwängt wurden. Bei nicht wenigen Schiffen fragt man sich, wie man diese in die Buddel bekommen hat.

Auf Wasser im Wohnmobildem Deich machten wir Begegnungen –natürlich– überflutetes Wohnmobilmit Schafen und mit Rauchschwalben, die im Kamikazeflug um uns herum kreisten. Erst später wurde uns klar, dass sie wahrscheinlich Jagd auf Insekten machten, die wir durch unsere Wanderung aufscheuchten. Neben den zahlreichen Möwen gab es zudem noch Austernfischer zu sehen. Eines dieser Vogelpaare brütete direkt am Stellplatz, wo wir deren Nahrungssuche für den Nachwuchs in Ruhe betrachten konnten.


Windmühle in CarolinensielDeich zwischen Harlesiel und NeuharlingersielNach einem Nachmittagsspaziergang entschlossen wir uns, zur Sicherheit das Auto umzustellen. Es war abzusehen, dass die Flut kam und diese höher ausfiel als üblich. Der Wind, der vom Meer kam, trieb das Wasser wAuf dem Deicheiter in das Hafenbecken als normal, so dass der Stellplatz innerhalb weniger BuddelschiffMinuten teilweise unter Wasser stand. Vorgewarnt war man aber auch durch den Platzbetreiber, der auf die Gefahr aufmerksam machte.


Chinesische Dschunke in einer FlascheAußerdem sollte man eigentlich an der Rezeption zur Sicherheit seine Handynummer hinterlegen. Drei Buddelschiffmuseum in NeuharlingersielWohnmobilbesitzer taten dies nicht und mussten dafür in Kauf nehmen, dass ihr Fahrzeug eine Unterbodenwäsche erlebte. Mit Salzwasser langfristig keine so angenehme Sache.


Austernfischer bei der NahrungssucheMeTitanic als Buddelschiffhrfach gingen wir nach Carolinensiel, besichtigen den Strand und genossen einfach nur den Tag bevor es dann wieder nach Hause ging. Natürlich nicht, ohne noch etwas zu besichtigen. Der schiefe Kirchturm von Suurhusen, nahe Emden, sollte es sein. Dort legten wir noch einen Stopp ein und Schiefe Turm von Suurhusenmachten ein paar FotoSchiefe Turm von Suurhusens vom Bauwerk, der schiefer sein soll als der Turm in Pisa, bevor wir die letzten Kilometer unter die Räder nahmen und nach Hause fuhren – mit der Hoffnung, dass wir im nächsten Jahr dann zu unserer Wattwanderung kommen werden.


Hier gibt es die Bilder auch noch mal mit genauen GPS-Standorten als kmz-Datei für Google Earth.

 

 


© Michael Moll | Essen | 2000 - 2012 | Kontakt | nach oben