Die Weltenbummler

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Weggespülter WegNatürlich ist am nächsten Morgen niemand in der Rezeption, obwohl wir ankündigten, sehr früh aufstehen und auschecken zu wollen. Also lassen wir den Schlüssel im Hotelzimmer stecken und rollen die Räder über den Innenhof hinaus auf die Straße. Dass dieser Weg am gestrigen Ankunftstag wesentlich leichter gewesen wäre und wir nicht die Räder durch die Hotellobby hätten schieben und die Treppen hochtragen müssen, hat man uns gestern wohl vergessen zu sagen. Stockdunkel ist es auf der Ruta 12, die uns die nächsten 60 Kilometer nach Süden bringen soll. Also ziehen wir unsere Warnwesten über den dünnen Pulli und legen los. Nach einer halben Stunde Fahrt Neuer Weg durch den Nationalparkziehen wir sie wieder aus. Nicht, weil es hell genug ist, sondern weil es anfängt zu regnen. Es war ja klar, dass es anfängt zu regnen, sobald wir die Fahrradlenker in der Hand haben. Also Regenjacke an, Warnweste darüber und weiter geht es. Die Region Misiones ist hügelig und –abgesehen von den Andenregionen- die wohl hügeligste Region des Landes. Und nachdem nun auch die Sonne hervor kommt, beginnen wir schließlich zu schwitzen – also Regenjacke wieder aus.

RaupeAls endlich der Regen, die Dunkelheit und auch die Hügel ein wenig nachlassen, wird es etwas angenehmer zu radeln, denn plötzlich gesellt sich zur Straße auch noch ein Randstreifen, der das Radeln auf diesen gefährlichen Straßen zumindest etwas sicherer macht. Solch einen Randstreifen sehen wir im späteren Verlauf der Reise nie wieder.

WILLKOMMEN IN ARGENTINIEN

Ohne anzuhalten fahren wir an einer der vielen argentinischen Polizeikontrollen vorbei. Diese sind stationär und halten wahllos ankommende Fahrzeuge an. Das Ganze Schmetterlingerinnert sehr an unsere letztjährige Reise nach Russland, man kann aber auch behaupten, an Überwachung. Mit diesen Polizeikontrollen, deren Orte anscheinend willkürlich festgelegt wurden, habe ich nicht das Gefühl, mich in diesem Land frei bewegen zu können. Ich zumindest, finde diese Angelegenheit suspekt. Bei der zweiten Kontrolle halten wir jedoch an, weil sich gleichzeitig im Büro die Touristeninformation von Posadas befindet. Gleichzeitig wird es dahinter auf den Straßen lauter, hektischer und dreckiger. Wir müssen regelrecht Staub schlucken, von den Abgasen ganz zu schweigen, um in die rechtwinklig angelegten Straßen des Zentrums zu gelangen. Die Hotelsuche ist natürlich nicht ganz einfach. Das erste Hotel ist, das zweite ist arrogant Schmetterlingund die beiden achso smarten Typen an der Rezeption haben uns als Gäste vergrault, indem sie beim Anblick zweier abgekämpfter Radler –nämlich uns- hämisch lachen. Dann halt nicht. Beim dritten waren wir willkommen und ich werde zur Zimmerbesichtigung gleich mal in den Fahrstuhl verfrachtet, der erst in der 10. Etage anhält. Das Zimmer ist soweit okay, aber auf die angepriesene Aussicht auf die Stadt können wir getrost Schmetterling auf der Handverzichten. Ich bitte um ein Zimmer wesentlich weiter unten im Haus. Den südamerikanischen Rettungswegen traue ich dann doch nicht so recht. Und überhaupt, ich bin nicht drei Wochen Schiff gefahren und habe das Flugzeug vermieden um in einem argentinischen Hochhaus mit dem Fahrstuhl abzustürzen. Also gehe ich brav wieder zu Fuß hinab.

BaumNachdem wir also ein Zimmer in der ersten Etage erhalten, geht unser erster Weg in die Apotheke. Wir wollen ein Wärmepflaster kaufen, weil ich mir letzte Woche beim Festzurren des Spanngurtes irgendetwas in der Schulter verrenkt oder gezerrt habe. Es war natürlich genau jenes Festzurren, welches dazu führte, dass wir in Foz do Iguacu das Rad neu bepacken mussten. Also eine völlig unnötige Verletzung.

BlüteSchon in der zweiten Apotheke erhalten wir das, was wir wollen. Zumindest etwas ähnliches. Etwas fremdartig kommt uns dieses Wärmepflaster mit seinen zwei Metallstreifen schon vor, die laut Verpackung irgendetwas mit Elektrizität zu tun haben soll. Doch ich bin mutig, klatsche mir das Ding auf die Schulter und stelle nach 24 Stunden fest, dass das Ding nicht geschadet hat – aber auch nicht genützt.

GeierGerne möchte ich ein Pingu-Foto aus Paraguay haben, also setzen wir uns in den städtischen Linienbus und lassen uns zur Grenze bringen, die dem breiten Fluss Parana besteht. Dort müssen alle Passagier aussteigen, sich am Zollhäuschen anstellen und nach der Personenkontrolle wieder einsteigen. Da es sich bei fast allen Grenzgängern um einheimische Pendler handelt, geht die Kontrolle recht schnell vonstatten. Nur bei der Polin und dem Deutschen muss der exotische Pass genauestens inspiziert, kontrolliert und gestempelt werden. Über die lange Brücke geht es dann auf die paraguayische Seite, wo es direkt ärmlicher und heruntergekommener anmutet. Allerdings spielt das für uns in diesem Fall keine Rolle. Wir wollen ja nur ein einziges Verdrehter BaumFoto machen. Also stellen wir uns brav an den leersten Schalter bei der Einreisebehörde, nämlich an den für Nicht-Pendler, wie es sich gehört und haben trotzdem die längste Wartezeit. Nachdem die anderen Schalter mittlerweile auch wieder leer sind, kommen wir endlich an die Reihe. Die Zollbeamten sehen sehr interessant aus. Mit ihrer normalen, zivilen Kleidung heben sie sich ganz entschieden von dem ab, was man so unter Grenzbeamten versteht. Aber wenn es hier so erlaubt ist, dann bitte schön, zweimal einen Einreisestempel, danke.

SpinnwebenEin paar Soldaten, diese wenigstens in Uniform, frage ich, ob wir ein Bild von unserem Stoffpinguin vor der Nationalflagge machen dürfen. Freundlich wird genickt und Platz gemacht für die Verrückten, die ein Stofftier ablichten, während um uns herum in dem hektischen Grenzgewimmel ab und an das Wort „Pinguino“ zu hören ist.

TautropfenNach dem Fotoshooting gehen wir zurück zum Schalterhäuschen und stellen uns brav auf die andere Seite des kleinen Gebäudes, um nun unsere Ausreisestempel zu erhalten. Etwas irritiert schaut der Grenzbeamte, der immer noch in ziviler Kleidung seinen Stempel schwingt, doch nach getaner Arbeit steigen wir mit zahlreichen anderen Leuten in den Bus und werden zum argentinischen Grenzposten gebracht.

Nationalpark PanoramaAm Busbahnhof von Posadas erkundigen wir uns lange in den verschiedenen Räumen der Busgesellschaften nach Preisen und Möglichkeiten, weiter in den Süden Argentiniens vorzudringen. Immerhin wollen wir endlich zu den Pinguinen an der Küste Patagoniens. Es gibt schäbige, kleine, verrauchte Büros, die nur 2 qm Wasserfällegroß sind und klimagekühlte Ladenlokale, die ein vielfaches größer sind und in denen die englischsprachigen Angestellten uniformiert sind. Alle Wege nach Patagonien führen aber zunächst über die Hauptstadt Buenos Aires, wo man immer umsteigen muss. Und alle Gesellschaften erklären uns, dass das Auseinandernehmen der StabschreckeFahrräder unvermeidbar sei. Da die Preise nur geringfügig abweichten, aber dennoch die Bequemlichkeit der Busse sehr unterschiedlich ist, entscheiden wir uns für eine der größeren und dem Anschein nach sichere Buslinie: Via Bariloche. Da die Räder nicht nur auseinander genommen werden müssen, sondern auch noch alles umständlich in Kartons verpackt sein soll, entscheiden wir uns dafür, die rund 1.000 km lange Strecke in einem Stück zu fahren und auf einen Zwischenstopp in Uruguay zu verzichten. Wir beschließen, das kleine Land zu einem Berühren verboten-Schildspäteren Zeitpunkt von Buenos Aires aus zu besichtigen. Da wir Posadas Sehenswürdigkeiten, nämlich eine 100 m lange Einkaufsstraße, nun zu Genüge kennen, begeben wir uns schon am Mittag des nächsten Tages zum Bahnhof, obwohl der Bus erst um 20 Uhr abfährt.

 

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