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Morgens erhalten wir einen VW Gol. Dabei handelt es sich nicht um einen Tippfehler, sondern um einen abgespeckten VW Golf. Bis auf das F im Namen fehlen auch noch einige Zubehörteile wie elektrische Fensterheber, Airbags, Zentralverrieglung so wie man es eigentlich von unseren Fahrzeugen gewohnt ist. Zudem ist das Auto mit fast 50.000 km Laufleistung recht alt für einen Leihwagen, was uns aber nicht weiter stört.
Unsere ersten Meter auf argentinischem Boden mit dem Wagen stellt sich so dar, dass uns mehrfach freundliche Leute entgegenkommen, die uns nett aber auch irgendwie mit Panik in den Augen deutlich machen, dass wir wenden müssen. So breit die Straßen auch sein mögen, es handelt sich dennoch meistens um Einbahnstraßen. Die Richtung wird manchmal dabei gar nicht, selten mit einem kleinen Pfeil angedeutet. Später erfahren wir, dass jede zweite Straße nach bzw. nach links führt. So einfach ist das System, also immer im Wechsel. Muss man sich halt nur merken, was zuletzt an der Reihe war. Zumal alle Straßen rechtwinklig angelegt sind, scheint es einfach zu sein, doch trotzdem riskieren wir auf diese Art auf unserer Reise fünf- oder sechsmal das Leben.
Fröhlich brausen wir aus der Stadt hinaus nach Norden und biegen auf die Ruta ab, die zur Halbinsel führt. Nach endlos scheinender Steppe, in der uns zwei Autos entgegenkommen, erreichen wir das kleine Kassenhäuschen wo wir für 100 Peso erfahren, dass in 21 km Entfernung die Parkverwaltung sitzt und ein Museum ist. Das schauen wir uns natürlich an und nach der Besichtigung von Bildern der vielen Tiere wollen wir sie nun endlich in echt erleben. Wir verlassen die Asphaltstraße und fahren auf einer staubigen und einsamen Piste zum nördlichsten Punkt der Insel, der – sehr einfallsreich – den Namen Punta Norte trägt.
Obwohl wir die Fenster geschlossen haben, müssen wir die Kamera wegpacken, weil der feine Staub, den wir mit dem Fahrzeug aufwirbeln, durch alle Ritzen des Autos kriecht und sich überall im Wageninneren niederlegt. Besonders staubig wird es, wenn uns einer entgegen kommt, was in dieser Einsamkeit aber eher selten passiert. Unterwegs halten wir ein paar Mal an, weil wir einige der Guanakos, eine Lamaart sehen.
Nicht selten stehen die scheuen Tiere auf der Schotterstraße herum. Auf den letzten 30 km fährt ein anderes Auto vor uns her, was die Staubschichten in unserem Wagen trotz Abstand halten anwachsen lässt. Am Punta Norte angekommen sind deren Insassen und wir die einzigen Touristen an einem einzeln stehenden Haus. Der Strand ist zum Schutze der Tiere abgesperrt und Hinweisschilder bitten darum, Ruhe einzuhalten um die Fauna nicht zu stören. Leise bewegen wir uns auf den schmalen Wegen und fotografieren ein paar Seelöwen, die am Strand liegen und in der Sonne faulenzen. Da wir erst im April Seehunde in Dänemark sahen, wesentlich näher dran waren und diese nicht so träge wie ein Fels herum lagen so wie diese argentinischen Seelöwen, verlieren wir schnell das Interesse und ziehen weiter wobei wir noch immer darauf hoffen, kleine watschelnde Pinguine zu erblicken.
In einer kleinen Hütte treffen wir auf einen Parkwächter, der uns aber das sagt, was wir schon wissen: Oktober, vielleicht September. Momentan seien keine hier. Und der Mann muss es eindeutig wissen, er sitzt ja den ganzen Tag hier und es ist sein Job Ausschau zu halten.
Wir gehen zum Parkplatz zurück, wo mittlerweile nur noch unser Auto stand und nutzen die Toilette des Restaurants, welches in der Hauptsaison wahrscheinlich gut besucht ist. Plötzlich huscht da was über den Weg. Wir zucken zusammen und bleiben stehen. In rund fünf Meter Entfernung regt sich ein braun-graues halbrundes Tier auf dem ebenfalls braunen, ausgetrockneten Boden. Ich schleiche mich, mit der Kamera bewaffnet, langsam und leise näher und bei jedem Geräusch, dass ich trotz aller Vorsicht mache, zuckt das Tier zusammen und steckt seinen Kopf in eine kleine Erdhöhle. Doch genauso schreckhaft es ist, so ist es auch neugierig und schaut nach wenigen Sekunden wieder heraus, wer der fremde Eindringling denn da ist. Moni hält Abstand, während ich mich auf diese Art langsam nähere bis das Tier und ich sogar Körperkontakt haben. Es handelt sich um ein Gürteltier, das mit seiner zuckenden Nase vorsichtig an meinen Fingern schnuppert und mir anschließend erlaubt ihm über den Kopf zu streicheln. Moni, die etwas zur Seite steht, hat eine Begegnung mit dem Partner des Tieres. Doch bei diesem Beinahe-Zusammentreffen handelt es sich eher um Zufall, da das Gürteltier plötzlich aus einem Gestrüpp hervor geschossen kommt und blindlings auf Moni zu rennt. Nachdem sich beide erschrecken verschwindet eines der beiden Lebewesen in einem Erdloch. An dieser Stelle soll ich schreiben, dass es nicht Moni ist, die in einem Erdloch verschwindet.
Nachdem wir also Guanakos, Gürteltiere, Seelöwen, Wildpferde und nicht zu identifizierende Vögel sehen, fahren wir wieder zurück. Nochmals 100 km auf anstrengender Schotterpiste bis zum einzigen Ort der Halbinsel, Puerto Piramides und später in unser „Basislager“. Puerto Piramides gilt ebenfalls als Ausgangspunkt für Touren auf Valdez, ist aber sehr klein und eher schmuddelig. Spaßeshalber und aus beruflichen Gewohnheitsgründen schauen wir uns dennoch dort den Campingplatz an und sind froh, dass wir ein schönes Hostelzimmer haben.
Dort reduzieren wir am Abend unser Gepäck auf zwei Packsäcke, eine Fahrradpacktasche. Einen kleinen Rucksack und natürlich unsere kleinen Lenkertaschen. Da sich in der Fahrradpacktasche Pingu befindet und in diesem wiederum weitere wichtige Gegenstände, beschließen wir, diese Tasche ebenfalls immer bei uns zu haben und nicht in den Laderaum eines Busses zu packen. An den Rucksack befestigen wir die kleine Argentinienflagge, die wir vor der Reise basteln. Schon in den anderen Ländern spürten wir, dass sich die Einheimischen freuen, wenn sie ihre Nationalflagge an unseren Rädern baumeln sehen.
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