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Nach sechs Tagen kamen wir in Moskau an und plötzlich ging alles ganz schnell. Irgendwie war die Reise hier vorbei, obwohl wir noch dreitausend Kilometer von zuhause entfernt waren. Aber es würde ja nur noch eine Nacht im Sukharevka-Hotel sein, bevor wir am nächsten Tag den Zug in das Ruhrgebiet besteigen würden.
Und so war es denn auch. Nach einigen Komplikationen im Sukharevka-Hotel schauten wir uns noch einmal die Stadt an. Das Hotel, welches eigentlich nur ein einfaches Hostel ist, liegt nur 20 Gehminuten vom Roten Platz entfernt. Doch es stellte sich als hilfreich heraus, dass wir die Buchungsbestätigung als Ausdruck mit uns führten, denn das junge Mädchen am Empfang konnte mit unserem Namen nichts anfangen und hatte eigentlich auch keine Zimmer mehr frei. Aber auch wenn man in solchen Momenten nur mit dem Kopf schütteln kann war es doch so, dass sie bemüht waren, ein freies Zimmer für uns zu organisieren, was dann auch irgendwann klappte.
Also besichtigten wir abends wieder den Roten Platz, den wir erst vier Wochen zuvor ausgiebig erkundeten, gingen in die Basilius-Kathedrale und schauten uns am nächsten Vormittag den Kreml von innen an.
Am Abend standen wir dann mit unserem Gepäck (die Pocky-Tüte ist während der Transsibfahrt deutlich kleiner geworden) am Bahnhof Belorusskaja und warteten darauf, dass wir den Zug besteigen können. Dieses Mal waren wir in getrennten Abteilen untergebracht. Moni hatte ein Abteil mit einer älteren Russin für sich, während ich ab Smolensk mein Abteil mit einem Mann und einer Frau teilen musste. Wie schon auf der Hinfahrt war diese Dame auch wieder überrascht kein reines Damenabteil bekommen zu haben. Nach der angenehmen, ruhigen und gemütlichen Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn war diese Fahrt beinahe schon eine Tortur. Allerdings lag der Grund wahrscheinlich auch darin, dass wir mittlerweile nach Hause wollten. Es kann aber auch sein, dass das kleine russische Kind nervte, weil es ständig laut schreiend den Flur auf und ab rannte und die noch sehr jungen Eltern offensichtlich mit der Erziehung überfordert waren. Selbst bei langen Aufenthalten sind die Eltern nicht mal mit dem Kind auf den Bahnsteig gegangen, damit es ein wenig Beschäftigung hat. Es war sehr traurig anzusehen.
Wir indes nutzten den zweistündigen Aufenthalt in Warschau-Ost um einkaufen und essen zu gehen. Mit Polen bzw. Warschau waren wir praktisch schon zuhause und wir bekamen das Gefühl, dass der Rest der Zugfahrt nur noch mit einer kurzen S-Bahnfahrt zu vergleichen ist. Immerhin würden wir 24 Stunden später frisch geduscht zu Hause in unserer eigenen Wohnung sitzen.
Vielleicht war die Fahrt von Moskau bis Dortmund aber auch eine Tortur, weil Moni tagsüber keine Sitzgelegenheit hatte. Die alte Dame in ihrem Abteil hielt es nicht für notwendig, das Bett durch den Provodnik zu einer Sitzbank umklappen zu lassen und meinte, Moni würde sich in der benutzten Bettwäsche der älteren Frau wohl fühlen. Da sie nicht sitzen konnte und es auch in meinem Abteil sehr eng war, standen wir beinahe die gesamte Fahrt über auf dem Gang.
Ich beabsichtigte sogar die zweite Nacht ebenfalls auf dem Gang zu verbringen, weil ich es einfach ungemütlich fand zwischen den beiden Personen eingeklemmt schlafen zu müssen. Doch irgendwann übermannte mich die Müdigkeit und ich ging zu Bett. Kurz vorher besuchten wir jedoch noch den Speisewagen der polnischen Bahn und waren über den Zustand sehr überrascht. Ein äußerst moderner Bistrowagen empfing uns und wir konnten relativ günstig essen. Eine Digitalanzeige verriet uns, dass wir uns auf polnischem Boden mit 160 km/h fortbewegten. Eine Geschwindigkeit, die ich mittlerweile gar nicht mehr gewohnt war und mir nach einer langsamen Transsib-Woche wie Hexerei vorkam und bei der ich mich auch nicht sonderlich wohl fühlte.
Irgendwo auf deutschem Boden wachte ich auf, packte meine Sachen und klopfte leise an Monis Abteil. Auch sie schnappte sich ihre Sachen und wir warteten draußen auf dem Gang darauf, näher nach Hause zu kommen. Irgendwo hinter Bielefeld entschlossen wir uns, schon mal langsam Richtung Tür zu gehen und dort zu warten. Eigentlich verrückt, denn würde man von Dortmund nach Bielefeld mit der Regionalbahn fahren, würde man sicherlich nicht direkt an der Tür warten. Doch nach über einer Woche Zugfahrt ist diese Entfernung nur noch ein kleiner Katzensprung.
Frühmorgens rollten wir in Dortmund ein, wo sich in den letzten vier Wochen natürlich nichts verändert hat. Doch eine Sache war trotzdem anders: Es war so ruhig, so still, kein Mensch unterwegs, kein Mensch schreit, keiner verkauft irgendeinen Plastikkram an hastig vorüber ziehende Menschen, es herrschte irgendwie eine Dorfidylle. Nach einem Aufenthalt in Peking und Moskau betrachtet man das Ruhrgebiet als ein ruhiges Provinznest.
Mit der S-Bahn fuhren wir somit die letzten Kilometer zum Essener Hauptbahnhof und ließen uns von einem Taxi zu unserer Wohnung bringen. Es dauerte nur wenige Tage bis wir mit den Planungen für die nächste Reise begannen.
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