Die Weltenbummler

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Straßenbild von PosadasWieder fahren wir durch die Nacht, doch diesmal nicht ganz so bequem. Wir nehmen uns vor, ab sofort immer die beste Kategorie zu wählen, da sie nur geringfügig teurer ist. Doch dafür kann ich in der Dunkelheit mit den Vorhängen vor den Fenstern machen, was ich will und so werden wir früh am nächsten Morgen Augenzeugen einer Mondfinsternis, die es auf der Südhalbkugel schon seit Jahren nicht mehr zu sehen gab.

Verpackte FahrräderPuerto Madryn ist nun der Ort, den wir als unser Basislager auserkoren haben. Die Ortschaft gilt aber auch für andere Touristen als Ausgangspunkt für Touren auf die Halbinsel Valdez, für Pinguintouren und für Walbeobachtungen. Doch wir wollen nicht nur ein oder zwei Tage lang ein paar Ausflüge machen, wir möchten unser Gepäck lagern und den Rest Argentiniens kennen lernen.

Busbahnhof Buenos AiresDoch zunächst einmal müssen wir uns um besagtes Gepäck kümmern. Da es nun schon merklich kühler ist und man noch den endenden Winter spürt, räumen wir unsere 16 Gepäckstücke in das Innere des Bahnhofsgebäudes mit der Absicht, dort alles zusammen zu puzzeln. Nachdem wir einen freien Platz direkt neben der Tür finden und uns dort niederlassen, geht Moni schnell mal zum Klo. Indessen beginne ich damit, sämtliche Fahrradteile von den Unmengen an Kartons zu befreien, die aus Manoels Retiro Buenos AiresHand, zweieinhalb Tausend Kilometer weiter nördlich, stammen. Weit komme ich jedoch nicht, denn als ich die ersten Reifen „entkartonisiere“ und das braune Verpackungsmaterial neben mir auf dem Fußboden verteile, kommen vier Zöllner um die Ecke. Nicht, dass ich etwas Verbotenes tun würde, nein, sie gehen in einem Rechteck und haben genau zwischen sich ein fahrbares Durchleuchtungsgerät zur PflanzeGepäckkontrolle, das in etwa die doppelte Größe eines Fotokopierers hat. Dieses Gerät muss furchtbar schwer sein, so dass vier Personen zum Transport benötigt werden. Auf dem zweiten Blick sieht man jedoch, dass jeder von den vier Zöllnern nur drei Finger zum Schieben benutzt und das Ding fast von alleine rollt. Eine wahrlich tolle Beschäftigungsmaßnahme, die mich allerdings nicht weiter stören würde, wenn, ja wenn das Gerät nicht unbedingt dort hin muss, wo momentan unser Gepäck herum liegt.

PapageiAlso fordern sie mich auf, die Sachen woanders hin zu legen, was ich mit einem „Öh, jetzt?“ quittiere. Das verstehen sie natürlich nicht und ich lege noch hinterher, warum sie ihr Gerät nicht auf die gegenüber liegende Seite der Tür schieben. Sind doch nur zwei Meter mehr und macht sich dort genauso gut. Ich kann nicht erklären, Hostel Puerto Madrynwarum, aber irgendwie nervt es mich unheimlich, wie sie da um ihre Kontrollkiste herum stehen und mich angrinsen. Ich weiß natürlich, dass Moni jeden Augenblick zurück kommen wird und wir für das Ent- und Bepacken noch mindestens eine Viertelstunde benötigen, hebe aber trotzdem die Hand, gehe in die Hocke, sage so etwas wie „Momento, momento“ und mache mit meiner Arbeit weiter. Diese Ignoranz Wal in der Bucht von Puerto Madrynmeinerseits war einem der Zöllner dann doch wohl zuviel. Er greift zwei der Packtaschen und will sie demonstrativ an den freien Platz legen, den ich für ihr Gerät vorschlug, doch nicht mit mir, Amigo. Da kenne ich keine Uniformen, wenn jemand ungefragt unsere Sachen weg trägt. So entreiße ich ihm die Taschen und erledige den Job nachgebenderweise selber, während ich ihm gleichzeitig –natürlich auf Deutsch- Autokennzeichenanmeckere, dass ich es lächerlich finde, sich an so einem kleinen Bahnhof einer so kleinen Stadt so wichtig zu machen, in dem man ein Röntgengerät aufstellt. Die nächste Grenze ist über 1.000 km entfernt und überhaupt könnt ich als Fahrgast auch einfach um das Gebäude herum gehen anstatt hindurch und so die Kontrolle einfach umgehen.

Straße zur Halbinsel ValdezWährend ich ihnen also meine Meinung sage, die sie ohnehin nicht verstehen, mischt sich plötzlich auch noch der Mann von der Toilettenaufsicht ein, dass ich doch die Pappkartons nicht einfach auf den Boden werfen soll. Ja, Herrgott, spinnen denn jetzt alle? Im Gegensatz zu euch Argentiniern trage ich jeden noch so kleinen Zipfel VogelAbfall zur Mülltonne, auch wenn sie noch kilometerweit entfernt ist und schmeiße nichts in die Landschaft. Und wenn die Obrigkeit mich nicht zwingen würde, was anderes zu tun, dann hätte ich die verdammte Pappe mittlerweile auch schon ordentlich entsorgt. Aber so kommt man ja zu nix.

SchotterstreckeApropos kommen, Moni erscheint auch wieder, wir schieben alles zwei Meter weiter, packen dort zusammen und trotten von dannen. Da wir in den nächsten Wochen noch öfter im Busbahnhof von Puerto Madryn sein werden, können wir mehrmals beobachten, dass dieses Röntgengerät-Rumgeschiebe ein festes Ritual bei exakt diesen vier Zöllnern ist. Wird es nicht benutzt, so schiebt man es brav mit vier Mann wieder an seinen festen Platz, ganze 10 m weiter und überstülpt es mit einer Plane – jeden Tag.

Leere Straße auf der HalbinselFür heute haben wir aber genug davon gesehen. Schnell bekommen wir an der Touristeninformation Auskunft über ein Hostel und schieben schlussendlich die montierten und schweren Räder durch die Bahnhofshalle bis zum Ausgang. Dabei werden wir ganz nebenbei noch von einer Reinigungskraft beschimpft, weil Fahrräder im Bahnhofsgebäude nichts zu suchen haben. Bevor sie uns noch unter lautstarken Beschimpfungen mit ihrem schwingenden Besen trifft, ersparen wir uns Erklärungen und meckern leise vor uns hin, wie sehr wir in dieser Stadt willkommen geheißen werden.

 

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